Gibt es hier Altenpfleger die ihren Job trotz Knochenarbeit lieben. Was sind die pro und Kontras?

6 Antworten

Ich habe Pflege gelernt. Habe mir das als Schüler nie vorstellen können, obwohl ich früh etwas soziales machen wollte.

Bin durch ein FSJ in einer Tagespflege in die Altenpflege gerutscht und es hat mir sehr gut gefallen.

In die ausbildung bin ich also schon etwas blauäugig gegangen. Ich hatte davor nie einen alten Menschen gewaschen (höchstens Unterstützung bei der Intimpflege).

Da ich aber wenig Erwartungen hatte, hat es mir insgesamt sehr Spaß gemacht.

Ich bin in den Beruf gewachsen und das bestätigen auch die Kollegen. Ich habe unsicher und zurückhaltens angefangen und weiß nun was ich tue :D

Meine eigentliche Arbeit macht mir sehr Spaß. Das einzige, was manchmal sehr lästig ist, sind Angehörige oder Ärzte. Manche ticken da doch sehr seltsam.

Was mich wirklich frustriert, ist die allgemeine politische Situation. Ich bin früh bei ver.di beigetreten und in meinem 1. Ausbildungsbetieb wurde ich in die JAV (Jugendausbildungsvertretung - eine Abteilung des Betriebrates). gewählt. Was mich traurig macht, dass die Gesellschaft und vorallem die Politiker gar nicht sehen, was wir eigentlich leisten, wofür wir eigentlich da sind und mit leeren Worten abspeisen.

Noch trauriger macht es mich, dass alle Pflegekräfte zwar schimpfen können, sich aber keiner etwas traut. Ob nun öffentlich oder nur vor dem Chef, da sind sie still.

Und das schlimmste ist, dass man selber viel zu viel mit sich machen lässt, weil man einfach nicht anders kann. Ich bin seit Januar diesen Jahres in einem neuen Betrieb und habe dort bereits 98 Überstunden. Wohin soll das führen?

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Vielen Dank das du dir die Zeit genommen hast. Hat mir sehr weiter geholfen!:)

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Meine Tante macht es schon seit fast 30 Jahren. Ist wie ein Job als Helfer im Krankenhaus:

Medizin verabreichen, zur Toilette helfen, füttern, etc. und das auch gelegentlich in Nachtschicht.

Das wirklich schwere am Job ist aber nicht oben genanntes und die üblichen "den Hintern abwischen" Sprüche. nein für den Job brauchst du eine gewisse Mentalität. Denn du wirst mit dem Tod konfrontiert. Deine "Patienten" verbringen bei dir in der Altenpflegestation ihre letzten Tage und Jahre auf erden.

Das heißt du musst trotz des offenen Umgangs eine gewisse Distanz wahren. Lässt du sie zu nahe an dich ran, dann wirft dich ihr Tod aus der Bahn.

Ich habe auch mal bei ihr Praktikum gemacht. mit einem der Patienten habe ich täglich eine Runde Schach gespielt und mich dabei gut unterhalten. Er schien mir für sein Alter 82 noch gut in Form und Lebensfroh zu sein, doch manchmal kommt der Tod unerwartet plötzlich. In der Nacht vom dritten auf den vierten Tag meines Praktikums ist er friedlich im Schlaf verschieden.

Danach war mein Praktikum vorzeitig herum. Denn noch am selben Tag war mir klar, dass ich nicht dafür gemacht war. Ich konnte keine Distanz wahren und war mir damals ziemlich sicher, dass ich es auch später nie gelernt hätte. Der Job hätte mich seelisch aufgerieben.

Wenn du wirklich überlegst den Beruf auszuüben, dann solltest du ein längerfristiges Praktikum anstreben oder ein freiwilliges soziales Jahr in der Altenpflege einlegen. wenn es dir nichts ausmacht distanz zu wahren und der Tod anderer dich relativ kalt lässt, dann ist der Job was für dich.

Man kann es nur hoffen, denn es mangelt an Altenpflegern. (könnte man noch als Pro aufführen, dass es wohl gerade einer der Zukunftssicheren Jobs des Landes ist ^^)

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Vielen Dank für die Antwort!! Werde auf jeden Fall noch mal ein Praktikum machen👍🏻

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Ich weiß, dass viele mich für verrückt erklären. Dinge, die gegen den Beruf sprechen ist zwischen 30 und 35 Stunden gelten schon als Vollzeit. 38,5 oder 40 Wochenstunden gibt es selten. Heime sind chronisch unterbesetzt mit Personal. Schlechtere Bezahlung. Es ist durchaus möglich, dass jemanden die psychische und physische Belastung zu hoch ist. Einspringen an freien Tagen ist die Regel.

Dinge, wegen denen ich mir ausgerechnet diesen Beruf ausgesucht habe:
Arbeiten am Samstag, Sonntag und Feiertagen (ich hasse es, an den Tagen frei haben) Spätschichten und Nachtschichten (ich hasse Frühschichten), man sitzt nicht die ganze Zeit am Schreibtisch, man arbeitet mit Menschen.
Zusätzlichen Sonderurlaub, wenn man eine gewisse Anzahl an Nachtdiensten macht. Man findet leicht einen neuen Job, wenn man was neues sucht.

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