was ist der philosophen könige satz?

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3 Antworten

Platon, Politeia hält in dem Satz (473 c - 473 e) das Zusammenkommen von Macht und Philosophie für notwendig, um einen Staat größtmöglicher Gerechtigkeit zu verwirklichen.

ἐὰν μή, ἦν δ᾽ ἐγώ, ἢ οἱ φιλόσοφοι βασιλεύσωσιν ἐν ταῖς πόλεσιν ἢ οἱ βασιλῆς τε νῦν λεγόμενοι καὶ δυνάσται φιλοσοφήσωσι γνησίως τε καὶ ἱκανῶς, καὶ τοῦτο εἰς ταὐτὸν συμπέσῃ, δύναμίς τε πολιτικὴ καὶ φιλοσοφία, τῶν δὲ νῦν πορευομένων χωρὶς ἐφ' ἑκάτερον αἱ πολλαὶ φύσεις ἐξ ἀνάγκης ἀποκλεισθῶσιν, οὐκ ἔστι κακῶν παῦλα, ὦ φίλε Γλαύκων, ταῖς πόλεσι, δοκῶ δ' οὐδὲ τῷ ἀνθρωπίνῳ γένει, οὐδὲ αὕτη ἡ πολιτεία μή ποτε πρότερον φυῇ τε εἰς τὸ δυνατὸν καὶ φῶς ἡλίου ἴδῃ, ἣν νῦν λόγῳ διεληλύθαμεν.

„Wenn nicht, sprach ich, entweder die Philosophen Könige werden in den Staaten oder die jetzt sogenannten Könige und Machthaber/Herrscher echt und gründlich philosophieren und dies in eins zusammenfällt, politische Macht und Philosophie, die meisten Naturen aber, die jetzt zu jedem von beiden abgesondert/allein/getrennt herannahen, durch eine Notwendigkeit/zwangsweise ausgeschlossen werden, gibt es, lieber Glaukon, kein Ende der Übel für die Staaten, und, scheint mir, auch nicht für das Menschengeschlecht, noch kann jemals zuvor die Verfassung, die wir eben durchgegangen sind/dargestellt haben, nach Möglichkeit entstehen/wachsen und das Licht der Sonne sehen.“

Dies ist die größte von drei Fragen, die nach Aussage der Dialogfigur Sokrates in dem Werk wie hereinbrechende Wogen/Gischtwellen sind, weil sie auf Befremden oder Gegnerschaft mit Hohn und Spott stoßen können.

Zwei Wege werden genannt:

a) Philosophen werden zusätzlich Herrscher.

b) Herrscher werden zusätzlich Philosophen.

Platon meint dabei wahre Philosophie.

Der Aufstieg philosophisch Veranlagter zu den Ideen bis hin zur Idee des Guten ist für Platon die Bedingung der Möglichkeit der Befreiung von Staaten als ganzer aus Übeln/einer schlechten Lage und einer Umsetzung des von ihm dargestellten gerechten Staates.

Das Höhlengleichnis (Politeia 514 a– 521 b und 539 d – 541 b) sieht nach dem Aufstieg ans Licht die Rückkehr in die Höhle vor, um anderen zu helfen.

Wer sich in einer Zeit der Bildung und Erziehung als geeignet zeigt, soll zu denen ausgewählt werden, die den Staat lenken (Politeia 414 b). Philosophen haben Wissen über das Gute und wachen über die richtige Ordnung (428 c- d).

Der Philosoph ist Liebhaber/Begehender der Weisheit (Politeia 475 b). Philosophen sind fähig, das Schöne zu sehen und zu tun. Philosoph ist, wer das Seiende liebt (Politeia 480 a).

Philosophen vereinigen geistige und praktische Fähigkeiten (484 a – 485 a). Wer echte Erkenntnis des Guten hat, wirkliche Einsicht, handelt auch gut. Für Philosophen ist Machtausübung kein Selbstzweck.

Nach Abschluß der Ausbildung muß die Lenkung des Staates ihnen anvertraut werden (487 a- b). Der beste Staat ist dort verwirklicht, wo Philosophen lenken (Politeia 498 c- 502 c).

Platon hält eine Philosophenherrschaft für das Beste. Philosophen (bzw. Philosophinnen) haben erst mit 50 Jahren ihren Ausbildungsweg abgeschlossen. Bei der Philosophenherrschaft können eine einzelne Person oder mehrere Personen an der Spitze stehen (Politeia 540).

Dies hängt davon ab, ob mehrere eine etwa gleich große Vortrefflichkeit haben. Denkbar ist also sowohl eine Monarchie als auch eine Aristokratie. Die Weisheit der Herrschenden ist schriftlichen Gesetzen überlegen (sie können Gesetz erlassen, aber bei gewandelten Verhältnissen auch wieder Änderungen vornehmen).

