Die klerikalen Welterklärer sahen sich einem Dilemma gegenüber: Dem rätselhaften und widersprüchlichen Zustand der Welt und Natur. Auf der einen Seite prächtige Schönheit und üppige Vielfalt, auf der anderen Seite Kampf, Verfall und Tod. Die Vorstellung, dass ein allmächtiger Universalgott Letzteres in seine Schöpfung einbezieht, kam nicht infrage. Also musste eine Lösung her: Die Sündhaftigkeit des Menschen. Modell stand hier wohl vor allem die talmudische Theorie, dass Adam und Eva, die vermeintlichen Stammeltern der Menschheit, vor dem ,,Sündenfall" unsterblich gewesen sein sollen.

Indem sie behaupteten, die Welt inclusive des Menschen sei ursprünglich vollkommen erschaffen worden, der Mensch habe sie jedoch mit seinem Ungehorsam verdorben, vermochten die Kirchenlehrer nicht nur die Missstände in der Welt zu erklären, sondern auch der Bevölkerung ein schlechtes Gewissen einzureden, was ein ideales Machtinstrument abgab. Dass vollkommene Menschen überhaupt sündigen können, wurde wiederum mit dem - wohlgemerkt ebenso unbiblischen - freien Willen erklärt. In erster Linie muss der Römerbrief herhalten, um die Erbsünde biblisch zu untermauern. Besonders Röm. 5.12 und 8.20 werden gern zitiert. Es geht jedoch um eine geistliche Form des Todes, wie in Röm. 7.10 besonders deutlich wird.

Bereits das ,,Tohuwabohu" in der noch menschenleeren jungen Erde straft die Idee der ursprünglich makellosen, durch den Menschen verdorbenen Schöpfung Lügen. Dazu gesellen sich die Fleischfresser der fünften Schöpfungsperiode. Die Umwandlung friedlicher Pflanzenfresser in zähnefletschende Fleischfresser infolge des ,,Sündenfalls" widerspricht hingegen der biblischen Dokumentation. Ein göttliches Wunder von der Größenordnung hätte den Autoren eine Erwähnung wert sein müssen, sofern es stattgefunden hätte. Aber - nichts! Der Zusammenhang zwischen Röm. 8.20 und den Ereignissen der Paradiesgeschichte ist völlig an den Haaren herbeigezogen. Zudem ist in Röm. 5.12 ausschließlich von Menschen die Rede - eine echte Zwickmühle für Traditionsanhänger!

Ganz zu schweigen von den Menschen der sechsten Schöpfungsperiode (Gen. 1.26-31), welche bereits vor Adam und Eva lebten, Tiere verwerteten - und starben. Und zwar nicht, weil sie vom falschen Apfelbaum genascht haben, sondern weil es zum normalen Lauf der Dinge gehört. Direkt einen Vers weiter macht Röm. 5.13 einen Strich durch die christliche Rechnung: Schon vor dem Gesetz war Sünde in der Welt. Nach traditioneller Auffassung, dass das Paradies den Anfang der Welt darstellte, wurde Moses die weltweit erste Gesetzgebung im biblischen Sinne zugesprochen. Aber bereits Adam hatte gegen ein Gesetz verstoßen. Also musste es eine präadamitische Welt gegeben haben, siehe Gen. 1. Dies hatte bereits in der frühen Neuzeit der französische Protestant Isaac del Peyrere festgestellt und die religiösen Meinungsmacher mächtig ins Schwitzen gebracht!

...zur Antwort

Wie veränderte der Sündenfall die Welt (und mehr)?

Wenn wir uns erst seit dem Sündenfall in dieser materiellen Welt befinden in der alles irgendwann stirbt, frage ich mich, wie sich diese vom Zustand im Paradies unterscheidet.

Hinweise dazu gibt es in der Bibel:

1 Mose 6, 3: Da sprach der HERR: Mein Geist soll nicht immerdar im Menschen walten, denn er ist  Fleisch. Ich will ihm als Lebenszeit geben hundertzwanzig Jahre.

Besaßen Adam und Eva eine Art spirituellen Körper? Ausscheidungen durch die Aufnahme von Nahrung passen beispielsweise nicht in eine paradiesische Welt.

Außerdem herrschte scheinbar schon vor dem Sündenfall eine Art Dualität:

1 Mose 1, 14 (HFA): Da befahl Gott: »Am Himmel sollen Lichter entstehen, die den Tag und die Nacht voneinander trennen und nach denen man die Jahreszeiten und auch die Tage und Jahre bestimmen kann!

