Was ist Ethik?

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Ethik ist eines der zwei großen Teilgebiete der Philosophie (das andere ist die Metaphysik). Die Ethik bezeichnet man auch als "praktische Philosophie", da sie sich mit dem menschlichen Handeln befasst (im Gegensatz zur "theoretischen Philosophie", wie die Metaphysik auch genannt wird).

Die Ethik beschäftigt sich damit, was gutes oder schlechtes Handeln ausmacht. Eine Ethik sagt also, wie der Mensch handeln soll und wie nicht, bzw. wie er sich beim täglichen Handeln zu entscheiden hat. Dazu gehört eine Vorstellung vom Ausmaß individueller menschlicher Freiheit und mitunter eine Bestimmung von Gut und Böse.

Sie befasst sich hierzu mit den Grundlagen menschlicher Werte und Normen, des Sittlichen und der allgemeinen Moral.

Zentrale Probleme der Ethik betreffen die Motive, die Methoden und die Folgen menschlichen Handelns. Es ergeben sich sehr unterschiedliche Ethiken, je nachdem, wie die Gewichte zwischen diesen drei Themen gelegt werden, und was die Quelle der ethischen Normen ist.

Ethik ist ein Teilgebiet der Philosophie, welche sich zur Aufgabe gesetzt hat, sich mit Moral (also was wir Menschen tun sollten, was korrekt wäre) auseinander zu setzen, und die Theorie, die daraus entstanden ist, zu begründen.

Dabei ist aber zu beachten, dass die Ethik selbst einen zeitlosen Charakter hat; allein die Moral unterliegt verschiedenen zeitgeistlichen, historischen und sozialen Wandeln und Besonderheiten; denn die Moral ist mehr die "Ethik auf kleinem Nenner", also was innerhalb einer geschlossenen Gemeinschaft wie z.B. einer bestimmten Kultur zu tun ist (es wäre z.B. unmoralisch für einen Japaner, sein Geschenk zu öffnen, während der Besuch, der ihm das geschenkt hat, noch anwesend ist, weil sie das als geldgierig und respektlos empfänden (also das Gegenteil von den Tugenden Bescheidenheit & Respekt).

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Bei Ethik an sich ist das weniger der Fall; In der Ethik gibt es zwei nennenswerte Theorien, was genau ethisches Handeln sei.

Das sind: Gesinnungsethik (sehr berühmter Vertreter: Kant) und Utilitarismus (von lat. "utilitare", das Nützliche).

Die Gesinnungsethik vertritt die Ansicht, dass man nur nach der Maxime handeln solle, von der man gleichzeitig wollen könnte, dass sie ein allgemeines Gesetz wird.

Dementsprechend ist aber auch alles unethisch, was gegen die Rechte anderer oder Tugenden verstößt. Wenn du z.B. eine kranke Frau hast, die du mit etwas mehr Geld behandeln lassen könntest, wäre es trotzdem unethisch, Reiche deswegen zu bestehlen.

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Und dann gibt es wie gesagt noch den Utilitarismus. Der geht davon aus, dass all das Ethik sei, was den größten Nutzen für die größte Gruppe, aber gleichzeitig den geringsten Schaden für eine möglichst kleine Gruppe hat. Ich nenne da immer das Beispiel von Robin Hood: Der hat Reiche beklaut, da deren erlittener Schaden über weniger Geld ja geringer sei, als die Freude der Bettler, die dadurch nun einigermaßen menschenwürdig hätten leben können.

Das Problem am Utilitarismus ist aber, dass er sich sehr leicht für Regime missbrauchen lässt und eigentlich auch Tötungen rechtfertigt, da ja keiner wirklich festlegen kann, wie man messen soll, was ein größerer Schaden und was ein größerer Vorteil ist.

Aber das kann eigentlich gar nicht sein, dass du nix passendes im Internet findest. Das findet man fast überall. Gib zu: Du hattest einfach keine Lust, länger zu suchen, oder? ;)

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Dein Beispiel mit dem Japaner hat weder was mit Moral, geschweige denn mit Ethik zu tun. Diese Verhaltensbeispiele fußen auf kulturell enstandenen Anstandsregeln. Anstand und Moral gehen zwar oft Hand in Hand, sind aber nicht dasselbe.

