Evolutionstheorie

Das ,,kreationistische" Schöpfungsverständnis ist dem widernatürlichen spätbabylonischen entlehnt, wonach Mensch und Tier geschichtslos aus wahlweise Erde, Blut oder sogar Holz ,,erschaffen" wurden. Das biblische ist das krasse Gegenteil davon.

,,Erschaffen" (bara) leitet sich von der Wortwurzel br ab, die auch ,,sehen" beinhaltet und hat im Hebräischen eine andere Bedeutung als in der deutschen Umgangssprache. Nur völlig neuartige und einzigartige Dinge werden mit dem mächtigen Wort ,,bara" bedacht. In der biblischen Schöpfungsgeschichte sind das nur folgende drei Entitäten:

  • Das Universum (Raum, Zeit und Materie; Gen. 1.1)
  • ,,Höheres" Leben (Seelen, Gen. 1.21)
  • Die spezifischen geistigen Fähigkeiten des Menschen (Gottebenbildlichkeit, Gen. 1.27)

Es sind zeitgeschichtliche ,,Quantensprünge", die auch auf Seiten der Naturwissenschaften ,,explosive" Bezeichnungen haben, wie Urknall und kambrische Explosion. Daneben tauchen in der Schöpfungsgeschichte noch weitere Verben mit alltäglicheren Bedeutungen auf. Das Allerweltswort ,,asah" bedeutet keine Neuentstehung, sondern lediglich die schrittweise Weiterverarbeitung und Modifikation bestehenden Materials. ,,Yatzar" bedeutet lediglich, dass etwas bereits Vorhandenes zum Vorschein kommt. Diese Wörter tauchen u. A. im Zusammenhang mit der Entstehung der Pflanzen in der dritten Schöpfungsperiode auf.

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Damals diente die Bestattung in erster Linie der pragmatischen Entsorgung. So wie Elefanten auch soeben totgetretene Pfleger mit Zweigen bedecken, was im Falle von Artgenossen ja gerne als ausgeprägtes Trauerverhalten und Pietätsgefühl gedeutet wird. Da sollte man einfach nicht zu viel reininterpretieren.

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Ja, es stimmt.

  • Entstehung von Raum, Zeit und Materie (Gen. 1.1)
  • Lebensfeindliche Zustände auf der Urerde, Dunkelheit durch Vulkanasche usw.. Trotzdem bereits erste Lebensspuren (Gen. 1.2)
  • Erste Aufklarung der Atmosphäre, diffuses Licht dringt zur Erde vor (Gen. 1.3-5)
  • Durch weitere Abkühlung kondensiert das Wasser in Meer und Wolken, eine Atmosphäre im heutigen Sinne entsteht (Gen. 1.6-8)
  • Das Festland erhebt sich aus dem Meer und wird von Pflanzen besiedelt (Gen. 1.9-13)
  • Daraufhin gleicht sich die Atmosphäre endgültig an heutige Verhältnisse an; Nicht mehr nur (diffuses) Licht, sondern auch dessen Ursprung wird erkennbar, wie Sonnenauf- und Untergänge. So wird das Licht der Himmelskörper zur zeitlichen Orientierung nutzbar (Gen. 14-19)
  • Infolgedessen explodiert das Leben in den Gewässern regelrecht. Verschiedene Tierstämme bilden sich und fächern sich jeweils in Arten auf (Gen. 1.20-23)
  • Tiere verlassen die Gewässer und besiedeln das Festland. Wie zuvor bei den Wassertieren findet eine Aufspaltung in Stämme und Arten statt (Gen. 1.24-25)
  • Eine Gruppe gewisser Landtiere wird zu einer menschlichen Gestalt modifiziert und mit kognitiven Fähigkeiten in einzigartiger Konzentration ausgestattet (Gottebenbildlichkeit). Daraufhin breitet sie sich kraft ihres Fortpflanzungstriebes über die ganze Erde aus und bemächtigt sich ihrer (Gen. 1.26-29). Man beachte, dass hier keine Ackerbau betreibenden ,,Kulturmenschen" wie Adam und Eva gemeint sind. Noch gibt es keine eingezäunten Äcker; Stattdessen sammeln diese ,,primitiven" Menschen von der freien Fläche Früchte, Kraut, Samen, Nüsse, Pilze etc., eben alles, was sie zum (Über-)Leben so brauchen (Gen. 1.28-29). Die ,,Herrschaft" über die Tiere beinhaltet nicht zuletzt die aneignende Nutzung derselben. Erst später zeigen Adam und Eva beispielhaft den neolithischen Übergang zur sesshaften Nahrungsproduktion (Ackerbau, Gen. 2.15) und festen Paarbindung, (Gen. 2.24). Sie führen eine liebevolle isch-&-ischah (Mann & Frau)-Gemeinschaft, die dem triebhaft-distanzierten Geschlechterverhältnis von zakar & neqebah (männlich & weiblich) diametral entgegensteht.

Der Abstammungsgedanke wird bestätigt durch den zusammenfassenden Abschlusssatz (Kolophon) in Gen. 2.4, welcher einer heutigen Überschrift entspricht und das ganze Geschehene rückblickend als ,,Stammesgeschichte" oder auch Familiengeschichte (hebr. Toledot) bezeichnet.

