Epikur, Immanuel Kant, jeremy Bentham und John Stuart Mill?

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In der Frage werden nicht 4 Texte angegeben, sondern nur 4 Philosophen genannt.

In diesem Rahmen ist keine erschöpfende und zielgerichtete Beantwortung möglich.

Alle haben philosophische Fragen durch Denken des Verstandes/der Vernunft zu lösen versucht. Wichtig ist bei allen auch eine Klärung, wie Menschen handeln sollen.

Epikur führte (Naturlehre) die Welt auf die Bewegung und Verteilung von Atomen im Raum zurück, wobei er eine winzige Abweichung in der Bewegung gegenüber einem senkrechten Fall annahm.

Wissen beruht seiner Meinung nach auf Wahrnehmung, aufgrund derer (neben logischer Folgerichtigkeit) festgestellt wird, was wahr ist. In den Sinnesempfindungen sind nach seiner Auffassung die Dinge abgebildet.

Nach Epikurs Meinung besteht Glück in der Empfindung von Lust. Lust ein angenehmer Zustand des Wohlbefindens. Epikur liegt in seiner Ethik daran, Unlust Schmerz und Leid zu vermeiden (ihre Abwesenheit ist Ziel und der Hedonismus insofern von der negativen Seite her aufgezogen). Angestrebt wird aufgrund mit Einsicht getroffener Entscheidungen ein Zustand der Seelenruhe, die Ataraxie („Unerschütterlichkeit“, griechisch ἀταραξία). Der Weg besteht in einer Konzentration auf die wirklich notwendigen Bedürfnisse (aber kein Leben ohne Bedürfnisse). Einsicht und Übung sollen zu einem vernünftig reflektierten Genießen mit einer anhaltenden Daseinsfreude führen.

Epikur geht es also um eine Kultivierung angemessener Lust, die zu einem Höchstmaß an Wohlbefinden führen soll. Er wies auf die Vorteile einfacher Güter hin (z. B. beim Essen und Trinken) und schätzte das Zusammenleben mit Freunden.

Immanuel Kant selbst hat seine in der „Kritik der reinen Vernunft“ entwickelte Erkenntnistheorie als Transzendentalphilosophie bezeichnet.

Kant hat sich von zwei gegensätzlichen philosophischen Richtungen abgesetzt, dem Rationalismus, einer auf Spekulationen des reinen Verstandes gestützten Metaphysik, und dem Empirismus, nach dem Erkenntnis allein über die Erfahrung zustandekommt.

Gegen den Rationalismus, nach dem alles für das Erkennen Wesentliche der reine Verstand leistet, richtet sich der Einwand, die Rolle des Erfahrungsmaterials zu vernachlässigen, das der Verstand verarbeitet, und (auch bei aus reiner Vernunft stammenden Erkenntniselementen) nur für eine mögliche Erfahrung (also auch nur soweit Erfahrung überhaupt reicht) zu gelten, nicht für das darüber Hinausgehende (das Transzendentale, das Ding an sich).

Gegen den Empirismus richtet sich der Einwand, die Rolle der Instanzen zu vernachlässigen, die unstrukturierte Sinnesdaten in den sinnlichen Wahrnehmungen aktiv erfassen, formen und verarbeiten. Erfahrung kann nicht die alleinige Erkenntnisquelle sein (ohne zusätzliches Denken ist eine Entscheidung nicht möglich, was sicher zutrifft, denn sonst stehen im Streitfall oder Zweifel einfach nur sich widersprechende Eindrücke gegenüber). Sie allein kann nicht die Gültigkeit von Erkenntnis begründen und aus ihr kann nicht alles abgeleitet werden (z. B. mathematische Erkenntnisse).

Die Denkwende besteht in einer Umkehrung des Standpunkts. Nicht der Gegenstand erzeugt die Erkenntnis über ihn, indem er über die Sinneseindrücke oder Nachdenken über ihn einfach unsere Erkenntnis bestimmt, sondern was in der Erkenntnis als Gegenstand auftritt, richtet sich nach der Erkenntnis des Subjekts. Kant richtet seine Aufmerksamkeit auf die Bedingungen der Erkenntnis. Eine entscheidende Frage ist, wie synthetische Urteile a priori (der Erfahrung vorausgehende gedankliche Verbindungen in Aussagen) möglich sind.

Es gibt verschiedene Erkenntnisebenen:

1) Ding an sich: Der Gegenstand selbst, wie er wirklich ist, das „Ding an sich“, liegt auf irgendeine Weise zugrunde, ist aber nicht direkt greifbar.

