bin verliebt in autistin

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8 Antworten

Sie liest also viele Bücher? Wunderbar, schau dir die Titel und Autoren genau an! Dann siehst du, welche Themen sie so brennend interessieren. Denn da sie keinen Smalltalk führt, kannst du nur über ein Sachthema mit ihr ins Gespräch kommen. Am meisten wird sie über das Thema reden können, über das sie gerade liest.

Wenn du dir ihr momentanes Lieblingsbuch besorgen kannst, dann wäre das ein Einstiegspunkt: "Hallo, ich lese gerade das Gleiche. Bist du schon bei Stelle xyz? Was denkst du von xyz? Hehe, worauf das wohl hinaus läuft!"

Im Gespräch über das Buch kannst du dann weitere Sachen sondieren, von denen sie viel Ahnung hat. Das wird dein Gesprächsstoff fürs nächste Treffen. So habt ihr immer ein Thema, so dass es nie zu "Smalltalk-Situationen" kommt - in Letzteren würde das Gespräch nämlich in peinlicher Stille versinken.

Hast du eine Mail-Adresse von ihr, oder ist sie in einem social network angemeldet? Dann kannst du ihr in aller Ruhe schreiben. Das ist für sie entspannter, als gleich ein direktes Gespräch zu führen. Wenn die Brieffreundschaft gut läuft, ist die richtige Zeit, sich auch persönlich mit ihr zu treffen. Aber nicht in einem Cafe oder so, dort ist es zu voll. Trefft euch bei gutem Wetter im Stadtpark, bei schlechtem in einem Museum. Dort habt ihr mehr Platz und Ruhe, außerdem sieht man immer irgendwas Bemerkenswertes über das man sich weiter unterhalten kann.

muss immer jemand bei ihr sein den sie sehr gut kennt und zwar NUR derjenige, da in ihrem Kopf sonst ein Schalter umlegt (so sagte mein bekannter in etwa, was auch immer damit gemeint ist)

Wahrscheinlich ist damit gemeint, dass die Vertrauensperson sie beruhigen muss, damit sie keine Reizüberflutung bekommt. Auf der Straße, ganz besonders in Einkaufszentren, ist nämlich alles laut und bunt. Da Autisten zigfach feinere Sinne haben, ist es ihnen schnell zu dröhnend laut und grell bunt da draußen. Das führt zu einer Überflutung des Bewusstseins mit Information. Die Folge davon ist oft eine Art von "Notabschaltung" - der rote Not-Aus-Schalter wird umgelegt - das heißt, man verliert z.B. die Orientierung, bekommt Panik, kriegt einen Kreislaufanfall oder wird ziellos aggressiv. Das hat damit zu tun, dass einige Steuersysteme im Gehirn an der Dauerüberlastung mit Lärm, bunten Details und ständig wechselnden Gerüchen zusammenbrechen.

Um das nachzuvollziehen, stell dir einfach vor, eine Marketing-Firma hätte deinen Supermarkt wie eine Techno-Disko eingerichtet. Beim Versuch, Brot und Äpfel einzukaufen, wirst du mit 120dB lauter Trance-Mucke beschallt, über den Regalen flimmern neonfarbene Stroboskope, auf den Preisschilder laufen Werbevideos und mit Parfümverdampfern will man deine Aufmerksamkeit auf neue Produkte lenken.
Die audioviduelle Dröhnung, mit der du den Einkauf panisch abbrechen würdest, entspräche von der Intensität her ungefähr der alltäglichen Dröhnung die ein Autist sich in einem stinknormalen Supermarkt holt. Einfach weil ein Autist extrem feine Sinne und eine sehr niedrige Bewusstseinsschwelle hat. Deine Sinne hingegen sind dagegen abgestumpft und dein Bewusstsein lässt nur Relevantes hinein.

Eine Vertrauensperson, die davon weiß und einen symbolisch beschützt, kann für eine Weile genug beruhigen, so dass man den Einkaufsbummel im intakten Nerven übersteht. Alleine müsste sie das schrille Einkaufszentrum viel zu früh verlassen, um ihre total übersteuerten Reizleitungen auszuruhen, so dass sie mit den nötigen Einkäufen nie fertig würde.

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Kommentar von KaiserBill
02.07.2014, 01:22

Super Antwort! DH :-)

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Du beschreibst hier sehr schöne einige Symptome eines Asperger Autisten - habe beruflich mit diesen Leuten zu tun.

Der Schalter legt sich um wenn jemand anderes mit ihr auf die Straße geht heißt, dass sie die vertraute Person braucht mit der sie sonst immer unterwegs ist. Autisten "leben in ihrer eigenen Welt", brauchen somit eine gewisse Routine/ Regelmäßigkeit. Wenn da plötzlich jemand anderes ist, dann fehlt diese Gewohnte.

Sicherlich kannst du ihr näher kommen, aber das ist ein wirklich langwieriger Prozess welcher über Jahre andauern kann.