Buchtipps: ,,Die Bibel bestätigt das Weltbild der Naturwissenschaft" von Karel Claeys

,,Auch Adam hatte eine Mutter" von Paul Hengge

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Nein

Als Adam und Eva Seth als Ersatz (!) für den getöteten Abel bekamen, war Kain längst im Ausland. Alle weiteren, namentlich nicht genannten Kinder inclusive Töchter kamen noch später. Inzest wäre deshalb nicht mal möglich gewesen. Auch die Mär vom ursprünglich reinen Genpool ist sich selbst entlarvender Unsinn, weil Gene ja keine Rolle gespielt haben, wenn ein Erdklumpen und eine Rippe das Ausgangsmaterial für die Menschenschöpfung gewesen sein sollen. Das menschliche Genom setzt sich aus einem väterlichen und einem mütterlichen Teil zusammen. Adam und Eva hätten aber in diesem Deutungsrahmen keine Eltern und somit selbst keine Gene zum Weitergeben gehabt! Aus Gen. 1.31 ist außerdem keine Vollkommenheit der Schöpfung ableitbar, das hebräische ,,tov" bedeutet brauchbar, geeignet, aber nicht perfekt.

Die Menschen der sechsten Schöpfungsperiode (Gen. 1.26-31, auch als ,,Präadamiten" bekannt) treten als Kollektiv, als Gesamtheit auf. Sie bilden eine geschlossene Einheit, ohne dass Namen fallen oder bestimmte Handlungen einzelner Personen erwähnt werden. Adam ist bibelgeschichtlich der erste Mensch, der persönlich und namentlich erwähnt wird. Dazu kommt, dass er mit seiner Frau eher isoliert lebte, und nicht in einer Stammes- oder Dorfgemeinschaft. So kamen die Auslegungsgelehrten - getreu spätzeitlicher Deutungsschablonen - zu dem falschen Schluss, Adam und Eva wären die ersten und einzigen Menschen im Sinne von Gen. 1.27. Das individuelle Paar ist aber nicht nur nicht identisch mit den ,,ersten" Menschen; Es liegt auch zeitlich weit von diesen entfernt, in der Frühphase der bis heute währenden, siebten Schöpfungsperiode. Wie die biblischen Chronologien ergeben, lebten Adam und Eva vor ca. 7500 Jahren, also mitten in der Jungsteinzeit.

Im vermeintlichen Rippenmärchen steckt eine bemerkenswerte Aussage: Adam wird zunächst in den ,,tardemah" versetzt. Das ist kein tiefer Schlaf, sondern im Gegenteil ein Zustand höchster Aufmerksamkeit. Dann wird etwas von seinem ,,Fall" (gemeint ist nicht die Rippe, sondern das männliche Glied) genommen und im ,,Fleisch" (Mutterleib) verschlossen. Adam erlebte also in einer Art Vision den Zusammenhang zwischen Paarung und Geburt; Erkennt auch die vermeintlich alleinigen Lebensschöpferinnen (Frauen) als männlich gezeugt und bindet sich an eine solche, um den bewusst gezeugten Nachwuchs mit ihr gemeinsam groß zu ziehen.

Mehr noch, zu Adams Zeiten war die übrige Bevölkerung keineswegs mehr nur ,,primitiv". Die Erwähnung mehrerer Länder bzw. Stadtstaaten in der Nachbarschaft Edens lässt die frühe Existenz staatlicher Ordnung erkennen, sogar noch vor Nod und Kains Stadt. Adam und Eva waren alles andere als vollkommene Prototypen; Mit ihrem einfachen Ackerbau hinkten sie kulturell sogar ziemlich hinterher. Auch das Verhalten beider war höchst unvollkommen. Eva ließ sich problemlos verführen, und Adam fiel ihr hinterher dreist in den Rücken. Ein absoluter Vollar.sch, wie man heute sagen würde. Typisch Mann eben, schuld sind immer die anderen... In der heutigen Zeit hätten sich die beiden wahrscheinlich getrennt :D

Buchtipp: ,,Auch Adam hatte eine Mutter" von Paul Hengge

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,,Erschaffen" (bara) leitet sich von der Wortwurzel br ab, die auch ,,sehen" beinhaltet und hat im Hebräischen eine andere Bedeutung als in der deutschen Umgangssprache. Lediglich völlig neuartige und einzigartige Dinge werden mit dem mächtigen Wort ,,bara" bedacht. In der biblischen Schöpfungsgeschichte sind das gerade mal folgende drei Entitäten:

  • Das Universum (Raum, Zeit und Materie; Gen. 1.1)
  • ,,Höheres" Leben (Seelen, Gen. 1.21)
  • Die spezifischen geistigen Fähigkeiten des Menschen (,,Gottebenbildlichkeit", Gen. 1.27)

Es sind zeitgeschichtliche ,,Quantensprünge", die auch auf Seiten der Naturwissenschaften ,,explosive" Bezeichnungen haben, wie Urknall und kambrische Explosion. Daneben tauchen in der Schöpfungsgeschichte noch weitere Verben mit alltäglicheren Bedeutungen auf. Das Allerweltswort ,,asah" bedeutet keine Neuentstehung, sondern lediglich die schrittweise Weiterverarbeitung und Modifikation bestehenden Materials. ,,Yatzar" bedeutet lediglich, dass etwas bereits Vorhandenes zum Vorschein kommt. Diese Wörter tauchen u. A. im Zusammenhang mit der Entstehung der Pflanzen in der dritten Schöpfungsperiode auf.