Jahreszeiten und die Nacht bringen von Natur aus 1. Tod mit sich (Blätter sterben von Bäumen ab) und außerdem Kälte (Adam und Eva bekamen nur aufgrund der Scham voreinander Kleidung).

Wenn man noch folgendes berücksichtigt:

Offenbarung 21,25: Und ihre Tore werden nicht verschlossen am Tage; denn da wird keine  Nacht sein.
Offenbarung 22,5:  Und es wird keine  Nacht mehr sein, und sie bedürfen nicht des Lichts einer Lampe und nicht des Lichts der Sonne; denn Gott der Herr wird über ihnen leuchten, und sie werden regieren von Ewigkeit zu Ewigkeit.

scheint es so, als hätten sich die Erde und dem darauf befindlichen paradiesischen Garten (noch) nicht in dem in der Offenbarung versprochenen Zustand der absoluten Perfektion befunden.

Schnee und Kälte sind zwar unangenehm und passen nicht in einen Zustand der völligen Perfektion, darauf verzichten möchte man aber gerade als Kind nicht (Ausnahmen bestätigen die Regel).

War es Adam und Eva überhaupt möglich der Versuchung zu widerstehen wenn sie nicht zwischen Gut und Böse unterscheiden konnten? Waren sie damit nicht einer Art Russisch Roulette ausgesetzt? Gott hat sie zwar davor gewarnt, aber auf wen soll man hören wenn "Gut" das einzige ist was man kennt und dies auch Misstrauen ausschließt?

Sind all diese Fragen nicht berechtigt? Was sollte wörtlich genommen werden und was nicht? Was will mir die Bibel mitteilen? Dass ich Angst vor einem ewigen Gott haben muss da nur ich als Mensch mich wirklich in der Gefahrenzone befinde?

...zur Frage

Die klerikalen Welterklärer sahen sich einem Dilemma gegenüber: Dem rätselhaften und widersprüchlichen Zustand der Welt und Natur. Auf der einen Seite prächtige Schönheit und üppige Vielfalt, auf der anderen Seite Kampf, Verfall und Tod. Die Vorstellung, dass ein allmächtiger Universalgott Letzteres in seine Schöpfung einbezieht, kam nicht infrage. Also musste eine Lösung her: Die Sündhaftigkeit des Menschen. Modell stand hier wohl vor allem die talmudische Theorie, dass Adam und Eva, die vermeintlichen Stammeltern der Menschheit, vor dem ,,Sündenfall" unsterblich gewesen sein sollen.

Indem sie behaupteten, die Welt inclusive des Menschen sei ursprünglich vollkommen erschaffen worden, der Mensch habe sie jedoch mit seinem Ungehorsam verdorben, vermochten die Kirchenlehrer nicht nur die Missstände in der Welt zu erklären, sondern auch der Bevölkerung ein schlechtes Gewissen einzureden, was ein ideales Machtinstrument abgab. Dass vollkommene Menschen überhaupt sündigen können, wurde wiederum mit dem - wohlgemerkt ebenso unbiblischen - freien Willen erklärt. In erster Linie muss der Römerbrief herhalten, auch um die Erbsünde biblisch zu untermauern. Besonders Röm. 5.12 und 8.20 werden gern zitiert. Es geht jedoch um eine geistliche Form des Todes, wie in Röm. 7.10 besonders deutlich wird.

Bereits das ,,Tohuwabohu" in der noch menschenleeren jungen Erde straft die Idee der ursprünglich makellosen, durch den Menschen verdorbenen Schöpfung Lügen. Dazu gesellen sich die Fleischfresser der fünften Schöpfungsperiode. Die Umwandlung friedlicher Pflanzenfresser in zähnefletschende Fleischfresser infolge des ,,Sündenfalls" widerspricht hingegen der biblischen Dokumentation. Ein göttliches Wunder von der Größenordnung hätte den Autoren eine Erwähnung wert sein müssen, sofern es stattgefunden hätte. Aber - nichts! Der Zusammenhang zwischen Röm. 8.20 und den Ereignissen der Paradiesgeschichte ist völlig an den Haaren herbeigezogen. Zudem ist in Röm. 5.12 ausschließlich von Menschen die Rede - eine echte Zwickmühle für Traditionsanhänger!