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Kommentar von Erheberin
29.06.2014, 19:09

Da hast du das "oft" vergessen. Wenn etwas Gewohntes weg ist, muss es nicht unbedingt fehlen, das kommt immer auf die Sache an. (Ich bin Asperger-Autistin.)

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Kommentar von halbsowichtig
30.06.2014, 19:10

Es gibt nur eine Welt, in der leben wir alle. Bitte überleg dir eine andere Metapher als diese angebliche "eigene Welt".

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Meine Nebensitzerin ist Autistin deswegen hab ich bisschen lernen müssen wie ich mit ihr reden soll damit nichts falsch rüber kommt. Ich weiss nicht genau ob es bei jedem die selbe Form ist, aber bei ihr zum Beispiel muss man etwas Geduld haben, nicht so aufdringlich ihr gegenüber sein. Körperkontakt, also schon eine Umarmung mag sie eigentlich nicht aber mittlerweile vertraut sie mir und vielleicht gibt es zum Abschied eine Umarmung. Du kannst sie einfach Fragen falls du dir nicht sicher bist. Am besten ist es einfach wenn du ihre Interessen kennst und dich mit ihr zumindest am Anfang darüber unterhälst, dadurch gewisst du ihre Aufmerksamkeit und Vertrauen und sie fühlt sich wohl über etwas zu reden wo sie sich gut auskennt. Merk dir einfach beim Autismus, hat man Probleme damit Gewohnheiten zu ändern also ist es besser wenn du dich ihrem Alltag anpasst statt es zu verändern. Viel Glück :)

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Oh, das Problem kenne ich.

Bei mir ist es meine Schwester (Verdacht auf Asperger-Syndrom). Ist bei anderen Leuten mit Autismus und teilweise mit ähnlichen oder verwandten "Krankheitsbildern"manchmal auch so. Was anders als Geduld zu haben und es weiterzuversuchen geht kaum.

Prinzipiell ist eine Beziehung aber schon möglich.

Die Idee mit den Büchern ist gut, die meisten Autisten können Small-Talk, aber oft nicht Problemlos.

Viel Glück :)

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finde halt raus was sie für Interessen hat wenn man mit ihr keinen Smalltalk machen kann ich glaube über ihre Interessen wird sie viel mit dir reden-es kann auch sein dass du erst vertrauen aufbauen muss wenn sie zb:. nur mit leuten zsm. einkaufen geht die sie gut kennt usw. vlt schenkst du ihr was damit sie checkt das du sie magst ich weiß nicht ob sie das sonst so mitkriegen würde...

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ich denke, es ist wichtig, dass du ihr ganz viel zeit gibst, um dich kennenzulernen. autisten brauchen routine, die gibt ihnen sicherheit und vertrauen. also wird sie wahrscheinich lange brauchen, um dich so zu akzeptieren, wie sie das mit ihrer familie tut. ob ein/e autist/in generell in der lage ist, eine beziehung zu führen, hängt von der art des autismusses ab (es heißt ja autismusspektrumsstörung-es gibt ein sehr breites spektrum, wie stark und wie der autismus generell bei der person ausgeprägt ist, das gleicht sich kein autismus dem anderen. aber genrelö denke ich, ist nichts unmöglich. du wirst nur eine andere beziehung erleben, als mit einem nicht-autisten. ich würde an deiner stelle immer wieder auf sie zugehen und mit ihr eben nicht smalltalk machen, das mögen und verstehen autisten nämlich nicht und es ergibt für sie keinen sinn. dann ist es wichtig, dass du herausfindest, was sie liebt und was ihr hobby ist. autisten haben meist wenige hobbys die jedoch sehr ausgeprägt sind und mit denen sie sich stundenlang beschäftigen können. ich wünsche dir viel glück mit dem mädchen. denn autisten sind keinesfalls sozialem kontakt abgeneigt, viel mehr sind ihr die sozielen kontakte, die wir menschen normalerweise pflegen zu unvereinbar mit ihrer denkweise. also versuch nichts zweideztiges zu sagen und klare und deutliche anweiseungen und aussagen zu formulieren, das verstehen sie gut.

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Fass sie niemals ungebeten ab, gib ihr alle Zeit der Welt Dich kennen zu lernen und versuche alle Besuche möglichst gleich zu gestalten, indem Du beispielsweise immer Mittwochs um 15 Uhr im selben blauen Hemd kommst und immer den gleichen Kuchen mitbringst.

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was man bei (uns) Autisten immer beachten muss: Wir tun uns schwer, Tonlagen, Mimik und Gestik richtig einzuordnen. Und zumindest einige von uns (ich auch) kennen sich im deutschen Sprachgebrauch nicht hundertprozentig aus. uns so auszudrücken, dass Andere uns nicht missverstehen, ist auch schwierig, zumindest für einige von uns. wir und wer mit einem von uns zu tun hat, müssen also gut aufpassen, dass es keine Verkettung aus Missverständnissen gibt, die dann was-weiß-ich-was zur Folge hat.

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