Daphne nach ihrer Verwandlung?

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2 Antworten

Die antiken Texte beschreiben (mit unterschiedlichen Fassungen, wer Daphnes Eltern sind, in welcher Region sie lebt und wer sie verwandelt), wie Daphne (Δάφνη) durch die Verwandlung (bzw. Aufnahme in die Erde und Hervortreiben eines Lorbeerbaumes an ihrer Stelle) dauerhaft dem Liebesverlangen des Gottes Apollon (Ἀπόλλων; lateinisch: Apollo) entzogen ist, aber nur wenig über das, was nach der Verwandlung geschieht.

Bei Parthenios, Erotika pathemata (Ἐρωτικὰ παθήματα; Liebesleiden; lateinischer Titel: Erotica pathemata) 15 (nach Diodor von Elaia und Phylarchos, FGrG 81 F 32) wird die von Apollon verfolgte Daphne von Zeus in einen Lorbeerbaum verwandelt.

Bei Ovid, Metamorphosen 1, 452 – 567 ist Daphne Tochter des Flußgottes Peneios (Πηνειός; lateinisch: Peneius) und dieser verwandelt sie auf ihre Bitte in einen Lorberbaum. An Daphne bleibt von ihrer früheren schönen menschengestaltigen Erscheinung allein ihr Glanz (remanet nitor unus in illa 1, 552). Apollon umarmt die Äste des Lobeerbaums, meint unter der Rinde noch ihr Herz beben zu fühlen, gibt Küsse, aber das Holz entflieht ihnen. Apollon beschließt, weil Daphne nach der Verwandlung nicht seine Ehefrau sein kann, die Zweige des Lorbeerbaums zum Schmücken zu verwenden (1, 553 – 567).

Bei Hyginus, Fabulae 203 bittet Daphne die Göttin Gaia/Ge (Γαῖα/Γῆ; lateinisch: Terra; Personifikation der Erde) um Schutz und diese nimmt sie in sich auf (verschlingt sie) und verwandelt sie in einen Lorberbaum. Apollon bricht einen Zweig des Lobeerbaums ab und trägt ihn auf seinem Kopf.

Bei Nonnos, Dionysiaka (Διονυσιακά; Geschichten von Dionysos; lateinischer Titel: Dionysiaca) 33, 208 – 224 nimmt Gaia die von Apollon verfolgte Daphne in sich auf, bei Nonnos, Dionysiaka (Διονυσιακά; Geschichten von Dionysos; lateinischer Titel: Dionysiaca) 42, 386 – 390 wird Daphne zu einem Baum und Apollon bekränzt sein Haar mit den Zweigen.

Naturalistisch-rationalistische Deutung versteht den Mythos als Erklärung der Rolle des Lorbeerkranzes im Apollonkult im vom Peneios umflossenen Tempe-Tal; vgl. Palaiphatos, Peri apiston historion (Πεϱὶ ἀπίστων ἰστοϱίων; Von unglaublichen Geschichten; lateinischer Titel: De incredibilibus historiis) 50.

In allen antiken Texten wird von einer dauerhaften, nicht nur vorübergehenden Verwandlung erzählt. Von einer Rückverwandlung ist nicht die Rede. Dies bedeutet, daß Daphne ein Baum bleiben muß. Sie will sich ja auch Apollon für immer entziehen.

Daphne hat nach der Vorstellung im Mythos nicht selbst die Fähigkeit, sich in einen Lorbeerbaum zu verwandeln. Sie ist dazu auf Hilfe anderer angewiesen. Zeus, Peneios oder Gaia verwandeln sie. Dann ist die Annahme folgerichtig, Daphne habe auch nicht die Fähigkeit zur Verwandlung in die andere Richtung.

Daphne ist vor ihrer Verwandlung eine Nymphe: Ovid, Metamorphosen 1, 505 und 506 (nympha); Nonnos Dionysiaka (Διονυσιακά; Geschichten von Dionysos; lateinischer Titel: Dionysiaca) 42, 388 (νύμφη)

Nach der Verwandlung ist sie eine Pflanze.