Die Tradition hatte die Erschaffung des Menschen im Bilde Gottes immer darauf bezogen, dass Gott optisch wie ein - wohlgemerkt männlicher - Mensch aussieht. Später kamen weitere Eigenschaften dazu, natürlich mit haufenweise religiösem Kitsch verbrämt, wie Güte, Weisheit, Moral usw.. Das gibt das Wort tselem aber gar nicht her. Es bedeutet etwas Schattenhaftes, während ,,Ebenbild" fälschlicherweise Gleichrangigkeit suggeriert. Zudem ist Elohim ein Plural und erlaubt keine geschlechtsspezifische Festlegung. Von dieser unspezifischen Schöpfungsmacht ist vom Menschen also nicht mehr als ein Schatten, eine Ahnung erkennbar. Im Lichte des dazugehörigen Verbs bara kann es sich nur auf die spezifischen geistigen wie personellen Eigenschaften des Menschen beziehen (Intelligenz, Personhaftigkeit, logisches Denken, Planungsvermögen, Verantwortungsgefühl, und nicht zuletzt die Fähigkeit zur Religiosität usw.), die ihn vom Tierreich abheben und wie zuvor die ,,Tierseelen" (Gen. 1.21) eine einzigartige Neuerscheinung darstellen, s. o.. Und diese vorrangig kognitiven Eigenschaften kann man genauso gut nutzen, um sich durchs Leben zu mogeln. Mit Moral hat die ,,Gottebenbildlichkeit" wenn überhaupt erst in zweiter Linie zu tun, siehe Verantwortungsgefühl.

Wichtig ist auch, dass hier keine Ackerbau betreibenden ,,Kulturmenschen" wie Adam und Eva gemeint sind. Noch gibt es keine eingezäunten Äcker, sondern die Menschen sammeln von der freien Fläche Früchte, Kraut, Samen, Nüsse, Pilze etc., eben alles, was sie zum (Über-)Leben so brauchen (Gen. 1.28-29). Die ,,Herrschaft" über die Tiere beinhaltet nicht zuletzt die aneignende Nutzung derselben. Erst später zeigen Adam und Eva beispielhaft den neolithischen Übergang zur sesshaften Nahrungsproduktion (Ackerbau, Gen. 2.15) und festen Bindung, siehe Gen. 2.24. Sie führen eine liebevolle isch-&-ischah (Mann & Frau)-Gemeinschaft, die dem triebhaft-distanzierten Geschlechterverhältnis zu zakar-&-neqebah-Zeiten (männlich & weiblich, Gen. 1.27) diametral entgegensteht.

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,,Auch Adam hatte eine Mutter" von Paul Hengge

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Die Antwortmöglichkeiten sind beide banane, deshalb stimme ich nicht ab. Herbstliche Trollwelle, oder was?

Empirische Erkenntnisgewinnung ist das eine, philosophische Weltdeutung das andere. Der Mensch hat nunmal spirituelle Bedürfnisse. Schon deshalb wird Religion nie aussterben.

Gott hätte die Welt in x Tagen erschaffen, dass es keine Evolution gibt 

Das steht aber nicht in der Bibel, deren Texte größtenteils wohlgemerkt deutlich älter sind als lächerliche 1000-2000 Jahre. Im Gegenteil, ohne evolutionäres Denken kann man die Bibel erst gar nicht verstehen. Stammbäume bilden schließlich ihr Grundgerüst, angefangen mit dem ,,Stammbaum von Himmel und Erde" (Gen. 2.4). Und dass die ,,Tage" lange Zeitalter sind, sieht man spätestens am Ende des Textes vom Sechstagewerk. Die soeben erwähnte Abschlussformel in Gen. 2.4 widerlegt nicht nur die tradierte, antievolutionistische Schöpfungsvorstellung, sondern führt auch das Kurzzeit-Dogma ad absurdum. So fasst sie alle Schöpfungs,,tage" zu einem einzigen ,,Tag" zusammen. Bei Kalendertagen geht das beim besten Willen nicht, unbestimmte Zeitabschnitte lassen sich hingegen problemlos zu einem (größeren) zusammenfügen. In den Übersetzungen wird deshalb oft unspezifisch mit ,,Zeit" übersetzt.

Zum etymologischen Verständnis: Das fragliche Wort ,,Jom" ist verwandt mit ,,Majim", Wasser und ,,Jam", Meer. In allen Altsprachen sind die Begriffe für Wasser, Zeit, Welt und Leben eng verbunden und stellen die ältesten Schichten dieser Sprachen dar. Denn die Wasserläufe diktieren seit eh und je (nicht nur) das menschliche Leben. Die Schöpfungs,,tage" diktiert natürlich nicht die Erdrotation. Der erste hatte ja schon mit dem ,,Anfang" (Gen. 1.1) begonnen, bevor die Unterscheidung zwischen hell und dunkel möglich wurde (Gen. 1.3-5). Von Interesse sind vielmehr Werdung und Vollendung der jeweiligen Schöpfungswerke. Besonders deutlich wird das an der Vermehrung der Organismen einschließlich des Menschen (Gen. 1.28). Zudem wiederholt sich mehrmals die Wendung ,,und es geschah so", so auch in Gen. 1.30. Die Grundbedeutungen von ereb und boqer, traditionell mit Abend und Morgen übersetzt, sind Übergang und Neuanbruch. In manchen Übersetzungen ist diese Botschaft immer noch zu erkennen: ,,Da ward aus Abend und Morgen der x-te Tag".

erwähnt er NIE den Sonnensystem, die Galaxien, das Universum und und und. Es werden immer Sachen erzählt die man sieht (Sterne, Himmel, Berge), aber von Sachen die erst vor kurzem bewiesen worden (Galaxien usw.) steht NICHTS.

Das stimmt so nicht. Schon der erste Satz (Gen. 1.1) erwähnt das ganze Universum. ,,Himmel und Erde" ist im Althebräischen keine Aufzählung, sondern ein feststehender Ausdruck für das Universum inclusive aller Himmelskörper. Das hebräische Wort für Himmel ist ähnlich mehrdeutig wie im Deutschen und meint nicht unbedingt das Blaue da oben. Auch andere Bibelverse machen ähnliche, nichtphänomenologische Aussagen. Sogar die Expansion des Weltalls wird erwähnt. Eine andere Ausdrucksmöglichkeit ist die Potenzierung des Wortes Himmel (,,Die Himmel der Himmel").