Bücher enthalten Erläuterungen, z. B.:

Michael Erler, Platon (Grundriss der Geschichte der Philosophie. Begründet von Friedrich Ueberweg. Völlig neu bearbeitete Ausgabe. Herausgegeben von Helmut Holzhey. Die Philosophie der Antike - Band 2/2). Schwabe : Basel ; Stuttgart, 2006, S. 445 - 446

Albrecht 20.11.2011, 03:30

Michael Erler, Platon (Beck`sche Reihe: bsr - Denker; 573). Beck : München, 2006, S. 183 – 184

„ Zunächst müssen die Veranlagungen und Triebe des jungen Menschen in ein harmonisches Verhältnis gebracht und er selbst dadurch für die Vernunft (logos) aufnahmebereiter werden. Dies geschieht mittels Gymnastik und musischer Erziehung. Dann werden den Seelen von Erziehern richtige Auffassungen eingepflanzt. Auf einer letzten Stufe gelangen einige wenige, die sich für Philosophie geeignet erwiesen haben, zur Schau der Ideen und letztlich zu jenem »größten Lehrgegenstand« (megiston mathēma), wie Platon die Idee des Guten auch bezeichnet (509a). Mit deren Hilfe erkennen sie, was das Gerechte ist und inwiefern es gut ist gerecht zu sein ([…] 506b). Freilich ist der Zusammenhang zwischen der Idee des Guten und dem praktischen politischen Handeln der Menschen nicht ganz klar (517b-c). Legt man eine innerakademische Deutung der Idee des Guten zugrunde, wonach diese mit der obersten ‹Einheit› gleichzusetzen ist […], wird der Bezug zwischen der Idee des Guten und richtigem Handeln der Menschen vielleicht verständlicher. Wenn nämlich die Idee des Guten mit der obersten Einheit gleichgesetzt ist, dann befähigt die Erkenntnis dieser obersten Idee den Philosophen, durch ‹Seelsorge› seinerseits für Einheit und Ordnung in der Seele der Mitmenschen und in der Polis zu sorgen und dadurch zu Glück und richtigem Handeln beizutragen (502d-506b).

Deshalb gilt für Platon der Philosophen-König-Satz, wonach Philosophen regieren müssen, wenn der Staat wohlgeordnet und glücklich sein soll. […]. Denn nur die Philosophen können mit Hilfe ihres Ideenwissens in der Welt des Werdens Ordnung erkennen und die Mitmenschen zu dieser Ordnung mittels Gesetzen überreden ([…]519a-520a). Deshalb müssen die Philosophen, die infolge ihres Wissens gewöhnlicher Weltsicht als weltfremd erscheinen mögen ([…] 521a-522c), gezwungen werden, nach der Erkenntnis der Wahrheit »in die Höhle der Unwissenden zurückzukehren« und dort ihre Aufgabe als »wahre Politiker« zu erfüllen (473c-e). Als Philosophenherrscher (471cff.) können sie entscheidend zur Verwirklichung des Idealstaates und damit zum Glück des Einzelnen und der Gemeinschaft beitragen.“

Robert Spaemann, Die Philosophenkönige (Buch V 473 b – VI 504 a). In: Platon, Politeia. Herausgegeben von Otfried Höffe. 2., überarbeitete Auflage. Berlin : Akademie-Verlag, 2005 (Klassiker auslegen ; Band 7), S. 161 – 177

J. F. M. Arends, Die Einheit der Polis : eine Studie über Platons Staat. Leiden ; New York ; Köln : Brill (Mnemosyne, bibliotheca classica Batava. Supplementum ; 106). S. 207 - 216

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Thema des ersten Bandes von Platons Ideenlehre war die Seele und ihre Idee. Das zweite Buch, Der Philosoph als König, fragt nach der Idee des Menschen. Neben dem Bild des wahren Philosophen steht das des wahren Königs. Von beiden gibt es auf Erden nur höchst unvollkommene Abbilder, meistenteils Karikaturen.

Philosoph und König erscheinen als äußerste Gegensätze im Spektrum der Lebensformen. Aber die paradoxe Wahrheit lautet, dass beide Ideen zusammenfallen, nicht zwei, sondern eins sind. So wird der berühmte Lehrsatz Platons bestätigt: „Die Philosophen müssen Könige werden oder die Könige Philosophen, sonst wird es kein Ende des Übels geben auf Erden“.

Aus: http://www.die-graue-edition.de/verlag/buecher.asp?buchAnzeigen=29

Zitat: Was hülfe es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner Seele?

Im Zusammenhang mit dem Philosophen-Königs-Satz steht die Definition des Philosophen an: Wer sind diese Leute, die im Staat die Macht haben sollen?

Schau mal hier, vielleicht wirst du fündig: http://www.gottwein.de/Grie/plat/PlatStaat474b.php

ddeerr 19.11.2011, 13:07

Wie wahr!

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