Wie gehen diese Aufgaben im Fach Geschichte (siehe Beschreibung!)?

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2 Antworten

Es fehlen genaue Informationen über den zugrundeliegenden Text im Geschichtsbuch. Daher bleibt als Lösungsansatz nur ein Bezug auf die Verhältnisse bei der Konsulatswahl in der römischen Republik.

Die Konsuln (consules) wurden von den Zenturiatskomitien (comitia centuriata), einer bestimmten Art von Volksversammlung, gewählt. Diese Volksversammlung hatte ursprünglich einen Bezug zur Heeresorganisation (Zenturien = Hundertschaften) mit verschiedenen Waffengattungen, wobei sie aber in der folgenden nicht mehr eine tatsächliche militärische Gliederung war. Die Zenturiatskomitien (comitia centuriata) haben sich von einer militärischen Funktion losgelöst.

Die Zenturiatskomitien waren nach Vermögensklassen unterteilt. Es gab die Reiter (lateinisch: equites). Diese waren reich und konnten sich ein Pferd leisten. Es gab schwerbewaffnete Fußsoldaten, in 5 Klassen unterteilt. Weitere 5 Zenturien von Leichtbewaffneten kamen darunterstehend (unterhalb des schwerbewaffneten Fußvolks; lateinisch: infra classem) hinzu.

Bis zum Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. hatte sich eine Zusammensetzung der Zenturiatskomitien aus 193 Zenturien herausgebildet.

Im Geschichtsbuch wird anscheinend fogende Unterteilung der
Zenturiatskomitien zugrundegelegt:

Reiter (lateinisch: equites): 18 Zenturien

schwerbewaffnete Fußsoldaten/schwerbewaffentes Fußvolk (lateinisch: classis): 170 Zenturien  

- 1.Klasse 80 Zenturien  

- 2.Klasse 20 Zenturien  

- 3.Klasse 20 Zenturien  

- 4.Klasse 20 Zenturien  

- 5.Klasse 30 Zenturien

Leichtbewaffnete: 5 Zenturien, davon Handwerker 2, Musiker/Spielleute 2, (nahezu) Besitzlose (lateinisch: capite censi/proletarii) 1

Jede Zenturie hatte 1 Stimme bei der Wahl, wobei die Mehrheit innerhalb der Zenturie über die Abgabe der Stimme für zwei Konsulkandidaten entschied.

Abgestimmt wurde in der Reihenfolge der Vermögensklassen (außer einer durch Los bestimmten centuria praerogativa aus der 1. Klasse, die zuerst abstimmte), bis eine Mehrheit erreicht war. Die Reichen hatten trotz weniger Mitglieder viele Zenturien und so ein größeres Gewicht. Reiter und 1. Klasse der schwerbewaffneten Fußsoldaten reichten bei Einigkeit schon für eine Mehrheit (sie hatten zusammen 98 Zenturien).

Im Geschichtsbuch werden offenbar (sachlich anfechtbar, weil zu den Reitern sowohl Patrizier als auch reiche Plebejer gehörten und die 1. Klasse der schwerbewaffneten Fußsoldaten nicht auschließlich aus Patriziern bestand) die Reiter mit 18 Zenturien als reiche Plebejer, die 1. Klasse der schwerbewaffneten Fußsoldaten mit 80 Zenturien als Patrizier und die übrigen (zusammen 95 Zenturien) als arme Plebejer eingeordnet.

Informationen zu den Volksversammlungen der römischen Republik enthalten z. B.:

Jochen Bleicken, Die Verfassung der römischen Republik : Grundlagen und Entwicklung. Paderborn ; München ; Wien ; Zürich : Schöningh. 8. Auflage, 2000 (UTB für Wissenschaft: Uni-Taschenbücher ; Band 460), S. 120 – 133

Jochen Bleicken, Geschichte der römischen Republik. 6. Auflage. München : Oldenbourg, 2004 (Oldenbourg-Grundriss der Geschichte ; Band 2), S. 23 und S. 127 – 129

Klaus Bringmann, Geschichte der römischen Republik : von den Anfängen bis Augustus. 2., durchgesehen Auflage. München : Beck, 2010 (Beck's historische Bibliothek), S. 56 - 60

Christian Grizewski, Comitia. In: Der neue Pauly (DNP) : Enzyklopädie der Antike ; Altertum. Herausgegeben von Hubert Cancik und Helmuth Schneider. Band 3: Cl - Epi. Stuttgart ; Weimar : Metzler, 1997, Spalte 94 – 97

Ingemar König, Der römische Staat : ein Handbuch. Stuttgart : Reclam, 2009 (Reclams Universal-Bibliothek ; Nr. 18668), S. 52 – 56

Aufgabe 2: nötige Anzahl an Stimmen für eine Wahl zum Konsul

Für eine Wahl zum Konsul sind 97 Stimmen nötig. Bei insgesamt 193 Stimmen ist damit eine Mehrheit erreicht (von 193 können 50 % errechnet werden; dies ist wie eine Teilung durch 2; Ergebnis: 96, 5; also ist bei 97 mehr als die Hälfte erreicht). Die 95 Stimmen sind alleingenommen nicht ausreichend. Die 18 Stimmen der Reiter und 80 Stimmen der 1. Klasse der schwerbewaffneten Fußsoldaten ergeben zusammen 98 Stimmen und sind für eine Mehrheit ausreichend, wenn sie auf zwei Kandidaten konzentriert und nicht auf viele Kandidaten verstreut sind.

Aufgabe 3: Gruppe der Wähler, bei der ein adliger Bewerber am ehesten die notwendige Mehrheit für das Amt des Konsuls (außerdem das Amt des Praetors und des Zensors) finden konnte

Für einen adligen Bewerber war (ebenso wie für einen gesellschaftlichen Aufsteiger, dessen Vorfahren nicht zur Nobilität gehörten und der deshalb als Neuling/neuer Mann [lateinisch: homo novus] bezeichnet wurde) die Gruppen der Vornehmen und Reichen/Wohlhabenden am wichtigsten, um die notwendige Mehrheit für das Amt des Konsuls zu bekommen.

Die 80 Stimmen der 1. Klasse der schwerbewaffneten Fußsoldaten haben viel Gewicht bei der Wahl. Die 18 Stimmen der Reiter kamen früh zur Abstimmung und damit auf jeden Fall zur Geltung.

In der Praxis ist die Wahl gewöhnlich aufgrund erreichter Mehrheit zum Ende gekommen, bevor viele Zenturien armer Plebejer mit der Abstimmung an der Reihe gewesen wären.

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Wie lautet denn die Aufgabe?

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Kommentar von xDeron
02.05.2016, 14:40

Nr. 2:

Rechne aus, wie viele Stimmen ein Kandidat brauchte, um bei der Wahl zum Konsul eine Mehrheit zu erreichen.

Nr. 3:

Bei welchen Gruppen der Wähler konnte ein adliger Bewerber die notwendige Mehrheit für ein Amt am ehesten finden?

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