"Am gestrigen Tage" höflicher als "gestern"?

11 Antworten

Mit höflich oder nicht hat das nichts zu tun.

Die eine Schreibweise ist doppelt so lange wie die andere, sagt aber nicht mehr aus.

Man sollte sich aber immer möglichst kurz fassen und nicht lange Zöpfe drehen.

"Der gestrige Tag" beschreibt mehr den gesamten Tag mit seinen verschiedenen Ereignissen, während "gestern" eher ein einmaliges Ereignis des vergangenen Tages beschreibt. Der "gestrige Tag" beschreibt eine Dauer. Zum Beispiel: Am gestrigen Tag herrschte bei uns Freude. Die dauerte praktisch den ganzen Tag.

Aber statt "Am gestrigen Tag traf ich zufällig Herrn X" würde ich vorziehen: "Gestern traf ich zufällig Herrn X".

Allerdings sind die Grenzen etwas fließend.Die Feinheiten fallen umgangssprachlich wohl kaum auf, wenn man beides synonym gebraucht.

Mit dem "morgigen Tag" ist es ja ähnlich. Hierzu ein Zitat aus der Bergpredigt, Matthäus 6,34: "Darum sorget nicht für den morgigen Tag, denn der morgige Tag wird für das Seinige sorgen!"

Dieser Satz beschreibt den kommenden Tag als gesamten, und nicht nur ein einziges Ereignis, das Sorgen bereitet.

Insgesamt sind "der gestrige Tag" und "der morgige Tag" literarischer, und damit "höflicher", aber eben auch etwas ungebräuchlicher für die Umgangssprache.

"Am gestrigen Tage" klingt nicht unbedingt höflicher, aber auf jeden Fall ernster und förmlicher als "gestern". Es kann - je nach Zusammenhang - aufgrund der Förmlichkeit sogar distanzierend bis bedrohlich klingen.

Was soll daran höflicher sein? Es klingt sicher 'gepflegter', aber dann sollte auch der restliche Text entsprechend sein. Ansonsten würd ich es nicht als weniger höflicher ansehen wenn einer in einer Unterhaltung 'gestern' verwendet

Hört sich ein ganz klein bischen nach Amtsdeutsch an, finde ich. Aber durchaus in Ordnung.

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