Ethik steht für genetisch kodierte Verhaltensweisen bei sozial organisierten Tieren, wie oben bereits geschrieben, basierend auf Abwägung zwischen Wohl und Wehe. Beim Menschen passen sich diese Regeln dem Wissensstand und dem Fortschritt an. Was früher unethisch war, kann heutzutage durch mehr Wissen ethisch vertretbar sein.

Moral steht für festgesetzte, subjektiv wertende Verhaltensregeln, basierend auf den metaphysischen Gedankenkonstrukten „gut und böse“, sowie „Schuld und Sühne“. Moral schafft mit ihren Beurteilungskriterien gesunde Feindbilder, was in sozialen Gesellschaften zu Hass, Ausgrenzung, Diskriminierung und Diffamierung führt. Moralische Verhaltensregeln werden von einer Autorität (Religion, Staatsmacht) aufgestellt (sie entstand mit den großen Religionen). Diese Regeln widersprechen nicht selten den ethischen Grundprinzipien. Moral ist für ein Zusammenleben eher schädlich als nützlich.

Moral ist eine "Sekte", die sich von Ethik abgekapselt hat. Inzwischen werden beide Begriffe leider viel zu oft gleichgesetzt. Selbst Enzyklopädien und Lexika klären diesbezüglich leider nicht auf, verweisen viel lieber auf Unterkategorien, anthropologischen Thesen und philosophischem Blah Blah. Kein Wunder, dass viele Leute verwirrt sind und den Unterschied nicht erkennen. Gib mal Ethik bei Wiki ein. Solch einen Blödsinn der da steht, ist selbst für Wikiverhältnisse selten.

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@PlaysWithWolves

Und ob mein Beispiel was mit Moral zu tun hat. Definition Moral, Quelle Wikipedia: "Moral bezeichnet meist die faktischen Handlungsmuster, -konventionen, -regeln oder -prinzipien bestimmter Individuen, Gruppen oder Kulturen, sofern diese wiederkehren und sozial anerkannt und erwartet werden."

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Nein, wenn du dich auf die Ethik berufst, berufst du dich auf die Philosophie, und diese kennt als wichtigsten Theorien (alle anderen sind sehr leicht angreifbar) die von mir beschriebenen. Und die sind zeitlos.

Und Moral ist für ein Zusammenleben genauso schädlich oder unschädlich wie Ethik auch. Berufst du dich auf die GE und willst sie zur allgemeinen Ethik ansehen, gibt es Leute, die deshalb fast Kriege starten und berufst du dich auf den Utilitarismus sieht es nicht anders aus. Die Uneinigkeit ist schlimmer als die Konvention. Hypothetisch betrachtet wäre eine Einheitsmoral absolut nicht schädlich; da eine weltweit verbindliche Moral allerdings nicht zu erwarten ist und es immer Dissidenten und Freigeister gibt, führt das zu Unstimmigkeiten, Sendungsbewusstsein und Machtspielchen.

Moralische Verhaltensregeln werden nicht immer von Autoritäten durchgesetzt. Stell dir allein schon kleine Kommunen vor, die Autorität ablehnen (und die gibt es de facto) und vor sich hin leben. Oder anti-autoritäre Lebensgruppen, oder Frei- und Schöngeister. Wer definiert deren Moral? Sie selbst, individuell und/oder in der gesamten Gruppe.

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Also tut mir Leid, aber ich verstehe deine Attitüde nicht. Du definierst Moral als Sekte und lehnst alle philosophischen Annäherungen, Thesen, Erläuterungen und Definitionen dazu ab? Ethik IST ein Teilgebiet der Philosophie, und wenn du das verneinst, dann hast du keine Ahnung oder du besetzt die bestehende Bedeutung von Begriffen um; Und dann teilen wir nicht dieselben Prämissen, reden von zwei grundsätzlich verschiedenen Dingen und können es auch gleich lassen.