Buchtipps: ,,Die Bibel bestätigt das Weltbild der Naturwissenschaft" von Karel Claeys

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Derartige Theorien kursieren seit mindestens 200 Jahren. Die bibelkritische Theologie hielt es für eine besonders originelle Idee, die Bibel durch die Brille spätbabylonischer Mythen zu interpretieren. Dabei hat das bereits die mittelalterliche Auslegungstradition getan. So sind ja die frommen Klischees, die heute noch als ,,wortwörtliches" Bibelverständnis gelten, überhaupt erst entstanden.

Die biblischen Schilderungen basieren auf realhistorischen Gegebenheiten. Das verrät schon die nüchterne, sachliche Erzählweise ohne mythologische Übertreibungen. Solche sind ein Merkmal der Spätzeit. Die Sintflut war eine Nachwehe der letzten Eiszeit. Allein schon die fünfstelligen Alterszahlen der babylonischen Urkönige sind so weit von dieser jungsteinzeitlichen Sintflut entfernt wie das ganze spätbabylonische Mythengebäude von der Realität.

Auch das Enuma Elisch mit seinen Götterstreitereien hat im Gegensatz zum biblischen Sechstagewerk keine Verankerung in der Wirklichkeit. Allein schon das Beispiel mit den vermeintlich unbedeutenden ,,Lichtern", die im Sechstagewerk immerhin über Tag und Nacht ,,herrschen", widerspricht der literarischen Abhängigkeit der biblischen Texte von den babylonischen Mythen.

Die zehn Gebote kommen als universelle Urgesetze in fast allen Kulturen der Welt vor. Ohne sie könnte keine Gesellschaft funktionieren. Von daher ist es reichlich dreist, ein einziges Volk, noch dazu die Alten Ägypter, als alleinige ,,Erfinder" der zehn Gebote hinzustellen.

Buchtipps: ,,Die Entstehung der Genesis" von Percy Wiseman

,,Auch Adam hatte eine Mutter" von Paul Hengge

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Der Mohr sollte bleiben, weil ...
Ist es nicht eher rassistisch, den Mohr raus zu nehmen?

So sehe ich das auch. Auch wenn das gesamte Krippenspiel keinerlei biblische Grundlage hat, ist es doch eine schöne Tradition.

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Die Paradiesgeschichte hat weder mit Schöpfung noch mit Evolution irgendwas zu tun. Ab Gen. 2.5 geht es nur noch um Mesopotamien, einen winzigen Ausschnitt innerhalb der seit Gen. 2.4 als gegeben vorausgesetzten Schöpfung. Das gilt auch für die nachfolgenden biblischen Texte inclusive Sintflutbericht. Nur im Sechstagewerk (Gen. 1.1-2.4) geht es um Schöpfung und somit logischerweise um die ganze Erde.

Das ,,christliche" Schöpfungsverständnis ist dem widernatürlichen spätbabylonischen entlehnt, wonach Mensch und Tier geschichtslos aus nichttierischen Materialien wie wahlweise Erde, Blut oder sogar Holz ,,erschaffen" wurden. Das biblische Konzept ist das krasse Gegenteil davon.

,,Erschaffen" (bara) leitet sich von der Wortwurzel br ab, die auch ,,sehen" beinhaltet und hat im Hebräischen eine andere Bedeutung als in der deutschen Umgangssprache. Lediglich völlig neuartige und einzigartige Dinge werden mit dem mächtigen Wort ,,bara" bedacht. In der biblischen Schöpfungsgeschichte sind das gerade mal folgende drei Entitäten:

  • Das Universum (Raum, Zeit und Materie; Gen. 1.1)
  • ,,Höheres" Leben (Seelen, Gen. 1.21)
  • Die spezifischen geistigen Fähigkeiten des Menschen (,,Gottebenbildlichkeit", Gen. 1.27)

Es sind zeitgeschichtliche ,,Quantensprünge", die auch auf Seiten der Naturwissenschaften ,,explosive" Bezeichnungen haben, wie Urknall und kambrische Explosion. Daneben tauchen in der Schöpfungsgeschichte noch weitere Verben mit alltäglicheren Bedeutungen auf. Das Allerweltswort ,,asah" bedeutet keine Neuentstehung, sondern lediglich die schrittweise Weiterverarbeitung und Modifikation bestehenden Materials. ,,Yatzar" bedeutet lediglich, dass etwas bereits Vorhandenes zum Vorschein kommt. Diese Wörter tauchen u. A. im Zusammenhang mit der Entstehung der Pflanzen in der dritten Schöpfungsperiode auf.

Die Menschen der sechsten Schöpfungsperiode (Gen. 1.26-31, auch als ,,Präadamiten" bekannt) treten als Kollektiv, als Gesamtheit auf. Sie bilden eine geschlossene Einheit, ohne dass Namen fallen oder bestimmte Handlungen einzelner Personen erwähnt werden. Adam ist bibelgeschichtlich der erste Mensch, der persönlich und namentlich erwähnt wird. Dazu kommt, dass er mit seiner Frau eher isoliert lebte, und nicht in einer Stammes- oder Dorfgemeinschaft. So kamen die Auslegungsgelehrten - getreu spätzeitlicher Deutungsschablonen - zu dem falschen Schluss, Adam und Eva wären die ersten und einzigen Menschen im Sinne von Gen. 1.27 gewesen. Das individuelle Paar ist aber nicht nur nicht identisch mit den ,,ersten" Menschen; Es liegt auch zeitlich weit von diesen entfernt, in der Frühphase der bis heute währenden, siebten Schöpfungsperiode. Wie die biblischen Chronologien ergeben, lebten Adam und Eva vor ca. 7500 Jahren, also mitten in der Jungsteinzeit. Grob zusammengefasst geht es in der Paradiesgeschichte um die neolithischen Umwälzungen in der menschlichen Lebens- und Wirtschaftsweise.

