Ist Western oder englisch besser fürs Pferd?

11 Antworten

Ich stimme luzie00 zu. Beide Reitweisen können sehr schädlich und sehr schonend sein, je nachdem, wie man reitet. Ich selbst bin Freizeit/Westernreiter, hab aber mit Englisch angefangen. Bin nur wenige Turniere gegangen, da ich sehr schnell das Interesse daran verloren habe.

Meiner persönlichen Erfahrung nach ist Western in der Tat schonender fürs Pferd in der Reitweise - einfach, weil viel mehr auf feinere Hilfen geachtet wird. Es wird (wie gesagt, je nachdem wo und wie du reitest) viel weniger getrieben und viel viel weniger Zügel benutzt, was natürlich für das Pferd entspannter ist. Das ursprüngliche Westernreiten - bevor es zum Turnier-show-bla wurde - war ja auch das Arbeiten mit den Pferden (mit Rindern, vor allem). Der Sinn der Sache ist also (ursprünglich vor allem, in hohen Kreisen naja), dass das Pferd...

1) ...wenig 'verbraucht' wird (anders als die Pferde, die schon mit 2 auf Turniere gehen müssen, wenn der Körper noch gar nicht für einen Reiter bereit ist), denn man braucht es ja noch lange zur Arbeit.

2) ...möglichst selbstständig arbeitet. Du korrigierst, wenn es etwas nicht richtig machst, ansonsten lässt du es gehen. (Die meisten Englisch Reiter sind ja nur am Treiben und ziehen die ganze Zeit am Maul - muss meiner Ansicht nach wirklich nicht sein.)

Natürlich gibt es auch Englisch / Freizeitreiter, die beides genauso beachten und mit wenig Hilfen reiten. Bei uns Freizeitreitern ist die Grenze zwischen Western und Englisch sowieso sehr schwammig.

Ich kritisiere am Englisch vor allem, wie das Reiten gelehrt wird - in drei Jahren Englisch Reitstunden hat mir niemand gesagt, dass man zum lenken (bei gut trainierten Pferden) nicht mehr machen muss, als die Hüfte zu bewegen, höchstens noch das Knie dazu. Und schon macht ein gutes Reitpferd eine Kehrtwendung. Viel mehr braucht es eigentlich nicht. (Allerdings sind viele englisch ausgebildete Reitpferde so abgehärtet, dass sie auf so was nicht mehr reagieren.)

So reiten die meisten Englisch Reiter meiner Meinung nach mit viel zu vielen und zu starken Hilfen. Ich benutz auch gerne meine Stimme - denn wozu in die Zügel greifen, wenn das Pferd es auch mit einem einfachen "woah" oder "steh" versteht? Als nächstes kommt bei mir Gewichtshilfe, dann ein bisschen Hüfte/Knie, Oberschenkel, Waden - ganz zum Schluss erst die Ferse/Zügel. Bei einem voll ausgebildeten Pferd gehe ich innerhalb ein, zwei Sekunden durch diese Abfolge (dh, wenn es auf leichte nicht hört, bekommt es härtere). Bei jungen Pferden fragt man sie ein bisschen länger nett, denn sie müssen es erst noch lernen.

Viele Englisch Reiter (natürlich nicht alle) fangen eben sofort mit den groben Hilfen an.

Meine Kritik am Westernreiten ist eigentlich nur das Training der Pferde. Der moderne Western(-turnier-)Reiter, aber auch der abgehärtete Cowboy Nordamerikas ist nicht unbedingt darauf bedacht, einem jungen Pferd genug Zeit zu geben, diese feinen Hilfen zu lernen. Stattdessen wird zB mit sehr scharfen Gebiss geritten, damit man später wirklich nur noch den kleinen Finger braucht. Natürlich machen das nicht alle so (ist auch sehr unnötig), aber viele machen es schon.

Ob die Ausbildung im Englischen so viel entspannter ist, kann ich nicht beurteilen. Hier kritisiere ich vor allem, wie früh angefangen wird. Meiner Meinung nach hat ein Pferd unter 5 nichts auf professionellen Turnieren zu tun - sie sind ja erst mit vier wirklich voll ausgewachsen, oder noch später (je nach Rasse).

Hoffe, das hat geholfen =) Im Grunde musst du wirklich in jedem Fall bei jedem Reiter einzeln entscheiden. Ich kann dich nur ermutigen, beides ausprobiert zu haben, damit du wirklich entscheiden kannst.

Ich hatte eine Freundin, die noch länger als ich auf Englisch geblieben ist und partout nicht umsteigen wollte. Kaum reitet sie ca 1 Monat mit mir im Stall (weil ihrer zu machte), will sie nicht mehr zurück zum Englisch.

