Nationalversammlung 1848 scheiterte? (kleindeutsch/großdeutsch Lösung)

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Die Revolution 1848/9 ist am Ende besiegt und niedergeschlagen worden. Machtpolitisch ist die Nationalversammlung damals gescheitert. Die politischen Ideen haben aber weitergewirkt.

Die Nationalversammlung hat etwas unternommen und geleistet. Ihre Handlungsmöglichkeiten waren vor allem aufgrund fehlender Machtmittel begrenzt. Sie hat Beschlüsse und Entwürfe zustande gebracht. Eine Folgerung aus ihrer Niederlage, die Nationalversammlung hätte nichts weiter Wichtiges auf die Beine gestellt, wäre daher falsch und eine übertriebene Blickverengung allein auf die Frage, wer sich damals durchgesetzt hat.

Nationalversammlung 1848/9 und die deutsche Frage

184/89 stellte sich die Frage, welche Staatsform eine Verfassung eines Deutschen Reiches haben und welches Gebiet ein zu schaffender deutscher Staat umfassen sollte. Die aus der Revolution hervorgegangene Nationalversammlung hatte unter den grundsätzlich einigermaßen wirklichkeitsnahen Alternativen eine Entscheidung zu treffen, ob sie hinsichtlich der deutschen Frage eine großdeutsche Lösung (auch deutsche Gebiete des Kaisertums Österreichs eingeschlossen) oder eine kleindeutsche Lösung (ein deutscher Staat mit Vorherrschaft Preußens, ohne deutsche Gebiete des Kaisertums Österreichs) verwirklichen wollte.

Die Nationalversammlung entschied sich schließlich, weil die großdeutsche Lösung unter den gegebenen Umständen keinesfalls umgesetzt werden konnte, mehrheitlich für eine erbliche Monarchie mit König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen als Kaiser. Ein Problem war aber, ob dieser das Angebot annehmen würde. Die eigenen Vorstellungen, die Friedrich Wilhelm IV. hatte, waren wahrscheinlich etwas verschwommen und deckten sich nicht unbedingt mit dem, woran die Revolutionäre vor allem dachten. Friedrich Wilhelm IV. war von dem Wunsch nach nationaler Einheit Deutschlands nicht unberührt, aber er dachte dabei stark an eine Anknüpfung an das mittelalterliche Kaisertum und hielt am Gottesgnadentum fest. Das demokratische Prinzip der Volkssouveränität verachtete er.

Die gedachte Person für die Kaiserwürde hatte sich zaudernd und schwankend gezeigt. Er war zwar nicht völlig ohne Neigung, Kaiser zu werden, aber eine Bereitschaft, die Nationalversammlung als die Kaiserwürde vergebende Einrichtung zu akzeptieren und sich für die von ihr geschaffene Verfassung einzusetzen, fehlte bei ihm.

Die Nationalversammlung hatte zunächst am 27. Oktober 1848 eine großdeutsche Lösung beschlossen. Im Oktober und November setzten sich aber in Österreich eher konservative, für den Erhalt der Monarchie mit einem Kaiser aus der Familie Habsburg eintretende Regierungskräfte gegen die Revolutionäre mit militärischer Gewalt durch. Der neue österreichische Ministerpräsident Felix Fürst zu Schwarzenberg lehnte die großdeutsche Lösung, die eine Teilung des Kaisertums Österreich bedeutete, ab und erklärte am 27. November 1848, an der Einheit des Staates festzuhalten.

Auch Kompromissen (Heinrich von Gagern, Präsident der Nationalversammlung vom 19. Mai 1848 bis 16. Dezember 1848 und Reichsministerpräsident vom 17. Dezember 1848 bis 10. Mai 1849 entwickelte einen Plan ein kleindeutsches Reich als engeren Bund zu gestalten und dieses dann durch einen Vertrag mit Österreich-Ungarn in einem weiteren Bund zu verknüpfen; 18. Dezember 1848) verweigerte Schwarzenberg seine Zustimmung. Österreich wäre dadurch aus seinen deutschen Bindungen herausgerissen worden und Preußen hätte eine vorherrschende Stellung innerhalb des eigentlichen Staates, des engeren Bundes, bekommen.

