In Wien schrieb der 12-jährige Mozart seine erste Oper. Die Oper umfasste 615 Seiten. WELCHE OPER?

4 Antworten

Es ist in der Fragestellung nicht klar, ob mit den 615 Seiten der Oper die Partitur oder das Libretto gemeint ist und ob ein handschriftliches Original oder irgendeine gedruckte Ausgabe.

Alter und Ort (1768 Wien-Aufenthalt der Familie Mozart, Wolfgang Amadeus Mozart 12 Jahre) und großer Umfang (frühere Bühnenwerke Mozarts sind kürzer) sind aber ein deutlicher Hinweis, welche Oper gemeint ist:

La finta semplice

Dazu, ob dieses Werk Mozarts erste Oper gewesen ist, kann es unterschiedliche Meinungen geben. Dies hängt davon ab, ob Singspiel und Intermedium als zur Gattung Oper gehörend verstanden werden und entsprechend frühere Bühnenwerke Mozarts (die Singspiel bzw. Intermedium waren) als Opern eingeordnet werden oder nicht. Verbreitet ist eine Einstufung als Oper (bei einer weiten Bedeutung des Begriffs) auch schon für frühere Bühnenwerke Mozarts. Auf jeden Fall ist »La finta semplice» Mozarts erste abendfüllende Oper (Spieldauer – ohne Pause – ungefähr 2 Stunden und 30 Minuten).

Das Libretto (Textbuch) hat Marco Coltellini geschrieben, eine Überarbeitung eines 1764 in Venedig aufgeführten Werkes, dessen Text Carlo Goldoni als Autor zugeschrieben wird.

Eine geplante Aufführung in Wien 1768 kam nicht zustande. Leopold Mozart erhob gegen Giuseppe Affligio (bzw. Giusppe Afflisio; es gibt unterschiedliche Schreibungen des Namens), Impresario und Pächter des Burg- und Kärntnertortheaters, den Vorwurf, durch eine Intrige die Aufführung verhindert zu haben, und überreichte Kaiser Joseph II. eine Beschwerdeschrift.

Einige Anzeichen (z. B. auf der Seite „Personaggi“ (Personen/Rollen) eines Salzburger Librettos von 1769 genannte Sänger(innen), was zumindest eine geplante Aufführung belegt) deuten auf eine Aufführung in Salzburg 1769, aber ein genaues Datum der Uraufführung ist nicht sicher nachgewiesen (die verbreitete Angabe1. Mai 1769, Hoftheater des Erzbischofs Sigmund von Schrattenbach, ist ungesichert, es fehlt eine zeitgenössische Quelle dafür).

»La finta semplice» (die verstellte/fingierte/falsche Einfältige) wird im Original als dramma giocoso per musica bezeichnet. Es handelt sich um eine Opera buffa. 

frühere Bühnenwerke Mozarts:

Die Schuldigkeit des ersten Gebots (Die Schuldigkeit des ersten und fürnehmsten Gebottes), KV (Köchelverzeichnis) 35; Libretto: Ignaz Anton Weiser; Uraufführung: 12. März 1767, Salzburg, Rittersaal der fürsterzbischöflichen Residenz. Wolfgang Amadeus Mozart komponierte (im Alter von 11 Jahren) den ersten von drei Teilen (zweiter Teil: Michael Haydn; dritter Teil: Anton Cajetan Adlgasser); das Werk ist ein geistliches Singspiel.

Apollo und Hyacinthus (lateinisch: Apollo et Hyacinthus bzw. Apollo et Hyacinthus seu Hyacinthi Metamorphosis), KV 38; Libretto: Rufinus Widl; Uraufführung: 13. Mai 1767, Salzburg, Große Aula der Universität; Wolfgang Amadeus Mozart komponierte das Werk im Frühjahr 1767. Es war eine musikalische Beigabe bei einer Schüleraufführung (Universitätsgymnasium, gegründet als Benediktinergymnasium) der Tragödie Clementia Croesi (Die Milde des Croesus) vom Benediktinerpater Rufinus Widl. Gewöhnlich wird Mozarts Werk als Intermedium (Zwischenspiel, zwischen den Akten eines anderen Stückes eingeschobene Einlage) bezeichnet. Mozarts Werk (komponiert im Alter von 11 Jahren) ist erst nachträglich ein Titel hinzugefügt worden.

