Soviel vorweg: Das ist meilenweit von der normalen Mittelschicht entfernt.
Viele in der Mittelschicht freuen sich, wenn sie sich in den Schulferien den Skiurlaub (günsiges Skigebiet) leisten können und jammern da schon über die massiv gestiegenen Skipässe, weil das ien großes Loch in die Reisekasse reißt. Die anderen machen einen Urlaub im Sommer. Bei zwei Urlauben in der Ferienzeit bist du schon in Richtung oberer Hälfte der Mittelschicht unterwegs, viele können sich das nicht leisten oder nur, wenn beides sehr günstige Dinge sind.
21% der Bevölkerung können sich gar keinen Urlaub im Jahr leisten. Und ja, das Single Paar ohne Kinder ist da weniger von Betroffen, als Familien. Du kannst also davon ausgehen, dass 25-30% der Kinder keinen Urlaub im Jahr machen, weil das Geld nicht dafür reicht. Und nein, nicht "mal ein Jahr nicht", sondern dauerhaft.
Mal ein einfaches Beispeil: Nach der Ausbildung startest du mit ca. 1.800€ netto, damit liegst du sogar schon ein paar hundert Euro über dem Mindestlohn, kein Top-Gehalt, aber schon mehr als einige andere daher voll ok. Aktien hat man standardmäßig nicht von den Eltern bekommen in dem Alter, also Nebeneinkommen 0€, außer man sucht sich zum Vollzeitjob noch einen Nebenjob.
Du sagst du wohnst in einer teureren Stadt, dann rechne mal für eine 45-50m² Wohnung in ordentlicher, aber nicht bester Gegend mit mindestens 800€ plus Nebenkosten (Strom, Internet, ...) von nochmal 80€. Falls das wirklich eine teure Stadt ist, rechne lieber mit mindestens 1.000€ pro Monat ohne Nebenkosten für Neuverträge, wenn du keine gruselige Gegend willst. Als Vergleich, in meiner Wohngegend kosten 60m² neu vermietet aktuell um die 1.500€ kalt und das ist zwar eine schöne, aber nicht die beste der Stadt - ich selbst zahle mit älterem Vertrag auch über 1.000€, für 3-Zimmer statt 2 kannst du bei gleicher Größe pauschal 200-300€ draufrechnen, nur weil es Kindergeeignet wäre und daher mehr Konkurrenz.
Dann die Basic-Versicherungen, sagen wir pro Monat 20€. Dann sind schonmal die ersten 900€ weg. Dann sagen wir 250€ für Essen und Getränke, wenn du viel selbst kochst, nicht essen gehst oder bestellst (oder wenn selten und günstig) und günstig einkaufst (Produktauswahl was es gibt und noname Produkte). Hast du regelmäßig teure Wünsche wie Ziegenkäserolle, viel gutes Felsich oder sowas, reicht das Geld nicht, aber ich rechne mal mit 250€ weiter. Dann hast du sicher einen Handyvertrag (min 20€), Streamingdienste (40€), Sportverin oder Fitnessstidio (40€). Schwubs bleiben nur noch 550€.
Von diesen 550€ zahlst du dann alles noch fehlt. Rücklagen für Elektrogeräte (falls was kaput geht), Anteilig neues Handy, Rücklagen für Möbel die ggf. in ein paar Jahren ersetzt werden sollen, falls du mal umziehen willst sparen für die nächste Kaution (da du die zahlst bevor die alte zurück kommt), zusätzliche Versicherungen, ggf. Auto mit allen Nebenkosten (Versicherung, Anteilig KfZ-Steuer, Benzin, Rücklagen Reperaturen) oder alternativ z.B. das Deutschlandticket mit 58€.
Wenn diese Dinge durch sind, kannst du mit Klamotten, Rücklagen für Urlaube, Geld für Parties/Hobby/abends ausgehen oder auch "sparen für später" z.B. durch Aktien beginnen.
Wenn du jetzt merkst "hä, da ist ja gar kein Geld über für das alles", ja, das ist die Realität vieler durchschnittlicher Berufseinsteiger. Man sezt Prioritäten, weil selbst diese "Basics" gar nicht alle finanziell möglich sind. Wem die größere Wohnung oder bessere Lage wichtig ist, der kann eben kein Essen bestellen und Urlaub machen, weil Geld weg. Ein Grund, warum viele junge Leute nicht sparen, da sie eher im jetzt leben wollen und weniger an die Zukunft denken, das kommt dann ein paar Jahre später nach und nach.
Und nein, auf Geburtstage musst du nicht groß hoffen, da gibt es in der Mittelschicht mit Glück von den Eltern wasim Wert von 50€, von den Großeltern je nach finanzieller Lage in Rente 20-50€ je Paar, ggf. ab da wo du erwachsen bist auch gar nichts mehr an finanziellem Wert (z.B. nur noch Geburtstagskarte).
Das einzige gute: Statt langen Schulferien bleiben dann nur i.d.R. max 6 Wochen Urlaub, von denen die meisten auch nicht alle verreisen könnten - selbst wenn das Geld reicht - weil sie auch mal was für wichtige Termine oder so freihalten müssen. Bei mir gehen immer ein paar im Jahr für sowas wie Anreisen zu Hochzeiten, Beerdigungen oder Arzt-/Behördenterminen drauf oder wenn man Wohneigtentum hat da was machen (Garten, Reperaturen,...).
Du hingegen wirst das Problem nicht haben, weil du das Aktiendepot und damit nicht nur im Notfall den Gegenwert, sondern solange auch laufende Einnahmen durch Dividenden hast. Zusätzlich unterstützen wohlhabende Eltern ihre Kinder oft. Egal ob geschenktes gutes Auto zum 18. Geburtstag, gekaufte Eigentumswohnung die Miete spart oder Übernahme der Miete, weiterhin Einladungen in gemeinsamen Urlaub, gemeinsames Shoppen gelegentlich wo die Eltern zahlen usw.
Ich habe eine Freundin, die auch meint ihre Eltern sein Mittelschicht. Ihre (zugegeben sehr schicke große) Wohnung kostete mehr, als ihre netto Gehalt, aber ihre Eltern übernahmen das voll. Mittlerweile ist sie fest in einer Stadt, da haben ihre Eltern ihr einfach die Wohnung gekauft, hat 700.000€ gekostet, für die ein Kinderspiel weil ja erwartete Ausgabe. Während immer mehr der Mittelschicht scheitern sich mit 30 Jahren Kreditlaufzeit eine Immobilie für 400.000-500.000 zu zweit zu leisten, weil die Rate im Vergleich zum Einkommen zu hoch ist und das notwendige Eigenkapital schwer zusammen zu sparen. In günstigeren Gegenden sind Haus-/Wohnungspreise zwar günstiger, dafür das Durchschnittseinkommen aber ebenso geringer.