Ab wann fängt GESCHICHTE an?

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15 Antworten

Diese Frage ist ein wenig verworren gestellt. Das Fach Geschichte, oder je nachdem Alte Geschichte, an der Universität grenzt sich von dem Fach Ur- und Frühgeschichte ab. Vor- und Frühgeschichte sind eine Unterdisziplin der Archäologie. Die (archäologische) Frühgeschichte befasst sich auch noch durchaus mit Themen aus dem europäischen Mittelalter.

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Unterschieden werden muss zwischen (klassischer) Antike und Altertum. Die Antike wird als Epoche verstanden, die ein mehr oder weniger durchgehendes kulturelles Traditionsbewusstsein aufweist. Sie beginnt also mit der griechischen Einwanderung in Hellas im 2. Jt v.C und endet mit dem römischen Imperium.

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Es existiert natürlich auch ein erweiterter Altertumsbegriff der bis ungefähr 3500 vor zurückreicht. Er bezieht sich auf den vorderasiatischen und Mittelmeerraum und hier ist das Kriterium zur Bestimmung des Beginns eindeutig die Entwicklung der Schrift. Dennoch gehört der Bereich bis zum Beginn der klassischen Antike deshalb zur Frühgeschichte, weil ohne archäologische Befunde kein ausreichendes Bild der Zeit gezeichnet werden kann. (Aus diesem Grunde befasst sich ja auch die Frühgeschichte mit einigen Themen aus dem Mittelalter, weil hier auch die schriftlichen Quellen fehlen oder zu spärlich gesät sind).

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Die Zeit davor, für die gar keine schriftlichen Quellen vorliegen, also von ca 2,5 Millionen Jahren bis zum Altertum wird je nachdem als Ur- oder Vorgeschichte bezeichnet.

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Dank an Nietzsche81!

Trotzdem noch etwas allgemeiner:

  1. Natürlich ist das, was man Geschichte nennt, Defenitionssache.
  2. Ein kurzer Blick in die Wikipedia führt einige Definitionen vor. Nur Geschichte seit der Erfindung der Schrift ist Gegenstand der Geschichtswissenschaft, denn erst über Schriftzeugnisse wird das fassbar, was der Mensch aus dem Erfahrenen als seine Geschichte versteht. Menschen, z.B. Germanen wurden freilich schon Teil der Geschichte, bevor sie selbst über sich (linear) berichtet haben, nämlich als sie ins Blickfeld von anderen gerieten, die das taten.
    Freilich, ihr Bewusstsein von Geschichte, ihr Selbstverständnis, war damals meist noch nicht im Blick. Aber auch heute noch muss vieles von der Geschichtswissenschaft erfasst werden, wozu es keine schriftlichen Quellen gibt (vgl. oral history). Das Bild des Geschichtswissenschaftlers muss sich also stets auf weit mehr Quellen stützen als auf die schriftlichen. Selbstzeugnisse, auch lineare, gibt es auch ohne Schrift. Zum einen die mündliche Überlieferung vor der schriftlichen Fixierung (z.B. Gilgameschepos und die ihm zugrundeliegenden Mythen), aber auch bildliche Darstellungen wie etwa die atztekischen Chroniken usw. Wie gesagt, Definitionsfrage und Anlass, noch viele Jahre darüber nachzudenken und zu diskutieren.
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Kommentar von kgunther
10.10.2010, 16:39

Die gängige Definition ist Gebrauch einer Schrift. Da die verschiedenen Kulturen zu verschiedenen Zeiten Schrift entwickelt haben, ist der Beginn der Geschichtsperiode für verschiedene Kulturen eben verschieden. Selbst heute gibt es noch in Rückzugsgebieten Stämme, die keine Schrift haben.

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die frage ist nicht nur , ob schrift vorhanden ist, sondern , ob mit ihr auch historie aufgezeichnet worden ist und zwar linear !!. Bei den Sumerern wurden zwar königslisten aufgeschrieben, aber keine linearen abläufe ( es sei denn es werden noch welche gefunden ). Auch die germanen hatten die runenschrift, welche aber nur für kultische zwecke verwendet wurde.

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Kommentar von alyara
08.10.2010, 12:16

Danke für diese sehr informative Antwort!!!

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Also die Geschichte beschäftigt sich ja mit der Entwicklung der Menschheit, folglich fängt die Geschichte im engeren Sinne mit den ersten Menschen an. Je nach dem, was man als erste Menschen bezeichnet. Als Beispiel der Homo rudolfensis ab ca. 2,4 Millionen Jahren. Folglich geht die Geschichte bis in die Gegenwart, wir schreiben also theoretisch gerade Geschichte ;-)

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Das ist eine gute Frage! Die frühen Hochkulturen in Mesopotamien und Ägypten wurden jedoch der Vor- und Frühgeschichte zugeordnet, siehe auch Zeittafel unter nachstehendem Link. Erst ab 8. - 4. Jhd. v. Chr. beginnt die Antike erst mit der griechischen und nachfolgenden römischen Geschichte!

