Unterschied Ablaut/Umlaut im Mittelhochdeutschen

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Erinnere dich bitte an meine Antwort auf deine frühere Umlaut/Ablaut-Frage vor ein paar Tagen:

http://www.gutefrage.net/frage/frage-zum-mittelhochdeutschem#answer26672794

Der Ablaut - ein ausgewechselter Stammsilbenvokal - dient zur Tempusbildung der "starken" Verben sowie zur Bildung von Nomen von entsprechenden Verben (singen : Gesang, winden : Wand, graben : Gruft).

Der Ablaut ist ist ein grammatikalisches Phänomen, der Umlaut hingegen eine rein lautliche Sekundärerscheinung ohne grammatikalische Aufgabe.

Du schreibst schon wieder: "Es handelt sich ja bei beiden Fällen um eine Vokaländerung". Der Ablaut ist eben kein veränderter, sondern ein anderer Vokal, nur der Umlaut ist ein (durch Assimilation) veränderter Vokal. Da ist ein großer Unterschied! Lässt sich der Deutschlehrer X. einen Bart stehen und die Haare färben, dann hat er sich verändert. Setzt den Unterricht aber Herr Z. fort, dann hat die Klasse einen anderen D-Lehrer.

Nochmals: Der Umlaut hat keine grammatikalische Funktion. Falls es irgendwo so aussieht, dann ist dies nicht durch den Umlaut, sondern durch die (verschwundene) Endung -i, die diese Funktion hatte und dann den Umlaut bewirkte. Das -i ist meistens zu -e verflacht worden oder ganz weggefallen.

Erst in allerjüngster Zeit hat man Umlaut im Verb mit einer Funktion versehen, und zwar beim Konjunktiv II "bräuchte". Diese Verbform mit Umlaut ist vor ein paar Jahrzehnten in Analogie zu Konjunktiven wie könnte, würde, hätte, wäre gebildet worden, bei denen tatsächlich eine Endung -i vorhanden war, die den Umlaut bewirkt hat, wohingegen brauchte nie eine -i -Endung hatte. Der korrekte Konjunktiv II ist daher immer noch brauchte.

Solltest du jedoch in den Ablautreihen scheinbar Tempus bildende Umlaute finden, führe die Beispiele bitte an. Ich erkläre dir gern jeden einzelnen Fall - mit Grammatik hat der Umlaut jedenfals nichts zu tun, eine "Überschneidung" ist nur die Folge der sog. "Lautgesetze."

derastronom hat dir eine gute Seite von der TU Aachen empfohlen, du findest sie auch hier:

http://tinyurl.com/5uz95jr

Ansonsten besorg dir halt das gute alte Weinhold-Ehrismann-Moser: Mhd. Grammatik

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@Koschutnig

Und nochmals danke für Eure Mühe und Beiträge. Ich konnte den alten Beitrag heute Mittag nicht mehr finden, daher dachte ich, ich stelle es nochmal rein. Das Band werde ich mir auf jeden Fall ansehen, es ist glücklicherweise sogar Bibliotheksbestand.

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@weedol

was mich verwirrt hat. bei dem mittelhochdeutschen wort vuorte z.B. lautet der infitiv vüeren, doch der vokalwechsel zwischen infinitiv und der oben genannten form erklärt sich durch einen i-j umlaut. aber vüueren ist ja eine präteritumsform, daher ging ich davon aus, dass sich der lautwechsel durch einen ablaut erklärt. ich finde die unterscheidung im mittelhochdeutschen nicht ganz einfach..., irgendwo habe ich da wahrscheinlich einen denkfehler.

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@weedol

vüeren oder füeren ist ein schwaches Verb der Klasse Ib, das sind -jan-Verben ohne Mittelvokal - i - (wenn er je da war, ist er so früh synkopiert worden, dass der mhd. i-Umlaut nicht mehr eintreten konnte.

Erinnerst du dich - ich habe auch den sog. "Rückumlaut" erwähnt, weil man (d.h. Jacob Grimm) annahm.dass der Umlaut im Präteritum irgendwann rückgängig gemacht ("rückumgelautet") wurde.

