Ist das nicht irgendwie eine Doppelmoral?

Auf der einen Seite nehmen wir maximale Rücksicht auf Menschen, die krank, gebrechlich, körperlich eingeschränkt, sexuell andersartig oder einer ethnischen Minderheit angehörig sind. Auf der anderen Seite laufen dann die Leute in den teuersten Luxusklamotten herum oder tauschen in der Öffentlichkeit Zungenküsse aus und präsentieren ihre halbnackten Körper.

Denkt irgendjemand an Leute, die weniger Reichtum haben oder die einsam, unattraktiv und unglücklich Single sind? Wieso muss man denen ständig unter die Nase reiben, wieviel Sex, Prestige und Kohle man hat?

Ich habe auch ausreichend Geld und eine Partnerin, käme aber nie auf die Idee, mit meinem Besitz zu protzen oder mein Beziehungsleben allzu freizügig in der Öffentlichkeit auszuleben.

Sagt mir nicht, es ist fürs eigene Wohlbefinden nötig, in Gucci-Kleidern Bahn zu fahren oder der Freundin vor 50 Passanten auf den Po zu klatschen und ihr anschließend die Zunge in den Rachen zu schieben.

Und die Doppelmoral geht noch weiter: Wir ermutigen zwar Gehbehinderte, an irgendwelchen Paralympic-Marathons mitzumachen und feiern Typen, die trotz Unfall gleich wieder gut drauf, attraktiv und durchtrainiert aussehen... aber wenn ein Mensch nicht diese Stärke hat, trotz seines Handicaps gleich wieder zu kämpfen, dann hilft und unterstützt kaum einer.

Weint eine hübsche junge Frau am Straßenrand, stehen 100 Helfer bereit. Weint ein alter Mann, gehen 100 Leute vorbei, bevor einer zu ihm hin geht (selbst erlebt).

Und dann wundern wir uns, wenn manche von den "Verlierern" sich radikalisieren...

Psychologie, Gesellschaft, Liebe und Beziehung, Menschlichkeit, Nächstenliebe, Reichtum, sozialleben, Philosophie und Gesellschaft
Keine Lust mehr, ein guter Mensch zu sein?

Wer keine Lust auf einen langen Text hat, darf diese Frage ignorieren.

Als ich ein Kind war, war ich super nett und sozial. Hab immer allen geholfen, war immer freundlich zu jedem. Zum Dank wurde ich dann in der Schule gemobbt und von vielen Menschen ausgenutzt, bis ich meine Einstellung radikal verändert habe.

Hatte dann so ca. von 18 bis 30 Jahren eine Phase in der ich mir jegliche Freiheiten herausgenommen habe, wenig Rücksicht auf Menschen nahm, auf gesellschaftliche Regeln und Normen nicht viel gegeben habe und einfach "gelebt" habe, ohne Rücksicht darauf, ob ich damit meine Gesundheit ruiniere, meinen Fortschritt im Beruf behindere, meine Familie und Partner verletze. Hatte zwar damals öfters ein schlechtes Gewissen, aber hatte dafür soviele geile Erlebnisse und fühlte mich so oft berauscht und euphorisch, dass sich die negativen Gedanken locker verdrängen ließen.

Irgendwann habe ich dann beschlossen, etwas ruhiger zu treten, Verantwortung zu übernehmen, mich an alle Konventionen zu halten. Dadurch habe ich viele alte "wilde" Freunde verloren und einige vernünftige gewonnen. Ich bin beruflich aufgestiegen, konnte mir ein Eigenheim finanzieren, hab dadurch heute eine feste Partnerschaft mit Kind.

Und mein Problem ist jetzt, dass ich bemerke, wie ich einen großen Hass entwickle auf Menschen, die so sind wie ich früher war. Also asozial und rücksichtslos, in den Tag hinein lebend. Diese Menschen, erinnern mich daran, wie "einfach" es sein könnte, auf alles zu pfeifen und wieder verantwortungslos mit allen anderen umzugehen. Ich muss leider sagen, dass ich damals irgendwie mehr Spaß und Lebensfreude hatte, als jetzt mit der ganzen Verantwortung und Vernunft.

Was hab ich davon, dass ich meine Mitmenschen nun nicht mehr störe oder verletze? Was hab ich davon, ein guter Mensch zu sein? Ich hab jedenfalls heute nicht mehr Anerkennung, Spaß oder Erlebnisse, die ich jemandem erzählen kann, als damals. Täglich sehe ich Leute, die grinsend auf die Covid-Regeln pfeifen. Leute, die um 9 Uhr früh bereits betrunken Passanten anpöbeln. Menschen, die ihre Hunde vor fremde Haustüren kacken lassen und sich dann davon schleichen, oder die ihren gesamten Müll einfach in die selbe Tonne schütten. Die um Mitternacht Nägel in Wände hämmern, ausgelassen Party feiern, anderen den Vorrang nehmen, sich vordrängeln, herum schreien, laut Musik hören, fremdgehen, betrügen, lügen, Drogen verticken und sich noch ausgiebig dafür selbst feiern – meist mit einem großen Anhang an Mitläufern, die sie für ihre asoziale Art noch bewundern.

Empfindet ihr es auch manchmal frustrierend, "gut" zu sein? Wie schaffe ich es, dass mich die "dunkle Seite" nicht mehr so anzieht...

Religion, Menschen, Psychologie, Gesellschaft, Liebe und Beziehung, Satanismus, sozialleben