Der Hass gegen Mathematik

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Tatsächlich glaube ich, dass nur das Fach Mathematik echte "Hassgefühle" produziert, da es hier ums Verstehen geht. Wem dies nicht gelingt, fühlt sich persönlich beleidigt, denn ihm werden intelektuelle Grenzen aufgezeigt. Bei Fächern wo es eher ums auswendiglernen geht, kann man sich oft durch die Behauptung einfach nicht genug geübt zu haben, selbst beruhigen.
Dein Beispiel ist daher für mich nur sehr bedingt auf andere Fächer übertragbar. Dass Du mit Mathe bis zum Leistungskurs gut zu Recht kamst, liegt (vermutlich) an der Tatsache, dass eigentlich nur dort "bewiesen" wird. Habe während meiner Leistungskurszeit selbst erlebt, dass einige, die bis zum Leistungskurs eine Menge Rechentechniken auswendiggelernt hatten und sich so für den Leistungskurs Mathematik gewappnet sahen, dann plötzlich komplett überfordert waren. Weiß aber bis heute nicht, ob die unglaubliche Zahl an "Mathehassern" an der Tatsache liegt, dass diese prinzipiell nicht streng logisch denken können, oder ob in der Grundausbildung entsprechendes Denken nicht ausreichend trainiert wurde.
Die "Flucht" in andere Fächer, die man dann oft beobachten kann, ist dabei für mich jedoch problematisch. Die Logik wird nämlich nach meiner Ansicht zu sehr als Disziplin der Mathematik mißdeutet. Tatsächlich weiß ich nicht, ob es wirklich sinnvoll ist, z.B. Dolmetscher für 16 Sprachen zu werden, wenn man dann in keiner einzigen Sprache logisch einwandfreie Sätze sprechen kann.

Ich glaube nicht, dass jeder gleich gut Mathe lernen kann, und ich glaube auch, dass es eine Art "Talent" für Alles gibt, das man hat oder nicht hat. Ich zum Beispiel habe es nicht. Meine Eltern sind beide sowolh Berufs- und hobbymäßig stark naturwissenschaftlich orientiert und haben Physik bzw. Mathe studiert. Sie haben mir erzählt, dass sie bereits als ich ein oder zwei Jahre Alt war, versucht haben, mich für dieses Wissensgebiet zu interessieren. Offensichtlich mit wenig Erfolg, denn bei meinem Einschulungs-Fähigkeitstest 1997 (also vor PISA, etc) sollte ich nochmal ein Jahr zurückgestellt werden, weil ich keine Ahnung hatte, wie man einfachste Zahlenfolgen aufstellt oder logische Zusammenhänge versteht. Für mich war 1+1=3, ohne das es für mich ein Problem gewesen wäre. Danach hatte ich dann eine ärzliche Untersuchung wegen Verdacht auf Dyskalkulie. Ergebnis: Negativ. Ich war nicht krank, aber ich hatte trotzdem keine Ahnung. In die Schule bin ich dann trotzdem noch im gleichen Jahr gekommen, weil ich anscheinend übermäßig gut im Sprechen war, und mir durch auswendiglernen von Kinderbüchern schon Grundzüge von Lesen und Schreiben beigebracht hatte. In den ersten drei Jahren der Schule hab ich dann wirklich versucht, Mathe zu verstehen, hab die Hausaufgaben gemacht und mich in jeder Form bemüht, mitzukommen, obwohl es mich GAR NICHT interessiert hat. Trotzdem wurde ich nicht besser, ich konnte bis zur sechsten Klasse das kleine Einmaleins nicht. Als dann mit der vierten Klasse die wirkliche Benotung anfing, hatte ich einfach nur noch Angst vor den Mathestunden und Klassenarbeiten. Bei jeder Vorbereitung auf die Arbeiten bin ich in Tränen ausgebrochen, weil man mir von allen Seiten immer wieder sagte, wie einfach es doch wäre. Ich bin bis zum Ende des Gymnasiums auch nicht mehr besser geworden, und meine Mathenote lag immer irgendwo zwischen 3- und 5. Das Ganze hat dann auch eine latente Ablehnung der restlichen Naturwissenschaften nach sich gezogen, weil ich dort die Gleichungen auch nie lösen konnte. Allerdings hatte ich 15 Punkte/ 1+ in Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch, obwohl sich in meiner Familie nicht eine Person finden ließe, die sich im Entferntesten für Sprachen interessiert hätte. Wenn ich heute noch was rechnen muss, benutze ich einen Taschenrechner, und den ganzen restlichen Kram, den man mir in der Schule als "elementar wichtig" verkaufen wollte (Integralrechnung, Bruchrechung, Binome), habe wieder komplett vergessen. Wie gesagt, ich glaube, dass man mit einer bestimmten Begabung geboren wird, anders kann ich mir meine Entwicklung nicht erklären.

Mir gings eher bei den Geisteswissenschaften so. Ich hatte von Geschichte und Politik kaum Allgemeinbildung, einmal hab ich in Geschichte eine 5 geschrieben, weil ich aufgegeben habe zu lernen. (Das habe ich sonst nie gemacht) Im Jahr dannach hatten wir ein Lehrer der Geschichte fast zu meinem Lieblingsfach gemacht hat. Ich bin fast auf 1 gekommen, war dann aber doch ne 2. Find ich erstaunlich. Andererseits find ichs schade, weil man so vieles nicht mitnimmt, was man im Nachhinein doch gerne mitnehmen hätte wollen.

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