Bin ich mit nahezu 100kg Körpergewicht zu schwer um mit einem Katamaran zu segeln?

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Mit 100kg zu schwer, um einen Kat zu segeln ?

Nein, natürlich nicht - und der Ausgleich mit einem anderen 100Kg Mann auf der anderen Seite ist nur ein verspäteter Aprilscherz oder schlichtes Unwissen.

Beim Segeln - und das Kat-Fahren ist da keine Ausnahme - setzt Du auf kleineren Booten ohne Kielbombe (also Jollen, alle "kleineren" Kats) Dein Gewicht zum Trimmen des Bootes ein, hälst also das Boot durch die Belastung mit Deinem Gewicht auf der Luvseite mehr oder weniger aufrecht - gegen die Kraft des Windes, der eine Krängung verursacht.

Das Kat-Fahren hat nun zwei Besonderheiten gegenüber dem Jollenfahren: 1.) die Gewichsbelastung wird (ausser bei leichtem Wind) praktisch immer durch das "Ausreiten" im Trapez erfolgen, d.h. dass Du über ein Seil mit der Mastspitze verbunden bist, Du mit den Füßen auf der Luv-seitigen (windseitigen) Kufe stehst und Dich, gesichert durch das Seil, bei Bedarf weit hinauslehnen kannst.

Dieses Ausreiten im Trapez (=Kleidungsstück, um das Seil an Dir zu befestigen), welches es auch im sportlichen Jollensegeln gibt, ist am Anfang nicht ganz einfach - und je mehr Gewicht Du mitbringst, desto mehr Einfluß hast Du auf das Geschick des Bootes. Was Dir später also eher von Vorteil werden kann (gerade bei mehr Wind), hat am Anfang kleine Nachteile, weil ein Anfänger durchaus mehr Fehler macht. Dazu kommt 2.) dass der Gewichtstrimm, also wie weit oder weniger weit Du Dich nach draussen lehnen/stellen musst, beim Kat noch eine weitere Dimension hat: gerade bei "kleineren" Kats und/oder höherer Welle kann ein Kat mit der Lee-seitigen Kufe auch mal so tief ins Wasser eintauchen, dass diese Seite so sehr abgebremst wird und auf Tauchfahrt geht, dass sich das Boot quasi überschlägt; selbst einem Americas-Cup Katamaran kann und ist so etwas schon passiert ! Du mußt also beim Ausreiten auf einem Kat gleichzeitig auch einen Gewichtsausgleich nach vorne/hinten hinbekommen, um dieses Unterschneiden der Lee-Kufe zu verhindern. Und ein Mehr an Gewicht gibt Dir auch und insbesondere dabei einen größeren Einfluß gegenüber Deinem Steuermann. Deshalb vielleicht der Tipp: Man muss als (schwerer) Anfänger nicht unbedingt besser als Fockaffe/Vorschoter aufgehoben sein; als Steuermann kannst Du natürlich auch viel falsch machen, aber am Anfang ist das - vorausgesetzt, Du bringst ein wenig Jollen-Erfahrung mit - keine schlechte Wahl. Noch besser, wenn Du schon Trapez-Erfahrung vom Surfen mitbringst, aber der Vorteil von Erfahrungen auf anderen Segelfahrzeugen ist nicht nur für die schwereren Einsteiger ein Gewinn.

Fazit: Mit mehr Gewicht kannst Du mehr machen - aber eben auch mehr falsch machen. Bevor Du auf einen Kat gehst, kann es nicht Schaden, schon Jollen-Erfahrung gemacht zu haben, um am Anfang als Steuermann auf dem Kat zu wirken, schon um das Ausreiten und den vorne/hinten Gewichtstrimm beim Seglerkameraden studieren zu können.

Mein Tipp: Kat fahren ist die sportlichere Alternative zum Jollensegeln (und richtiges Windsurfen die sportlichere zum Kat-Fahren). Womit man startet, bleibt Jedem selbst überlassen - aber mit dem Jollen-Segeln anzufangen, ist sicher kein schlechter Rat. Auf der anderen Seite: Was passiert schon wirklich, wenn Du mal "baden" gehst ? Mit mehr Gewicht bist Du eine willkommene Hilfe, um den Kat wieder aufzurichten. Nur kaltes Wasser kann da ein echtes Problem werden ...

Gruß Jogi

Sorry - hatte bei der Beantwortung Deiner Frage nicht den Teil mit "Klassenfahrt" angezeigt bekommen. Aber auch dazu gilt: Kein Problem, manche 20 Fuss Kats wiegen nur 160 Kg und tragen locker 200Kg und mehr. Und das Trapezfahren wird auf einer Klassenfahrt wohl kaum angewendet werden: dass wird da eher gemütlich zugehen.

Tipp: Such' Dir einen leichten Steuermann, dann fahren Dir die anderen Boote bei wenig Wind nicht so schnell davon ...

Gruß Jogi

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Bei gutem Wind kein Problem, du musst aber auf die Gewichtsverteilung achten und darfst nicht zu weit hinten sitzen, es sei denn bei sehr kräftiger Brise. Offensichtlich seid ihr aber noch Anfänger und da wird wohl bei sehr kräftigen Winden eher nicht gesegelt. Aber im Prinzip gibt es keine Probleme mit höherem Gewicht. Der Auftrieb der Rümpfe ist weit höher und ich hab auch mit meinen 90 kp keine Probleme sogar bei Regatten vorne dabei zu sein.

Nein, Du bist nicht zu schwer für einen Kat. Die Dinger werden oft auch von zwei erwachsenen Menschen gesegelt, die zusammen auf über 200 kg kommen.

Eig. Nicht aber wenn du z.B. rechts sitzt, muss links auch 100kg gewicht sein, damit sich das ausgleicht. Hoffe ich konnte dir weiterhelfen!

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