Was war für euch die beste Methode Kanji zu effektiv und schnell zu lernen. Wie lange habt ihr gebraucht um den Großteil zu beherrschen?

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2 Antworten

Ich habe damals mit Japanisch angefangen, als es noch "nur" die 1945 Joyo-Kanji gab. (Inzwischen sind es 2136, aber die hatte ich vor der Reform von 2010 auch schon alle gelernt.)

Ich hatte mir damals "Kanji und Kana" Band 1 und Band 2 gekauft, und zu jedem Kanji gleich noch ein paar zusätzliche Vokabeln gelernt.

Dazu habe ich mir jeweils 5 Kanji auf Vokabelkarten geschrieben, und zwar einmal mit den Lesungen, und einmal mit den Bedeutungen, sodass ich für jedes Kanji im Endeffekt zwei Vokabelkarten hatte.

Diese Vokabelkarten habe ich dann einmal "Vorwärts" durchgearbeitet, also das Kanji gesehen, und dann dazu die Lesungen und Bedeutungen aufgesagt, und einmal "Rückwärts", indem ich die Vokabelkarten von hinten gelesen habe, und dann zu den Bedeutungen und Lesungen die Kanji aufgeschrieben habe.

Das habe ich für alle 5 Kanji so oft wiederholt, bis alles auf Anhieb korrekt war, sowohl das Schriftbild, als auch die Lesungen und alle Bedeutungen. Dabei sollte man ruhig übertrieben streng zu sich selber sein. Wenn ich z. B. eine Lesung nicht auf Anhieb sagen konnte, wanderte die Karte sofort auf den Stapel mit den Nicht-Gewussten. :)

Danach kamen die nächsten 5 Karten ran und im Anschluss daran, habe ich alles nochmal wiederholt, und zwar zusammen mit den vorherigen Karten, sodass ich insgesamt 10 Karten durchgearabeitet habe. Und dann das gleiche nochmal mit insgesamt 15, 20, 25, usw. Karten, bis ich bei 50 angekommen war.

Und dann gab es eine Pause.

Danach habe ich im zweiten Band alle Vokabeln zu den bisher gelernten 50 Kanji mit einer ähnlichen Methode ebenfalls auf Vokabelkarten gelernt.

Dann wieder eine Pause.

Nach der der Pause nochmal alle Kanji und Vokabeln wiederholt, bis es ohne Fehler geklappt hat, und dann den nächsten 50 Kanji Block.

Ich habe damals 10 bis 12 Stunden täglich auf diese Art und Weise gelernt, und kam pro Tag auf ca. 250 Kanji.

Wichtig ist, dass ich jeden einzelnen Tag VOR den neuen Kanji, immer ausnahmslos ALLE anderen bisherigen Kanji wiederholt habe, und die, die nicht sofort perfekt sitzten, auf den Nicht-Gewusst Stapel kamen, welcher kurz danach nochmal solange wiederholt wurde, bis ich vorerst alles intus hatte. Diese "Wiederholung" hat gut und gerne mal drei Stunden in Anspruch genommen (vor allem zum Schluss hin, wobei viele viele hundert Kanji wiederholt werden mussten), aber danach konnte ich guten Gewissens mit dem neuen Tagespensum anfangen.

Alles in allem habe ich dafür 9 oder 10 Tage gebraucht, wenn ich mich recht erinnere.

Aber ganz wichtig: Dazu kam noch ein "extra" Tag am Anfang, an dem ich ausschließlich die Radikale (Strichfolge und Bedeutung auf Deutsch, damals noch nicht auf Japanisch!) gelernt habe. Ich hatte mich zu dieser Zeit für das System mit ca. 70 Radikalen entschieden, obwohl ich im Nachhinein sagen muss, dass ein System mit 200+ Radikalen zwar anfangs länger gedauert, die Gesamtlernzeit aber vermutlich nochmal merklich verkürzt hätte.

Insgesamt, habe ich also 11 oder 12 Tage benötigt, wenn ich mich recht erinnere.

Die obige "Anleitung" ist zwar unvollständig, aber die wichtigsten Punkte habe ich erwähnt. (es gibt noch ein paar weitere Kleinigkeiten zu beachten, aber ich habe jetzt keine Lust so viel zu tippen)

Dieses oben beschriebene Lernsystem wirst du aber nirgendwo sonst finden, da ich es mir selbst ausgedacht habe. Dabei habe ich viele Lerntechniken aus anderen Bereichen kombiniert und angepasst.

