Wenn ein kontrollierter Rückpass zum Torwart von einem Gegenspieler leicht abgefälscht wird, darf der Torwart den Ball mit der Hand aufnehmen?

5 Antworten

Oha, in dieser Frage sind ja gleich mehrere Regelfehler enthalten, mit denen man erst einmal aufräumen muss, bevor man zur eigentlichen Antwort kommt.

Beginnen wir mal mit der Definition von Absichtlichem Spiel und kontrolliertem Spiel, denn hier besteht schon einmal ein grundsätzliches Missverständniss:

  • Absichtliches Spielen des Balls ist generell der erfolgreiche Versuch den Ball zu spielen
  • Kontrolliertes Spielen bedeutet das der Ball bei Ballkontrolle absichtlich (siehe oben) gespielt wird.

Hierbei ist es völlig unerheblich, ob nach dem absichtlichem oder kontrolliertem Spielen auch dahin geht wo der Spieler den Ball hinspielen wollte.

Zur Rückpassregel:

Diese setzt zumindest erst einmal kontrolliertes Spielen voraus. Also eine erfolgreicher Versuch einer Ballberührung bei Ballkontrolle.

Außerdem dürfen auch unkontrollierte Rückpässe (z.B. Pressschlag) vom Torwart mit der Hand aufgenommen werden

Hier muss man die oben beschriebene Definition genau anwenden, denn hier wird häufig das kontrollierte Spielen damit gleichgesetzt, das der TW auch das Ziel des Rückpasses ist.

  • Da bei einem Pressschlag keine Ballkontrolle vorliegen kann, kann auch die Rückpassregel nicht angewendet werden.
  • Die Ballberührung durch einen Gegenspieler hebt ebenfalls die Rückpassregel auf.
  • Nicht aufgehoben wird die Rückpassregel allerdings bei einer zusätzlichen Ballberührung durch einen eigenen Spieler oder wenn der TW zwar nicht das Ziel des Rückpasses ist, er den Ball aber dennoch mit der Hand spielt.

Allerdings gab es auch eine Fraktion an Leuten, die die neue Auslegung
des passiven/aktiven Abseits auf die Rückpassregel anwenden wollten, was
natürlich ebenso einer gewissen Logik folgt:

HIer die Abseitsregel zum Vergleich anzuführen ist definitiv nicht zielführend, weil bezüglich der Ballberührung von Spielern von völlig anderen Voraussetzungen ausgegangen wird.

(An dieser Stelle nur Kurzform und speziell auf die Frage bezogen. Für genauere Regelinfo´s hierzu bitte den entsprechenden Lehrbrief des DFB lesen -einfach googeln)

  • Für eine Strafbare Abseitsposition zunächst einmal die Ballberührung durch den "Passgeber" relevant. Im Gegensatz zum Rückpass, bei dem die  Ballkontrolle erforderlich ist, genügt für das Abseits bereits das absichtliche Spielen
  • Das absichtliche Spielen des Balls durch einen Spieler der verteidigenden Mannschaft hebt die Abseitsposition generell auf.
  • Aushnahme ist die sogenannte "Torabwehrreaktion" (DFB-Lehrbrief). Diese hebt eine Abseitsposition nicht auf.

Der Fall ist, wie hier schon einige geschrieben haben, klar.
Das wird nicht als Rückpass gewertet.

Nach Logik wird die dir bekannte "Fraktion an Leuten" hier vergeblich suchen. Es ist einfach so festgelegt.

Eine Bemerkung von dir scheint mir übrigens nicht zu stimmen:

"Bei der alten Abseitsauslegung wurde auf passives Abseits entschieden,
sobald ein Gegenspieler den Ball nach einem Abseitswürdigen Pass
berührte."

Das Problem: 

Die Bestimmungen zur Auslegung des Abseits sind in mehreren Stufen geändert worden, so dass es mehrere "alte Abseitsauslegungen" gibt.

Die über Jahrzehnte praktizierte Regel war, dass der Moment der Ballabgabe für die Abseitsstellung entscheidend war.

Das Neue, das in Stufen hinzugekommen ist:

*Der abseits stehende Spieler muss nach Ballabgabe noch aktiv ins Spielgeschehen eingreifen - wobei das "aktiv" wiederum noch einschränkend definiert worden ist (Ballberührung und/ oder Gegnerbehinderung).

     - Damit wollte man die Zahl der Abseitsstellungen verringern.

*Die Abseitsstellung gilt auch nach dem direkten Torschuss (für den die Abseitsregel im Prinzip ja weitgehend außer Kraft gesetzt ist), wenn der Ball vom TW abgewehrt und von ihm und zu dem vorher abseits stehenden Spieler gelenkt wird.

Damit wurde - ich glaube 1992 - eine Bestimmung eingeführt, die vorher nur
galt, wenn der Ball vom Torgebälk abgeprallt war, aber nicht wenn er vom Gegner kam.

      - Damit hat man die Zahl der Abseitsstellungen erhöht.

*In Analogie zu dieser Bestimmung wurde vor ein paar Jahren als absolutes Novum eingeführt, dass ein Spieler auch dann abseits stehen kann, wenn er von einem Mitspieler gar nicht angespielt werden sollte, sondern wenn dessen ganz anders adressiertes Abspiel durch einen Gegner zum abseits stehenden Spieler gelenkt wird.

      - Damit hat man die Zahl der Abseitsstellungen noch einmal erhöht.

Die Bestimmung von dir, die ich oben zitiert habe, ist mir unbekannt.
M.E. hat eine Zwischenberührung eines "abseitswürdigen" Passes durch den Gegner zu keinem Zeitpunkt das aktive in ein passives Abseits umgewandelt. Hier hätte immer  der Moment der Ballabgabe gegolten.
Man hat ja - wie oben beschrieben - für eine ähnliche Situation die Strafbarkeit der Abseitsstellung eher noch erweitert - ich finde übrigens zum Nachteil des Spiels.

Ein Rückpass ist kein Abseits.

Es können nicht die gleichen Bewertungskriterien angewandt werden.

Die Aktion wäre nicht strafbar.

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