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@isolus

Zusatz/Korrektur zu meinem letzten Abschnitt:

  • "Du definierst Moral als Sekte und lehnst alle philosophischen Annäherungen, Thesen, Erläuterungen und Definitionen zu diesem und zu Ethik ab? ..."
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@isolus

Und noch mal nen Zusatz, weils so schön war:

Ich streite absolut nicht ab, dass Moral in den meisten Fällen zu solchen Problemen führt, die du erwähnt hast; Aber das ist weder der Ethik anzukreiden, und der Moral an und für sich auch nicht. Die Moral des Humanismus (Humanisten hier als eine Gruppe, deshalb Moral; da Ethik schließlich universell gültig ist) z.B. steht diesem allen gegenüber. Das ist ein gemein menschlicher Vorgang, zu verurteilen und das machen mit besonderer Passion einfachere Gemüter.

Aber wie willst du dir das vorstellen? Eine Gesellschaft ohne Moral oder Ethik, jedweder Art??

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@isolus

Sorry, ich kann mich so nicht mit dir auseinandersetzen. Sekte habe ich absichtlich in Anführungsstriche gesetzt, damit darauf nicht eingegangen wird, und genau das machst du. Sekte bedeutet so viel wie Abtrennung. Da dieses Wort aber in der Regel für Religionsabspaltungen hergenommen wird, habe ich es wie gesagt in Anführungsstriche gesetzt. Des Weiteren weise ich darauf hin, dass der Artikel in Wiki nahezu komplett falsch ist, und was machst du? Du präsentierst genau diese Wiki-Definition. Der Rest von dir beruht eben auf diese falschen Vorstellungen. Ich empfehle dir das Buch "Jenseits von Gut und Böse" von Michael Schmidt-Salomon mal zu lesen. Und noch einmal: Die Wiki-Seite über Ethik beschreibt im Grunde Moral - daher ist diese Seite alles andere als lehrreich.

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@PlaysWithWolves

Nein, du hast gesagt der Ethik-Artikel ist falsch; ich hab aus dem Moral-Artikel zitiert. Das sind zwei verschiedene.

Du hast das Wort Sekte in den Mund genommen, ohne es näher zu erläutern, daher hast du dir das selbst zu zuschreiben, wenn dein Gegenüber das wieder aufgreift.

Das Buch werde ich bei Gelegenheit mal lesen. Aber ganz egal wer das geschrieben hat; der kann nicht Bentham, Sokrates, Mill, Kant, die gesamte antike und neuzeitliche Philosophie außer Kraft setzen.

Und wenn du nur auf dieses Buch verweisen kannst... Dann verstehst du Philosophie nicht und hast ein völlig falsches Bild davon.

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Aber antworten konntest du mir auf meine Fragen auch nicht. Spricht nicht gerade für deine Auslegung und für das Buch, von dem ich annehme, dass du diesem deine Gedanken entnimmst.

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@PlaysWithWolves

Übrigens: Ich finde die Thesen des Herrn Schmidt-Salomon etwas... Unsinnig.

Das fängt ja schon damit an, dass er meint, wir seien evolutionsbedingt alle unschuldig für unser Handeln und haben keine Willensfreiheit, müssen für unser "unethisches Verhalten" aber gerichtlich belangt werden. ??? Die einzige Möglichkeit hierfür wäre ja dann nur Sicherheitsverwahrung; denn wenn wir alle keine Willensfreiheit haben, dann haben wir uns das nicht ausgesucht, und wenn wir alle unschuldig sind, dann ist auch die Strafe unrechtens oder zumindest stumpfsinnig.

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Und die Idee, dass das "Böse", was eine abstrakter Begriff ist, aus der Welt verschwindet, wenn wir aufhören, Dinge "böse" zu nennen.... Ehm ja, träumen wir weiter.

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Nein, ich glaube das Buch muss ich mir nicht durchlesen, ganz im Ernst. Wenn das schon so anfängt.

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@PlaysWithWolves

Übrigens: Ich finde die Thesen des Herrn Schmidt-Salomon etwas... Unsinnig.

Das fängt ja schon damit an, dass er meint, wir seien evolutionsbedingt alle unschuldig für unser Handeln und haben keine Willensfreiheit, müssen für unser "unethisches Verhalten" aber gerichtlich belangt werden. ??? Die einzige Möglichkeit hierfür wäre ja dann nur Sicherheitsverwahrung; denn wenn wir alle keine Willensfreiheit haben, dann haben wir uns das nicht ausgesucht, und wenn wir alle unschuldig sind, dann ist auch die Strafe unrechtens oder zumindest stumpfsinnig.