Bastien und Bastienne, KV 50; Libretto: Friedrich Wilhelm Weiskern, Johann Heinrich Müller, Johann Andreas Schachtner, beruhend auf Marie Justine Benoîte Favart, Charles Simon Favart, Harny de Guerville, Les amours de Bastien et Bastienne (Die Liebe/Liebschaften von Bastien und Bastienne), ein parodistisches Werk bezogen auf Jean-Jacques Rousseau, Le devin du village (Der Dorfwahrsager); Uraufführung: erste zeitgenössische Aufführung nicht sicher nachweisbar, erste genau belegbare Aufführung 2. Oktober 1890, Berlin, Architektenhaus; Wolfgang Amadeus Mozart hat mit der Komposition vermutlich 1767 (11 Jahre alt) in Salzburg begonnen und sie 1768 (12 Jahre alt) in Wien vollendet. Das Werk ist 1768 als Operetta (kleine Oper) bzw. eine französische Opéra-comique bezeichnet worden. Verbreitet ist eine Bezeichnung als Singspiel.

 

Informationen gibt es Nachschlagewerken über Oper und in Büchern über Mozart, z. B.:

Sabine Henze-Döhring, Mozart : Apollo et Hyacinthus (1767). In: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters : Oper, Operette, Musical, Ballett. Herausgegeben von Carl Dahlhaus und dem Forschungsinstitut für Musiktheater der Universität Bayreuth unter Leitung von Sieghart Döhring. Band 4 Werke: Massine - Piccinni. München ; Zürich : Piper, 1991, S. 275 – 277

Rudolf Angermüller, Mozart : Bastien und Bastienne (1768/1890). In: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters : Oper, Operette, Musical, Ballett. Herausgegeben von Carl Dahlhaus und dem Forschungsinstitut für Musiktheater der Universität Bayreuth unter Leitung von Sieghart Döhring. Band 4 Werke: Massine - Piccinni. München ; Zürich : Piper, 1991, S. 277 – 278

Reinhard Wiesend, Mozart : La finta semplice (1768). In: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters : Oper, Operette, Musical, Ballett. Herausgegeben von Carl Dahlhaus und dem Forschungsinstitut für Musiktheater der Universität Bayreuth unter Leitung von Sieghart Döhring. Band 4 Werke: Massine - Piccinni. München ; Zürich : Piper, 1991, S. 278 - 281

Friederike Jary, Apollo et Hyacinthus, KV 38. In: Das Mozart-Lexikon : mit 642 Stichwörtern sowie einem Werkverzeichnis und einer Chronik. Herausgegeben von Gernot Gruber und Joachim Brügge. Unter Mitarbeit von Friederike Jary und Karin Schieder. Laaber : Laaber, 2005 (Das Mozart-Handbuch ; Band 6), S. 48

Friederike Jary, Bastien und Bastienne, KV 50 (46 b). In: Das Mozart-Lexikon : mit 642 Stichwörtern sowie einem Werkverzeichnis und einer Chronik. Herausgegeben von Gernot Gruber und Joachim Brügge. Unter Mitarbeit von Friederike Jary und Karin Schieder. Laaber : Laaber, 2005 (Das Mozart-Handbuch ; Band 6), S. 92 - 93

Friederike Jary, La finta semplice, KV 51 (46 a) (Die kluge Einfalt). In: Das Mozart-Lexikon : mit 642 Stichwörtern sowie einem Werkverzeichnis und einer Chronik. Herausgegeben von Gernot Gruber und Joachim Brügge. Unter Mitarbeit von Friederike Jary und Karin Schieder. Laaber : Laaber, 2005 (Das Mozart-Handbuch ; Band 6), S. 205 - 206

1

er schrieb schon eine mit10

Die Schuldigkeit des ersten Gebots

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