Am 4. März 1849 wurde eine Verfassung für das Kaisertum Österreich erlassen (Kaiser Franz Joseph I.), in dem die staatsrechtliche Einheit der Gesamtmonarchie festgeschrieben wurde (Unteilbarkeit). Am 9. März 1849 forderte Schwarzenberg eine Aufnahme ganz Österreichs, was aber dem Nationalstaatsgedanken widersprach und auch aus außenpolitischen Gründen kein realistischer Weg war.

Am 27. März 1849 wurde in der Nationalversammlung eine Verfassung mit einem Erbkaiser beschlossen (kleindeutsche Lösung). Die knappe Mehrheit (267 gegen 263 Stimmen) wurde durch Zugeständnisse an die Demokraten in anderen Fragen (vor allem allgemeines Wahlrecht und Beschränkung der Vetomöglichkeit des Kaisers in der Verfassung auf eine aufschiebende Wirkung) gesichert. Heinrich von Gagern verständigte sich mit Heinrich Simon von der gemäßigt demokratischen Westendhall-Fraktion. Die österreichischen Abgeordneten waren schon vorher zurückgerufen worden. Am 28. März wurde die Verfassung endgültig beschlossen und der preußische König Friedrich Wilhelm IV. mit 290 gegen 248 Stimmen zum Erbkaiser gewählt.

König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen hat zunächst am 3. April 1849 ausweichend geantwortete, als er die Kaiserdeputation (Abgeordnete der Frankfurter Nationalversammlung) im Berliner Schloß empfing und sie ihm die Kaiserkrone anbot. Nach der verklausulierten Ablehnung wies Friedrich Wilhelm am 28. April 1849 endgültig die Kaiserwürde zurück

Nach der verklausulierten Ablehnung am 3. April 1849 wies Friedrich Wilhelm am 28. April 1849 endgültig die Kaiserwürde zurück.

Gründe:

  • Ablehnung und Verachtung des demokratischen Prinzips der Volkssouveränität: Friedrich Wilhelm IV. hielt am Gottesgnadentum der Herrscher fest und hatte außerdem die Auffassung, nur die Fürsten und die Regierungen der Freien Städte könnten die Kaiserkrone vergeben und seien dazu berechtigt, nicht das Volk oder eine Volksvertretung (Parlament).

  • Abneigung gegen die Revolution

  • Vermeiden einer Trennung von anderen Fürsten (die Macht der Fürsten war inzwischen wieder angestiegen und er wollte lieber die Liberalen scheitern lassen und von ihnen keine Aufträge annehmen)

    Die Ablehnung der Kaiserkrone durch den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. war für die Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche eine gewaltige Enttäuschung. Eine Mehrheit hoffte zunächst noch darauf, ihn umstimmen zu können. Am 22. April unterbreitete der Dreißiger-Ausschuß Vorschläge mit einer hoffnungsvollen Beurteilung. Die preußische Regierung lehnte aber die von der Nationalversammlung beschlossene Reichsverfassung eindeutig ab. Damit war das Scheitern der Revolution weiter vorangetrieben.

Bücher informieren über die geschichtlichen Hintergründe, z. B.:

Frank Engehausen, Die Revolution von 1848/49. Paderborn ; München ; Wien ; Zürich : Schöningh, 2007( UTB : Geschichte ; 2893 Seminarbuch Geschichte), S. 205 – 276

Dieter Hein, Die Revolution von 1848/49. Originalausgabe. 4. Auflage. München : Beck, 2007 (Beck'sche Reihe : C.-H.-Beck-Wissen ; 2019), S. 111 - 139

Wolfram Siemann, Die deutsche Revolution von 1848/49. 1. Auflage. Frankfurt am Main : Suhrkamp, 1985 (Edition Suhrkamp : 1266 = N.[eue F.[olge] Band 266; Neue Historische Bibliothek), S. 192 – 228

Die Nationalversammlung hatte vor der Verfassung schon ein Reichsgesetz mit Grundrechten des deutschen Volkes beschlossen (27. Dezember 1848). Sie enthielten unter anderem Rechtsgleichheit/Gleichheit der Bürger vor dem Gesetz, Freiheitsrechte des Individuums gegenüber dem Staat (z. B. Meinungs- und Glaubensfreiheit, Vereins- und Versammlungsfreiheit, Freiheit der Wissenschaft und der Lehre, Schutz des Eigentums).

