Wie viele Wörter sollte man in einer Fremdsprache können?

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9 Antworten

Das hängt sehr stark von der Breite deiner Sprachverwendung ab.

Zunächst ist zu bedenken, dass der Gutteil der verwendeten Wörter häufig wiederkehrende Partikel wie und, beziehungsweise, vor allem, daher, mithin, obwohl, nicht... sind und die verwendeten Verben, Adjektive und Substantive in der Regel stark begrenzt sind, zumal wir in einer Fremdsprache, die wir nicht hervorragend beherrschen, häufig auf eine Stilbreite verzichten (beautiful wird verwendet für dt. schön, ansehnlich, hübsch, attraktiv...).

Häufig treten da auch »spezialisierte« Kenntnisse auf, d.h. der eine kann v.a. gut über abstrakte Sachverhalte sprechen, argumentieren und erklären, andere tun sich leichter (und verfügen über ein größeres einschlägiges Vokabular) bei praktischen und konkreten Themen (Wegerklärung, Erzählungen...).

Zuletzt ist es auch so, dass sehr viele Wörter, die wir in speziellen Situationen brauchen, gar nicht Teil des Grundwortschatzes sind und andererseits viele Wörter, die man schon in den ersten Unterrichtsstunden lernt, relativ selten verwendet werden.

Eine Zeitung im Stile einer NZZ oder FAZ enthält im Schnitt ca. 3500-4000 Wörter als dürfte ein Vokabular diesen Umfangs für eine seriöse Konversation ausreichen (mehr ist immer besser)

Statistisch gilt für die meisten europäischen Sprachen (auch die "toten" Latein und Altgriechisch), daß - bei einem angenommenen Wortschatz von 50000 Wörtern - ein Text zu 50 % aus den häufigsten 100 Wörtern besteht, zu 80 % aus den häufigsten 1000; mit einem Wortschatz von 3000 Wörtern erfaßt man bereits 90 % eines Textes. Da mündliche Kommunikation - oft muß es schnell und effektiv gehen - stilistisch meist weit begrenzter ist als ein am Schreibtisch konzipierter Text, erklärt sich auch, daß du mit einem recht kleinen Wortschatz ziemlich weit kommst. Stilistisch entwickelst du dich weiter, wenn du dich mit Gedichten oder guten Prosaautoren beschäftigst, was ihr ja in der Schule sicher tut oder tun werdet.

Ich meine mich zu erinnern, dass im Englischunterricht auf dem Gymnasium das Ziel 2000 Vokabeln waren. Ich würde mich aber auf die Zahl jetzt nicht versteifen.

Der Wortschatz der deutschen Standardsprache umfasst ca. 75.000 Wörte (insgesamt gibt es in der Deutschen Sprache aber viel mehr Wörter oder Begriffe (zwischen 300.000 und 500.000). Goethe soll angeblich einen aktiven Wortschatz von 95.000 Wörtern gehabt haben, bei manchen Schriftstellern sind es aber auch nur 20.000. Dann kann man immer noch ein exzelenter Wortakrobat sein. In anderen Sprachen ist der Wortschatz manchmal geringer, dafür gibt es dann z.B. im Englischen viel mehr Redewendungen.

Wer in einer Fremdsprache 2000 oder mehr Begriffe beherrscht, ist jedenfalls schon einigermaßen gut.

Google mal nach essential english words, da gibts gute (freie) pdf-dateien im Netz mit den 800 Wörtern die man unbedingt kennen sollte. Für "gute Gespräche" aber braucht man min. 4000-5000 Wörter. Pro Schuljahr lernt man ca. 400-600, bei sehr guten Lehrern und fleiß (die Realität sieht aber anders aus..).

Ich stelle dir jetzt eine ganz andere, vielleicht unerwartete Frage:Meinst du, dass es die Menge an Wörtern allein ausmacht, ob du dich in einem fremden Land verständlich machen kannst? Über das bavardage ordinaire hinaus?
Nicht nur die Kenntnis allein von den bisher gelernten Wörtern reicht aus, der Menge an Wörtern, um sich verständlich zu machen, sondern auch "leur savoir-faire" les appliquer dans un contexte adequate. Il va mieux maîtriser moins de vocabulaire mais à un titre adéquat que de jongler avec une langue que l'on maîtrise pas. Übersetzt:
Es kommt nicht darauf an, wie viele Vokabeln du kennst/beherrschst, sondern wie du sie im täglichen Leben anwendest. Comment tu les sais intégrer, appliquer. C'est là, la seule question qui importe, rien d'autre, pas les notes fugitives.

Il vaut mieux. muss es heissen

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Nein, mein ich natürlich nicht. Wenn ich nicht dazu in der Lage bin mich zu unterhalten, weil mir einfach das Sprachgefühl, Grammatik oder sonst was fehlt, dann nützen mir auch unzählbar viele Wörter nicht. Aber ich denke auch, dass es einfacher ist zu reden, wenn man viele Wörter kennt und nicht erst ewig überlegen muss, um irgendwas auch für andere verständlich zu umschreiben. Welchen Sinn siehst du eigentlich darin die halbe Nachricht in Französisch zu schreiben?

