M, 65, Unternehmer, ABI, naturwissenschaftlicher Zweig, zwei Berufsabschlüsse plus UNI Philosophie, Musikwissenschaft, Germanistik (später dazu Kunstgeschichte), in der Mag.arbeit abgebrochen, weil unser damals gegründetes Unternehmen zu schnell wuchs.
Goethes Drama "Faustus, Teile 1 + 2" ist wohl noch immer das bedeutendste deutschsprachig belletristische Werk über das patriarchalische Menschen- und Weltbild mit Glauben und Aberglauben für die Theaterbühne, also als ein soziales Erlebnis gedacht! Und weil das Verstehen seines geistigen Inhalts immer schwieriger geworden scheint, wird es schon seit Jahrzehnten durch das übliche Regietheater in die Moderne adaptiert, was jedoch leider nur einer plakativen Simplifizierung und dadurch einer puren Verdummung gleicht.
So wurde es in ein kompliziertes Lesedrama des Individuums verwandelt, wobei der Unwissende es natürlich für veraltet hält, denn schon immer glauben zu viele Menschen in allen Dingen, dass das Neue a priori (= lat. von Vornherein) das Bessere sein müsste. Längst müsste man den Titel "Faustus, lat. der (von Gott) Begünstigte" zumindest verdeutschen, damit ihn endlich mehr Menschen verstehen! So ist auch Fausts Antipode nicht der so genannte Teufel des Glaubens und des Aberglaubens, sondern historisch beginnend psychologisch - wie Goethe es nennt - "der Geist, der stets (das Gute) verneint" in Fausts Personalität.
Außerdem muss man ebenso den Inhalt des FAUST II kennen, weil sich darin der zum Verbrecher gewordene hochgebildete Faustus in der Welt der machthabenden Herrschenden und des Geldes - und schließlich der Liebe mit dem "Ewigweiblichen", dem alles Verbindenden, dem Friedvollen im Menschen, bewegt: Goethe schrieb dabei jahrzehntelang fast eine Autobiografie, deshalb musste der christliche Gott ihn, ja "seinen Faust", am Ende erretten.
Ob man für die schulisch intensive Beschäftigung mit diesem Werk Noten vergeben sollte, ist eine besondere Frage. Ich persönlich glaube da, in einer materialistisch kapitalistischen Welt sollte man in allen Schulen Geld mit Noten vergeben.
Und Hoffmanns Scuderi ist ja nur ein kurzes Prosawerk über einen Psychopathen, hat zwar mich in der Schule gelangweilt, aber doch andere begeistert, ´mal ein nachvollziehbarer Krimi. Literaturhistorisch und -wissenschaftlich gut verwendbar, wohl auch deshalb grundsätzliche Schullektüre.