2) Erscheinung: Vom Ding an sich ist uns die Erscheinung gegeben. Aus zusammengesetzten sinnlichen Anschauungen der Erfahrung (aus der Sinneswahrnehmung stammend und vom inneren Sinn) entstehen Empfindungen. Diesen werden aber Formen der Anschauung (Zeit, Raum, Kausalität, Kategorien) hinzugefügt. Das Subjekt hat also etwas in die Dinge hineingelegt, was der Erfahrung vorausgeht. Dies drückt "a priori" aus (lateinisch wörtlich: "vom Früheren her", also vor aller Erfahrung).

3) Verstand: Verstandesbegriffe (dazu gehören die Kategorien) geben der Wahrnehmung mit Hilfe der Urteilskraft die formale Struktur und ermöglichen damit erst deren Erkennbarkeit, indem sie das eigentliche Erkenntnisobjekt erschaffen (die Welt, wie sie uns erscheint). Gedankenbestimmungen werden in einem Urteil verknüpft, das vom Selbstbewußtsein geleistet wird.

4) Vernunft: Regulative Ideen der Vernunft sind als Voraussetzungen nötig (z. B. die Welt, um sich eine mit sich selbst identische und sich selbst tragende Außenwelt vorzustellen). Ein Versuch, das Absolute und Unbedingte erkennen zu wollen, begibt sich allerdings in den Bereich unsicherer Spekulation.

Ethik: Der Mensch hat als Naturwesen Neigungen und kann daher Lust bekommen, das moralische Gesetz zu übertreten. Zur Befolgung des Gesetzes ist es dann nötig, die Neigungen zu überwinden, indem sich die Pflicht geltend macht (auf dem Weg eigener Einsicht, ob nun nur eigene Gedanken beteiligt sind oder auch ein Anstoß durch einen Aufruf – moralischer Appell - durch andere, sich für das Gute zu entscheiden, stattfindet). Die moralische Nötigung der Pflicht ist ein innerer Zwang (Selbstzwang). Sie geschieht durch Selbstbindung eines Vernunftwesens an ein von ihm selbstbestimmt aufgestelltes sittliches Gesetz. Jemand folgt der Stimme der Vernunft, im Handeln unbedingt ihrem Gesetz (kategorischer Imperativ) zu folgen.

Der kategorische Imperativ ist von Immanuel Kant in seinen Werken „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" und „Kritik der praktischen Vernunft" in mehreren Varianten formuliert worden. Eine Fassung heißt: „Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne."

Ein kategorischer Imperativ ist ein unbedingt allgemeingültig und enthält ein Gesetz als sittliches Gebot.

Kant sieht eine Pflicht, als vernunftbegabtes Wesen dem Sittengesetz zu folgen, weil dies die Achtung vor dem mittels der Vernunft eingesehenen Gesetz gebietet.

Pflicht ist eine Nötigung der freien Willkür durch das Gesetz. Tugend versteht Kant als Fähigkeit, sich unter innerem Zwang zur Überwindung der Neigungen und zum Befolgen des sittlichen Gesetzes zu bestimmen. Tugend ist bei Kant das oberste, aber nicht das vollendete, höchste Gut. Das höchste Gut besteht in der Übereinstimmung von Glückseligkeit und Glückwürdigkeit, bei der die Tugendhaften entsprechend ihrer Tugend belohnt werden. Zur Ermöglichung dieses höchsten Gutes ist als Voraussetzung ein machtvolles intelligentes Wesen erforderlich. Daraus ergibt sich nach Kant das subjektive Bedürfnis nach der Existenz Gottes, um die Hoffnung auf das höchste Gut Wirklichkeit werden zu lassen. Weitere Postulate (Forderungen) der praktischen Vernunft sind Willensfreiheit und Unsterblichkeit der Seele. Im Recht ist die Gesetzgebung auf die formale Vereinbarkeit der Handlungen bezogen (eine äußere Freiheit im wechselseitigen Verhältnis von Personen ermöglichende Ordnung).

Das moralisch Gute existiert nur als guter Wille. Entscheidend ist die Handlungsabsicht (eine Maxime ist ein dem Vernunftinteresse entnommener subjektiver Grundsatz), nicht die tatsächlich eingetretene Handlungsfolge (eine ausreichender Einsatz der praktischen Vernunft bliebt aber trotzdem geboten).

Der kategorische Imperativ ist eine formale Überprüfung. Wäre es in meiner Vorstellung in Ordnung, wenn alle so handeln würden, kann ich dies als allgemeines Gesetz wollen und anerkennen. Wenn in der Überprüfung Widersprüche auftreten, ist die überprüfte Maxime kein kategorischer Imperativ.