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Und die Idee, dass das "Böse", was eine abstrakter Begriff ist, aus der Welt verschwindet, wenn wir aufhören, Dinge "böse" zu nennen.... Ehm ja, träumen wir weiter.

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Nein, ich glaube das Buch muss ich mir nicht durchlesen, ganz im Ernst. Wenn das schon so anfängt.

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@isolus

Hm, gut, den vorletzten Absatz nehme ich zurück. Streich bitte: "Und die Idee, dass das "Böse", was eine abstrakter Begriff ist, aus der Welt verschwindet, wenn wir aufhören, Dinge "böse" zu nennen.... Ehm ja, träumen wir weiter."

Habe mich vom Gegenteil überzeugen lassen. Aber den ersten Teil über die Schuldfrage teile ich weiterhin.

Erscheint mir aber als schlechte Kopie vom Pessimismus bzw. harten Determinismus.

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@isolus

Das galt dem Moral-Artikel natürlich ebenso. Wenn du das Wort Sekte nicht kennst und die Verwendung von Anführungsstrichen nicht geläufig ist, kann ich ja wohl nichts dafür. Du verstehst das Grundkonzept anscheinend nicht, weshalb ich dir das Buch empfolen habe (Ich könnte mehrere Bücher angeben, aber das eine reicht völlig aus). Was Sokrates, Kant, Epikur usw. als Ethik definierten habe ich nie Verneint oder abgestritten, aber das Gebiet wurde zu umfangreich, weshalb daraus zwei Teilgebiete wurden (Ethik und Moral). Beide sind aber strickt zu trennen, damit genau das hier nicht passiert. Was der Unterschied zwischen Ethik (heutige Definition) und Moral ist habe ich hier bereits aufgeführt, und welche Gebiete sie jeweils umfassen, dafür gibt es eine Menge Bücher, von denen ich eines erwähnt habe.

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@PlaysWithWolves

Hm, dann versteh ich deine Kritik eigentlich nicht. Ich habe Ethik und Moral nie synonym verwendet.

Aber nein, ich sehe das anders. Wer Worte in eine Runde bringt, der muss sicher gehen, dass jeder Teilnehmer der Runde dasselbe Wortverständnis teilt. Das ist die Sicherung von denselben Prämissen. Und wenn in einer Runde unterschiedliche Prämissen gesetzt werden, dann spricht auch jeder an einander vorbei. So wie jetzt z.B.

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@isolus

Das entspricht NICHT dem, was er meint. Du solltest dich von deinen Vorurteilen trennen und anstatt nur Rezensionen das Buch an sich lesen.

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@PlaysWithWolves

Ich sagte doch bereits, dass ich mich davon distanziere.

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Von dem Teil mit der Schuldfrage trenne ich mich aber nicht, weil das aus allen Rezessionen und Inhaltswiedergaben rausscheint.

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@PlaysWithWolves

Und was ich außerdem nicht verstehe:

Du sagtest, dass du nie verneintest, was Kant u.A. als Ethik definierten - warum greifst du dann an, was ich aufgeschrieben habe?? Die GE ist von Kant! Und der Utilitarimus von Bentham. Du widersprichst dir.

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Ethik beschreibt variable Verhaltensregeln, welche dem Zeitgeist zugrunde liegen. Sie beruht auf Abwägung zwischen Wohl und Wehe. In Bezug auf Fairness sagt sie, was richtig und was falsch ist, gibt dabei aber keinerlei Wertung ab. Ethisch gesehen ist es irrelevant, ob Sex vor der Ehe praktiziert wird oder zwei Frauen eine lesbische Beziehung pflegen (yum!), während diese Handlungen aus moralischer Sicht oft als ‚verwerflich’ missbilligt werden.

Das ist nur teilwahr. Deine Definition passt mehr zur Moral als zur Ethik. Und das ist ein Unterschied.

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Übrigens ist die Fairness was ganz anderes. Die gehört zur Gerechtigkeit und hat damit mal gar nichts zu tun.

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