Gibt es alternativen zum BIP?

5 Antworten

Wenn man auf Wirtschaft und Geld abstellt und andere "softe" Faktoren ausblendet, ist am ehesten noch das Bruttonationalprodukt (BNP) ein ziemlich ähnlicher Indikator. Der Unterschied zwischen BNP und BIP ist, dass man beim BNP auf das sogenannte Inländerkonzept setzt, während das BIP explizit nur im jeweiligen Land erwirtschaftete Leistungen berücksichtigt.

Der Unterschied kommt dann zum Tragen, wenn es um Aktivitäten von Inländern geht, die aber (nur) im Ausland wirksam sind. Gleichermaßen erfasst das BIP Leistungen von Ausländern, die im jeweiligen Land wirksam werden, während diese beim BNP nicht berücksichtigt werden. Es geht also einmal um den Ort, und einmal um die Nationalität dessen, der die wirtschaftliche Leistung erbringt.

Beides lässt sich unter Kenntnis weiterer Daten gegenseitig umrechnen. Im Prinzip braucht man die Summe der (Einkommens-)Finanzzuflüsse und -abflüsse, um diese Umrechnung vornehmen zu können.

Interessant ist dann noch das Nettonationaleinkommen, welches sich auf Basis BNP minus Abschreibungen definiert. Denn das rechnet zum Beispiel Abnutzungen an langlebiger Infrastruktur und Investitionsgütern raus. Als betriebswirtschaftliche(!) Parallele mal ein Beispiel: eine FIrma arbeitet mit sehr alten Maschinen, erneuert nichts, schreibt sehr gute Ergebnisse. Toll fürs BNP. Würde aber der eigentlich schon lange bestehende Investitionsrückstau adäquat berücksichtigt, sähen die Zahlen deutlich schlechter aus.

Auch noch interessant: das sogenannte Volkseinkommen. Das ist das Nettonationaleinkommen, von dem noch die Steuern runtergehen, und wo eventuelle Subventionen, die der Staat zahlt, wieder aufgeschlagen werden.

Das Volkseinkommen, dann auf "pro Kopf" runtergerechnet, ist im Gegensatz zu BIP/BNP tatsächlich dann mal eine Kenngröße, die überschlägig etwas darüber aussagt, wie viel tatsächlich für das Lohnbrutto pro Nase übrig bleibt. Und ja, hier schreibe ich mit Absicht Lohn*brutto*, weil nämlich die Lohnsteuern auf Arbeit beim Volkseinkommen noch nicht zuvor abgezogen worden sind, sondern nur die Unternehmenssteuern.

Jetzt kann man nochmal weiterrechnen, auch noch Lohn-/Einkommensteuern, Sozialabgaben usw. runterrechnen, und irgendwann dann kommt man dann beim real verfügbaren Einkommen pro Kopf raus.

Wie man an der Gesamtrechenkette sieht, sagt das BIP nur wenig über das real pro Kopf verfügbare Einkommen aus. Es fehlen halt die ganzen Abzüge "unterwegs". Deutschland ist beispielsweise inzwischen bei ca. 39 Tsd. Euro/Jahr beim BIP angekommen. Das BNP lag sogar knapp über 40 Tsd. Euro/Jahr in 2017.

Das durchschnittlich verfügbare Einkommen pro Kopf in Deutschland lag hingegen nur bei ca. 22 Tsd. Euro. Der Rest des Geldes versackt also unterwegs in Steuern auf verschiedenen Ebenen sowie Sozialabgaben.

Leute, die also mit BIP oder BNP argumentieren, um aufzuzeigen, wie gut es uns angeblich doch gehe, betreiben pure Augenwäscherei. Weil Geld, was bei den Bürgern nicht ankommt, allenfalls sehr indirekt deren Wohlstand steigert.

Schau mal unter Nationalem Wohlfahrtsindex (NWI). Anders als das BIP berücksichtigt ein Wohlfahrtsindex über die bloße Wertschöpfung hinaus weitere Werte. Dies sind z. B. ökologische Folgen wie der Verbrauch nicht erneuerbarer Ressourcen oder soziale Folgen wie die Verteilung der Einkommen in einer Gesellschaft. Demnach steht hinter einem Wohlfahrtsindex ein Modell mit Annahmen darüber, welche Faktoren in welchem Ausmaß die Wohlfahrt einer Gesellschaft steigern und in welchen Fällen dies nicht der Fall ist. (Quelle: Wikipedia)

Woher ich das weiß:Recherche

Im BIP werden mehr oder weniger die Löhne zusammen gezählt. Das bedeutet:

  • Wenn du deine eigenen Kinder hütest und deine Nachbarin ihre Kinder, dann zählt dies nicht für's BIP. Wenn du aber die Kinder der Nachbarin hütest und deine Nachbarin deine und ihr zahlt euch gegenseitig einen Lohn, dann zählt dies für's BIP. Weil viele Dienste in Afrika gar nicht über den Lohn laufen, ist das BIP in vielen afrikanischen Ländern wesentlich tiefer als es sein sollte.
  • Wenn ein Orkan über das Land fegt und danach alles wieder aufgebaut werden muss, dann kann man mit Häuser bauen viel verdienen. Das heisst, das BIP steigt.

Man müsste also eigentlich die Schäden vom BIP abziehen und dafür die unbezahlte Arbeit einbeziehen.

Das BIP wird vor allem deshalb gewählt, weil es anzeigt, wie kreditwürdig ein Land ist. Wo Löhne gezahlt und versteuert werden, kann man auch Schulden eintreiben. Wenn Arbeiten unter der Hand vergeben werden und auf Gegenseitigkeit beruhen, ist es schwierig, Schulden und Zinsen einzutreiben.

Der HDI (Human Development Index)

Mit dem wird der Wohlstand der Menschen eines Staates gemessen. Aus 3 Hauptfaktoren : Lebenerwartung , Wieviele Jahre man zur Schule geht und das Bruttosozialprodukt (sowas wie Einkommen pro Jahr) Dadurch hat man ein viel besseres Bild von der menschlichen Entwicklung im Gegensatz zum BIP.

Dankeschön

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