Gründe des Scheiterns der Revolution 1848/9

Eine Aufspaltung der Nationalversammlung in verschiedene Fraktionen hat alleingenommen gar nicht eine weitgehende Machtlosigkeit der Nationalversammlung bewirkt. Mehrheiten, die sich auf etwas einigten und Beschlusse verabschiedeten, hat es ja wiederholt gegeben Die Reichsregierung, die mit der Schaffung einer provisorischen Zentralgewalt eingesetzt wurde, hatte zwar nicht in jeder Frage alle Fraktionen hinter sich aber wichtiger für Ihre Schwäche waren ein Mangel an militärischen Truppen und Verwaltungsbefugnissen.

Die Revolution 1848/9 ist vor allem gescheitert war, weil eine beträchtliche Anzahl an schwierigen Aufgaben gleichzeitig zu bewältigen waren und der Widerstand und die Möglichkeit von Meinungsverschiedenheiten vielfältig und groß waren. Der revolutionären Bewegung ist es nicht auf Dauer gelungen, die Exekutive in den Einzelstaaten mitzubestimmen (der Partikularismus war stark, Fürsten und Landesparlamente wollten nicht gerne auf Macht verzichten).

Die Monarchen behielten die Kontrolle über das Militär und weitgehend auch über die Bürokratie. Die Revolutionäre haben fast gar nicht eigene Truppen geschaffen.

Es fehlte eine revolutionäre Erfahrung. Eine zunächst verhältnismäßig günstige Lage mit einem Anfangsschwung wurde nicht entschlossen genug ausgenutzt und eine mögliche Untergrabung der Stellung unterschätzt. Das Zurückweichen der Fürsten im März und April 1848 ist zum Teil überbewertet worden.

Die Probleme der Landbevölkerung wurden rasch gelöst und damit fiel ein Teil der revolutionären Basis weg, weil für ihn vor allem bestimmte beschränkte Interessen wichtig waren.

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Die Gründung eines deutschen Nationalstaates war sehr schwierig. Es gab eine Fülle von Problemen, eine Einheit zu verwirklichen, so die Entscheidung über kleindeutsche oder großdeutsche Lösung und damit auch das Verhältnis zu Preußen und Österreich, und über die Grenzen. Die europäischen Staaten waren einem einheitlichen Nationalstaat eher abgeneigt.

Eine einheitliche Frontstellung mit der Fähigkeit zu einer großen gemeinsamen Mobilisierung konnte kaum durchgehalten werden, es kam zu Spaltungen unter den Revolutionären. Viele Liberale hatten Furcht vor einem völligen Umsturz und suchten davor auch Rückhalt bei den Monarchen. Ziel der Revolution war nicht die völlige Abschaffung der Monarchie. Die Mehrheit befürwortete eine konstitutionelle Monarchie. Die Demokraten hatten weitergehende Wünsche, aber eine ausgeprägte Konfrontationsstrategie bot angesichts einer mehrheitlich monarchisch eingestellten Bevölkerung und der tatsächlichen Macht der Fürsten in der eingetretenen Lage realpolitisch wenig Erfolgsaussichten.

Die Ausarbeitung einer Verfassung hat sehr lange gedauert und es gab umfangreiche Beratungen und Diskussionen über Grundrechte. Ob dies aber eine Ursache des Scheiterns war, kann auch bezweifelt werden. Entscheidender war, ob eine Fähigkeit und Macht zur Umsetzung einer Verfassung vorhanden war.

