was besagen die physei- und die thesei-these in Platons Kratylos?

3 Antworten

Thema in Platons Dialog „Kratylos“ ist die Richtigkeit der Namen/Benennungen (ὀρθότης τῶν ὀνομάτων): Ist sie in der Natur/dem Wesen (φύσις) oder in der Vereinbarung und Übereinkunft (συνθήκη καὶ ὁμολογία) begründet (383 a – 384 e)?

Die erste, die physei-These behauptet eine natürliche direkte Beziehung der Wörter zur Sache, jedem Seiendem Ding komme ein Name mit natürlicher Richtigkeit/mit einer Richtigkeit von Natur aus (φύσει) zu. Eine natürliche Entstehung richtiger Benennungen wird behauptet (ein Nachahmungsprinzip kann bei dieser These hineinpassen).

Die zweite, die thesei-These (θέσει heißt „durch Setzung“) bestreitet dies und behauptet, die Namen/Benennungen entstünden durch Konvention (Verabredung, Übereinkunft, Brauch; durch Festsetzung und Gewohnheit [νόμῳ καὶ ἔθει 384 d]).

Ein Hintergrund ist der Gegensatz (die Antithese) von Nomos und Physis (νόμος = Brauch, Sitte, Herkommen, Gewohnheit; Gesetz, Satzung; φύσις = natürliche Beschaffenheit, Natur, Wesen), der auch als Gegensatz von Thesis (θέσις = das Setzen, Aufstellen) und Physis ausgedrückt werden kann.

Gefragt wird im Dialog nach den Bedingungen für eine angemessene Informationsvermittlung für eine Name-Sache-Beziehung, die eine richtige Zuordnung eines Namens zu einer Sache erlaubt. Die physei-These wird (durch die Dialogfigur Sokrates) mittels eines Werkzeugmodells (Sprechen und Benennen als Mittel der Bezeichnung und Kommunikation) auf die Frage der Sachgerechtheit geleitet. Platon legt in seinem Dialog „Kratylos“ einen Bezug der Namen zu den Ideen (εἶδος - ἰδέα 389 a – 390 a) als eigentlich Benanntem nahe. Es gibt Ansätze zu einem dreistelligen Modell (Wort, Idee, Sache/Ding), das dem semiotischem Dreieck moderner Theorien nahekommt.

Zwischen Lautgestalt und Bedeutungsgehalt der Namen ist nach Platons Überlegungen zu unterscheiden. Die konkrete Lautgestalt ist konventionell. Eigentliche Objekte der Sprache sind Denkinhalte.

Vgl. zum Dialog:

Michael Erler, Platon (Grundriss der Geschichte der Philosophie. Begründet von Friedrich Ueberweg. Völlig neu bearbeitete Ausgabe. Herausgegeben von Helmut Holzhey. Die Philosophie der Antike - Band 2/2). Schwabe : Basel ; Stuttgart, 2006, S. 109 - 116

Ausführlich dargestellt z.B. unter

http://books.google.de/books?id=LZWvleSDncC&pg=PA17&lpg=PA17&dq=thesei-these+kratylos&source=bl&ots=--NnqbfjU&sig=4tGbqBCADzkESBwYkrf2-FXEG7c&hl=de&ei=46HzTPe4OoSBOuiAga0K&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=3&ved=0CCAQ6AEwAg#v=onepage&q=thesei-these%20kratylos&f=false

Die Physei-These besagt, dass sich die Worte aus dem Wesen der Dinge ergeben. Die Thesei-These, dass sie aus der Konvention der Menschen stammen.

Für die Thesei-These spricht, dass ein Engländer mit dem Wort "Weihnachtsbaum" nichts anfangen kann, wohl aber mit "Chmistmastree". Bei einem Deutschen ist es umgekehrt (wohlgemerkt keiner spricht eine Fremdsprache). Allerdings muss es eine allgemeine, von den Worten unabhängige Wirklichkeit geben, einen wirklichen Weihnachtsbaum, den der Engländer dann mit "Christmastree" identifiziert und der Deutsche mit "Weihnachtsbaum". D. h. für den Engländer muss eine gleiche Wirklichkeit existieren wie für einen Deutschen, dass beide das dazu je passende Wort identifizieren. Es mag Naturvölker in Südamerika geben, die kein Wort für "Weihnachtsbaum" in ihrem Sprachschatz haben, weil es die Wirklichkeit "Weihnachtsbaum" nicht in ihrer Realität gibt. Würde ein solcher Mensch in England auf einen Weihnachtsbaum stoßen, würde er evtl. das englische Wort "Christmastree" als Lehnwort in seine Sprache aufnehmen und seinen Stammesbrüdern erst mal aufzeichnen müssen, was damit gemeint ist.

Insoweit sind Sprachen nicht ganz willkürlich, weil sie einen Bezug zur realen Wirklichkeit haben und über diese eine Identifizierung unterschiedlicher Wortschätze möglich ist.

Die wichtigste Darstellung der nomos-physis-Antithese stammt von Fritz Heinimann. Er zeigt (im Anschluss an Gomperz u.a.), wie im antiken Griechenland nach der Entwicklung des Naturbegriffs (im 6. Jahrhundert) im 5. Jahrhundert die menschlichen Einrichtungen als "konventionell" kritisiert werden. Die Natur ist konstant, die menschlichen Dinge sind variabel; also: warum soll man nicht auch die Polis reformieren? So fragten die Sophisten.

