Was bedeutet es eigentlich den "roten Faden zu verlieren"? Und woher stammt diese Redensart?

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Den Faden verlierenVergessen, wie es (in einer Rede) weitergeht. Der Ursprung liegt in der griechischen Mythologie: Ariadne, Tochter des König Minos von Kreta, gab ihrem Geliebten Prinz Theseus ein Garnknäuel, damit er aus dem Labyrinth wieder hinausfände, in dem er den Minotaurus töten sollte. Als er hineingeführt wurde, entrollte sich das Garn - nachdem er seine Aufgabe erfüllt hatte, konnte er mit Hilfe des Fadens das Labyrinth wieder verlassen und König von Athen werden. Der Hinweis für die Verwendung des Fadens stammte von Daidalos, der das Labyrinth entworfen hatte. Als Strafe für den Hinweis wurde Daidalos mit seinem Sohn Ikaros ins Labyrinth gesperrt, woraus sich beide mithilfe selbstgebauter Flügel befreien konnten.

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Roter FadenDer Begriff wurde 1809 von Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) geschaffen. In den »Wahlverwandtschaften« (2. Teil, 2. Kapitel) schreibt er: »Wir hören von einer besondern Einrichtung bei der englischen Marine. Sämtliche Tauwerke der königlichen Flotte, vom stärksten bis zum schwächsten, sind dergestalt gesponnen, daß ein roter Faden durch das Ganze durchgeht, den man nicht herauswinden kann, ohne alles aufzulösen, und woran auch die kleinsten Stücke kenntlich sind, daß sie der Krone gehören. Ebenso zieht sich durch Ottiliens Tagebuch ein Faden der Neigung und Anhänglichkeit, der alles verbindet und das Ganze bezeichnet«. (Kapitel 4): »Manches Eigene von innigstem Bezug wird an dem roten Faden wohl zu erkennen sein«.
Dieses Bild bürgerte sich schnell ein; so zitiert etwa E. T. A. Hoffmann 1821 in »Die Serapionsbrüder« (8. Abschnitt: »Der Zusammenhang der Dinge«) Goethes »schönen Gedanken vom roten Faden, der sich durch unser Leben zieht und an dem wir, ihn in lichten Augenblicken gewahrend, den über uns, in uns wallenden höheren Geist erkennen«.
Auch der Ursprung des Wortes »Faden« hat sich in der Seemannssprache bis heute erhalten: Aus dem griechischen »petannýnai« und dem lateinischen »patere«, (beides »ausbreiten, sich erstrecken«) wandelte sich das Wort über das lateinische Längenmaß »passum« (Klafter, Schritt) zum althochdeutschen »fadum«, mittelhochdeutschen »vadem« und englischen »fathom«, ein Maß, das bei ausgebreiteten Armen von Fingerspitze zu Fingerspitze reicht. Bei der Marine berechnet man die Tiefe immernoch nach »Faden«.
Goethe wird bei seinem Bild vom durchgesponnenen roten Faden überdies an griechische Parzen und nordischen Nornen gedacht haben, Schicksalsgöttinnen der Mythologie, die die Lebensfäden der Menschen weben und zumessen, kannte sicher auch den »Ariadne-Faden«, das lebensrettende Wollknäuel der kretischen Königstochter Ariadne.
Nicht zuletzt hat dünner roter Zwirn im germanischen Rechtswesen eine wichtige Rolle gespielt: Mit blutigen Fäden, denen man zauberische Abwehrkräfte zuschrieb, wurden im frühen Mittelalter Kult- und Opferplätze »eingefriedet«. So zieht sich der rote Faden wie ein solcher durch die europäische Kulturgeschichte.

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Oh, ich habe noch was gefunden: In die Seile der britischen Kriegsmarine wuirde ein roter Faden eingearbeitet, um damit das staatliche Eigentum zu kennzeichnen. Hatte also ein Seil eines privaten Schiffes einen roten Faden, dann war es geklaut...

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