Einfach ausprobieren, was dein Weg ist. Und sanft reiten ;-)

ich meinte natürlich, ich stimme pipepipepip zu ^^ und jetzt auch einigen anderen antwortern. (wenn das kein wort ist, dann ist das jetzt eins)

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Danke das du dir die Mühe gemacht hast den langen Text zu schreiben :D Ich kannte das am Anfang beim englischreiten auch nicht anders aber als ich in dem vorherigen Stall angefangen habe, habe ich zum Glück "richtigen" Unterricht bekommen auch wenn ich das Gefühl hatte nochmal alles von vorne lernen zu müssen. Mein Reitlehrer achter zwar sehr auf die Beihilfen und das ich auch freihändig reite aber ich muss dir leider recht geben das wenns nicht funktioniert mal am Zügel gezerrt wird und das es leider nicht überall so guten Unterricht gibt. Ich denke jetzt englisch und Western ist ungefähr auf dem gleichen "Stand". Sportpferde sind nochmal ein anderes Thema das finde ich auch quälerei, ausreiten muss auch mal sein :D

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@luzie00

stimme ich dir absolut zu. von einem guten englisch stall muss man
nicht weg wechseln. kannst natürlich trotzdem mal ins western schnuppern - gerade wirklich auf einem cowboy pferd zu arbeiten, zB auf einer echten farm, so im USA urlaub oder so ist schon echt cool. ich selbst bin oft in kanada unterwegs.

jedenfalls sage ich auch nicht, dass man immer verhindern kann, dem pferd grob in die zügel zu greifen - vor allem in gefährlichen situationen, also gerade beim ausreiten. da ist das pferd ohnehin abgelenkt und konzentriert sich nicht so auf den reiter, da verpasst es die feinen hilfen ganz gerne. bevor man mit seinem pferd auf die straße rennt, wenn ein auto kommt - himmel, ja, reiß an den zügeln.

aber ich glaube, du verstehst schon, was ich meine =)

wäre natürlich schade, wenn du und deine freundin jetzt in verschiedenen ställen reitet. ich hatte nur zwei jahre mit meiner besten freundin am selben stall, dann mussten wir umziehen. das sind sehr kostbare momente und möglichkeiten. aber das führt jetzt zu weit XD

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Beinhilfen* blöde Autokorrektur

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Objektiv betrachtet, definitiv Western!

1. Der Sattel hat eine größere Auflagefläche und verteilt das Reitergewicht wesentlich besser. Zudem ist er für den Reiter angenehmer und sicherer.

2. Es besteht kein Dauerzug im Pferdemaul wie beim Englischreiten. Stattdessen wird einhändig am losen Zügel geritten. Da ist selbst die blanke Kandare feiner und angenehmer als eine Wassertrense bei einem Englischreiter!

3. Es ist eine Arbeitsreitweise und darauf ausgelegt, das Pferd nur so viel zu belasten, dass es keinen Schaden trägt. Pferde müssen weder hohe Sprünge absolvieren, noch in Rollkurmanier piaffieren. Stattdessen wird das Pferd seiner Natur als Lauftier entsprechend genutzt - indem weite Strecken in diversem Gelände zurückgelegt werden. Auch die Arbeit mit Rindern ist für Pferde angenehm, da sie physisch und psychisch gefordert werden und man ihnen den Spaß ansieht. 

4. Westernpferde lernen, sich selbst zu tragen. Da gibt es kein "sich auf den Zügel legen" wie bei vielen klassisch ausgebildeten Pferden. 

5. Es ist eine Signalreitweise. Die Hilfen werden viel exakter gegeben, es gibt kein dauerhaftes Treiben, das Pferd lernt, eigenständig mitzuarbeiten. Und es wird vor allem auch die Stimme eingesetzt, am wenigsten die Zügel - keine massive Belastung auf Kiefer und Maul wie beim Englischreiten. 

Kleine Gegendarstellung.

1. dafür ist der Sattel aber auch bedeutend schwerer. Außerdem sind die englisch-Sättel auch nicht auf mehrere Stundenritte ausgelegt. Dafür gibt es dann wieder Wanderreitsättel, mit größerer auflagefläche.

2. Der Dauerzug sollte im korrekten Englischreiten auch nicht vorhanden sein. Korrekt geritten hält der Zügel lediglich eine feine Verbindung zum Pferdemaul. 

3. Kein Pferd sollte in Rollkurmanier Piaffieren, und zum Glück tut dies auch nur die Minderheit. Es gibt im Verhältnis mindestens genau so viele schlechte Western- wie Englischreiter. Schließlich gibt es auch dort Rollkur, und fancing ist nun auch keine schöne Trainingsmethode.

4. Ein korrekt ausgebildetes "klassisches" Pferd legt sich genau so wenig auf den Zügel. Trägt sich genau so gut selbst, wie ein schlecht ausgebildetes Westernpferd auf dem Zügel hängt und auf der Vorhand latscht.

5. Auch beim Englischreiten ist es das Ziel, nur durch feinste Signale mit dem Pferd zu kommunizieren.

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"Es ist irrelevant, auf welche Weise man sein Pferd falsch reitet." 

Ein Satz den ich von meiner Reitlehrerin gerne gehört habe. Im Grunde haben alle Reitweisen heute ein Ziel. Die Gesunderhaltung des Pferdes. Egal in welcher Reitweise, das Pferd muss gymnastiziert und "Dressurmäßig" (ja, auch im Western gibt es "Dressur") gearbeitet werden, um in erster Linie für die korrekte Muskulatur zu sorgen, welche nötig ist, um den Reiter sicher und möglichst beschwerdefrei tragen zu können.

Die Reitweise selbst richtet sich meist mehr nach dem Können des Pferdes und den Ambitionen des Reiters.

Wenn es dir in dem Stall gefällt, und du dich wohl fühlst, dann bleib dort. ;)

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