Wie ich Anfangs erwähnt habe, ist diese Technik sehr effektiv, und ich hatte schon vor der 2010er Reform deutlich mehr Kanji gelernt, als eigentlich erforderlich, sodass ich fast alle der 2136 neuen Joyo-Kanji bereits konnte.

Mir wurde sehr oft vorgehalten, dass es unmöglich sei, in weniger als zwei Wochen alle Joyo-Kanji schreiben und lesen zu lernen, inklusive den wichtigsten dazugehörigen Vokabeln.

Ich habe daraufhin (als eine Art Experiment) einer befreundeten Japanologie-Studentin, kurz vor ihrem ersten Semester mein System erklärt und wir haben zusammen sogar noch einige Verbesserungen vorgenommen (Anzahl und Länge der Pausen, Berücksichtigung des Schlafrhythmus, lerngerechte Ernährung, System mit 210 Radikalen, usw).

Sie hat daraufhin tatsächlich die ganze Zeit durchgehalten, und für die inzwischen 2136 Joyo-Kanji, inklusive aller nötigen On- und Kun-yomi, deren Bedeutungen, wichtigste Vokabeln und die Schreibung mit korrekter Strichreichenfolge exakt 13 Tage benötigt.

Damit liegt auch sie ebenfalls unter der 2 Wochen Grenze, und ich bin zu dem Schluss gekommen, dass es bei mir nicht nur "Zufall" war, sondern dass vermutlich jeder in dieser Zeit die Joyo-Kanji lernen kann. Natürlich entsprechendes Engagement vorausgesetzt! Wer nicht in der Lage ist, sich mal für etwas mehr als 10 Tage lang pro Tag für ca. 10 Stunden zusammen zu reißen, der wird das natürlich nicht schaffen.

Und neben Studium, Schule und Beruf wird man logischerweise länger brauchen, aber bei mir und meiner Bekannten war gerade direkt nach dem Abi genügend "Freizeit" vorhanden, um diese mit Japanisch-Lernen zu füllen.

Bis dahin war es natürlich (fast) nur reine Theorie, aber ich hatte mir ebenfalls ein japanisches Lernwörterbuch besorgt, Mailfreundschaften mit Japanern geschlossen, japanische Austauschstudenten kennen gelernt, mehrere Tandempartner gefunden, erst japanische Websites und später auch Zeitungen gelesen, und natürlich japanische Filme / Anime / Serien / Nachrichten geschaut. Dabei kam dann genug Praxis zusammen, um die gelernten Kanji auch einsetzen zu können. Und ehrlich gesagt kamen die meisten Aha-Effekte auch erst in diesem späteren Stadium zusammen. :)

Fazit: Mit der entsprechenden Lerntechnik kannst du durchaus alle Joyo-Kanji in wenigen Wochen lernen, und falls du nebenbei noch etwas anderes zu tun hast, dann sind es eben wenige Monate. Alles in allem also halb so wild. :)

Allerdings muss ich ganz ehrlich sagen, dass ich bei fast allen Japanischlernern (vor allem auch Japanologie-Studenten) ein gewisses Maß an Motiviation und Lernbereitschaft vermisse. Die stönen schon, obwohl sie richtig viel Zeit für die Joyo-Kanji zur Verfügung haben, oftmals sogar ganze vier Semester! Das sind knapp 3 Kanji pro Tag, die man lernen muss ... ernsthaft? Wer damit Probleme hat, der sollte sein Studium hinterfragen. :)

Meine Bekannte hat vom Abi-Abschluss mit Null Japanisch-Kenntnissen, bis zum Studienanfang so viel Japanisch gelernt, dass sie die Asahi-Shinbun lesen konnte. Dazu kam am Anfang die "Kanji-Tortur" und danach "Grundstudium Japanisch" Band 1 und 2. Dadurch, dass sie die Kanji sowieso konnte, und die meisten Vokaln ebenfalls, hat sie für beide Bände ebenfalls nur ein paar Wochen benötigt. Das einzige, was sie dabei richtig lernen musste, war die Grammatik. Aber da diese ja nur einen realtiv kleinen Teil ausmacht, und relativ "einfach" ist, hatte sie dabei auch keine Probleme.

Wie gesagt, alles von Abi-Ende bis Studien-Anfang: Kann sich jeder selbst ausrechnen, welcher Zeitraum das ist. Im Studium selbst, konnte sie sich deshalb hauptsächlich auf kulturelle Angelegenheiten konzentrieren, ohne sich sonderlich von den Kanji oder gar Grammatik ablenken zu lassen. :)

Von daher denke ich, dass gerade das Kanji-Lernen einfach nur ein Mix aus Fleiß, Motivation und einer guten Lerntechnik ist.

