Ist man am Arbeitsmarkt über 40 schon zu alt?

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Da kann man wohl keine allgemeingültige Aussage zu machen - es ist sehr branchenabhängig und auch wohl immer eine Frage des Einzelfalls, wie da die Job-Chancen sind. Ich persönlich würde mir als Chef z.B. sicher keine kaugummkauende 18-Jährige mit wenig Lebenserfahrung und Menschenkenntnis zur Reklamations-Bearbeitung ans Telefon oder an den Infoschalter setzen (überspitzt formuliert natürlich..nix gegen junge Leute ;)..) , sondern eine/n älteren MitarbeiterIn bevorzugen - und auch vernünftige Löhne zahlen. Viele Arbeitsgeber stellen aber ja schon gar nicht mehr regulär ein (sondern arbeiten überwiegend nur noch mit Aushilfen, Zeitarbeitern, Praktikanten, 1-Euro-Kräften etc.).

Ein Berufskollege von mir hat's mal ganz knapp auf seinen Arbeitsgeber-Punkt gebracht (und es auch nicht wirklich scherzhaft gemeint, auch wenn es übertrieben formuliert war): "Die optimale Mitarbeiterin ist 20, hochqualifiziert, kinderlos und sterilisiert, hat schon 10 Jahre Berufs- und Auslandserfahrung und sucht dringend einen Job am Ort, für den sie auch einen befristeten Vertrag und lächerlichen Lohn mit Kusshand hinnimmt."

Mit spätestens 40 hört man als Frau (und vielleicht auch als Mann) alle möglichen Gründe, warum es mit der Stelle nicht klappt... wenn man denn überhaupt eingeladen wird. Man ist angeblich überqualifiziert. Man ist unterqualifiziert oder nicht mehr auf dem Laufenden. Man war wegen Kind zu lange aus dem Beruf. Man hat noch kein Kind, will aber vielleicht ja doch noch eins und fällt dann ganz aus (oder das Kind ist ständig krank und man muss deshalb freinehmen). Blabla.. es gibt 100 "Gründe".

Ich schätze, die einzige halbwegs "gesunde" Methode, damit umzugehen, ist, es nicht persönlich zu nehmen - sondern es als das zu akzeptieren, was es ist. Millionen Menschen sind auf Arbeitssuche, weil sie gar keine Stelle haben oder von der derzeitigen nicht leben können, Tendenz steigend. Wir haben auf der Gegenseite keine halbe Million gemeldeter offener Stellen. Die Zahl derer, die sich hungrig um diese Stellen drängen, nimmt immer mehr zu - und viele Arbeitgeber haben dadurch die freie Auswahl, welchem Bewerber sie den Zuschlag geben. Und damit können sie auch die Konditionen (u.a. ihre Altersvorstellungen) bestimmen. (Wenn Sie den Job unter diesen Bedingungen nicht wollen..kein Problem - da draussen warten 50 andere gleichqualifizierte Bewerber, die für JEDEN Lohn hier anfangen wollen.)

Man kann wohl nur versuchen, sich als Mensch nicht über seinen "Wert" auf dem Arbeitsmarkt zu definieren, sodass man dann depressiv wird, wenn man auf dem Markt nicht unterkommt.

Weiter suchen, aktiv bleiben, ggf. auch umdenken (also weg von der Vorstellung "eine unbefristete Festanstellung in Vollzeit", hin zu "mehrere Aushilfsjobs, zweimal Teilzeit").. und vielleicht auch selbständ.Alternativen austüfteln. Und die Zeit, die neben der Stellensuche bleibt, sinnvoll nutzen. Sich als Mensch, mit seinen Fähigkeiten und Erfahrungen einbringen (z.B. sich ehrenamtlich engagieren). Man wird ja nicht wert-und nutzlos, nur weil man keine entlohnte Arbeitsstelle hat. Den Gedanken sollte man gar nicht erst zulassen. Meine Meinung.

ZITAT:>>sondern arbeiten überwiegend nur noch mit Aushilfen, Zeitarbeitern, Praktikanten, 1-Euro-Kräften etc.)>>> Genau so seh ich das nämlich auch!

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Hat sie einen Beruf, eine Ausbildung? Hilft das Arbeisamt vielleicht bei einer Weiterqualifikation? Im Moment sieht es auf dem Arbeitsmarkt gar nicht so schlecht aus, sie muß es eben weiter probieren.

Vielleicht hat sie die falsche Qualifikation, wohnt in der "falschen Gegend" - oder hat sich bisher in einer Weise beworben, die die Personalchefs nicht akzeptiert haben?

Immer arbeitslos?

Seit etwa 7-8 Jahren bin ich mit meiner Ausbildung fertig und suche seitdem nach einer Umschulung. Ich bin schwer depressiv geworden, weil ich einfach keinen Job finde. Bin jetzt auch in einem ams Programm drinnen, welches sehr positiv für künftige Arbeitgeber ist und doch bekomme ich nur absagen, dabei will ich nichts mehr als endlich arbeiten zu können

Sogar als Putzfrau und beim McDonald's würde ich abgelehnt obwohl ich eine Matura habe und im großen und ganzen nicht dumm bin. Mittlerweile leide ich schon so sehr darunter, dass ich mir denke, es wäre besser nicht zu existieren.

Hat jemand ähnliche Erfahrungen? Nach ca 250 Bewerbungen bin ich schon sehr zermürbt und kann an nichts gutes mehr glauben :(

PS: ich durfte in meinem Leben noch nie 40 Stunden arbeiten, außer schwarz Arbeit, was nicht in Frage kommt.

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Was kann das Arbeitsamt für einen tun, wenn man 7 Jahre lang arbeitslos war, vorbestraft ist und keine realistische Chance am Arbeitsmarkt hat?

Einer meiner Freunde hat eine schwierige Situation:

Er hat vor 7 Jahren im Alter von 15 Jahren seinen Hauptschulabschluss gerade so mit einem Schnitt von 4,0 geschafft. Deutsch und Englisch wurden bei ihm nicht bewertet, da er eine LRS hat, und das wurde auch im Zeugnis vermerkt. In Mathe hatte er eine 5. Es wurden auch noch 40 unentschuldigte Fehltage, 2 Verweise und eine schlechte Beurteilung im Zeugnis vermerkt.

Nach der Schule hat er eine Ausbildung begonnen, die er bereits nach 4 Monaten abgebrochen hat.

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Das Jobcenter konnte damals nichts für ihn tun. Er wurde an eine Schule und zeitgleich ans Jugendamt verwiesen, da er Schulpflicht bis 21 hatte. Die Schule hat er geschwänzt und daraufhin bekam er und seine Eltern durch ein Bußgeld die Konsequenzen zu spüren.

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Er ist jetzt 22 und musste sich wieder arbeitslos melden. Das Kindergeld wurde ihm gestrichen und ihm steht kein Unterhalt zu. Sein Berater konnte keinen konkreten Vorschlag nennen, da er kaum eine Chance am Arbeitsmarkt mehr hat. Wie könnte er wieder eingegliedert werden und wie könnte das Amt jetzt weiterhin verfahren?

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