Genitiv-s: Ist das "e" davor grundsätzlich erlaubt oder nur in Ausnahmefällen?

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7 Antworten

Das e vor dem Genitiv-s ist grammatikalisch korrekt, hat sich aber im Laufe der Zeit mehr und mehr verschliffen. Es ist heute bei vielen Wörtern eher Zeichen für hyperkorrektes Schriftdeutsch. Allerdings kommt es auch auf die weitere lautliche Umgebung an, wie stark sich das e vor dem Genitiv erhalten hat.

Auch Dir vielen Dank, pmielke. Und auch die Frage an Dich:

Bedeutet das, dass die Genitiv-Endung mit "es" sogar die richtigere ist? In "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" von Bastian Sick habe ich in allen 3 Bänden dazu nichts gefunden - er hat sich aber in Beispielen auf die Genitiv-Endung mit "s" beschränkt (nur in Ausnahmefällen mit "es", wo sie zwingend erforderlich oder besser zu sprechen ist).

Gibt es da eine Regel?

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So kenne ich es auch. Wenn es sich gut sprechen lässt, kann man das "e" weglassen. Aber Mords wird doch auch häufig benutzt statt Mordes. Allerdings würde ich, wenn ich einen Brief schreibe oder auch Schüler einen Aufsatz o.ä. schreiben, eher mehr zu der Form mit "e" neigen, es klingt eleganter und gebildeter. Nur in der Umgangssprache würde ich es weglassen bis auf die wenigen Ausnahmen bei schwieriger Aussprache.

Wenn ich mich recht erinnere, so wird ein e eingeschoben, wenn es sich beim Substantiv um ein einsilbiges Wort handelt: "des Baumes",aber "des Tannenbaums", weil es sich um ein mehrsilbiges Wort handelt.

Das Weglassen von Buchstaben wie hier das "e" der Genitiv-Endung "es" deutet in der Regel auf ein "Abschleifen" der Schriftsprache in umgangssprachlicher Form hin.

Das "e" vor dem Genitiv-s ist generell erlaubt, in allen Fällen, wo der Nominativ schon auf "s" oder "z" endet, sogar zwingend erforderlich ("des Hauses", "des Schatzes").

Vielen Dank, UlfDunkel. Bedeutet das, dass die Genitiv-Endung mit "es" sogar die richtigere ist? In "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" von Bastian Sick habe ich in allen 3 Bänden dazu nichts gefunden - er hat sich aber in Beispielen auf die Genitiv-Endung mit "s" beschränkt (nur in Ausnahmefällen mit "es", wo sie zwingend erforderlich oder besser zu sprechen ist).

Gibt es da eine Regel?

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@haecor

Ich habe im Duden-Band 4 (Die Grammatik - 5. Auflage) die Regel 382 dazu gefunden, die ich hier mal verkürzt wiedergebe:

Der Genitiv begegnet in zwei Formen, -es und -s.

Die volle Form -es steht

  • immer bei Substantiven auf -s, -ß, -x, -z.
  • vorwiegend bei Substantiven auf -sch, -tsch und -st:
  • immer, soweit möglich, bei Voranstellung des Genitivattributs
  • häufig, soweit möglich, um das Nebeneinander von drei oder mehr Konsonanten zu vermeiden
  • häufig bei einsilbigen Substantiven und solchen, die auf der Endsilbe betont werden.

Die kürzere Form -s steht

  • bei Substantiven, die auf eine unbetonte Silbe, insbesondere auf -e, -ler, -ner, -le, -en, -sel, -tel, -chen, -el, -er, -lein und -ling enden,
  • bei Substantivierungen von Farbadjektiven,
  • meist bei Substantiven, die auf Vokal (Diphtong) oder Vokal + h enden.

Für mehr Infos wäre es nur fair, wenn Du Dir den Duden-Band zulegst. :-)

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@UlfDunkel

Vielen Dank! Das hilft mir weiter!

P.S. Duden hab' ich, aber leider in irgendeiner Kiste tief im Keller vergraben - sind gerade am Umziehen ...

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Wieder eine Regel für die es keine Regel gibt...wie unsinnig...ich schreibe den Genitiv-s nach Gefühl...bisher hat sich niemand beschwert.

LG 2kiba

Mit dem Gefühl ist das so eine Sache, wenn dann ein Akkusativ dabei herauskommt. Auch Kommata sollten logisch und nicht nach Gefühl weggelassen werden.

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tja da sieht man mal wieder, dass sich die tatsächlich gesprochene sprache wandelt und nicht am duden orientiert ist, sondern eher der duden am sprachgebrauch. wie gut, dass es corpora gibt xD

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