Hilfe zu HEINZ EDUARD TÖDTs "Schritte ethischer Urteilsfindung" gesucht!

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2 Antworten

An sich kann man seine Schrift ohne weiteres im Internet finden und lesen. Heinz Eduard Tödt ist ein evangelischer Theologe, der in dieser Schrift versucht, im Gegensatz zur herkömmlichen Situatiosnethik in der evangelischen Theologie, eine Verantwortungs-und Pflichtenethik aufzubauen. Erster Versuch 1977, in seinem 1988 veröffentlichtem Buch " Perpektiven theologischer Ethik " wurde dieser erste Versuch vertieft.

Er konstruiert ein Urteilsschema ( mit Sach-und Verlaufsstruktur) mit den Abläufen Problemfeststellung, Situationsanalyse, Verhaltensalternative, Normenprüfung, Urteilsentscheid und rückblickende Adäquanzkontrolle (Angemessenheit des Urteils und des Verhaltens in einer bestimmten Situation angesichts eines bestimmten Problems ) .

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Schritte ethischer Urteilsbildung

In der Ethik geht es um die Frage: Was soll ich tun? Was sollen wir tun? Soll in einem konkreten Fall die Antwort nicht bloß intuitiv formuliert oder einfach gesetzt werden, bedarf es eines bedachten Vorgehens. Die folgenden Schritte und Fragen wollen dazu eine Hilfe sein und die Besinnung auf ethische Normen mit einer gründlichen Analyse der Situation sowie einer Abschätzung von Folgen verbinden. Sie stammen im Wesentlichen von dem evangelischen Theologen Heinz Eduard Tödt und eignen sich für soziale, persönliche, aber auch wissenschaftlich-technische Probleme. Es ist lohnend, einmal nachzuspüren, wie es zu diesen Schritten gekommen sein könnte.

Schritt 1: Problemdefinition Worin liegt eigentlich das ethische Problem? Wie lautet die ethische Frage? Wie sehen das die Beteiligten? Wie reagiere ich im ersten Moment?

Schritt 2: Situationsanalyse Wie ist das Problem entstanden? Welche Faktoren spielen mit? Wie hängen sie zusammen? Welche Tendenzen zeichnen sich ab? Welche Personen und Gruppen sind direkt oder indirekt davon betroffen? Wer sind die Schwächsten in diesem Zusammenhang?

Schritt 3: Verhaltensalternativen Welche Vorschläge zur Lösung des Problems gibt es schon? Wer vertritt diese? Warum? Wie wirken sich die einzelnen Vorschläge auf die Schwächsten aus?

Schritt 4: Normenreflexion Welche Überzeugungen stecken hinter den einzelnen Vorschlägen? Welchen kann ich zustimmen? Welchen nicht? Warum? Welche Lösungen ergeben sich, wenn man das Problem aus den Augen eines bestimmten Philosophen oder einer anderen Religion betrachtet? Welche Lösungen ergeben sich, wenn man von dem Gebot der Nächstenliebe und der „vorrangigen Option für die Armen“ ausgeht? Wie sind diese Lösungen im Blick auf Menschen (Humanverträglichkeit), die Umwelt (Umweltverträglichkeit), das gesellschaftliche Zusammenleben (Sozialverträglichkeit) und andere Verträglichkeiten zu beurteilen?

Schritt 5: Prüfung der kommunikativen Verbindlichkeit Welcher Lösungsvorschlag wird den Beteiligten und Betroffenen am meisten gerecht? Wie lässt sich diese Lösung argumentativ vertreten?

Schritt 6: Urteilsentscheid Für welche Lösung entscheide ich mich bzw. entscheiden wir uns? Welche Folgen hat dieses Urteil für mich persönlich bzw. für uns? Können und wollen wir mit diesen Folgen leben?

Schritt 7: Vertreten der Entscheidung in der Öffentlichkeit/ oder: Vermittlung der Entscheidung/ oder Präsentation der Entscheidung Welche Form wähle ich um meine Entscheidung öffentlich zu machen? Wie und wo gewinne ich Mitstreiter/innen? Wo benötige ich Institutionen (Gemeinde, Kirche, ...) als Träger der Verantwortung um mich nicht individuell zu überlasten?

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