Buchtipps: ,,Die Bibel bestätigt das Weltbild der Naturwissenschaft" von Karel Claeys

,,Die Bibelkorrektur - Auch Adam hatte eine Mutter" von Paul Hengge

PS: Auf dem Papier bin ich katholisch, aber das ist auch schon alles, was ich noch mit ,,Glauben" am Hut habe.

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Schöpfungsgeschichte - evangelische Kirche?

Hey, ich hoffe ihr könnt mir helfen. Nehmt es mir bitte nicht übel, wenn ich sehr viel unwissendes in diesen Text packe, haha.

In der Schule nehmen wir gerade im (evangelischen) Religionsunterricht das Thema der Entstehungsgeschichte der Welt durch. Ich gehöre nicht der evangelischen Kirche an, besuche jedoch trotzdem den Unterricht. Nun, ich bin etwas verwirrt:

Es gibt nun zwei Schöpfungsgeschichten im Buch Genesis. Meine Lehrerin sagte, dass besonders mit der ersten Schöpfungsgeschichte, die im Babylonischen Exil entstanden ist, das Verständnis der Schriftsteller bezüglich der Entstehung der Erde mit den Ansätzen der heutigen Wissenschaft, u.a. dass das Leben aus dem Wasser stammt, Evolution etc., verdeutlicht wird. Somit also, dass die evangelische Kirche der Evolution zustimmt, und dass dieses Entwickeln aus dem Wasser von Gott bestimmt war. Ungefähr so hatte sie es formuliert.

Also ist, laut der evangelischen Kirche, die Geschichte von Adam und Eva eine Erfindung, nicht wahr und somit ergibt sich mir die Frage, wie das mit dem Sündenfall zu klären ist? Wenn die Schriftsteller im Babylonischen Exil ihr Wissen inform dieser Geschichte preisgaben, folglich Adam und Eva nicht existierten und damit auch nicht der Sündenfall, und wenn somit alles von der Evolution abhängig ist, widerspricht das alles doch dem Evangelium. Und an dieses glaubt die evangelische Kirche doch, oder? Viel mehr also, wird an die Evolutionstheorie geglaubt, die von Gott beabsichtigt war, und der Sündenfall ist entweder gar nicht oder doch irgendwie passiert, aber wie genau, wenn Adam und Eva nie existierten? Ihr wisst hoffentlich, was ich meine. Was glaubt die ev. Kirch denn wirklich?

Ich habe ein sehr verzerrtes Bild und es tut mir Leid, wenn ich einige mit meinem Unwissen verärgern sollte. Ich bitte hierbei um Hilfe.

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Das kirchliche Schöpfungsverständnis ist dem widernatürlichen spätbabylonischen entlehnt, wonach Mensch und Tier geschichtslos aus wahlweise Erde, Blut oder sogar Holz ,,erschaffen" wurden. Das biblische ist das krasse Gegenteil davon.

,,Erschaffen" (bara) leitet sich von der Wortwurzel br ab, die auch ,,sehen" beinhaltet und hat im Hebräischen eine andere Bedeutung als in der deutschen Umgangssprache. Nur völlig neuartige und einzigartige Dinge werden mit dem mächtigen Wort ,,bara" bedacht. In der biblischen Schöpfungsgeschichte sind das nur folgende drei Entitäten:

  • Das Universum (Raum, Zeit und Materie; Gen. 1.1)
  • ,,Höheres" Leben (Seelen, Gen. 1.21)
  • Die spezifischen geistigen Fähigkeiten des Menschen (Gottebenbildlichkeit, Gen. 1.27)

Es sind zeitgeschichtliche ,,Quantensprünge", die auch auf Seiten der Naturwissenschaften ,,explosive" Bezeichnungen haben, wie Urknall und kambrische Explosion. Daneben tauchen in der Schöpfungsgeschichte noch weitere Verben mit alltäglicheren Bedeutungen auf. Das Allerweltswort ,,asah" bedeutet keine Neuentstehung, sondern lediglich die schrittweise Weiterverarbeitung und Modifikation bestehenden Materials. ,,Yatzar" bedeutet lediglich, dass etwas bereits Vorhandenes zum Vorschein kommt. Diese Wörter tauchen u. A. im Zusammenhang mit der Entstehung der Pflanzen in der dritten Schöpfungsperiode auf.

Die Paradiesgeschichte hat weder mit Schöpfung noch mit Evolution irgendwas zu tun. Ab Gen. 2.5 geht es nur noch um Mesopotamien, einen winzigen Ausschnitt innerhalb der seit Gen. 2.4 als gegeben vorausgesetzten Schöpfung. Das gilt auch für die nachfolgenden biblischen Texten inclusive Sintflutbericht. Nur im Sechstagewerk (Gen. 1.1-2.4) geht es um Schöpfung und somit logischerweise um die ganze Erde.

Traditionell wird die vermeintlich plastischere Paradiesgeschichte als ,,eigentliche" Schöpfungsgeschichte angesehen, denn sie ließ sich besser mit obigen Mythen verwursten als das kryptisch anmutende Sechstagewerk. Für die Auslegungsgelehrten muss es so ausgesehen haben, als wären die Menschen und Tiere des ersten Genesiskapitels quasi ,,aus dem Nichts" erschaffen worden. Auch die Tatsache, dass es keine Namen nennt, schien gestört zu haben. Denn sogar die Gelehrten hatten richtig erkannt, dass ādām hier nur ein Artbegriff für den Menschen schlechthin ist. Im zweiten Text glaubte man hingegen, gleich beides gefunden zu haben, sowohl Ausgangsmaterial (Lehm und Rippe) für die Schöpfung von Mensch und Tier als auch Namen (Adam und Eva), eine eindeutige Rangordnung für die Geschlechter und nicht zuletzt mehr ,,Action" (Bösewicht, Verführung, Sünde, Strafe, Vertreibung). Daraufhin wurde gelehrt, dass die Paradiesgeschichte die Details der ,,Schöpfung" beleuchte, während das Sechstagewerk nur eine grobe Übersicht darstelle. Noch heute tischen das Theologen ahnungslosen Bibellesern als ,,typisch hebräischen Erzählstil" auf.

