Pädagogische soziale Kompetenz "erlernen"? Wie verhalte ich mich "sozial"?

2 Antworten

Es gibt Menschen, die sind von Natur aus eher Einzelgänger und eher ruhig, können aber trotzdem aufblühen und anderen einen Knopf an die Backe quasseln, wen sie demjenigen Vertrauen und sich sicher fühlen, dafür nicht ständig kritisiert zu werden. Für dieses ruhige Verhalten werden sie allerdings von Außenstehenden oft kritisiert. Das weiß ich, weil ich selbst so ein Mensch bin. Ich habe Schwierigkeiten damit, mich bei Fremden in ein Gespräch einzubringen, weil ich (unbewusst) erst einmal ihre Einstellung, ihren Humor usw. beobachten will um diese Menschen einschätzen zu können. Das ist nichts verwerfliches, sondern eine auf Erfahrung basierende Schutzreaktion nach dem Motto "Wenn man zu viel / das Falsche bei den falschen Leuten von sich preis gibt, fällt man damit immer auf die Fr**se."

Da ich als Erzieher mit Kindern und Jugendlichen arbeite, wurde dieses "ruhige Verhalten" sowohl im Kindergarten als auch in der Jugendhilfe oft kritisiert und das hat mich ziemlich unter Druck gesetzt, bis das Thema bei der Supervision zur Sprache kam und unsere Supervisorin den Spieß umgedreht hat. Man kann das nämlich auch anders sehen, wenn man sich trotz seiner "ruhigen Art" nicht aus dem gesellschaftlichen Leben zurückzieht. Dann heißt es plötzlich dass man Ruhe in die Gruppe bringt und ein verlässlicher Ansprechpartner ist, der durch Beobachtung gut einschätzen kann, wie sich jemand anderes gerade fühlt oder was für Absichten jemand hat. Das ist Empathie und somit soziale Kompetenz. Es kommt nur auf die Sichtweise an.

Meine "sozialen Kontakte" in Form von Freundschaften sind übrigens recht begrenzt. Um genau zu sein habe ich drei richtige Freunde (zwei davon sind miteinander verheiratet), aber bei denen weiß ich, dass es "echte" Freunde sind. Alle anderen Menschen in meinem Leben sind mehr oder weniger gute Bekanntschaften, mit denen ich zwar gerne Zeit verbringe, von denen ich aber nicht viel erwarte und die micht auch nur (mehr oedr weniger) oberflächlich kennen. Ich kann damit gut leben, warum sollte man jemandem etwas anderes aufzwingen wollen, solange er selbst damit glücklich ist?

Mein Tipp an dich: Nimm die "Angriffe auf deine Persönlichkeit" nicht als Angriffe auf, sondern als Kritik und frag dich selbst, ob die anderen damit vielleicht Recht haben. Wie würdest du dich sehen, wenn du derjenige wärst, der dich kritisiert? Vielleicht ist die Kritik ja verständlich, vielleicht sogar gerechtfertigt und vielleicht verstehst du dann auch, was derjenige von dir erwartet. Probier's aus, vielleicht gefällt's dir sogar. Und wenn nicht - Hey, jeder Mensch ist anders. Dann kannst du wenigstens sagen: "Hab ich probiert, ist nix für mich."

Hallio,

lese gerade das Buch "Soziale Kompetenz kann man lernen", ist recht gut, kann ich Dir empfehlen.

Das kann helfen, ist aber wahrscheinlich nicht wirklich Dein Problem. Dass Du bei Fremden etwas vorsichtiger bist, ist eigentlich verständlich und geht wohl auf Deine Erfahrungen zurück. Die andere Frage ist: Wie geht es Dir damit, dass Du wenig Sozialkontekte hast? Ist es für Dich in Ordnung? Warum meinen die, du solltest mehr sozialkontakte haben? Lieber ein paar weniger Kontakte, aber dafür gute, verlässliche! Du solltest darauf hinarbeiten, Dein Leben so einzurichten, dass es Dir gut geht. Nicht irgendwelchen Sozialpädagogen nach dem Mund reden. Dabei sollten die Dich auch unterstützen! oder aber mit Dir zusammen erarbeiten, warum Du ihrer Meinung nach zu wenig Kontakte hast und warum Du das ändern solltest. Und sie sollten Dir gelegenheit geben, neue Leute kennenzulernen, mit denen ein guter Kontakt möglich ist. Denke es gibt in Deinem Leben Gründe, waru du manchmals vorsichtig bist. Du kannst ja offensichtlich auch anders.

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