Beispiel zu Bentham und Mill?

3 Antworten

Beide vertreten einen »klassischen« Utilitarismus, aber mit einigen Abweichungen.

https://www.gutefrage.net/frage/ethik-bentham--mill

Die wesentlichen Unterschiede in der ethischen Theorie zwischen Sekundärprinzipien sind:

  • Einführung einer Unterscheidung zwischen qualitativen Arten von Glück/Lust/Freude (qualitativer Utilitarismus) bei Mill: Bei Bentham ist der Utilitarismus rein quantitativ, Mill hat einen qualitativen Utilitarismus hinzugefügt.
  • Einführung von Handlungsregeln als Sekundärprinzipien mit einer einer gewissen eigenständigen Verbindlichkeit für das, was moralisch geboten ist (wie gehandelt werden soll), bei Mill, wobei die Regeln Ausnahmen haben können: Mill betont, die Nützlichkeit einer Handlung erweise sich oft nicht unmittelbar, sondern erst bei Überlegung ihrer Folgen bei regelmäßiger Anwendung. Das Nützlichkeitsprinzip, das Primärprinzip ist, wird in etwas konkretere, lehr- und lernbare Anleitungen umgeformt. Beispielsweise ist Wahrheitsliebe und damit ein Verbot zu lügen insgesamt nützlich, weil eine Abweichung von ihr (Verletzung des Sekundärprinzips) die Vertrauenswürdigkeit menschlicher Äußerungen untergräbt, von der gesellschaftliches Wohlergehen abhängt und die Voraussetzung von Kultur und Sitte ist, wobei die Regel Ausnahmen hat (z. B. Verweigerung einer Auskunft an einen Übeltäter).

quantitativer und ein qualitativer Utilitarismus

Am einfachsten kann der Unterschied zwischen einem rein quantitativen Utilitarismus (von Jeremy Bentham vertreten) und einem auch quantitativen Utilitarismus (von John Stuart Mill vertreten) dargelegt werden.

https://www.gutefrage.net/frage/quantitativer-und-qualitativer-utilitarismus

Nach Auffassung von John Stuart Mill können nicht nur quantitative Unterschiede (Menge/Ausmaß des Glücks/der Lust/der Freude) in der Beurteilung einer Handlung eine Rolle spielen, sondern auch qualitative Unterschiede (die Beschaffenheit), wobei bestimmte Arten von Glück/Lust/Freude als wünschenswerter und wertvoller beurteilt werden.

Neben körperlich-sinnlichen Lüsten/Freuden nennt Mill auch Tätigkeit des Verstandes, des Empfindens, der Vorstellungskraft/Phantasie und des moralischen Gefühls, z. B. wissenschaftliche Forschung, Beschäftigung mit schöner Musik und Literatur, schöpferisches und soziales Wirken. Höherrangig als z. B. Essen und Sex (die von ihm als angenehm anerkannt bleiben) ist nach Mills Meinung z. B. der Besuch und das Anhören eines schönen Konzerts, das Lesen eines guten Buches und die Anerkennung und innere Freude schöpferischer und sozialer Tätigkeiten. S

Es kann an eine Entscheidungssituation zwischen einer Handlungsoption A gedacht Handlungsoption B gedacht werden, bei der ein quantitativer und ein qualitativer Utilitarismus zu voneinander unterschiedlichen Beurteilungen führen.

Jemand kann in einem Restaurant bei einigem Warten noch einen leckeren Nachtisch (Dessert) bekommen oder rechtzeitig aufbrechen, um ein schönes Konzert/eine schöne Opernaufführung (oder eine andere hochwertige musikalische Veranstaltung) zu besuchen. Nach einem qualitativen Maßstab wäre aber die musikalische Veranstaltung überlegen.

Quantitativ sind das Essen und die musikalische Veranstaltung in der Menge der Lust/Freude gleich oder das Essen im Vergleich etwas überlegen. Nach einem quantitativen Utilitarismus wäre in dieser Situation das Essen des Nachtisch (Desserts) richtig oder zumindest nicht falsch. Nach einem quantitativen Utilitarismus wäre in dieser Situation der Besuch der musikalischen Veranstaltung richtig und das Essen des Nachtisch (Desserts) falsch.

Sekundärprinzipien

Nach der Ethik von Jeremy Bentham könnte eher ausnahmsweise in einem Einzelfall eine Notlüge als in Ordnung beurteilt werden, weil z. B. das Bekanntwerden eines Sachverhalts Traurigkeit und Leid bewirken würde.

Nach der Ethik von Jeremy Bentham könnte eher ausnahmsweise in einem Einzelfall ein Diebstahl oder ein Raub als in Ordnung beurteilt werden (Rückzahlung nach einer Weile denkbar), weil z. B. jemand kurzfristig dringend Geld benötigt und dies sonst schlimme Folgen hat, z. B. wirtschaftlicher Zusammenbruch einer Firma oder Finanzierung einer medizinischen Behandlung eines Angehörigen (z. B. Ehefrau, Ehemann, Kind), die nicht von einer Krankenkasse finanziert wird und für die anderweitig nicht genug Geld aufgetrieben werden konnte, ohne die aber das Leben vielleicht nicht gerettet werden kann.

Nach der Ethik von John Stuart Mill würden im Vergleich zur Ethik von Jeremy Bentham in diesen Fällen die Verletzungen von Sekundärprinzipien etwas stärker gewichtet werden, weil von den Regeln das gesellschaftliches Wohlergehen abhängt und sie eine Voraussetzung von Kultur und Sitte sind. Wie nach der Ethik von John Stuart Mill im Einzelfall genau geurteilt würde, ist schwierig anzugeben, weil bei den Sekundärprinzipien das Gewicht für die Gesamtbilanz schwierig zu berechnen ist und Mill die Sekundärprinzipien für Regeln hält, die Ausnahmen haben.

Also.

Frau ist Todkrank und der Mann sehr Arm. Es gibt aber ein sehr teures Mittel mit dem die Frau ziemlich sicher gesund wird. Die Krankenkasse will nicht bezahlen und der Mann kann es sich nicht leisten. Soll er in der Apotheke einbrechen und das Mittel klauen ?

Ich verstehe nicht so ganz wie ich das aus Mill‘s sicht begründen kann. Mill sagt ja etwas über höhere und niedere Freuden. Wie kann ich das da miteinbeziehen?

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@whgoffline

also aus benthams Sicht: nicht in die Apotheke einbrechen, da die Mitarbeiter drunter leiden könnten, etc. also die Mehrheit erfährt kein Glück. Und aus mills Sicht: einbrechen, da ein Mensch höhere Freuden erfahren kann als ein Tier (in diesem Fall am Leben zu bleiben).

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Welchen Utilitarismus vertrat nochmal Mill?

Den qualitativen utilitarismus

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