Was bedeutet "Sprache ist linear"?

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2 Antworten

Damit könnte zum Beispiel die Linearität der Sprache vom schweizer Spracheissenschaftler Ferdinand de Saussure gemeint sein. Er hat gemeint, dass Sprache linear ist, d.h., dass man Laute nur nacheinander sprechen und Buchstaben nur nacheinander lesen kann.

http://curie.informatik.uni-oldenburg.de/~el3/deutsch/el3_ol_deutsch_interaktive-arbeitsblaetter_v03.1/html/beiauf/saussure/DeSaussure.htm

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Zunächst ist damit ganz einfach gemeint, dass Gesprochenes eindimensional ist, weil man alles nur hintereinander formulieren kann, und im Schriftlichen macht man es deshalb genauso.

Insofern ist das Zitat eine Binsenweisheit, aber seine Bedeutung liegt darin, dass Sprache eigentlich ein mehrdimensionales Netz sein müsste. In sprachtheoretischen Abhandlungen werden Sätze in Baumstruktur dargestellt, d.h. von einer "Wurzel" ausgehend, hat der Satz verschiedene "Äste", z.B. einen für den Hauptsatz und je einen anderen pro Nebensatz oder pro Einschub. Die Baumstruktur ist damit schon mal zweidimensional.

Tatsächlich reicht auch diese Darstellung nicht, denn unter den Satzteilen gibt es weitere Verknüpfungen, z.B. Pronomina, die auf andere Satzteile (Nomina) verweisen.

Beispiel:

Der Mann sah sich im Spiegel.

Hier bezieht sich "sich" auf "Mann", aber diese Verknüpfung versteht man nur aus dem Zusammenhang, daher kann sie in komplizierten Beispielen auch missverstanden werden:

Der Mann brachte seinen Sohn zum Arzt, weil er verwirrt war.

Worauf bezieht sich hier "er"? Wahrscheinlich auf "Sohn", aber vielleicht auch auf "Mann". Theoretisch sogar auf "Arzt", wenn der Sohn Psychiater war :-)

Dasselbe Problem der unklaren, nicht dargestellten Zusammenhänge gibt es auch eine Ebene höher, bei Sätzen untereinander.

Zusammenfasssung: Sprache ist linear, leider, denn so gibt sie Zusammenhänge nicht in geeigneter Weise wieder.

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