Daphne führt als Nymphe ein Leben in Waldgebieten, ist Jägerin, die jungfräuliche und unverheiratete Göttin Artemis (Ἄρτεμις; lateinisch. Diana) ist für sie ein Vorbild.

Nymphen (νύμφαι [nymphai], Singular: νύμφη [nymphe; lateinisch: nymphae; Singular: nympha) sind göttliche oder halbgöttliche Wesen, die eine Beziehung zu lokalen Naturerscheinungen haben, weibliche Naturgottheiten in Menschengestalt.

Es hat in antiken Texten Einteilungen der Nymphen gegeben, hauptsächlich nach den Naturerscheinungen, auf die sie bezogen sind. Eine dieser Arten von Nymphen sind die Dryaden (Δρυάδες [Dryades]; Singular: Δρυάς [Dryas]). Das griechische Wort δρῦς [drys) bezeichnet die Eiche, kann aber auch allgemein Waldbaum bedeuten. Dryaden können also als Baumnymphen verstanden werden. Die Dryaden sind keine unnormalen Nymphen.

Die in einer Quelle (wohl eine Internetseite) entdeckte Auffassung Daphne würde durch ihre Verwandlung zu einer Dryade, hat keine Stütze in irgendwelchen ausdrücklichen Aussagen antiker Texte. Sie steht in Widerspruch zu der Aussage, Daphne sei in eine Pflanze, nämlich einen Lorbeerbaum verwandelt worden. Daphne ist zu einem Baum geworden und dies hat anscheinend dazu geführt, dies so zu deuten, als sei sie zu einer Baumnymphe geworden. Aber mit der abgeschlossenen Verwandlung in eine Pflanze ist bei Daphne die Daseinsform als Nymphe nicht mehr vorhanden.

Eine gewisse Besonderheit unter den Nymphen sind die Hamadryaden (Ἁμαδρυαδες [Hamadryades]; Singular: Ἁμαδρυάς [Hamadryas]). Das griechische Wort ἅμα (hama) heißt „zusammen (mit)“, „zugleich“. Die Hamadryaden sind mit bestimmten einzelnen Bäumen sehr eng verbunden. Die antiken Texte haben zu den Hamadryaden keine ganz einheitliche Auffassung. Nach einer Vorstellung entstehen und vergehen sie mit den Bäumen, in denen sie wohnen. Sie sind demnach sterblich. Nach einer anderen Vorstellung können die Hamadryaden ihren Baum verlassen und eine Verbindung mit einem neuen Baum eingehen.

Es gibt bei Ovid, Metamorphosen 1, 690 – 712 eine Erzählung, wie die Nymphe Syrinx (Σύριγξ) vom Gott Pan verfolgt wird. Am Fluß Ladon in Arkadien bittet sie ihre Nymphenschwestern um schützende Verwandlung und wird zu Schilfrohr. Pam fertigt daraus ein Musikinstrument an, die Panflöte/Hirtenflöte/Syrinx.

Syrinx wird als Hamadryade, Nymphe und Naiade (Naias; Wassernymphe [Nymphe eines Flusses, eines Baches, einer Quelle, eines Teiches, eines Sees, eines Sumpfes]) bezeichnet (Ovid, Metamorphosen 1, 690 – 691; 1, 701; 1, 706).

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Hm ... Gute Frage. Jede Dryade hat ja eigentlich einen Baum, der ihr Lebensquell ist, deswegen halte ich es schon für möglich, dass Daphne nach ihrer Verwandlung in einen Lorbeer auch eine Nymphe geworden ist. Als Dryade hing ihr Leben ja dann quasi von ihrem Baum ab und nachdem dieser dann abstarb, starb wahrscheinlich auch sie. 

Sicher bin ich mir aber nicht. 

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