Napoleon Harte Nuss Leipzig Karikatur analysieren?

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Es hängt vom Sprachgebrauch ab, ob zur Analyse Deutung (Interpretation)/Erklärung sowie Einordnung und eine Wertung/Bewertung/Beurteilung/Stellungnahme gezählt werden oder auch schon eine Beschreibung.

Bei einer sehr umfangreicher Behandlung einer bildlichen Quelle gibt es als mögliche Schritte:

1) Beschreibung (es geht darum, was bei der Betrachtung in der Sinneswahrnehmung zu sehen ist)

2) Deutung/Erklärung (es geht darum, was das Dargestellte bedeutet und was insgesamt die beabsichtigte Aussage ist)

3) Einordnung und Wertung/Bewertung/Beurteilung/Stellungnahme

Die Karikatur „Der Pariser Nussknacker” ist eine kolorierte (gefärbte/farbig ausgemalte) Radierung und anonym (ohne Namensangabe des Urhebers) 1813 oder 1814 erschienen. Ihre Maße nach Höhe und Breite betragen 188 x 117 mm. Ihr Aufbewahrunsgort ist das Kupfertstich-Kabinett der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

https://skd-online-collection.skd.museum/Details/Index/1149680

Beschreibung

Als eine Nussknackerfigur wird ein Mann in militärischer Bekleiung dargestellt. Hinten befindet sich ein brauner Handgriff, anscheinend aus Holz. Der Kopf ist überporoportional groß. Der Mann trägt einen dunkelgrauen Uniformrock und schwarze Stiefel mit Sporen aus Eisen. Er steht aufrecht in steifer Haltung. Sein rechter Arm ist mit der Hand auf Brusthöhe angewinkelt, in der linken Hand trägt er einen gerade emporgehaltenen Säbel. Der Mann hat kastanienbraune Haare und trägt einen großen schwarzen Hut, einen Zweispitz, auf den eine kleine Kokarde (kreisförmiges Abzeichen) in den Farben blau-weiß-rot (französische Nationalfarben) gesteckt ist. Der Mann öffnet einen sehr großen Mund äußerst weit und versucht, eine sehr große Walnuss (Frucht eines Waaalnussbaums, von einer Naht in zwei Hälften unterteilt) mit der Aufschrift „Leipzig” zu zerbeißen. Seine Augen sind weit geöffent und das Weiße tritt stark hervor. Das Gesicht ist bei den Augen, der Nase und dem Mund verzerrt. Unten und oben ist jeweils ein langer spitzer raubtierhafter Zahn sichtbar, während die anderen wahrnehmbaren Zähne platt aussehen. Der Mann steht auf einer hellgrünen Standfläche, die wie eine Grabplatte aussieht. Auf ihr liegen vier Zähne. An den Seiten sind gekreuzte Knochen und Totenschädel angebracht.

Deutung

Der dargestellte Mann ist Napoleon I., Kaiser des französichen Kaiserreiches. Es gibt eine Redensart „eine harte Nuß zu knacken haben”, was übertragen bedeutet, große Schwierigkeiten bewältigen zu müssen. In der Völkerschlacht bei Leipzig (6. bis 19. Oktober 1813) erlitt Napoloen gegen eine zahlenmäßig überlegene Armee eine schwere Niederlage. Auf der Karikatur zeigen Gesichtzüge und Blick Napoleons Anstrengung, Verärgerung/Wut und Schrecken/Entsetzen. Er scheitert beim Versuch, die Nuss zu knacken. Anscheinend hat er sich sogar bei dem vergeblichen Versuch einige Zähne ausgebissen.

Einordnung und Wertung/Bewertung/Beurteilung/Stellungnahme

Die Karikatur gibt auf leicht nachvollziehbare Weise eine Darstellung einer Niederlage Napoleons in einer Entscheidungsschlacht. Die Völkerschlacht bei Leipzig brachte die französische Vorhherschaft in Deutschland zum Einsturz und war insofern eine Wendepunkt. Die erste bedeutende militärsiche Niederlage Napoleons war die Schlacht bei Aspern und Eßling am 21./22. Mai 1809 (er gewann aber den Krieg), der Krieg in Spanien 1807 – 1814 endete ungünstig, der Russlandfeldzug 1812 scheietrte mit großen Verlusten ud einem Rückzug. Die Wahl von Leipzig hebt ein bestimmtes Ereignis, das in Deutschland stattfand, besonders hervor, das allerdings auch eine wichtige Entscheidunsgschacht war.