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@dotschie

Lass mich zunächst auf deine Bemerkung bezüglich der Anzahl der Wörter eingehen.
Ich stimme dir in dem Punkt zu, dass es sicherlich einfacher ist, ein Gespräch zu führen, wenn man über ein grösseres Wortrepertoire verfügt. Wenn es sich aber um reine Alltagsgespräche handelt oder darum, während eines Aufenthaltes im Land, dich mit den Landsleuten zu verständigen, wirst du merken, dass du mit einem sehr geringen Wortschatz auskommen kannst.
Möchtest du hingegen hochwissenschaftliche oder sehr themenbezogene Diskussionen führen, wirst du um den Erwerb eines fachspezifischen Vokabulars nicht herumkommen.

Immer das spezifische, passende Wort parat zu haben, ist natürlich der direkte, einfache Weg, der zum Sprachfluss und zur Klarheit der gemachten Aussage beiträgt. Solange die Umschreibungen nicht Überhand nehmen, kann aber auch darin ein gewisser Reiz und darüberhinaus sogar ein gewisser Lernprozess gesehen werden. Daher wollen ja auch meist die Lehrer nicht, dass man direkt im Wörterbuch nachschlägt, sondern nach Synonymen oder Umschreibungen sucht.

Zu deiner Frage « Warum ich einen Teil in Französisch » geschrieben habe. Du erwähntest oben, dass du im 3. Französischlernjahr bist, m Vergleich mit Englisch aber über ein wesentlich geringeres Vokabular verfügst. Du vergleichst deine Kenntnisse in Englisch und Französisch, hegst aber gleichzeitig Zweifel an der Echtheit deiner Kenntnisse, ich zitiere « .. hab ich eigentlich auch für recht passabel gehalten » (Englischkenntnisse), « ..mich eigentlich auch recht gut in Französisch verständigen.. ».
Indem ich einen Teil in Französisch geschrieben habe, wollte ich dir die Möglichkeit bieten, deine Kenntnisse direkt anzuwenden und zu überprüfen.
Wenn dich das brüskiert hat, tut es mir leid. Das war nicht meine Intention. LG

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@sejeluchabe

Ne, das habe ich mir eigentlich auch schon gedacht, wollte nur sichergehen ob wir und auch verstehen.

Von der Schule oder vom Kultusministerium her wird behauptet, dass Englisch und Französisch auf dem gleichen Stand sein sollen. Was ich mir nicht recht vorstellen kann und was bei mir auch auf jeden Fall nicht stimmt. Jetzt nicht unbedingt von den Wörtern her, sondern dass man in 6 Jahren Englisch viel mehr Übung und Routine bekommt als in 3 Jahren Französisch. Da ich aber Französisch in der Oberstufe leider nicht mehr weiter nehmen kann und ich bestimmt in den zwei Jahren alles vergesse, ist es jetzt sowieso egal wie gut oder schlecht ich darin bin. (Deine Sätze habe ich übrigens verstanden, denke ich zumindest)

Beim Rest bin ich deiner Meinung, wobei ich finde dass Umschreibungen wirklich nur im Unterricht oder zur Not, wenn einem wirklich nichts anderes einfällt, verwendet werden sollten. Würde mich persönlich zumindest ziemlich stören.

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@dotschie

Ich stimme dir zu, wenn du sagst, dass du in 6 Jahren Englisch mehr Gefühl für die Sprache erwirbst als in 3 Jahren Französisch.

Auch ich hatte nur 2 ½ Jahre Französisch in der Schule, verkürzt dadurch, dass ich in der 11. Klasse nach den Pfingstferien mit AFS nach England gegangen bin. Durch Zufall bot sich mir nach 3 Jahren Medizinstudium die Gelegenheit, als Erasmusstudentin nach Strasbourg zu gehen. Meine Französischkenntnisse zu diesem Zeitpunkt waren, wie du selbst schreibst « .. bestimmt in den zwei Jahren alles vergessen... », mehr als rudimentär (mehr als 5 Jahren waren verstrichen). Trotzdem, in einer der hintersten Schubladen befinden sich Grundkenntnisse, ungeahnt, doch vorhanden, die du in diesem Moment wieder aktivieren kannst, die dir zu Hilfe kommen, um nicht ganz unbehelf in der neuen Situation zurecht zu kommen. Da ist eine Basis, ein Fundament, auf dem du aufbauen kannst. Du musst dich nur « reinschmeissen » in die Fluten.
In puncto Umschreibungen nur so viel: Du magst dir zwar deiner Unzulänglichkeit, deiner fehlenden Kenntnisse, deines mangelnden Vokabulars bewusst sein, doch andererseits verfügst du über die Fähigkeit dieses Unwissen zu kompensieren, indem du durch die von dir erworbenen Kompetenzen erklärst, umschreibst. Was für dich – wie du sagst, störend wirkt – kann sich als ein grosser Vorteil herausstellen, dir sogar « aus der Patsche helfen », wenns drauf ankommt. Denn auch Beschreiben, Umschreiben muss gelernt sein.
Und bevor du sprachlos da stehst, und nur noch mit Händen ruderst, wie ich es heute in einem Geschäft gesehen habe, ziehe ich doch, die Umleitung « Umschreibung » vor. LG

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Zu den grundkentnissen gehören 1200 wörter und ihr lernt ja auch noch was vom lehrer...

Omg hör auf die Wörter zu zählen das ist doch egal hauptsache du kannst dich gut verständigen.Mach dich nicht mit diesen Wörter zählen verrückt ;)

Überleg mal wieviele Wörter du aus dem deutschen Duden noch nicht kennst.

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