Sollten Kinder Tote sehen?

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Das kommt darauf an, wie das Kind aufwächst. Früher bspw war das ganz normal, dass Verwandte im Haus offen aufgebahrt wurden, also auch die Kinder Zugang zu dem Zimmer hatten und den Toten sehen konnten. Dadurch hat sich eigentlich eine viel gesündere und natürlichere Einstellung zum Tod entwickelt...ich sehe das immer wieder an meinen Großeltern, die also mit dem Thema sehr locker umgehen und glücklicherweise auch mit diese Selbstverständlichkeit des Sterbens mitgeben konnten. Als ich noch Kind war gab es ab und an auf den Friedhöfen auch noch offene Aufbahrungen, das fand ich absolut faszinierend und hat mir nie Angst eingejagt.

Aber es gibt natürlich Familien, in denen das Thema ein Tabu ist...und es kommt auch auf den Toten an sich an, manches ist wirklich kein schöner Anblick. Und im Endeffekt kommt's auch auf das Kind selbst an.

Man muss da wirklich gut abwägen, ob man dem Kind zutraut den Anblick zu verarbeiten...

Kinder werden auch mit dem Tod von Haustieren konfrontiert. Wenn ein Kind es möchte und dabei begleitet wird, spricht nichts dagegen. Der Tod ist ein Teil vom Leben und je mehr er tabuisiert wird und ausgeblended, umso mehr wächst später das Unwohlsein, wenn diese Kinder Erwachsene sind und einen lieben Menschen z.B. im Krankenhaus hinüber begleiten müssen.

Es kommt auf die Todesumstände an. Unsere Jüngste war 6 Jahre alt als ihre Uroma starb. Als wir zur Beerdigung fuhren, fragte sie ob sie sich die Uroma noch einmal ansehen könnte. Wir waren doch etwas von dieser Frage überrascht. Als wir ankamen wurde uns gesagt das man noch einmal zum offenen Sarg gehen kann. Meine Schwiegereltern wollten gerne hingehen aber nicht allein. Da ich in der Altenpflege tätig bin, habe ich schon einige Verstorbene gesehen. Unsere großen Kinder äußerten dann auch den Wunsch die Uroma noch einmal zu sehen. So gingen wir zur Trauerhalle wo der offene Sarg stand. Meine Schwiegereltern waren dankbar für die Möglichkeit perönlich Abschied nehmen zu können. Da die Mutter im Krankenhaus verstorben war. Unsere Kinder sowie mein Mann und ich durften auch Abschied nehmen. Unsere Jüngste lief um den Sarg und begutachtete das Kissen und die Decke. Dann ging sie ganz nah an den Sarg schaute angestrengt einige Sekunden. Sie sagte: "Jetzt habe ich es gesehen, die Uroma holt keine Luft mehr. Auch sieht sie so leer aus". Dazu muss ich bemerken das die Uroma wirklich gut zurecht gemacht war auch sah sehr zufrieden aus. Nach der Beerdigung erzählte unsere Jüngste von der vorher gehenden Verabschiedung am offenen Sarg ihren Kusinen. Andere Familienmitglieder haben, vielleicht aus Angst, diese Möglichkeit des Abschieds nicht genutzt. Einige Trauergäste reagierten mit Entrüstung. So meinte meine Schwägerin das es unverantwortlich währe einem 6 Jährigem Kind einen Toten zu zeigen. Meine Kinder waren allerdings anderer Meinung. In meinem Dienst habe ich auch Familien die sich von ihren Verstorbenen verabschieden möchten (unser Haus bietet es sogar an). Es kommt dann auf das Aussehen des Verstorbenen an, ob ich die Empfehlung gebe die Kinder nicht in das Zimmer mit hinein zu nehmen. Das Sterben und der Tod wird in unserer Spass-Gesellschaft leider tabuesiert. So ist ein persönliches Abschied nehmen vom Verstorbenen oft nicht möglich. Meine Kinder haben keine Alpträume bekommen. Gespräche sind allerdings sehr wichtig.

Na ja - Tod im TV und im Reallife ist nicht das Gleiche ...

Kinder haben ein völlig anderes Verhältnis zum Tod als Erwachsene - mein Sohn wollte mit 5 "mal den toten Nachbarn sehen", der schon 2 Jahre begraben war.

Das klingt für unsere Ohren makaber, weil wir zuviel hineinsehen ...

Ergo: wenn Kinder einen Toten sehen wollen, sollten wir es ihnen ermöglichen, ihren Wissendrang zu stillen (auch wenn sich bei uns die Zehennägel allein bei dem Gedanken hochrollen und wir gedanklich alle möglichen Traumata durchspielen)

Aber wir sollten sie nie zwingen, sich mit dem Tod zu konfrontieren

Punkt

Früher war das bei uns ganz normal, dass auch Kinder Tote gesehen haben. Die meisten Menschen sind zuhause gestorben und sind auch bis zum Begräbnis dort geblieben. Da hat man die Kinder früh auf diese Aufgabe vorbereitet. Ich denke nicht, dass es ihnen geschadet hat. Der Umgang mit dem Tod war auch viel natürlicher.

Heute existiert die Großfamilie kaum noch. Alte Menschen werden normalerweise nicht mehr zuhause gepflegt, sterben häufiger im Krankenhaus oder im Heim. So kommt, dass viele Menschen Angst von den Toten und vom Tod haben.

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