Das Vorgehen in der Anwendung ist:

1) Beschreibung einer überlegten Handlungsweise

2) Formulierung der Handlungsweise als allgemeiner Grundsatz (Maxime des Willens)

3) Überprüfung dieses Grundsatzes auf widerspruchsfreie Aufstellung als Bestandteil allgemeiner Gesetzgebung

4) Ausführen einer Handlung, deren Grundsatz dem kategorischen Imperativ entspricht/Unterlassen einer Handlung, deren Grundsatz ihm widerspricht

Jeremy Bentham hat in der Ethik eine Nützlichkeitslehre aufgestellt (Utilitarismus). Beim Utilitarismus, den er in seiner klassischen Ausprägung begründet hat, wird eine Handlung nach der Nützlichkeit ihrer Folgen bewertet (Konsequentialismus). Das Problem beim Utilitarismus liegt darin, als Kriterium für den Nutzen ein höheres Ziel zu benötigen, das nicht utilitaristisch aufgewiesen werden kann. Da nach Auffassung von Bentham alle Menschen grundsätzlich gleichberechtigt sind, ist das größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl erstrebenswert.

Jeremy Bentham nimmt als Ausgangspunkt: Menschen streben Glück/Lust/Befriedigung an und möchten Unangenehmes/Schmerz vermeiden. Die Menschen sind grundsätzlich gleichberechtigt („Jeder zählt für einen und keiner mehr als für einen."). Die grundlegende Orientierung und das Motiv ist für die einzelnen Individuen die eigene Lustbefriedigung. Auch die Interessen anderer Menschen werden berücksichtigt (Wohlwollen und eine Art Sozialprinzip), aufgrund der Vernunft (wohlverstandenes Eigeninteresse) und gegebenenfalls durch Sanktionen (Strafen bei Nichtbeachtung) nahegelegt.

Die Größe einer Lustbefriedigung wird im hedonistischen Kalkül aufgrund bestimmter Kriterien/relevanter Faktoren berechnet. Die Handlungsalternative mit dem höchsten Wert ist die richtige. Bei der Anwendung dieses ethischen Maßstabes wägt ein einzelner Mensch klug die Vorteile und Nachteile von Handlungsalternativen ab und wählt diejenige, die bei der Berechnung in der Gesamtsumme am besten abschneidet.

John Stuart Mill vertritt auch einen Utilitarismus. Er hat den Ansatz grundsätzlich beibehalten, mit leichten Abänderungen. Er unterscheidet verschiedene Stufungen des Glücks. Also spielt bei ihm nicht nur Quantität, sondern auch Qualität eine Rolle. Geistige Genüsse stellt er über sinnliche Freuden („Es ist besser ein unzufriedener Mensch zu sein als ein zufriedenes Schwein.").

Nach Mills Erkenntnistheorie ist Wissen nur auf der Grundlage von Erfahrung möglich, wobei diese auf der Sinneswahrnehmung beruht. Epikur, Bentham und Mill haben einen Empirismus (entscheidende Rolle der Erfahrung) und Sensualismus (Abbildung der Dinge in den Sinnesempfindungen) sowie einen Eudaimomismus (Glück als oberster Maßstab des Handelns) und Hedonismus (Lust/Freude Maßstab) gemeinsam. Kant Standpunkte weichen von den drei anderen am meisten ab.

einige wichtige Begriffe: Erfahrung, Sinneswahrnehmung, Verstand/Vernunft (praktische und theoretische), Glück/Glückseligkeit (εὐδαιμονία), Lust, Wille, Handlung, Maxime (Grundsatz), kategorischer Imperativ, Tugend, Pflicht, Nutzen, hedonistisches Kalkül

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wow, danke dir

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Bedauerlicherweise nennst Du keine Texte, sondern Philosophen. Für alle vier war Erfahrung der Ausgangspunkt unserer Erkenntnis. Alle vier könnte man als kritische Realisten bezeichnen, in Grenzen als kritische Sensualisten. Alle argumentieren und analysieren die Welt aus "dem Diesseits", also nicht von einer abstrakten Position aus (Idee, Göttliches usw.). In der Ethik leiten sie Normen aus der Realität her, die wesentlich davon geprägt ist, dass es eine Spannung zwischen dem Menschen als Individuum und dem Menschen als Gemeinschaftswesen gibt. So will Kants kategorischer Imperativ genau die Mitte finden zwischen den Interessen der Gemeinschaft und dem Freiheitsrecht des einzelnen. Obwohl alle vier "Diesseitige" sind, behandeln sie das Göttliche als denkbare Kathegorie. Anders als Marx z.B. sind sie keine erklärten Atheisten. Doch hat für sie das Denken über Göttliches eine spekulative Note und ist daher keine akzeptable Perspektive zur Lösung von Problemen in der Welt.

Hedonismus, Intuitionismus,Utilitarismus,gemäßigter Utilitarismus (Mischung mit Intuitionismus). So in etwa würden diese Positionen etwa von Frankena, Moore, Sidgwick etc. klassifiziert werden. Es geht um die Erkenntnis moralischer Regeln einerseits (intuitiv +/-) und um die Rolle der Folgen für die Bewertung einer Handlung andrerseits (Konsequentialismus +/-). Daraus ergibt sich dann die Einordnung der 4 Ansätze.

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