Tatsächlich ist das Sechstagewerk kein schmückendes Beiwerk, sondern erster und grundlegendster Teil des biblischen Handlungsfadens, ja, der Unterbau der gesamten Bibel! Die Paradiesgeschichte ist nicht die Wiederholung, sondern die Fortsetzung im lokalmesopotamischen Rahmen, s. o..

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Als Adam und Eva Seth als Ersatz (!) für den getöteten Abel bekamen, war Kain längst im Ausland. Alle weiteren, namentlich nicht genannten Kinder inclusive Töchter kamen noch später. Inzest wäre deshalb nicht mal möglich gewesen. Auch die Mär vom ursprünglich reinen Genpool ist sich selbst entlarvender Unsinn, weil Gene ja keine Rolle gespielt haben, wenn ein Erdklumpen und eine Rippe das Ausgangsmaterial für die Menschenschöpfung gewesen sein sollen. Das menschliche Genom setzt sich aus einem väterlichen und einem mütterlichen Teil zusammen. Adam und Eva hätten aber in diesem Deutungsrahmen keine Eltern und somit selbst keine Gene zum Weitergeben gehabt! Aus Gen. 1.31 ist außerdem keine Vollkommenheit der Schöpfung ableitbar, das hebräische ,,tov" bedeutet brauchbar, geeignet, aber nicht perfekt.

Die Menschen der sechsten Schöpfungsperiode (Gen. 1.26-31, auch als ,,Präadamiten" bekannt) treten als Kollektiv, als Gesamtheit auf. Sie bilden eine geschlossene Einheit, ohne dass Namen fallen oder bestimmte Handlungen einzelner Personen erwähnt werden. Adam ist bibelgeschichtlich der erste Mensch, der persönlich und namentlich erwähnt wird. Dazu kommt, dass er mit seiner Frau eher isoliert lebte, und nicht in einer Stammes- oder Dorfgemeinschaft. So kamen die Auslegungsgelehrten - getreu spätzeitlicher Deutungsschablonen - zu dem falschen Schluss, Adam und Eva wären die ersten, direkt von göttlicher Hand erschaffenen Menschen im Sinne von Gen. 1.27. Das individuelle Paar ist aber nicht nur nicht identisch mit den ,,ersten" Menschen; Es liegt auch zeitlich weit von diesen entfernt, in der Frühphase der bis heute währenden, siebten Schöpfungsperiode. Wie die biblischen Chronologien ergeben, lebten Adam und Eva vor ca. 7500 Jahren, also mitten in der Jungsteinzeit.

Mehr noch, zu Adams Zeiten war die übrige Bevölkerung keineswegs mehr nur ,,primitiv". Die Erwähnung mehrerer Länder bzw. Stadtstaaten in der Nachbarschaft Edens lässt die frühe Existenz staatlicher Ordnung erkennen, sogar noch vor Nod und Kains Stadt. Adam und Eva waren alles andere als vollkommene Prototypen; Mit ihrem einfachen Ackerbau hinkten sie kulturell sogar ziemlich hinterher. Auch das Verhalten beider war höchst unvollkommen. Eva ließ sich problemlos verführen, und Adam fiel ihr hinterher dreist in den Rücken. Heute würden sich die beiden wahrscheinlich trennen :D

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Was die angeblichen Lebensalter der biblischen Persönlichkeiten angeht, sieht die Tradition wieder nur das, was sie sehen will, eine Parallele zur babylonischen Königsideologie und einen Lohn für ,,gottgefälligen" Lebenswandel. Aber das ist ja nicht ihr einziger Fehler, sie hat mitunter sogar die biblische Zeitrechnung mit dem Alter der Erde (!) gleichgesetzt. Die Lebensalter der babylonischen Urkönige betragen fünfstellige Zahlen, die weit in die menschliche Vorgeschichte zurückreichen, lange, lange vor der Sintflut. Dagegen sind die biblischen nicht nur himmelschreiend gering, sondern vor allem goldrichtig: Sie münden mitten in die Jungsteinzeit, die Blütezeit der Neolithischen Revolution. Der Garten Eden lag in Südmesopotamien, einem der wichtigsten Zivilisationsherde der Welt, s. o.. Ebenso harmonisch fügt sich die Sintflut in dieses Bild, auch sie gehört noch in die (fortgeschrittene) mesopotamische Jungsteinzeit.

Wir haben uns im Laufe der Jahrhunderte daran gewöhnt, in jedem einzelnen Bibelwort einen ,,tieferen" Sinn zu suchen. Aber oft ist die Motivation der Autoren schlicht pragmatischer Natur. Von einem Stammbaum, der von der Jungsteinzeit (Adam) bis in die Spätantike (Jesus) reicht, kann man natürlich keine Vollständigkeit erwarten. Die Ausdehnung der Lebensalter ermöglichte eine mehr oder weniger elegante Überbrückung etwaiger Lücken. Besonders deutlich wird das vor der Sintflut, wo gerade mal zehn ,,Urväter" über einen beachtlichen Zeitraum von fast 1700 Jahren einzuordnen waren. Das widerspricht zudem der kreationistischen These, die vorsintflutliche Fortpflanzungsrate wäre sagenhaft hoch gewesen. An einigen Stellen erkennt man auch ganz eindeutig, wie ganze Generationen übersprungen, oder besser gesagt, zusammengerafft werden. Nicht die gelebten Lebensjahre der biblischen Persönlichkeiten sind entscheidend, sondern vielmehr deren Platz an der Zeitskala. Erstere dürften sowieso - bei allem Respekt - kaum der Rede wert gewesen sein. In der Jungsteinzeit war die menschliche Lebenserwartung so niedrig wie weder davor noch danach.