Die Gegenbewegung der Sokratik versuchte dann feste Richtlinien für Verfassungen etc. zu gewinnen. Diese Linie radikalisierte Platon indem er die Annahme fester Begriffe zur Bedingung vernünftiger Rede überhaupt erhob.

Von da aus war es nur ein kleiner Schritt zur Frage nach der Natur der Sprache. Im Kratylos fragt Platon, ob die Wörter ihre Bedeutungen konventionell oder natürlich (d.h. aufgrund von Ähnlichkeit mit den Dingen) tragen. Wenn ein Hund z.B. in einer Sprache "Wau-Wau" hieße (oder eine Katze "Miau") läge eine "natürliche Bezeichnung", bei "Hund", "dog", "chien", "kyon", "canis" etc. läge eine konventionelle Bezeichnung vor.

Aristoteles hat beide Aspekte in seinem klassischen Modell in De Interpretatione verbunden: die Beziehung zwischen Sache und Bild im Geist des Menschen ist natürlich, die Beziehung zwischen sprachlichem Zeichen und Bedeutung (für Aristoteles = Bild im Geist des Menschen) ist konventionell.

Der nächste Schritt, der allerdings erst im 18. Jahrhundert breit diskutiert wurde, ist die Frage nach dem Ursprung der Sprache: ergibt sie sich aus der Natur des Menschen oder ist sie künstlich geschaffen? Von dieser Frage aus entwickelt sich dann die moderne Sprachwissenschaft seit dem 19. Jahrhundert.

Wie lautet die originale Übersetzung des Zitats "Sprich, damit ich dich sehe." (Socrates) von Platon auf Griechisch?

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In letzter Zeit habe ich mich ein wenig mit Platons Höhlengleichnis beschäftigt, und ich bin auf folgende These gekommen: Unzufriedenheit entsteht durch Vergleiche. Jetzt, auf das Höhlengleichnis bezogen in dem Sinne, dass, wenn jemand etwas nicht kennt, er es auch nicht vermissen würde, also zum Beispiel jemandes Freunde mehr Zeit untereinander als mit ihm verbringen, dieser diese Situation als scheinbar zweifellose Erkenntnis ansieht, dass seine Freunde ihn nicht wirklich mögen würden, er aber in Wahrheit bloss eine eigene Version dieser Geschichte daraus substriert, also bloss den Vergleich zu seinen Freunden, die scheinbar (nur untereinander) Spass haben, sieht und ihn mit seiner eigenen Vorstellung von Freundschaft vergleicht, und somit unzufrieden ist, so quasi nach dem Motto "Was man nicht kennt, das man nicht vermisst". Oder, um auf ein einfacher gefasstes Beispiel zurückzugreifen, habe ich in einer Statistik gelesen, die besagen soll, dass jemand dann mit seinem Lohn zufrieden sei, wenn er höher als jener seines Nachbars beträgt, folglich aber einer unzufrieden aus diesem Vergleich hervorgehen muss. Sind also nicht Vergleiche die Quelle der Unzufriedenheit, auch wenn diese noch so ins Unbewusste verdrängt werden, um nach aussen ein scheinbar perfektes Gesellschaftswesen darzustellen?

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Philosoph gesucht! Menschen und ihre Bedürfnisse

Ich hatte vor ca 4Jahren im Werte und Normenunterricht einen Philosoph der gesagt hat, ein Mensch sei tierischer Natur, weil er seine Bedürfnisse äußert. D.h. wir sagen, dass wir Hunger haben, müde sind, etc. aber das wäre tierisch, weil wir uns wie die Tiere selber verhalten. Wir essen öffentlich und zeigen wie wir uns fühlen.

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Das Gedicht " Beherzigung " wurde von Johann Wolfgang Goethe verfasst und thematisiert die Verantwortung sowie Folgen für das Vollbringen einer Tätigkeit eines Menschen.

" Beherzigung besteht aus 3 Strophen, á 4 Versen, wobei die erste Strophe nur 3 besitzt.
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Die Reimschemata sind der Kreuzreim als auch der umarmende Reim ( 1. Strophe ) .  Das Metrum ist jambisch.

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Die dritte Strophe beinhaltet eine direkte Aufforderung, welche besagt, dass jeder für sich selbst sein Leben voranbringen muss als auch auf sein Ziel fokussiert sowie seine Folgen bewusst machen soll. ( vgl. Z. 9-11)

Sprachlich auffallend ist, dass in "Beherzigung" zwei Anaphern in den Versen 4-6 und 9-10 zu finden sind.
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Dabei steht das Häuschen für die Idylle, denn Menschen, die in abgelegenen Häusern wohnen mögen es ruhig.
Das Zelten steht für Abenteuer.
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Er unterstreicht die These, denn er steht mit frei sowie mit anderen Felsen in der Natur.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Goethe mit den Titel des Gedichtes die Kraft für das Entscheiden für etwas mit der Natur vergleicht und diese auf den Menschen überträgt.

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