Wird Karate (Shotokan) mit der Zeit Anwendungsbezogener?

4 Antworten

Ja. Shotokan karate hat am anfang sehr viel "theorie".

Meine erfahrung nach fängt das richtige Kumite (hab den begriff dafür vergessen) meist erst wirklich ab dem 7.kyu oder so an. (ausserhalb von den aufwärmsachen)

Wobei es sicherlich sehr stark vom verein abhängt. Schau das du dir eventuell nenn größeren verein suchst da dürfte das eher möglich sein.

Richtige selbstverteidigung hatte ich in meiner Zeit als Karateka ziemlich selten.

Dennoch geht es beim karate nichts ums Prügeln. Kotakt ist allgemeinen auch bei den höheren gradierungen eher verpönt. Also verpöhnt im sinne von das man wirklich darauf aus ist seinen gegenüber kampfunfähig zu machen wie z.b. es beim boxen der fall ist.

Je nach gegner kann man aber auf nicht kopfregionen schonmal härteren kontakt haben.

Also grundsätzlich betreiben die meisten Shotokan Vereine keinen Kontakt, was ich dir empfehlen würde, wäre mal zu schauen ob es bei dir einen shotokan verein gibt der auch kyusho jitsu miteinbaut. Das geht nämlich nicht ohne Kontakt. Ansonsten nach einem anderen Verein / Stil suchen. Wenn du wirklich mit Vollkontakt trainieren willst, würde ich dir kyokushin karate empfehlen.

Jetzt hast du dir gerade beim Shotokan-Karate einen Kampfsport ausgesucht, der grundsätzlich und immer kontaktlos betrieben wird. Gewöhne dich besser gleich daran. Wenn es einem Wettkämpfer versehentlich im Eifer des Gefechtes passiert, dass er einen richtigen Kopftreffer bei seinem Gegenüber landet, kann dies zu Strafabzügen durch den Schiedsrichter führen. Dafür wären auch viele Techniken bei fortgeschrittenen Karateka in der Wirkung zu "endgültig".

Das Abstoppen vor dem Ziel hat aber auch eine weitere Bewandnis: Im konkreten Fall einer Selbstverteidigungssituation (dafür wurden diese Kampfkunstsysteme ja ursprünglich mal erdacht) wird nämlich ebenfalls abgestoppt - aber erst ca. 5 cm  h i n t e r  dem Ziel. Dieses schockartige Abstoppen der Technik verstärkt damit ihre Wirkung - und kann einer Schockwelle gleichgesetzt werden, die einem eher schiebenden Schlag in der Auswirkung überlegen ist.

Im Gegensatz zum Taekwon-Do beispielsweise wird das Shotokan-System grundsätzlich ohne Schlag- und Trittkontakt am Kopf betrieben, doch ein leichtes Touchieren des Gi im Mittelkörper-Bereich (Chudan) ist erlaubt. Ansonsten findet sehr wohl Kontakte in den Blocktechniken wie auch in kurzzeitigen Haltegriffen und in den Würfen statt. Ein Kontakt-Sparring in Schutzkleidung, wie beim Taekwon-Do üblich, gibt es bei uns Shotokan-Leuten allerdings nicht.

Klar kann ich verstehen, dass ein ausschließliches Gohon-Kumite irgendwann langweilig wird, aber es ist auch wichtig, diese Grundschulformen des Kumite nicht zu vernachlässigen. Genauso wichtig ist es aber auch, immer mal wieder Ippon-Kumite und auch spielerische Freikämpfe einzubauen, auch wenn zu Beginn die Techniken noch nicht ganz sauber sein sollten, doch das wird durch die Grundschule nach und nach immer besser "in Form geschliffen.

Meine Empfehlung (auch wenn ich evtl. als Übungsleiter da ein bisschen parteiisch bin): Gib der Sache selbst eine Chance. Vielleicht wäre aber ein Wechsel des Vereins die bessere Lösung. Du wärest sicherlich in einem Verein mit einer großen Erwachsenen-Gruppe besser aufgehoben, denke ich.

Oss ! 



 


Was möchtest Du wissen?