Habe fragen zur "Schreckensherrschaft" und Robes Pierre aus der Französischen Revolution

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In Büchern über die Französische Revolution stehen Informationen über Maximilien de Robespierre (mit der richtigen Schreibweise erhöhen sich auch die Chancen, bei der Suche im Internet etwas zu finden). Dort stehen zum Teil ausführliche Darstellungen, z. B.:

Ernst Schulin, Die Französische Revolution. 4., überarbeitete Auflage. München : Beck, 2004 (Beck's historische Bibliothek) (besonders S. 202 – 238)

Wolfgang Kruse, Die Französische Revolution. Paderborn , München : Wien ; Zürich : Schöningh, 2005 (UTB : Uni-Taschenbücher : Geschichte ; 2639) (besonders S. 26 – 40 und 101 – 112)

Hans-Ulrich Thamer, Die Französische Revolution. 3. Auflage, Original-Ausgabe. München : Beck, 2009 (Beck'sche Reihe : C.-H.-Beck-Wissen ; 2347) (besonders S. 53 – 89)

1) Robespierre war als Rechtsanwalt tätig und wurde als Abgeordneter des Dritten Standes 1789 in die Nationalversammlung gewählt. Durch sorgfältig vorbereitete und argumentierende Reden gewann er allmählich Respekt. Er trat einem wichtigen politischen Klub, den Jakobinern, bei und wurde ihr Präsident. Durch Forderungen, die für demokratische Prinzipien eintraten, und unanfechtbaren Lebenswandel (Robespierre galt als „der Unbestechliche“) wuchs die Bewunderung für ihn. 1792 war er ein führender Politiker der Berg-Partei (Montagnards; so genannt, weil sie auf den oberen Bänken im Sitzungssaal des Parlaments saßen) im Nationalkonvent. In Verbindung mit einer Radikalisierung errangen die Montagnards die politische Vorherrschaft. Die davor vorherrschenden Girondisten verloren an Zustimmung, weil sie keine eine breite Mehrheit überzeugende Lösungswege für zunehmende Schwierigkeiten anboten. Die Französische Revolution war in dieser Zeit bedroht (Krieg und Bürgerkrieg durch gegenrevolutionäre Bewegungen und Aufstände im Inneren) und energische Maßnahmen zu ihrer Erhaltung daher wichtig. Ein Volksaufstand im Juni 1793 stürzte die Girondisten und die Montagnards schalteten sie aus. Der schon am 6. April 1793 eingerichtete Wohlfahrtsausschuss (Comité de salut public), in dem Maximilian de Robespierre vom 27. Juli 1793 bis zum 27. Juli 1794 ein Mitglied unter 12 Mitgliedern war, übte praktisch die Regierung aus. Der Wohlfahrtssauschuss hatte die Aufsicht über die Kriegsführung und die Kontrolle über Ministerien, Polizei, Verwaltung und Wirtschaft.

2) Maximilien de Robespierre war ein politischer Moralist. Er handelte aus Überzeugung. Er glaubte an eine sich in einem Allgemeinwillen ausdrückende Vernunft. An Jean-Jacques Rousseau orientierte aufklärerische Ideale waren sein Leitbild. Tugend, Gerechtigkeit, Liebe zur Gleichheit (Gleichheit vor dem Gesetz und gleiche Chancen, aber nicht völlige Besitzgleichheit) sollten verwirklicht werden. Robespierre trat für die Revolution und eine demokratische Republik mit allgemeinem Wahlrecht ein. Er wollte sie in der schwierigen Bedrängnis (Krieg und innere Unsicherheit/Bürgerkrieg) erhalten und wirtschaftliche Probleme (Nahrungsmittelknappheit, Preisanstieg) bewältigen. Wer mit Privatinteressen nach seiner Meinung das Allgemeinwohl gefährdete, sollte überzeugt und bei Weigerung bestraft werden. Terror ohne Tugend hielt er für unheilvoll, rechtfertigte ihn („Terror ist nichts anderes als Gerechtigkeit, sofortige, unnachsichtige und unbeugsame Gerechtigkeit; er stellt daher eine Ausdrucksform der Tugend dar.“) aber als Mittel in Notlagen, in den die Tugend ohne ihn hilflos sei. Daraus ist aber ein überzogenes Vorgehen geworden, das Grundrechte und wichtige Freiheiten einschränkte und aufhob und wenig Toleranz gegenüber abweichenden Meinungen zeigte.

Robespierre hat Reden gehalten, Anträge gestellt, Gesetze vorgeschlagen, Beschuldigungen erhoben, auf Verhaftungen hingewirkt und Beschlüsse unterschrieben.

Er wollte öffentliche Erziehung/Bildung und versuchte durch kultische Feiern (z. B. „Fest des höchsten Wesens“ am am 8. Juni 1794) eine patriotische Einheit zu fördern.