In dem Scheitern Napoleon liegen auch Vanitas (lateinisch: vanitas = leerer Schein, Nichtigkeit, Misserfolg, Misslingen, Vergeblichkeit). Seine Darstellung enthält eine abwertende Kennzeichung als Todbringer. Napoleon erscheint mit seinen militärischen Ansregungen machtgierig

Das Sachurteil und das Werturteil könnten noch ausführlicher gestaltet werden, z. B. in Bezug auf wirkungsvolle Darstellung und die Zuordnung von Verantwortung für die vielen Toten (inwieiwioet sind sie auch der Gegenseite zuzurechnen?).

Es gibt Varianten (Fassungen mit leichten Abweichungen, z. B. Farbe des Uniformrocks) der Karikatur.

zu einer mit den Maßen 21,5 x,15,4 cm, Stadtgeschichtliches Museum Leipzig

Dagmar Burkhart, Heldensturz : deutsche, englische und russische Napoleon-Karikaturen zur Völkerschlacht von Leipzig. In: Das Jahr 1813, Ostmitteleuropa und Leipzig : die Völkerschlacht als (trans)nationaler Erinnerungsort. Herausgegeben von Marina Dimitrieva und Lars Karl unter Mitarbeit von Paweł Gorszcyński. Köln ; Weimar ; Wien : Böhlau Verlag, 2016, S. 221.

„Die zweite Karikaturenklasse ist wegen ihrer moralisch wertenden Dimensionen und ihrer Vanitas-Aspekte die bedeutsamere. Hier finden sich jene Blätter, auf denen Napoleon als Tränen-, Leid- und Todbringer geächtet wird, der einen bis dahin nie gesehenen Leichenberg verschuldet hat. Als Bildelemente dieses thanatologischen Diskurses fungieren visualisierte Affekte wie Aggressivität oder Blutgier und Dingsymbole wie Waffen, Funeralobjekte, Leichen, Knochen, abgebrochene Zähne, Tränen, Blut. Ein sinnfälliges Beispiel bietet die Karikatur „Der Pariser Nussknacker“ (Abb. 1): Napoleon, der mit blutrünstigem Gesichtsausdruck, einen Säbel in der Hand, auf einer mit Knochen bestückten Grabplatte stehend, die harte Nuss „Leipzig“ zu knacken versucht hat und sich daran - eine realisierte Metapher - die Zähne ausbeißt, d.h. scheitert.“

zu einer mit den Maßen 231 x 183 mm, Privatbesitz Berlin

Jürgen Döring, Getroffen von vielen Seiten: Luther, Napoleon und ein Politiker der Gegenwart : 127 Der Pariser Nußknacker. In: Bild als Waffe : Mittel und Motive der Karikatur in fünf Jahrhunderten. Herausgegeben von Gerhard Langemeyer, Gerd Unverfehrt, Herwig Guratzsch und Christoph Stölzl. Mit Beiträgen von Monika Arndt, Max Hasse, Kurt Koszyk, Gerd Unverfehrt und Gertrud Vowinckel-Textor und Essays von Ernst H. Gombrich und Werner Hofmann. Katalog bearbeitet von Jürgen Döring und anderen. München : Prestel, 1984, S. 181:

„»Leipzig war die erste Nuß, die zu knacken die Kraft Napoleons versagte.« Der Franzose steht da als Nußknacker mit zu großem Kopf und entsetztem Blick. In dem weit aufgerissenen Mund mit mechanisch herabgeklapptem Unterkiefer steckt die zu harte Nuß »Leipzig«. Mehrere der enormen Zähne hat er sich bereits ausgebissen. Die steife Körperhaltung mit dem erhobenen Degen und auch die Proportionen imitieren die noch heute bekannten, volkstümlich holzgeschnitzten Nußknacker. Der Handgriff zum Knacken schaut links hervor. Die Standfläche stellt mit den Totenschädeln und den gekreuzten Knochen eine Grabplatte dar und versetzt den darauf Stehenden in das Reich des Todes.

Der unbekannte Künstler legte offensichtlich auf physiognomische Ähnlichkeit keinen Wert, vielmehr kam es ihm auf ein wutverzerrtes Gesicht an, das durch den grünen Uniformrock und den Zweispitz mit Napoleon zu identifizieren ist. Der Vergleich des Kaisers mit einem Nußknacker trifft doppelt. Zum einen wird Napoleon zur bloßen Puppe, zu einem Kinderspielzeug. Hinzu kommt, daß die Figur des Nußknackers in ihrer hölzernen Plumpheit und soldatischen Kostümierung bereits an sich eine Karikatur auf das Militär darstellt. - 1830 wurde Karl X. als Nußknacker dargestellt, der die Chartre – die französische Verfassung – als Nuß zu knacken versucht.“

Gemeint ist Leipzig als harte Nuss für Napoleon, in Anspielung auf die Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813

Ob da vielleicht die "Völkerschlacht bei Leipzig" gemeint ist?

Recherchiere mal.

Gruß, earnest

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