Dieter Hein, Die Revolution von 1848/49. Originalausgabe. 4. Auflage. München : Beck, 2007 (Beck'sche Reihe : C.-H.-Beck-Wissen ; 2019), S. 139:
„Dagegen verfügte die revolutionäre Bewegung […] über kein schlüssiges Konzept, wie sie in der Hohenzollern- und der Habsburgermonarchie die auf den weithin agrarisch strukturierten östlichen Gebieten beruhende Machtstellung der alten adligen Eliten erschüttern, die konservativen Gegenkräfte in Bürokratie und Militär überwinden und die widerstrebenden Monarchen auf ihre Seite herüberziehen könnte. Ihre kommunale Basis war schwach, die nationale Orientierung selbst in demokratischen Kreisen durch einen ausgeprägten Partikularismus begrenzt, und in den beiden revolutionären Zentren, den Metropolen Berlin und Wien, die zudem relativ isoliert blieben, verhinderten scharfe soziale Konflikte im Grunde von Anfang an jede übergreifende revolutionäre Einheit. Nicht nur mit Österreich, sondern auch mit Preußen war ein deutscher Nationalstaat nach liberalem Verständnis nicht zu erreichen. Gegen sie jedoch auch nicht. Das war das Dilemma der Revolution von 1848/48. Nicht zuletzt daran ist sie gescheitert.“

kleindeutsche Lösung und Reichsgründung 1871

Der Deutsche Bund, der als Dachorganisation der deutschen Staaten wiederbelebt wurden, erwies sich als langfristig wenige tragfähige Lösung. Eine kleindeutsche Lösung war kein schlechtes politisches Modell und das Niederwerfen der Revolution, an dem Preußen zu einem großen Anteil beteiligt war, bedeutet nicht, daß König und Regierung in Preußen eine kleindeutsche Lösung grundsätzlich ablehnte. Es gab danach sogar 1849 – 1850 einen Versuch Preußens, eine kleindeustceh Lösung mit seiner Vorherrschaft zu erreichen, der dann unter österreichischem und russischem Druck beendet wurde (Olmützer Punktation).

Eine nationale Bewegung bestand fort. 1859 – 1867 existierte der Deutsche Nationalverein, sich für eine kleindeutsche Lösung einsetzte. Unter den Fürsten der deutschen Einzelstaaten gab es Abneigung gegen einen deutschen Nationalstaat. Partikularisten, und Teile der konservativ oder föderalistisch eingestellten Menschen strebten ebenfalls keinen einheitlichen deutschen Nationalstaat an. Andererseits war dies das Ziel eines erheblichen Teils der Bevölkerung.

Die preußische Monarchie (König Wilhelm I.) und ihre Regierung haben eine kleindeutsche Lösung durchgesetzt, wobei Otto von Bismarck als preußischer Ministerpräsident und Außenminister eine zentrale Rolle hatte.

1866 besiegte Preußen Österreich.

Die Reichsgründung 1871 hat die Einheit verwirklicht, ein Ziel der gescheiterten Revolution 1848/9, aber nicht die Freiheit, so wie sie damals erhofft wurde. Eine gewisse Beteiligung des Volkes kann in einer inneren Nationsbildung gesehen werden. Es gab Entwicklungen zu einem einheitlicheren Wirtschaftsraum (der Zollverein war dabei eine wichtige Einrichtung). Eine nationale Bewegung war vorhanden und Bismarck hat ihre Schubkraft für seine Ziele verwendet. Bei dem Krieg gegen Frankreich gab es große Zustimmung. Die Verfassung von 1871 war im Wesentlichen die 1867 beschlossene Verfassung des Norddeutschen Bundes. Bismarck ist seit 1866 den Nationalliberalen etwas entgegengekommen (Einheit als Ziel, Schaffung einer Verfassung und Spielraum in der Wirtschaft). Dabei war aber die Anerkennung seiner Leitung und der Vorherrschaft der preußischen Führungsschicht Grundlage.

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Die Verfassung von 1871 war im Wesentlichen die 1867 beschlossene Verfassung des Norddeutschen Bundes. Bismarck ist seit 1866 den Nationalliberalen etwas entgegengekommen (Einheit als Ziel, Schaffung einer Verfassung und Spielraum in der Wirtschaft). Dabei war aber die Anerkennung seiner Leitung und der Vorherrschaft der preußischen Führungsschicht Grundlage.

