Deutsche Grammatik: Angst vor dem Dunkel, Dunkeln oder der Dunkelheit?

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6 Antworten

Die Standardsprache kennt das Dunkel. Und es ist, wie du schon sagst, in allen Fällen ohne Endung – mit Ausnahme des Genitivs, denn entgegen Bastian Sicks Amateurmeinung ist der überhaupt nicht totzukriegen.

Das Dunkel ist eine Adjektivableitung und kommt von dunkel. 

Man spricht vom Licht ins Dunkel und nicht vom Licht ins Dunkle, auch reitet man im Dunkel der Nacht und nicht im Dunkeln der Nacht.

Jetzt kommt aber der Haken: In der Umgangssprache, also in der echten, gesprochenen Sprache, hat man Angst, wenn man alleine im Dunklen ist. 

Das Dunkle ist genauso eine Adjektivableitung, und zwar, wie man sie erwarten würde, flektiert.

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Hier lässt sich ein System erkennen, das uns von einem anderen Wort bekannt ist:

Wenn man von der Sprache in seiner Gesamtheit spricht, redet man vom Deutschen. 

– Das Deutsche entstand im anbrechenden Mittelalter. 

Wenn man aber von einer speziellen Form des Deutschen spricht, benutzt man eine Form ganz ähnlich dem Dunkel:

– Das Deutsch Luthers klingt atemberaubend.

– Beamtendeutsch ist ein Geschwür.

– Du sprichst gutes Deutsch!

Genauso sagen wir:

– Das ist ein Schuss ins Blaue.

– Das Blau des Himmels ist atemberaubend!

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Und deshalb reden wir vom Dunkel, wenn wir eine ganz spezielle Dunkelheit meinen: Das Dunkel der Nacht zum Beispiel.

Wenn wir hingegen von der allgemeinen Dunkelheit erzählen, dann sprechen wir vom Dunklen

Man hat Angst vorm Dunklen oder – wenn man präzise ist – Angst im Dunklen. 

Und vor der Dunkelheit in all ihrer Abstraktheit kann man natürlich auch Angst haben.

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Kommentar von Deponentiavogel
25.08.2016, 23:09

So, jetzt fällt mir auf, dass ich die Frage gar nicht richtig beantwortet habe.

Ich gehe davon aus, dass mit dem Dunkeln eigentlich Dunklen gemeint war. Den Fehler habe ich nämlich auch gerade bei mir entdeckt.

Und wenn das Buch auch ansonsten besonderes Vokabular benutzt, dann meint der Autor vermutlich wirklich das Dunkeln, abgeleitet von dem Verbum dunkeln: also das Dunkelwerden. 

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Kommentar von Deponentiavogel
27.08.2016, 11:43

ENDGÜLTIGE AKTUALISIERUNG:

Wenn man Angst vorm Dunkeln hat, ist das standardsprachlich korrekt.

Denn das Dunkel ist nicht endungslos in allen Fällen:

Nom. das Dunkel

Gen. des Dunkeln

Dat. dem Dunkeln

Akk. das Dunkel

Damit wäre dann geklärt, warum hier Dunkeln und nicht Dunklen steht. Das Dunkle ist kein Standard.

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Es hat in dem Fall beides die gleiche Bedeutung.

Diese grammatische Regelung ist genauso entstanden wie viele andere Dinge, nämlich haben viele Leute es einfach so verwendet und irgendwann wurde es als grammatikalisch richtig anerkannt (zB Wissenschafter und Wissenschaftler)

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Dunkeln ist ein Verb, das hier als Nomen verwendet wird. Dunkeln heisst dunkler werden.

"Es wird langsam Nacht, es dunkelt langsam."

Ansonsten wäre es "Angst vor dem Dunkel (oder Dunklen)".

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Kommentar von adabei
25.08.2016, 10:05

Richtige Erklärung.

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Kommentar von Deponentiavogel
25.08.2016, 23:16

Hat das Kind wirklich Angst davor, dass es dunkel wird? 

Ich denke, dass unglücklich ausgedrückt wurde, dass das Kind Angst im Dunkeln hatte. 

Der Fehler mit Dunkeln/Dunklen ist mir und einem weiteren Antwortgeber nämlich auch passiert. Und bei den Lektoren heutzutage.

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Hallo, ich danke euch für all eure Antworten. Im Buch steht wirklich "Angst vor dem Dunkeln", und der ins Englisch übersetzter Satz lautet; 

She was afraid of the dark. ㅡㅡ;

Das ist etwas verwirrend aber, der Autor kann auch einen Fehler gemacht haben.

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Kommentar von Deponentiavogel
27.08.2016, 11:31

Dann war Angst vor dem Dunklen gemeint.

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Kommentar von Deponentiavogel
27.08.2016, 11:44

AKTUALISIERUNG:

Dunkeln ist doch standardsprachlich korrekt: Siehe meine Antwort.

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Ich denke, dass ich meine Muttersprache ganz gut beherrsche.

Aber da es meine Muttersprache ist, kann ich es nicht erklären.

Auf jeden Fall würde ich "... Angst vor dem Dunkeln" sagen.

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Kommentar von Deponentiavogel
25.08.2016, 23:13

Du meinst wahrscheinlich ›Angst vor dem Dunklen‹. Der Fehler ist mir auch passiert und womöglich auch dem Autor, wer weiß.

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