Ganz zu schweigen von den Menschen der sechsten Schöpfungsperiode (Gen. 1.26-31), welche bereits vor Adam und Eva lebten, Tiere verwerteten - und starben. Und zwar nicht, weil sie vom falschen Apfelbaum genascht haben, sondern weil es zum normalen Lauf der Dinge gehört. Direkt einen Vers weiter macht Röm. 5.13 einen Strich durch die christliche Rechnung: Schon vor dem Gesetz war Sünde in der Welt. Nach traditioneller Auffassung, dass das Paradies den Anfang der Welt darstellte, wurde Moses die weltweit erste Gesetzgebung im biblischen Sinne zugesprochen. Aber bereits Adam hatte gegen ein Gesetz verstoßen. Also musste es eine präadamitische Welt gegeben haben, siehe Gen. 1. Dies hatte bereits in der frühen Neuzeit der französische Protestant Isaac del Peyrere festgestellt und die religiösen Meinungsmacher mächtig ins Schwitzen gebracht.

...zur Antwort

Doch, an sich sind sie das, aber sie kommen ja kaum zu Wort! Die gängigen Interpretationen haben mit dem biblischen Wortlaut so gut wie gar nichts zu tun, sondern basieren im Wesentlichen auf spätbabylonischen Weltbildern.

Aber selbst wenn man sich der Bibel aufgeschlossen und neutral nähert, kann das Verständnis - wie jede Erkenntnis - immer nur scheibchenweise erfolgen. So gewinnt man jedes Mal neue Einsichten, und das ist ja auch nicht das Schlechteste.

www.konkordant.de

...zur Antwort
Ja, weil ...

Der Grund ist aber ein anderer. Dieser Vers bezieht sich nicht auf alle biblischen Bücher, sondern allgemein auf ,,jede von ,,Gott" gehauchte (der griechische Ausdruck lautet theópneustos) Schrift". Außerdem merkt man schon beim bloßen Lesen, dass längst nicht jede biblische Schrift den Zweck der Unterweisung o. Ä. hat. Die Geschichtsbücher fallen eher nicht darunter, vielmehr die prophetischen und ,,philosophischen" Bücher. Zudem gab es unter den Gelehrten immer widerstreitende Ansichten zum Verständnis von ,,Inspiration".

Ein weiteres Problem ist die in religiösen Kreisen verbreitete Unsitte der Verabsolutierung von Bibelstellen unter sträflicher Vernachlässigung des Zusammenhangs. Paulus richtete obige Worte an Timotheus, den Leiter der ephesischen Gemeinde. Eine Bedrohung ist im Anmarsch in Form von Werteverfall (2. Tim. 3.2-5) und Paulus hat nicht mehr lange zu leben. Deshalb verweist er auf die bekannten Schriften als Richtschnur. Sowohl Paulus und Timotheus hatten den ,,Geist" der Schriften längst beim Lesen erfahren. Dass die Bibel überirdischen Ursprungs ist, wird nicht behauptet. Zumal die Bibel zu jener Zeit noch nicht fertig war, die noch kommenden ,,Schriften" fallen somit unter den Tisch. Und wer kann schon garantieren, dass ,,Götter" bzw. deren ,,Geister" immer für die Wahrheit (ein-)stehen?! Die meisten sind sogar ziemliche Schlitzohren! Eine Aussage ist entweder von sich aus wahr, oder halt nicht. Völlig unabhängig von ,,göttlichem" Beistand

Die historisch-kritische Methode hat noch ganz andere Probleme. Erkenntnistechnisch ist sie noch nie über das hinausgekommen, was sich der gesunde Menschenverstand nicht auch zusammenreimen könnte: "Die Bibel ist von Menschen geschrieben". *Bauklötzestaun* Dafür brauchts aber weder Exegese noch wissenschaftliche Analysen, etwas Beobachtung der Welt reicht schon. Mit Ausnahme des Menschen ist nämlich keine schreibfähige Spezies bekannt. Für eine wissenschaftliche Erkenntnis ist das herzlich wenig. Inhaltlich käut sie auch nur das wieder, was die religiösen Exegeten schon seit Jahrhunderten predigen, z. B. die "weltweite" Sintflut. Dabei wurde diese schon im 17. Jahrhundert von Isaac del Peyrere als lokal auf den Nahen Osten beschränkt erkannt. Somit war die historisch-kritische Methode schon überholt, bevor es sie überhaupt gab. Meinen Respekt, das schafft auch nicht jeder Ansatz^^