Der Reichstag des Norddeutschen Bundes und die Landtage der süddeutschen Staaten haben der Verfassung für das Deutsche Kaiserreich zugestimmt. Wirklich politisch gestaltet haben sie diese dabei nicht. Am 18. Dezember 1870 hat eine Delegation von Abgeordneten des Norddeutschen Reichstages (Kaiserdeputation) mit dem Reichstagspräsidenten Eduard Simson an der Spitze König Wilhelm I. von Preußen in Versailles besucht und ihn gebeten, die Kaiserkrone anzunehmen (Kernaussage der am 10. Dezember beschlossenen Adresse: „Vereint mit den Fürsten Deutschlands naht der Norddeutsche Reichstag mit der Bitte, daß es Ew. Majestät gefallen möge, durch Annahme der deutschen Kaiserkrone das Einigungswerk zu weihen“.).

In der Hauptsache ist die Reichsgründung 1871 von oben geschehen, durch die Fürsten und die Regierungen der drei Freien Städte Hamburg, Lübeck und Bremen. Die Parlamente haben dem zugestimmt, was die Herrscher und ihre Regierungen ausgehandelt hatten.

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@Albrecht

Danke, danke, danke, dass du dir so viel Mühe gegeben hast :) Das hat mir echt sehr geholfen und mein Wissen und Geschichtsverständnis auf jeden Fall aufgebessert :D

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Ich fang' mal hinten an: dein 'Geschichtshirn' ist offenbar schon entwickelt genug zu erkennen, dass mit den von dir genannten Absätzen wenig anzufangen ist; nicht jedenfalls ohne Hintergrundwissen und auch Erfahrungen, das du beides höchstwahrscheinlich noch gar nicht haben kannst (außer hier und da ein bisschen). Also Mut zur Lücke, die füllt sich schon mit der Zeit. - Was manchmal auch in solchen Fällen hilft: sich einfach mal still hin zu setzen und die Gedanken schweifen lassen in die Zeit und was davon bekannt ist; da kommt schon mal 'ne Menge hoch.

Aber zum fachlichen Thema.

Da ist 'gescheitert' eher schwer zu bestimmen. 'Gescheitet' ist die Nationalversammlung insoweit, als es nicht gelang, einen demokratisch verfassten Nationalstaat zu schaffen, mehr noch, die Fürsten (und Könige) 'siegten' (bzw, ihre Macht erstarkte wieder), 'Demokratie' können fürsten gar nicht gebrauchen (schränkt ja ihre Macht ein), den Nationalstaat ebenso wenig (kratzt an ihrer Souveränität). - So ist der 'Erfolg' ein anderer - was sich in der Tatsache, dass sich in der Weimarer Verfassung und im Grundgesetz Gedanken finden, die hier formuliert waren, ausdrückt. Die Idee eines einheitlichen Deutschland, gar einer demokratischen Verfassung war vertieft und überdauerte; auch, wenn die 'Einheit' dann letztlich auf 'Fürstenebene' vollzogen war - 'nur' 21 Jahre später ..

Was war vorher? - Klar: Feudalherrschft; absolutistisch. Darunter entwickelte sich eine Warenproduktion, die inzwischen Züge einer Industrialisierung annahm (Handel gab es schon seit dem Mittelalter). Den regierenden Potentten reichten Gebietsgrenzen, selbst die Landessprache war ihnen oft egal (manche konnten die gar nicht oder parlierten Französisch, weil sie ja Versailles nachäffen mussten. - Nun konnte eine sich entwickelnde Industrie Klein- und Kleinststaaten nicht gebrauchen, verlangte ökonomisch nach einer größeren Einheit (etwa eines Nationalstaates, in dem es z.B. keine Zollgenzen mehr gab, die den Handel - jetzt mit Industriegütern - erschwerten). Zugleich entwickelte sich ein Bürgertum, und dies brauchte eine gemeinsame Klamer einer Identifikation; 'national' bot sich hier an. Im Mittelalter gab es ja das 'Abendland', Verkehrsprache der Gelehrten war Latein.