Jedenfalls wird nur ein ungefährer zeitlicher Rahmen vorgegeben. Es gibt nämlich mehrere biblische Chronologien, die masoretische und die septuagintische. Zusammen mit dem samaritanischen Pentateuch sind es sogar drei. Erst ab Abraham vereinheitlicht sich die Zeitrechnung, denn der Turmbau zu Babel direkt davor ist nach der Paradiesgeschichte der zweite einschneidende, zeitgeschichtliche Wendepunkt in der Bibel. Spätestens dort geht die Jungsteinzeit ins frühe Altertum über.

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Oder würdet ihr, ihm/ihr die Freiheit lassen, an das zu glauben, was er/sie will?

Eigentlich bleibt ihnen nichts anderes übrig. So verlangt es schließlich das Grundgesetz, das sie hier ständig rauf und runter salbadern...

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Warum darfst denn du deine Lügen weltweit verbreiten?? In der Bibel werden Adam und Eva nicht als körperlich erste Menschen dargestellt, sondern als die ersten Menschen, die aus der prähistorischen Gesamtmenschheit in den historischen Vordergrund treten.

Traditionell wird die vermeintlich plastischere Paradiesgeschichte als ,,eigentliche" Schöpfungsgeschichte behandelt, sie ließ sich halt besser mit den spätbabylonischen, mythologischen Deutungsschablonen verwursten als das kryptisch anmutende Sechstagewerk. Für die Auslegungsgelehrten muss es so ausgesehen haben, als wären die Menschen und Tiere des ersten Genesiskapitels quasi ,,aus dem Nichts" erschaffen worden. Auch die Tatsache, dass es keine Namen nennt, schien gestört zu haben. Denn sogar die Gelehrten hatten richtig erkannt, dass ādām hier nur ein Artbegriff für den Menschen schlechthin ist. Im zweiten Text glaubte man hingegen, gleich beides gefunden zu haben, sowohl Ausgangsmaterial (Lehm und Rippe) für die Schöpfung von Mensch und Tier als auch Namen (Adam und Eva), eine eindeutige Rangordnung für die Geschlechter und nicht zuletzt mehr ,,Action" (Bösewicht, Verführung, Sünde, Strafe, Vertreibung). Daraufhin wurde gelehrt, dass die Paradiesgeschichte die Details der ,,Schöpfung" beleuchte, während das Sechstagewerk nur eine grobe Übersicht darstelle. Noch heute tischen das Theologen ahnungslosen Bibellesern als ,,typisch hebräischen Erzählstil" auf.

Tatsächlich ist das Sechstagewerk kein schmückendes Beiwerk, sondern erster und grundlegendster Teil des biblischen Handlungsfadens, ja, der Unterbau der gesamten Bibel! Die Paradiesgeschichte ist nicht die Wiederholung, sondern die Fortsetzung im lokalmesopotamischen Rahmen. Die Menschen der sechsten Schöpfungsperiode (Gen. 1.26-31, auch als ,,Präadamiten" bekannt) treten als Kollektiv, als Gesamtheit auf. Sie bilden eine geschlossene Einheit, ohne dass Namen fallen oder bestimmte Handlungen einzelner Personen erwähnt werden. Dazu kommt, dass Adam mit seiner Frau eher isoliert lebte, und nicht in einer Stammes- oder Dorfgemeinschaft. So kamen die mittelalterlichen Auslegungsgelehrten zu dem falschen Schluss, Adam und Eva wären die ersten und einzigen Menschen im Sinne von Gen. 1.27 gewesen. Das individuelle Paar ist aber nicht nur nicht identisch mit den ,,ersten" Menschen; Es liegt auch zeitlich weit von diesen entfernt, in der Frühphase der bis heute währenden, siebten Schöpfungsperiode. Wie die biblischen Chronologien ergeben, lebten Adam und Eva vor ca. 7500 Jahren, also mitten in der Jungsteinzeit. Aus biblischer Perspektive ist hier die Nahtstelle zwischen Ur- bzw. Vorgeschichte und Geschichtsschreibung im eigentlichen Sinne.

Mehr noch, zu Adams Zeiten war die übrige Bevölkerung keineswegs mehr nur ,,primitiv". Die Erwähnung mehrerer Länder bzw. Stadtstaaten in der Nachbarschaft Edens lässt sogar die Existenz staatlicher Ordnung erkennen, die Auszählung der jeweiligen Bodenschätze erzwingt ein gewisses technisches Niveau. Das gilt auch für das Volk der Noditen, unter das Kain sich mischte. Adam und Eva waren alles andere als vollkommene Prototypen; Mit ihrem einfachen Ackerbau hinkten sie kulturell sogar ziemlich hinterher.

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Sie sagen, dass Menschen nicht vom Affen abstammen und dass die Erde 6000-1000 Jahre alt ist, weil es in der Bibel oder im Koran steht

Weil sie glauben, dass das in der Bibel/im Koran steht. Sie übernehmen und verteidigen kritiklos die Dogmen der mittelalterlichen Auslegungstradition, die wiederum auf Deutungsschablonen der spätbabylonischen Mythologie zurückgriff. Diese Tatsachen sollte die zweite Aufklärungswelle transportieren.