Diese absolute Hörigkeit gegenüber frommen Traditionen auf der einen Seite, gepaart mit übertriebenem Skeptizismus auf der anderen Seite, das kann nicht gut gehen! 🙈

...zur Antwort

Traditionell wird die Paradiesgeschichte für die ,,eigentliche" Schöpfungsgeschichte gehalten, sie war halt besser mit den spätbabylonischen Mythen, an welchen sich die mittelalterlichen Bibeldeuter orientierten, in Einklang zu bringen. Diese lehren einhellig die Erschaffung des Menschen durch menschengleiche Götter aus nichttierischen Substanzen, wahlweise Erde, Blut oder sogar Holz. In diesem Fall einigten sie sich auf Ersteres, weil es am ehesten zur fraglichen Textpassage (Gen. 2.7) passt. Außerdem glaubte man in der Paradiesgeschichte viele ausschmückende Details zu finden, welche im kryptisch und unpersönlich anmutenden Sechstagewerk scheinbar fehlen: Ausgangsmaterial (Erde (und Rippen)) für die Schöpfung von Mensch und Tier, Namen (Adam und Eva), eine eindeutige Rangordnung für die Geschlechter und nicht zuletzt mehr ,,Action" (Bösewicht, Verführung, Sünde, Strafe, Vertreibung). Infolgedessen wurde das Sechstagewerk auf fatale Weise ausgehöhlt und untergraben, indem behauptet wurde, es wolle lediglich eine grobe Übersicht über das Schöpfungsgeschehen liefern, während die Paradiesgeschichte die Details beleuchte. Noch heute tischen das Theologen ahnungslosen Bibellesern als ,,typisch hebräischen Erzählstil" auf. Diese Lesart führt aber zwangsläufig zu inakzeptablen Folgerungen, die Frage nach der Herkunft von Kains Frau ist dann nur ein Problem von vielen.

Tatsächlich ist das Sechstagewerk kein schmückendes Beiwerk, sondern der erste und grundlegendste Teil des biblischen Handlungsfadens, ja, der Unterbau der ganzen Bibel! Folgerichtig ist die Paradiesgeschichte keine primitive Wiederholung. Alles was im Sechstagewerk passiert, wird danach als gegeben vorausgesetzt. Besonders wichtig dabei ist, dass die Welt längst mit Menschen bevölkert ist (Gen. 1.26-31), als Adam die Bildfläche betritt. Die Paradiesgeschichte setzt das Sechstagewerk in lokalem Rahmen fort und dreht sich um die neolithische Kultivierung eines konkret eingegrenzten Gebietes (siehe Edenbeschreibung). Nun treten zum ersten Mal einzelne Personen aus der prähistorischen Gesamtmenschheit in den historischen Vordergrund.

...zur Antwort

Traditionell wird die Paradiesgeschichte für die ,,eigentliche" Schöpfungsgeschichte gehalten, sie war halt besser mit den spätbabylonischen Mythen, an welchen sich die mittelalterlichen Bibeldeuter orientierten, in Einklang zu bringen. Diese lehren einhellig die Erschaffung des Menschen durch menschengleiche Götter aus nichttierischen Substanzen, wahlweise Erde, Blut oder sogar Holz. In diesem Fall einigten sie sich auf Ersteres, weil es am ehesten zur fraglichen Textpassage (Gen. 2.7) passt. Außerdem glaubte man in der Paradiesgeschichte viele ausschmückende Details zu finden, welche im kryptisch und unpersönlich anmutenden Sechstagewerk scheinbar fehlen: Ausgangsmaterial (Erde (und Rippen)) für die Schöpfung von Mensch und Tier, Namen (Adam und Eva), eine eindeutige Rangordnung für die Geschlechter und nicht zuletzt mehr ,,Action" (Bösewicht, Verführung, Sünde, Strafe, Vertreibung). Infolgedessen wurde das Sechstagewerk auf fatale Weise ausgehöhlt und untergraben, indem behauptet wurde, es wolle lediglich eine grobe Übersicht über das Schöpfungsgeschehen liefern, während die Paradiesgeschichte die Details beleuchte. Noch heute tischen das Theologen ahnungslosen Bibellesern als ,,typisch hebräischen Erzählstil" auf. Diese Lesart führt aber zwangsläufig zu inakzeptablen Folgerungen, die Frage nach der Herkunft von Kains Frau ist dann nur ein Problem von vielen.