Die Gesetze über das Maximum (Höchstmaß) griffen in einer Zeit der Not in das Wirtschaftsleben ein. Mit dem „Kleinen Maximum“ vom 4. Mai 1793 wurde ein Höchstpreis für Getreide, mit dem „Großen Maximum“ vom 29. September 1793 wurden Höchstpreise für Güter des täglichen Bedarfs, z.B. Brot, Öl, Textilstoffe, Kerzen, und Feuerholz, festgelegt. Außerdem wurden die Löhne auf das Anderhalbfache der Löhne von 1790 festgesetzt. Am 23. Juli 1794 wurde das Maximum der Löhne erneuert.

3) „Schreckensherrschaft“ („Terreur“) ist die Bezeichnung für eine Zeitabschnitt der französichen Revolution (von einem Volksaufstand in Paris am 2. Juni 1793 bis zum Sturz Robespierres am 27. Juli 1794) und eine Herrschaft, die durch starken Druck und Verfolgung Angst und Schrecken auslöste, weil sich kaum jemand sicher fühlen konnte.

Die Zeit ist durch Verdächtigungen, Überwachung/Kontrolle und Unterdrückung von grundsätzlicher Gegnerschaft gekennzeichnet. Der Wohlfahrtsausschuss (Comité de salut public) wurde die mächtigste politische Institution mit außerordentlichen Vollmachten (die aber vom Nationalkonvent zu verleihen waren). Das schon im März 1793 geschaffene Revolutionstribunal (tribunal révolutionnaire) als Gerichtshof für politische Prozesse verurteilte viele Menschen zum Tod (Hinrichtung durch die Guillotine).

Robespierre hat verschiedene oppositionelle (gegnerische) Richtungen ausgeschaltet, die Enragés (sozialrevolutionäre Gruppierung unter der Führung des Priesters Jacques Roux), radikalrevolutionäre politische Vertreter der Sansculottenbewegung wie Jacques-René Hébert und für eine Mäßigung der Schreckensherrschaft eintretende Politiker (Georges Danton und Camille Desmoulins sind besonders bekannt; Vorwürfe der zu weitgehenden Nachgiebigkeit und Korruption).

Robespierre sah sich in seinem Selbstverständnis als Kämpfer für die Humanität. Die wichtigste Antriebskraft der Demokratie war nach seiner Auffassung öffentliche Tugend. Er neigte dazu, sich im Besitz der alleinigen Wahrheit zu sehen, nur einen Standpunkt für anständig und gut vertretbar zu halten und diesen für den allgemeinen Willen (volonté générale) zu erklären. Tugend bedeutete für ihn Liebe zum Vaterland und zur Gleichheit.

Es wurde eine starke Kontrolle ausgeübt und ein Verhalten verfolgt, das als Abweichung vom Allgemeinwohl trotz Ermahnung verstanden wurde. Am 17. September 1793 wurde vom Nationalkonvent das „Gesetz über die Verdächtigen“ beschlossen. Überwachungsausschüssen erhielten die Vollmacht, Haftbefehle gegen verdächtige Personen auszustellen. Als Verdächtige galten alle, die sich durch ihre Ansichten oder ihre Haltung als „Feinde der Freiheit" erwiesen. Die Verhafteten hatten im Prozess vor dem Revolutionstribunal ihre Unschuld nachzuweisen. Ein Gesetz vom 19. Juni 1794 ließ dabei keinen Verteidiger als Rechtsbeistand zu. Als Urteile über als „Feinde des Volkes“ Angeklagte waren Freispruch oder Hinrichtung vorgesehen. Es kam zu vielen Hinrichtungen, auch Revolutionäre werden durch die Guillotine getötet.

4) Robespierre wurde am 27. Juli 1794 (9. Thermidor des Jahres II) gestürzt und am 28. Juli 1794 durch die Guillotine hingerichtet. Die Gefahr durch Feinde der Revolution hatte abgenommen und die Weigerung, den Verfolgungsdruck abzuschwächen, Unzufriedenheit der Unterschichten über niedrige Löhne und ein Angst der Abgeordneten des Nationalkonvents, die sich durch unklare Aussagen Robespierres über ein weiteres Einschreiten bedroht fühlten, führte zu einer zunehmenden Isolierung und einem Bündnis gegen ihn. Auch eine Reihe seiner Anhänger wurden hingerichtet. Die spezielle Form des schrecken hörte innerhalb kurzer Zeit auf, allerdings gab es von anderer Seite auch danach Unterdrückung und brutale Verfolgung („weißer Terror“ gegen Jakobiner vor allem in Lyon und Marseille 1795 und Deportationen [auf staatliche Anordnung zwangsweise Fortschaffung in ein anders Gebiet als Strafe])

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