Ideen wachsen immer früher als ihre Manifestationen; letztere in der französischen Revolution, aber auch in den USA (in denen es so viele 'Deutsche' gab, dass die Abstimmung für die englische Sprache ziemlich knapp ausging): 'National'staaten. - Dann gab es die 'napoleonischen Kriege' - nach Napoleon den Wiener Kongress, als deren Ergebnis wieder Potentaten (Fürsten, Könige) eingesetzt waren; die Idee 'Nation' aber hatte sich ebenso verbreitet wie Demokratie. 'Mächtige' jedoch verzichten ungern auf ihre Macht, sie muss ihnen entrissen werden -ö was wiederum nur in den kurzen Zeitfenstern geht, in denen sie schwächeln (so in Deutschland nach dem verlorenen Krieg 14/18). - (Damals hatte sich Finnland von der russischen Oberhoheit befreit und sich einen deutschen Prinzen als König auserkoren - doch Finnen sind Pragmatiker und merkten schnell: die Zeit der Könige ist vorbei, wurden gleich Republik.)

Ups.. vergessen: klein- und großdeutsch ... also: mit oder ohne Österreich: Österreich war die Monarchie Österreich-Ungarn, nebst diversen weiteren Nationalitäten, die man mit dem Einschluss dieses Reiches sozusagen 'eingekauft' hätte; 'deutsch' im strengen Sinn war ja nur das Kernland Österreich, und über das ganze Reich herrschte ein Monarch. Klar, dass die Meinungen da auseinander gingen.

Nach 1918 (1919) blieb Österreich als 'deutsches' Kernland, so ging der 'Anschluss' an das Deutsche ('Dritte') Reich problemlos 'über die Bühne' ..

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die nationalversammlung scheiterte an ihren zielen da die versammlung in viele parteinen gesplittet war so konnte es zu keiner vernünftigen einigung kommen.

weißt du überhaupt was kleindeutsche und großdeutsche lösung bedeutet??

Ja, das weiß ich.. Ich verstehe nur einfach nicht, wie es dann TROTZDEM dazu gekommen ist.. Weil bei mir bedeutet "scheitern" einfach, dass die dann nix mehr zu sagen hatten und abgeschafft wurden... Also okay, dann vielleicht ein bisschen genauer: :D Ich will wissen, wer dann genau die kleindeutsche Lösung beschlossen hat bzw. WIESO die überhaupt durchgesetzt wurde, wenn die Nationalversammlung doch gescheitert ist.. Ich meine, wieso ist dann nicht einfach alles geblieben, wie es war?

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@selliBelly

Die 'Kleindeutsche Lösung' hatte schlicht mit Machtpolitik zu tun.

Das (erste) Deutsche Reich, dessen Kaiser zuletzt Kaiser Österreichs-Ungarns war, endete formell mit dem Wiener Kongress, faktisch sehr viel früher. So entstand das (Zweite) Deutsche Reich als Ergebnis Bismarckscher Machtpolitik 1871 in Versailles mit der Krönung des Preussischen Königs zum Deutschen Kaiser. Das Königreich Bayern war schwach genug, darin aufzugehen. Österreich-Ungarn hingegen hätte sich schwer der preussischen Obermacht beugen lassen (möglich auch: Bismarck schwante die Brisanz, die in diesem Vielvölkerstaat steckte und ja letztlich auch zum Ausbruch des so gen. 'Ersten Weltkriegs' führte).

Kleine Randnotiz: Eisenbahnen, die es 1871 ja schon gab, transportierten nicht nur Güter und Menschen schnell von einem Ort zum anderen, sondern im Kriegsfall ja auch Truppen und Ausrüstung (Die "Brücke von Remagen", im letzten Krieg zerstört und nie wieder aufgebaut, war Teil einer Eisenbahnlinie, die hauptsächlich aus militärischen Gründen bestand). Weshalb es in Baden-Würtemberg eine Breitspur gab - die einen Truppentransport über die Grenzen hinweg erschwerte. Im Deutschen Reich, natürlich, wurde 'umgespurt'.

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