Wie sieht euer Menschenbild aus?

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In der Bibel - 10 Gebote - heißt es, Du sollst Dir kein Bild machen. Das ist meiner Meinung nach richtig, aber nicht nur auf Gott bezogen. Ich habe kein fixes Menschenbild, weil Menschen einfach zu verschieden sind, um sie über einen Kamm zu scheren. Der allgemeine Bla-Bla, den man generell über Menschen sagen kann ist in konkreten Situationen selten hilfreich. Selbst wenn ich - sicher von vielen akzeptiert - sage, dass Menschen nach ihrem Glück streben, was sagt das, wenn für jeden das Glück anders aussieht. Wir sind immer so schnell zur Hand mit den Verallgemeinerungen und köpfen das Individuelle. Wir sind, wie Aristoteles sicher zu recht sagt, Gemeinschaftswesen, die in der Spannung leben, immer wieder neu austaxieren zu müssen, wo das individulle Glück Vorrang hat und wo eine funktionierende Gemeinschaft ihr Recht einklagen darf. Da wir uns aber unterschiedlichen Gemeinschaften verbunden fühlen, fällt selbst diese Konfliktzone von Mensch zu Mensch und von Gemeinschaft zu Gemeinschaft verschieden aus.

Ein Zitat von Epikur nehme ich gerne als Leitfaden: ""Man kann nicht in Freude leben, ohne mit Vernunft, anständig und gerecht zu leben; aber man kann auch nicht vernunftvoll, anständig und gerecht leben, ohne in Freude zu leben. Wem aber die Voraussetzung zu einem vernunftvollen, anständigen, gerechten Leben fehlt, der kann auch nicht in Freude leben."

Das ist eine reziproke Aussage, weil sich die Dinge gegenseitig beeinflussen. Ich nehme gern das Bild vom Hampelmann. Da hat jemand einen Hampelmann in der Hand und wenn er an einem Schnürchen zieht, tritt dieser dem Vordermann in den Hintern. Das ist die Illusion der einfachen Kausalität. Er sieht aber nicht, dass sein Schnürchen zu seinem Hampelmann über einen Verteiler läuft und sein Zug viele andere Hampelmänner in Bewegung setzt und er schaut verwundert, als ihm andere Hampelmänner in den Allerwertesten treten, fragt sich, woher das wohl kommt. Es schallt nicht nur, wie man in den Wald ruft, aus diesem allein zurück. Es schallt von rundherum.

Übrigens spricht Epikur, der vor allem gegenüber Abstrakta sehr kritisch war, nicht von Gerechtigkeit. Er sagt, dass man selbst "gerecht leben" soll, was das eigene Verhalten anspricht wie die Erwartungen an das Verhalten anderer. Da fällt mir immer der gute Tegtmeier (Jürgen von Manger) ein mit seinem Spruch: "Da musste halt immer mal Mensch bleiben." Wenn Du selbst nicht perfekt bist, erwarte nicht von allen anderen, dass sie sich wie Heilige benehmen. Das ist das schöne und gern bestiegene hohe moralische Ross, das schnell in der Diktatur endet, die allen meine Maßstäbe aufoktroieren will.

Meine Lieblingsparabel ist die von den drei Ringen aus "Nathan der Weise" von Gotthold Ephraim Lessing. Keine großen Sprüche klopen und heiße Luft ablassen, nein, besser machen und die Welt ein Stückchen schöner machen, da vor Ort, wo man lebt und nicht mit großen Forderungen rund um den Erdball. Das läuft auf ein Zitat von Jesus hinaus: An ihren Taten sollt ihr sie erkennen - und nicht an ihren bunten Wahlplakaten. Und zum Abschluss: Meine Lieblingsbild ist eine bunte Blumenwiese. Wenn, dann ist das mein Menschenbild.

Ich bin Zen-Buddhist der Soto-Tradition und sehe das in etwa so:

Wir Menschen sind Teil eines größeren Ganzen, wir sind Teil der Natur und unsere Intelligenz macht uns eigentlich zur überlegenen Spezies auf diesem Planeten.

Jedoch leben wir nicht in Harmonie mit diesem größeren Ganzen und daher letztlich in Entfremdung zu uns selbst. Grund hierfür ist unser mangelndes Bewusstsein für die Einheit, sowie Egoismus, Gier und Überlegenheitsdenken.

Ich glaube nicht an das moralisch wertende Konzept der Sünde, sondern halte alle Menschen gleichermaßen für ein Teil des Ganzen, die lediglich in unterschiedlich starker Entfremdung leben.

Meiner Meinung nach gibt es keinen festgelegten Sinn des menschlichen Lebens, so dass jeder diesen Sinn selbst definieren kann und sich dafür meist verschiedener Ideologien und Weltanschauungen bedient.

Ich bin der Überzeugung, dass die Menschheit harmonischer leben würde, wenn man ein stärkeres Bewusstsein für die Verbundenheit mit allem entwickeln würde. Dafür ist aber Selbsterkenntnis notwendig.

Sobald man eine absolute Geisteshaltung, bei der das "Ego" in der Mitte der Welt steht, zugungsten eines umfassenderen Erkennens fallen lassen kann, wäre dies ein wichtiger Schritt auf dem Weg der Menschheit.

Die ständige Dualität zwischen "uns" und "der Umwelt" zumindest zeitweise aufheben zu können, ist aus meiner Sicht wirklich wichtig.

Aus diesem Grund hoffe ich, dass die Globalisierung nicht nur als politisches Kräftemessen, Machtinteressenkonflikt und Wirtschaftsgeflecht angesehen wird, sondern irgendwann auch einem globaleren Bewusstsein entspricht.

Eigentlich muss der Mensch sich nicht "verbessern", sondern nur aufhören, sich durch seine Ichbezogenheit und den dadurch verbundenen mangelnden Weitblick, ständig selbst zu blockieren.

Soweit von meiner Seite.

Die Bilder von Menschen, die bei mir an der Wand hängen, sind allesamt Farbfotos.

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