Jeremy Bentham und Kant

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Kants Haltung zur Moral gipfelt im kategorischen Imperativ, einer „rein vernünftigen“ Herleitung. Er ist der Wegweiser zu einer absolut vernünftigen Moral. Diese erhebt sich damit über die Niederungen menschlichen Daseins, in dem auch Gefühle, gesellschaftliche Rücksichten und Überzeugungen eine Rolle spielen. Darum hat auch Friedrich Schiller Kants Moralvorstellung als „kalt“ und „unmenschlich“ angesehen.

Für Bentham als Empiriker kann der Mensch nicht außerhalb der Geschichte, der aktuellen Gesellschaft, außerhalb seiner Regungen und Neigungen stehen, nur einer abstrakten Vernunft verpflichtet. Darum ist für den Menschen, erst recht, wenn er kein tagaus / tagein denkender Philosoph ist, sondern in Alltagsgeschäfte verwickelt, nie eine Situation rein vernünftiger Handlungsentscheidung gegeben. Der Alltagsmensch orientiert sich bei seinen Entscheidungen im Sichtfeld seiner Emotionen und Kenntnisse. Soweit er dabei erreicht, dass seine Handlungen seine Situation und die der meisten seiner Mitmenschen verbessern, ist seine Handlung moralisch in Ordnung. Benthams Einstellung ist lebensnäher und praktischer, entgeht dabei aber keiner ausgeklügelten Spitzfindigkeit. Dazu haben Menschen im alltäglichen Handeln auch keine Zeit.

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