Brauche Hilfe bei Gedicht Interpretation von Bertolt Brecht „Exil“?

1 Antwort

  Die Fortsetzung ist auch wichtig:

III

Sie sägten die Äste ab, auf denen sie saßen

Und schrieen sich zu ihre Erfahrungen

Wie man schneller sägen konnte, und fuhren

Mit Krachen in die Tiefe, und die ihnen zusahen

Schüttelten die Köpfe beim Sägen und

Sägten weiter.

Zu deiner Frage:

Der Fall aus einem Turmhaus ist nicht mehr zu beeinflussen, das Aufschlagen unvermeidlich. Die Situation des Exilierten ist also verzweifelt, ein glücklicher Ausgang ausgeschlossen. Die Fallenden reagieren nicht auf die gegenwärtige Lage, sie schreien nicht, sind nicht in Panik etc. Sie reagieren rückwärtsgewandt mit Überlegungen, wie bei einem Sturz das Aufschlagen auf dem Boden hätte hinausgezögert werden können (höherer Turm). Das ist eine unsinnige, törichte Überlegung. Sie zeigt, dass die Exilierten in fruchtlosen Debatten befangen sind über irrelevante Fragen. Sie überlegen nicht selbstkritisch, was zum Sturz geführt hat (= falsche Reaktion auf den aufsteigenden Faschismus), sondern suchen die Schuld bei anderen, also an den falschen Stellen. Insgesamt sind sie zwar Opfer, aber wirkliches Mitleid stellt sich nicht ein, sie wirken eher lächerlich.

"So als lebtet ihr in großer Zeit": Merkwürdig ist das "als", man erwartet "also". "Große Zeit": Zeit mit großen Herausforderungen, die ein kleines Geschlecht vorfand, das versagte.

Super vielen Dank , hat mir weiter geholfen . Und was genau meint Brecht mit dem Löffel und den meer?

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@Turtlealex

Dasselbe: Sie suchen kein Boot/Schiff, sondern denken an einen Löffel, der aber völlig ungeeignet ist, ein Meer auszuschöpfen. Exilanten sind also töricht, verwirrt, erkennen die Situation nicht richtig, verfallen auf falsche Methoden etc. Wieder sind sie lächerlich, närrisch.

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@hutten52

Würdest du sagen dass Bertolt Brecht sie in diesem Fall „auslacht „ oder“ erniedrigt“? Wie würdest du es beschreiben ?

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@hutten52

Er war ja auch Exilant? Meint er vielleicht auch sich ? Oder schließt er sich da aus

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@Turtlealex

Ich denke, er schließt sich auch ein. Es ist also auch Selbstkritik.

Eine andere Seite ist: Es ist eine tragische Situation, in der es ein richtiges Verhalten gar nicht mehr geben kann. Nachdem die Gewaltherrschaft am Ruder ist, können Exilanten fast nichts mehr tun. Wenn sie es doch versuchen, wirken sie schnell grotesk. Vielleicht hat er im Hinterkopf: Nur die militärische Macht von SU, USA und GB kann helfen, nicht die ganzen Projekte und Luftschlösser der Exilanten.

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@hutten52

danke ! Das kst Wircklcih hilfreich ! Eine letzte Sache wo ich ganze Zeit am überlegen bin: auf welche Situation könnte sich das denn beziehen mit dem Meer und dem Löffel und dem Turmhaus ? Das kst ja eine Metapher : und womit könnte man das assoziieren oder wie kann man das genau im Zusammenhang mit dem exilgang betrachten?

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@Turtlealex

Es geht um die Naziherrschaft, vor der die Exilanten geflohen sind und die sie bekämpfen wollen. Die Turmmetapher zeigt ihre verzweifelte Lage: Sie sind "losgelöst", haben "den Halt verloren", fallen ins Nichts. Exil = Hilflosigkeit, Ausgesetztsein.

Das Meer ist riesig, endlos. So erscheint die Macht der Nazis. Diese Macht kann nicht mit Resolutionen, Diskussionen und Streitereien in Emigrantenzirkeln "trockengelegt" werden.

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