  • Inf.: früh ahd. vuorjan > mhd. vüeren (i-Umlaut im Infinitiv durch das -j der Endsilbe)
  • Prät.: ahd. vuorta > mhd.vuorte (kein i-Umlaut, da kein -i -) Erst früh-nhd. erfolgte Formenausgleich innerhalb des Paradigmas zu füren-fürte

denken - dachte, rennen-rannte, brennen-brannte, senden-sandte, wenden-wandte etc. , die früher im Schulunterricht als "gemischt" bezeichneten Verben ( Endungen -te, -t der "schwachen" Verben und auch jetzt versch. Stammvokale wie die "starken") haben diesen falschen "Rückumlaut", der nie ein Umlaut gewesen war, bis heute , aber es gab noch viel, viel mehr.

Die meisten sind durch Formenausgleich innerhalb des Paradigmas (Analogie) zu regelmäßigen schwachen Verben geworden: hören-horte (Walter v.d.V.: "ih horte ein wasser diesen"), füllen-fulte, zünden-zunte, dräjen (heute noch oberdeutsch ma. 'gedraht' ) wünschen, gürten, kürzen, krönen, küelen, hüeten...

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@Koschutnig

Jetzt ist mir einiges klarer geworden. Das mit den jan Verben habe ich immer wieder gelesen, doch eine Erklärung dazu war leider nicht vorhanden.. Mir fällt es immer schwer, etwas stumpf auswendig zu lernen, ohne dahinter einen Sinn zu erkennen. Durch die sprachhistorische Erklärung mit dem althochdeutschen Wechsel ist das jetzt aber wesentlich klarer für mich. Probleme machen mir nur z.B noch immer die 2. Ablautreihe. Das starke Verb "biegen" wird in der 1. Pers. Sg. Indikativ Präsens zu biuge und da wird der Lautwechsel als i-Umlaut angegeben. Oder bei der 1. Plural Indikativ Präteritum zum Parizip Präteritum von "wir bugen" zu "gebogen" als a-Umlaut. Also wieso lässt sich das als Umlaut beschreiben`? Wäre das dann eine zufällige Überschneidung?

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@weedol

Du musst dich etwas gedulden, wenn du mehr haben möchtest - ieh hän me ze tuonne danne bluomen klagen (Reimar von Hagenau)

Zunächst nur:

  • 1.Sg Präs. biuge (< ahd. biugu) entstand durch u (!!) in der Folgesilbe. In der 2. + 3. Sg.: ahd. biugis, biugit allerdings entstand -iu durch das i. Da ist man schlampig und sagt manchmal beim sehr, sehr seltenen u-Umlaut, der gleich wirkt, halt auch einfach "i-Umlaut". Das muss verwirren!

  • 1.Pl. Prät. wir bugen : gebogen: a-Umlaut (Jacob Grimm: "Brechung") durch a/e/o in der Folgesilbe, aber keine "Brechung" bei -u- in der Folgesilbe.

Prät. ahd. wir bugum > mhd. wir bugen (kein Umlaut) // ahd. gibugan > mhd. gibogen (Umlaut)

Da "a-Umlaut" nicht nur bei a, sondern auch bei e und o auftrat, ist die Bezeichnung auch ungenau (wie "i-Umlaut" auch bei -u-, nicht nur bei -i/j-). Man sollte also präzisieren:*** "a-/e-/o-Umlaut"*** bzw.*** "i-/j-/u-Umlaut"***.

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Der Ablaut ist ein Phänomen, dass ausschließlich bei der Tempusveränderung der starken Verben auftritt. Die starken Verben sind in 7 Ablautreihen aufgeteilt. Der Umlaut ist vor allem im Konjunktiv zu finden, wobei es verschiedene Arten des Umlauts gibt. Der Primärumlaut betrifft ausschließlich den Vokalwandel von a->e, wobei das e im Vokaldreieck ein wenig höher ist als das gewöhnliche e. Dieser Umlaut taucht immer in bestimmter Stellung des Vokals a auf, nämlich, wenn Nasalverbindungen oder j oder i in der Folgesilbe stehen. Daher kommt es auch dazu, dass ein Umlaut in den Ablautreihen zu finden ist. Hoffe, das hilft dir ein wenig. Habe grade mein MHD-Buch verliehen, sonst könnt ich dir noch genaueres schreiben...

"ausschließlich" stimmt nicht:, s. binden : das Band, der Bund

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