Wieso hat Lessing sein Stück "Nathan der Weise" im Jerusalem des 12.Jahrhunderts angesiedelt?

2 Antworten

Erster Kreuzzug: 1096 bis 1099.

Lessing kannte den IS natürlich nicht, aber er kannte die Christen, die sich bei den Kreuzzügen (und häufig auch sonst) im Morgenland nicht anders aufgeführt haben als der IS heutzutage.

Was der IS anstellt, ist nicht zu entschuldigen. Aber man sollte im Hinterkopf behalten, wer es da manchmal ist, der kritisiert.

Und da kann man schon sagen: Lessing kannte seine Pappenheimer, und anders als bei Schiller waren sie nicht die Guten. Kreuzzüge gab es noch ein paar mehr, und wer Lessing gut zuhörte, wusste, wen er meinte.

Mit diesem Stück wollte Lessing seine theologischen Thesen auf seiner "alten Kanzel, dem Theater", unbekümmert weiter ausführen, ohne von der Zensur behelligt zu werden (die Zensur war eine Folge der Goeze-Polemik).

Indem die Handlung im 12. Jahrhundert in Jerusalem spielt, vermeidet er jede allzu deutliche Beziehung zur (deutschen) Gegenwart.

Ferner ist Jerusalem natürlich symbolisch zu versehn da alle drei genannten Religionen damals dort vertreten sind: Das Judentum und der Islam sowieso, und das Christentum durch die Religionskriege.

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