Welche Aufgaben übernimmt ein Rechtspsychologe?

...komplette Frage anzeigen

1 Antwort

Plattitüde vorweg: Es kommt drauf an!

;-)

Also Rechtspsychologie (Definition haste dir ja vermutlich schon durchgelesen, spare ich mir jetzt mal) heißt in der Praxis vor allem, dass deine Auftraggeber für das was du machst (Diagnostizieren und Behandeln) im Bereich der Justiz ansässig sind, also Gerichte, Staatsanwaltschaften, Polizei etc..

Als Psychotherapeut ist die Krankenkasse meistens dein Auftraggeber: "Machen Sie den wieder gesund." Dem Rechtspsychologen wird gesagt: Diagnostizieren und/oder behandeln Sie vor dem Hintergrund einer bestimmten Rechtsnorm (z. B. Familienrecht, Strafrecht, Versicherungsrecht).

Beispiel:

Als klinischer Psychologe/Psychotherapeut kommt ein Patient zu dir, der dir sagt, dass er ein Problem hat, weil er manchmal ausrastet und mit Sachen wirft. Deswegen ist schon seine Frau weggelaufen und das belastet ihn, weil er die ja eigentlich geliebt hat und er son bisschen am Vereinsamen ist.

Jetzt würde der klinische Psychologe/Psychotherapeut versuchen, eine richtige Diagnose zu stellen, z. B. das Ausrasten kommt wegen einer impulsiven Störung, von einer Reizbarkeit, es tritt nur in Kränkungssituationen auf oder was auch immer. Dann würde man versuchen, bestmöglich dem Mann bei seinen Problemen zu helfen. Z. B. weniger ausrasten, vielleicht versuchen, den Kontakt zur Frau wiederherzustellen oder auch sich damit abzufinden, dass er nun mal ein impulsiver Typ ist und deshalb nicht der Beliebteste. Aber wenn er es nicht ändern kann, muss er halt einen Umgang damit finden, sodass es ihm letztlich irgendwie bestmöglich geht.

Ein Rechtspsychologe käme hier an anderen Stellen ins Spiel, je nachdem wo er arbeitet und er hätte auch andere Aufträge als nur "Gesundmachen egal wie".

Riesenaufgabenfeld: Gutachten.

Die weggelaufene Frau hat beim Familiengericht das alleinige Sorgerecht für das gemeinsame Kind beantragt und hat ausgesagt, der Mann sei eine Gefährdung für das Kind. Nun ist die rechtspsychologische Frage zum Beispiel: Ist der Mann noch erziehungsfähig?

Anderes Beispiel: Die Frau hat den Mann angezeigt, weil er mit der Fernbedienung nach ihr geworfen hat und sie verletzt wurde. Im Strafprozess wegen Körperverletzung wird ein Rechtspsychologe damit beauftragt, herauszufinden, ob der Mann überhaupt schuldfähig ist. Vielleicht ist er ja aufgrund einer psychischen Erkrankung (z. B. Alkoholismus) in der Situation des Fernbedienungswurfs gar nicht "Herr seiner Sinne" gewesen und würde dann nicht bestraft, sondern zu einer Therapie gezwungen.

Die würde dann in einer Klinik für Forensik stattfinden und dort arbeiten dann z. B. Rechtspsychologen (meistens sind die dann zugleich auch klinische Psychologen/Psychotherapeuten) und machen das zweite große Aufgabenfeld: Behandlung/Therapie.

Dort ist dann der Auftrag vom Gericht: Dieser Mann ist von seiner Suchterkrankung so weit zu heilen, dass er keine Gefährdung mehr für die Allgemeinheit darstellt.

Also die Überschneidungen zur Psychotherapie sind manchmal fließend, aber ein wesentliches Merkmal ist tatsächlich das Verfassen von Gutachten und gutachterlichen Stellungnahmen.

Deswegen besteht eine der anerkanntesten Weiterbildungen für Psychologen (Fachpsychologe für Rechtspsychologie vom BDP) auch maßgeblich aus dem Lernen, wie man gerichtsfest Gutachten verfasst, sodass Richter, Staatsanwälte und JVA was damit anfangen können.

Antwort bewerten Vielen Dank für Deine Bewertung

Was möchtest Du wissen?