Sollten Kinder Tote sehen?

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Das kommt darauf an, wie das Kind aufwächst. Früher bspw war das ganz normal, dass Verwandte im Haus offen aufgebahrt wurden, also auch die Kinder Zugang zu dem Zimmer hatten und den Toten sehen konnten. Dadurch hat sich eigentlich eine viel gesündere und natürlichere Einstellung zum Tod entwickelt...ich sehe das immer wieder an meinen Großeltern, die also mit dem Thema sehr locker umgehen und glücklicherweise auch mit diese Selbstverständlichkeit des Sterbens mitgeben konnten. Als ich noch Kind war gab es ab und an auf den Friedhöfen auch noch offene Aufbahrungen, das fand ich absolut faszinierend und hat mir nie Angst eingejagt.

Aber es gibt natürlich Familien, in denen das Thema ein Tabu ist...und es kommt auch auf den Toten an sich an, manches ist wirklich kein schöner Anblick. Und im Endeffekt kommt's auch auf das Kind selbst an.

Man muss da wirklich gut abwägen, ob man dem Kind zutraut den Anblick zu verarbeiten...

Ich schätze es kommt auf die reife an. Nicht jeder Junge wird für immer ein Junge bleiben und auch nicht jedes mädchen für immer ein kleines mädchen. Man sollte ihnen zeigen das dass Leben nicht nur aus Sahnetörtchen mit Zimtglasur besteht. Ich habe meine Kinder schon im Alter von 13 mit dem Tod konfrontiert indem wir in dem Friedhof meiner Oma trauerten. Seitdem ich ihnen die Schattenseite des Lebens zum ersten mal zeigte beschränkte sich die beschwerde wegen dem Toast auf dem die Nutella nicht bis zum rand geschmiert worden war oder der das Taschengeld.

Es gibt eine tolle Sendung über Sterben und Tod von "Willi wills wissen" Ich habe sie gemeinsam mit meiner 6-jährigen Tochter angesehen. Ich hatte zunächst Bedenken, aber meine Tochter lehrte mich eines besseren, war sehr entspannt und meinte, dass Tote ja gar nicht so schlimm aussehen würden. Ich denke aber auch, dass dies auf die Kinder ankommt. Mein Sohn 16 Jahre alt, hat bis heute jede Beerdigung selbst von seinem Opa vermieden, weil er sich mit Sterben und Tod nicht auseinandersetzen mag. Ich konnte ihn nicht überreden und zwingen wollte ich ihn nicht.

Es kommt auf die Todesumstände an. Unsere Jüngste war 6 Jahre alt als ihre Uroma starb. Als wir zur Beerdigung fuhren, fragte sie ob sie sich die Uroma noch einmal ansehen könnte. Wir waren doch etwas von dieser Frage überrascht. Als wir ankamen wurde uns gesagt das man noch einmal zum offenen Sarg gehen kann. Meine Schwiegereltern wollten gerne hingehen aber nicht allein. Da ich in der Altenpflege tätig bin, habe ich schon einige Verstorbene gesehen. Unsere großen Kinder äußerten dann auch den Wunsch die Uroma noch einmal zu sehen. So gingen wir zur Trauerhalle wo der offene Sarg stand. Meine Schwiegereltern waren dankbar für die Möglichkeit perönlich Abschied nehmen zu können. Da die Mutter im Krankenhaus verstorben war. Unsere Kinder sowie mein Mann und ich durften auch Abschied nehmen. Unsere Jüngste lief um den Sarg und begutachtete das Kissen und die Decke. Dann ging sie ganz nah an den Sarg schaute angestrengt einige Sekunden. Sie sagte: "Jetzt habe ich es gesehen, die Uroma holt keine Luft mehr. Auch sieht sie so leer aus". Dazu muss ich bemerken das die Uroma wirklich gut zurecht gemacht war auch sah sehr zufrieden aus. Nach der Beerdigung erzählte unsere Jüngste von der vorher gehenden Verabschiedung am offenen Sarg ihren Kusinen. Andere Familienmitglieder haben, vielleicht aus Angst, diese Möglichkeit des Abschieds nicht genutzt. Einige Trauergäste reagierten mit Entrüstung. So meinte meine Schwägerin das es unverantwortlich währe einem 6 Jährigem Kind einen Toten zu zeigen. Meine Kinder waren allerdings anderer Meinung. In meinem Dienst habe ich auch Familien die sich von ihren Verstorbenen verabschieden möchten (unser Haus bietet es sogar an). Es kommt dann auf das Aussehen des Verstorbenen an, ob ich die Empfehlung gebe die Kinder nicht in das Zimmer mit hinein zu nehmen. Das Sterben und der Tod wird in unserer Spass-Gesellschaft leider tabuesiert. So ist ein persönliches Abschied nehmen vom Verstorbenen oft nicht möglich. Meine Kinder haben keine Alpträume bekommen. Gespräche sind allerdings sehr wichtig.

Ich finde das genau richtig. Dann werden sie wenigstens nicht so verklemmt bzw. gehemmt bei diesem Thema wie viele Erwachsene.

Und Tote sehen ja nicht schlimm aus - sie sehen tatsächlich so aus, als ob sie schlafen würden. Ein richtiges Blutbad würde ich meinem Kind aber auch ersparen - oder diese Gafferei bei Unfällen.

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