Ich versuche mich möglichst kurz zu fassen.
Ich (26) habe mein ganzes Leben mit meiner Mutter und meiner 8 Jahre jüngeren Schwester zusammengelebt. Schon als Kind hatte meine Schwester extreme Wutausbrüche. Meine Mutter hat ihr meistens nachgegeben, damit es nicht zu laut wird oder Stress gibt. Ich hingegen war eher das ruhige Kind, aber wenn ich mal aus Trotz geschrien habe, wurde ich oft ignoriert.
Ab meinem 11. Lebensjahr musste ich regelmäßig Verantwortung für meine Schwester übernehmen. Sie vom Kindergarten abholen, auf sie aufpassen und das mehrere Jahre lang. Ich hatte so gut wie nie Freizeit und kaum Raum für mich.
Als sie älter wurde, überschritt sie immer mehr meine Grenzen. Sie nahm meine Kleidung und Sachen ohne zu fragen. Wenn ich etwas sagte, hieß es nur: „Ach, lass sie doch.“
Wenn ich irgendwann dann selbst etwas von ihr nahm, bekam ich eine geklatscht und dort hieß es, dass ich selbst Schuld sei.
Mit der Zeit kamen Beleidigungen dazu wie:
„Geh weg, wir wollen dich hier nicht.“
„Ich wünschte, du wärst tot.“
Meine Mutter reagierte mit einem erschrockenen Lachen oder sie ignorierte es.
Mit 17 fing sie an mich körperlich anzugreifen. Ich habe mir aber eingeredet, dass es normaler Geschwisterstreit ist. Weil dort das Hauen auch noch nicht ganz so schlimm war.
Vor einigen Monaten eskalierte es wegen eines Katers, den ich aufnehmen wollte. Meine Schwester wollte dieses „Vieh“ nicht im Haus haben. Sie schrie absichtlich herum, riss Türen auf, provozierte Stress, sodass das Tier ständig Angst hatte. Sie wollte dann meiner Freundin, die den Kater zu mir gebracht hat hinterher laufen, damit sie ihn gefälligst wieder abholt. Ich meinte nur „Das ist ihr egal, darauf wird sie nicht hören“. Dann wurde sie körperlich.
Sie zog mich an den Haaren zu Boden und schlug mehrfach auf meinen Kopf ein. Meine Mutter musste sie festhalten, sonst hätte sie nicht aufgehört. Am Ende habe ich den Kater schweren Herzens zurückgegeben, weil er ein Zuhause verdient hat, indem er zur Ruhe kommen kann.
Einen Monat später griff sie mich wieder an. Ich versuchte mich zu schützen und traf sie dabei versehentlich am Bauch (sie ist schwanger). Seitdem werde ich als Täterin dargestellt.
Dann ebenfalls ungefähr einen Monat später saß ich am Esstisch und diskutierte mit meiner Mutter. Es ging nicht einmal um meine Schwester. Sie kam rein und schlug mir mit voller Wucht auf die Schläfe.
Ich hatte starke Schmerzen im Kopf und im Krankenhaus wurde eine Gehirnerschütterung festgestellt.
Ihre Reaktion:
„Dann soll sie mich nicht provozieren.“
Meine Mutter sagte ebenfalls nur, dass ich sie ja provoziert hätte und nicht unschuldig an dem Ganzen wäre. Es hieß immer ich würde provozieren, übertreiben oder wäre zu sensibel.
Einen Tag nachdem ich im Krankenhaus war, wurde ich aus der Wohnung geworfen, weil ich sagte, dass ich zur Polizei gehen möchte, um mich zu schützen. Meine Mutter packte meine Sachen und sagte, ich sei nicht mehr ihre Tochter. Meine Schwester meinte noch sie will mich wegen versuchten Totschlags an ihrem ungeborenen Baby anzeigen.
Jetzt lebe ich bei meinem Vater (wo es ebenfalls alte Traumata gibt), schlafe kaum noch und zittere seit Tagen unkontrolliert. Ich fühle mich komplett am Boden. Ich vermisse mein Zimmer und mein gewohntes Umfeld, auch wenn es dort so eskaliert ist.
Ich verstehe einfach nicht, warum ich diejenige bin, die gehen musste.
Ich habe immer geholfen. Ich habe eingekauft, finanziell unterstützt, mich um den Hund gekümmert. Meine Schwester wird hingegen stark bemuttert, übernimmt keine Verantwortung und schreit mehrmals täglich nach meiner Mutter.
Ich fühle mich so, als hätten sich meine Mutter und Schwester komplett gegen mich entschieden und das tut echt weh.
Hat jemand Ähnliches erlebt oder vielleicht Tipps?