Tatsächlich ist das Sechstagewerk kein schmückendes Beiwerk, sondern der erste und grundlegendste Teil des biblischen Handlungsfadens, ja, der Unterbau der ganzen Bibel! Folgerichtig ist die Paradiesgeschichte keine primitive Wiederholung. Alles was im Sechstagewerk passiert, wird danach als gegeben vorausgesetzt. Besonders wichtig dabei ist, dass die Welt längst mit Menschen bevölkert ist (Gen. 1.26-31), als Adam die Bildfläche betritt. Die Paradiesgeschichte setzt das Sechstagewerk in lokalem Rahmen fort und dreht sich um die neolithische Kultivierung eines konkret eingegrenzten Gebietes (siehe Edenbeschreibung). Nun treten zum ersten Mal einzelne Personen aus der prähistorischen Gesamtmenschheit in den historischen Vordergrund.

...zur Antwort

Nein, mit ,,Awraham" haben ,,wir" nichts zu tun. Die Völkertafel aus Gen. 10 gilt nicht für die ganze Weltbevölkerung, sondern nur für einen Ausschnitt derselben. Vornehmlich für den Nahen Osten, wobei es Noahs Nachfahren laut Erklärungen der Elberfelder Bibel sogar bis zur Iberischen Halbinsel geschafft haben sollen.

Schon vor Adam und ,,Chawwah" gab es weltweit Menschen, die sich in der Endphase der sechsten Schöpfungsperiode verbreitet hatten (Gen. 1.26-31). Als Adam die Bildfläche betrat, hatte die siebte Schöpfungsperiode bereits begonnen.

...zur Antwort

Allein der siebte Schöpfungs,,tag", der kurz vor Adams Erscheinen begonnen hatte (Gen. 1.31-2.3), läuft bereits über 7500 Jahre, und ein ,,Abend" ist nicht in Sicht (Hebr. 3-4). Mehr braucht es an sich nicht, um das Kurzzeit-Dogma ad absurdum zu führen. Doch damit nicht genug: Die Abschlussformel in Gen. 2.4 fasst alle Schöpfungs,,tage" zu einem einzigen ,,Tag" zusammen. Bei Kalendertagen geht das beim besten Willen nicht, unbestimmte Zeitabschnitte lassen sich hingegen problemlos zu einem (größeren) zusammenfügen.

Zum Verständnis: Das fragliche Wort ,,Jom" ist etymologisch verwandt mit ,,Majim", Wasser und ,,Jam", Meer. In allen Altsprachen sind die Begriffe für Wasser, Zeit, Welt und Leben eng verbunden und stellen die ältesten Schichten dieser Sprachen dar. Denn die Wasserläufe diktieren seit eh und je (nicht nur) das menschliche Leben. Übrigens reden wir hier vom Hebräischen, nicht vom Aramäischen.

Die Schöpfungs,,tage" diktiert natürlich nicht die Erdrotation. Der erste hatte ja schon mit dem ,,Anfang" (Gen. 1.1) begonnen, bevor die Unterscheidung zwischen hell und dunkel möglich wurde (Gen. 1.3-5). Von Interesse sind stattdessen Werdung und Vollendung der jeweiligen Schöpfungswerke. Besonders deutlich wird das an der Vermehrung der Organismen einschließlich des Menschen (Gen. 1.28). Zudem wiederholt sich mehrmals die Wendung ,,und es geschah so", so auch in Gen. 1.30. Die Grundbedeutungen von ereb und boqer, traditionell mit Abend und Morgen übersetzt, sind Übergang und Neuanbruch. In gewissen Übersetzungen scheint diese Botschaft trotz allem noch durch: ,,Da ward aus Abend und Morgen der x-te Tag".