Eine Ursache für diese Epocheneinteilung mag sein, daß schriftliche Zeugnisse aus dem sumerischen Kulturkreis nur in Fragmenten vorliegen und deshalb das Wissen über diese großartige Hochkultur vorwiegend archäologisch erschlossen wurde!

http://www.thussie.de/ger/pdf/unterricht/materialien/geschichte/wika-geschichte.pdf

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Das ist zwar für Westliche Länder so, aber eben nicht für alle Länder der Welt! Im Iran beginnt die Geschichte schon viel früher als in Europa. Es werden unterschiedliche Kriterien und Schwerpunkte gesetzt. Während für Europa ihre eigene Geschichte eher von interesse ist, wird diese auch nur berücksichtigt. Im Iran wo ich die Schule und Universität besuchte, wurden andere Schwerpunkte gesetzt. Wir hatten die Geschichte des Persischen Reiches und alles was dazu gehört. Da die Altpersische Schrift, die Keilschrift war, wurde natürlich diese auch dazu gezählt und damit auch das Gilgamesch Epos und andere, die zum altem Persischem Reich gehörten. Während wir dort also die alte Geschichte durchgingen, wurde in Deutschland als Beispiel die Antike durchgegangen. Dafür hatten wir nicht diese Geschichte in den Büchern, oder es wurde nur am Rande erwähnt. Auch auf Napoleon und solche Art Geschichten hatten wir nur am Rande gehört. Dafür eben die Geschichten, die für Iran wichtig erschienen. Also ist es eher Kontinennt und Länder abhängig, was mann wo und wie durch nimmt! Und ab wann die Geschichte beginnt!

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Was sagt denn der Professor dazu?

Ich nehme mal an, dass es von den Sumerern nicht genügend brauchbare Überlieferungen gibt, die tatsächlich etwas über das Volk und seine Lebensweise erzählen würden, also, dass es zwar interessant ist, dass sie überhaupt Schrift hatten (Gilgamesh- Epos?), aber dass es nicht als Wissensquelle angesehen werden kann.

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Moin !

Befreie dich erstmal von dem einengenden Gedanken, dass das, was du auf der Uni lernst, richtig sei.

Deine Professoren wissen auch nicht mehr als das, was sie vermeintlich klugen Büchern entnehmen können, und stellen Geschichte - auch deren Anfang - nach ihrem eigenen Gutdünken selektiv dar.

Allemal ist es unsinnig und geradezu kontraproduktiv, Geschichte auch noch Ur- und Vorgeschichte vorzuschalten. Denn auch "Prä-Historie" ist schließlich Geschichte.

Da wir aber Geschichte immer von der Arroganz unseres so genannten Abendlandes aus betrachten - schließlich war, ist und bleibt Europa "der Nabel der Welt" - , klammern wir automatisch Hochkulturen, die vier, fünf, sechs Jahrtausende (!) vor unserer Zeitrechnung existierten, aus der Geschichte aus...

Ebenso unsinnig ist es, Geschichte an archäologischen Funden und / oder dem Phänomen der Schrift festzumachen, denn schließlich muss Archäologie durch stets neue Funde ständig korrigiert werden. - Übrigens: 2003 wurden in Nord-Pakistan Funde von Keilschrift gemacht, die deutlich älter ist als die der Sumerer...

Geschichte ist in ständiger Bewegung wie auch die permanente Rückdatierung der Menschheits-Werdung !

Apropos Geschichte: JOHN LENNON wäre heute 70 Jahre alt geworden !

paulklaus

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Naja... Geschichte beginnt eigentlich mit dem Urknall.

Die Geschichtsschreibung beginnt natürlich erst mit dem aufkommen der Schrift.

hm... und der Begriff Antike ist sehr weit gefasst - da er an die Schriftlichkeit gebunden ist, kann man den Begriff ohne weiteres bis 3000 v CH ausdehnen.

Als klassischen Beginn der Antike aber gelten die Epen des Homer, weil damit auch die Geschichtsschreibung begann, also die historische Betrachtungsweise ;)

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Man bezeichnen alles, das länger als 5000 Jahre zurückliegt, als Vorgeschichte. Erst ab 3000 v.Chr. fängt die "eigentliche" Geschichte an, mit der ersten Epoche, also Frühgeschichte. Diese beginnt mit der Erfindung der Schrift. Weil ohne schriftliche Überlieferungen wüssten wir kaum, was mal passierte.

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Naja, wenn man dies an der Uni so lehrt, was möchtest du dann hieer hören? Vielleicht die Frage, was ist mit den Völkern, die auch heute noch keine Schriftsprache haben. Haben die dann auch keine Geschichte. Was ist mit den Kelten, die ja, wenn überhaupt, kaum schriftliches hinterlassen haben, haben die dann auch keine Geschichte?

Meine persönliche Einschätzung ist da etwas anders, wie ich Gescichte und deren Anfang definiere, als das was du von der Uni berichtest. Ist aber vielleicht nur eine andere Betrachtungsweise.

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Ich meine aus meinem ersten Semester zu erinnern, dass wir bei Gechichte von der Geschichte des Menschen sprechen. Also beginnt Geschichte mit der Existenz des Menschen...

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Kommentar von paulklaus
09.10.2010, 12:02

Und genau hier liegt das Problem, denn der Beginn der Menschheit muss mit jedem neuen entsprechenden Fund zurückdatiert werden ! Siehe auch mein Beitrag weiter oben !

paulklaus

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Der Anfang der Geschichte ist nicht der Anfang dieser oder jener Zeit, sondern die Betrachtung von jetzt aus rückwärts gerichtet.

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Das fragst du am Besten den Prof oder Tutor. So was Spezielles ist hier zu viel des Guten.

Sorry.

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Hast Du in der Uni auch gelernt, wie man mit wikipedia oder Google arbeitet?

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Kommentar von phlox1979
08.10.2010, 12:08

Sowas wird da entmutigt, weil man man Internetseiten und Wikiartikel nicht als Quellenangaben verwenden darf. Zu unzuverlässig.

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Kommentar von alyara
08.10.2010, 12:10

Da gibts keine brauchbaren Infos zu. Hab schon das ganze I-net durchforstet. Und in der Uni hab ich gelernt: mal nen Blick auf nen Wikipedia-Artikel werfen ist ok, damit arbeiten: nein!

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