Die vielzitierten 6000 Jahre umfassen gerade einmal den siebten Schöpfungs,,tag", der kurz vor Adams Erscheinen begonnen hatte (Gen. 1.31-2.3), und der ,,Abend" desselben ist nicht in Sicht (Hebr. 3-4). Mehr braucht es an sich nicht, um das Kurzzeit-Dogma ad absurdum zu führen. Doch damit nicht genug: Die Abschlussformel in Gen. 2.4 fasst alle Schöpfungs,,tage" zu einem einzigen ,,Tag" zusammen. Bei Kalendertagen geht das beim besten Willen nicht, unbestimmte Zeitabschnitte lassen sich hingegen problemlos zu einem (größeren) zusammenfügen.

Zum etymologischen Verständnis: Das fragliche Wort ,,Jom" ist verwandt mit ,,Majim", Wasser und ,,Jam", Meer. In allen Altsprachen sind die Begriffe für Wasser, Zeit, Welt und Leben eng verbunden und stellen die ältesten Schichten dieser Sprachen dar. Denn die Wasserläufe diktieren seit eh und je (nicht nur) das menschliche Leben. Die Schöpfungs,,tage" diktiert natürlich nicht die Erdrotation. Der erste hatte ja schon mit dem ,,Anfang" (Gen. 1.1) begonnen, bevor die Unterscheidung zwischen hell und dunkel möglich wurde (Gen. 1.3-5). Von Interesse sind vielmehr Werdung und Vollendung der jeweiligen Schöpfungswerke. Besonders deutlich wird das an der Vermehrung der Organismen einschließlich des Menschen (Gen. 1.28). Zudem wiederholt sich mehrmals die Wendung ,,und es geschah so", so auch in Gen. 1.30. Die Grundbedeutungen von ereb und boqer, traditionell mit Abend und Morgen übersetzt, sind Übergang und Neuanbruch. In manchen Übersetzungen ist diese Botschaft immer noch zu erkennen: ,,Da ward aus Abend und Morgen der x-te Tag".

In Gen. 1.26 steht als Verb ,,asah", ein Allerweltswort, welches ganz allgemein die fortlaufende, allmähliche Zubereitung bestehenden Materials ausdrückt. Im Schöpfungsbericht wird es desweiteren bei der Weiterentwicklung der Landtiere verwendet (Gen. 1.25), nachdem diese bereits auf das Festland gekommen waren (1.24). Auch hier haben wir wieder zwei verschiedene Aussagen und Vorgänge. Asah kann sich auch auf die Zubereitung eines Gerichts (aus vorhandenen Zutaten) beziehen und wird sogar für Pflanzen verwendet. Bei der Verheißung für Abraham heißt es: ,,Ich werde eine große Nation aus dir machen." Auch hier wieder kein Schöpfungswunder, sondern allmähliche Werdung. Die vielzitierte ,,Erschaffung" (bara) des Menschen in Gen. 1.27 ist nur der zweite Teil der Menschwerdung und bezieht sich somit nicht auf den menschlichen Körper, welcher ja schon zuvor zubereitet worden war, sondern auf die spezifischen geistigen wie personellen Fähigkeiten des Menschen (Gottebenbildlichkeit), welche wie zuvor die Materie (Gen. 1.1) und die Tier,,seelen" (Gen. 1.21) einzigartige Neuerscheinungen darstellen. Wir reden auch gar nicht von nur einem einzelnen Menschen oder zwei, sondern von einer ganzen Gruppe unbestimmter Stärke. Hier ist ādām kein Personenname, sondern kollektiver Artbegriff für den Menschen schlechthin. Nachdem die fraglichen Begriffe geklärt sind, kann man sich den geschilderten Ablauf wie folgt vorstellen:

Eine Gruppe gewisser Landtiere wird zu einer menschlichen Gestalt modifiziert und mit kognitiven Fähigkeiten in einzigartiger Konzentration ausgestattet, woraufhin sie sich kraft ihres Fortpflanzungstriebes über die ganze Erde ausbreitet. Dies wird bestätigt durch den zusammenfassenden Abschlusssatz (Kolophon) in Gen. 2.4, welcher einer heutigen Überschrift entspricht und das ganze Geschehene rückblickend als ,,Stammesgeschichte" oder auch Familiengeschichte (hebr. Toledot) bezeichnet. In dieser längst bevölkerten Welt erscheinen schließlich Adam und Eva, die ersten namentlich erwähnten Individuen der biblischen Geschichtsschreibung im eigentlichen Sinne. Die Paradiesgeschichte knüpft inhaltlich nahtlos an das generische Sechstagewerk an und setzt es im lokalmesopotamischen Rahmen fort, s. o..

Analog zur paläoanthropologischen Ebene, wo es keine scharfe Grenze gibt zwischen ,,Mensch" und ,,Tier", lässt sich auch auf exegetischer Ebene keine scharfe Grenze ziehen zwischen dem Zubereitungsprozess (Gen. 1.26) und der ,,Erschaffung" (Gen. 1.27). Der österreichische Bibelexperte Paul Hengge versteht Gen. 1.28 als den Wechsel zum aufrechten Gang: ,,Nehmt die Erde unter eure Füße!" - und setzt die Erschaffung somit bereits im frühesten Entwicklungsstadium der Menschheit an. Der belgische Bibelexperte Karel Claeys hingegen lässt die Gottebenbildlichkeit erst mit dem Auftreten des Homo Sapiens (,,wissender" Mensch) gelten. Fest steht jedenfalls, dass die Genesisautoren nicht nur Ackerbau betreibende ,,Kulturmenschen" wie Adam und Eva als vollwertige Menschen ansahen. Außerdem ist der Mensch immer ein Tier (hebr. behema) geblieben, wie Pred. 3.18-20 nochmal betont.

Buchtipps: ,,Die Bibel bestätigt das Weltbild der Naturwissenschaft" von Karel Claeys

,,Auch Adam hatte eine Mutter" von Paul Hengge

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