Auslegungsgeschichtlich dürfte das Kalendertage-Dogma eh erst spät aufgekommen sein, zusammen mit anderen Elementen des traditionellen Deutungsgefüges. Die Auslegungsgelehrten haben sich nämlich sowieso lieber an die vermeintlich plastischere Paradiesgeschichte gehalten, weil sie es leichter mit den spätzeitlichen Mythen verhackstücken konnten (Mensch im Erwachsenen Zustand aus nichttierischen Materialien wie Erde geschaffen) als das kryptisch anmutende Sechstagewerk. Geeinigt haben sie sich schlussendlich auf die bis heute theologisch gültige Lehrmeinung, dass das Sechstagewerk eine grobe Übersicht über die ,,Schöpfung" gewährt und die Paradiesgeschichte die Details beleuchtet. So oder so ist Adam der bibelgeschichtlich erste Mensch, der persönlich und namentlich erwähnt wird. Die Menschen der sechsten Schöpfungsperiode treten als Kollektiv, als Gesamtheit auf. Sie bilden eine Einheit, ohne dass Namen fallen oder bestimmte Handlungen einzelner Personen erwähnt werden. Deshalb sahen ihn die Gelehrten - in Übereinstimmung mit spätzeitlichen Deutungsschablonen - als ersten im Bilde Gottes erschaffenen Menschen an. Zu ihm führen auch die biblischen Chronologien und ergeben dabei nur einen überschaubaren Zeitraum von wenigen Jahrtausenden, siehe oben. Vor Adam konnte es also ,,nichts" geben, das schien unvorstellbar. Genauso unvorstellbar wie der Umstand, dass die biblischen Chronologien nicht gleich bei der ersten Sekunde Zeitgeschichte ansetzen, sondern ,,mittendrin" - oder, wenn man das Gesamtbild betrachtet, zum Ende hin (siehe wiederum oben). So konnten die Gelehrten nur zu dem Schluss kommen, dass Erde und Menschheit entsprechend jung waren.

Ganz verdrängen ließ sich das korrekte Verständnis der Schöpfungs,,tage" als exorbitante Zeiträume aber nie. Schon vor Augustinus blieben ihr nicht nur ,,Querdenker", sondern sogar viele Kirchenväter treu. Das populäre Argument, dass dies eine moderne Umdeutung sein soll, eine exegetische Notlösung, die erst mit der modernen Geologie (und Evolutionstheorie) notwendig wurde, ist geradezu an den Haaren herbeigezogen

Laut Bibel haben Dinosaurier z.B nie existiert

Die Schöpfungsgeschichte (Gen. 1.1-2.4) deckt einen immensen und weit in der Vergangenheit liegenden Zeitraum ab (s. o.). Auch die erwähnten Pflanzen- und Tiergruppen sind sehr weit gefasst. Sogar ādām ist zunächst ein Sammelbegriff für alle Menschen (Gen. 1.27). Erst in der jüngeren Vergangenheit treten nach und nach immer mehr einzelne Personen aus der prähistorischen Gesamtmenschheit in den historischen Vordergrund; Angefangen bei Adam, mit dem auch die Zeitrechnung beginnt.

Nach dem Übergang von der Ur- zur (Früh-)Geschichte (ab Gen. 2.5) hätten die Autoren allenfalls noch die traurigen Überreste von Dinosauriern beschreiben können, mangels lebender Exemplare. Gut möglich, dass solche Funde bereits im frühen Altertum aufgetaucht sind. Abgesehen davon wurde das griechische Wort Dinosaurier erst im 19. Jahrhundert geprägt, von daher kann es schlecht in einem viel älteren althebräischen Text auftauchen.

...zur Antwort
Anderes:...
Sie sagt immer nur "das haben Männer geschrieben" wenn es um die Geschichte der Menschheit geht

Wo sie Recht hat, hat sie Recht. Die Evolutionstheorie wurde von Männern formuliert. Erklär ihr lieber, dass die Bibel dem nicht widerspricht. Im Sechstagewerk, wo der Mensch entsteht, wird auf geografische Eingrenzungen bewusst verzichtet.

...zur Antwort
Sehe ich unproblematisch

Der Knackpunkt ist, dass Wein im damaligen Sprachgebrauch ein Sammelbegriff für verschiedene Getränke ist. Wasser war ja damals nicht ohne Weiteres trinkbar. Dass übermäßiger Alkoholkonsum schädlich ist, wusste man schon damals. Von daher taugt der Hinweis, dass ,,Wein trinken" damals normal war , nicht zur Rechtfertigung der heutigen Trinkgewohnheiten.

...zur Antwort

Ja allerdings, wobei sogar die Barbaren ihre Gesetze hatten. Aber die 10 Gebote sind universelle Urgesetze, ohne die keine menschliche Gesellschaft funktionieren könnte (wenn auch in jeweils kulturell zugeschnittener Form).

...zur Antwort