Und wenn jemand sagt, dass er nach drei Jahren erst knapp 1000 Kanji beherrscht, dann ist diese Person einfach nur faul, nicht motiviert oder hat noch nie einen Gedanken an eine vernünftige Lerntechnik verschwendet. Punkt. :)

Immer wenn ich diese Geschichte irgendwo erzähle, sind alle überrascht, und ich höre unglaubwürdige Kommentare wie "Kann ja gar nicht sein" oder so. Ich glaub, ich schreib mal ein Buch zu dem Thema: "Joyo-Kanji in 14 Tagen" oder so. :)

Ehrlich, die meisten Leute wissen einfach nicht, wie man effektiv lernt, glaube ich. :)

Naja egal ... viel Spaß mit den Kanji ... und mach dir nicht so viele Gedanken, fang einfach an!

PS: Es gibt auch schon fertig bedruckte Vokabelkarten, auch mit den Kanji ... aber das ist Schwachsinn! Kauf so einen Mist bloß nicht! "Lernen" bedeutet, dass man sich mit der Materie "beschäftigt". Und wenn dir die Druckerei die Arbeit abnimmt, hast du dich persönlich eben NICHT damit "beschäftigt". Selbst schreiben bringt ca. sieben mal mehr, als nur lesen! Wenn du Kanji lernst, schreibe auf JEDEN Fall alle Vokabelkarten selber und übe die Kanji nebenbei ruhig ein paar mal auf einem Schreibblock!

Egal was die Werbung verspricht: Lernen musst du selber! Und je mehr Arbeit dir ein Verlag, eine Druckerei oder gar ein Lehrer abnimmt, desto weniger lernst du! Also schade dir nicht selber, reiß dich zusammen, und schreibe alles selbst auf. ALLES! Vorgedruckte Sachen sind völlig ungeeignet zum Lernen! Das gilt auch für alle Texte aus den gängigen Japanologie-Büchern ... auch wenn es nicht explizit als Übung angegeben ist, schreib einfach alles ab, was Japanisch ist! Dabei wirst du viel mehr lernen, als deine Kommilitonen, die "nur" brav alle ihre Übungen durcharbeiten.

Lernen bedeutet "Zeit invenstieren" und "sich damit beschäftigen". Also beschäftige dich erst mal intensiv mit den Kanji! Viel Erfolg! :)

PS: Es gibt noch andere Lernansätze bzgl. der Kanji. Viele Leute priorisieren es, eine Hand voll Kanji, dazugehörige Wörter und zusätzlich auch noch ganze Sätze und deren Grammatik dazu zu lernen. Diesen Weg halte ich nicht für schlecht, und man kann vermutlich schneller Sätze wie "Guten Tag! Wie geht es Ihnen? Mir geht es gut!" sagen.

Allerdings muss jeder selbst entscheiden, ob solche Sätze einen wirklich weiter bringen, oder ob man lieber erst einige Wochen später dazu in der Lage ist, dann aber RICHTIG mit: "Oh, Sie lesen auch Mori Ogai? Was halten Sie davon, wenn wir gemeinsam seine Gedenkstätte besuchen? Die liegt hier nämlich gleich um die Ecke."

(Dieses Zitat stammt von meiner Bekannten, als sie in der ersten Studienwoche einen Japaner im Isshin kennen gelernt hat.)

Was ich damit sagen will ist: Man kann durchaus sehr schnell Japanisch lernen, insbesondere die Kanji. Auch wenn das nicht die Regel ist, und oft ungläubig hinterfragt werden wird.

Muss jeder selbst wissen, wie er seine Motivation einsetzt! :)

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Kommentar von Gaara97
04.01.2016, 14:39

Hey TeeTier,

dein Beitrag ist zwar schon etwas älter, bin aber durch Zufall auf diesen gestoßen und fand deine Lernmethode eigentlich ganz interessant. Ich bin auch eher der Typ, der davon überzeugt ist, dass man das Gelernte aufschreiben muss, anstatt mithilfe von gedruckten Karten oder Unterhaltungselektronik zu lernen. 

Du sagst ja, dass du die Radikale vorher gelernt hast, samt Bedeutungen etc. Hast du dir dann auch immer eine kleine Geschichte zu den Kanjis ausgedacht oder war das nur reines Aufschreiben? Dann sagst du ja praktisch, dass du zu jedem Kanji immer drei Karteikarten erstellt hast, also mit Bedeutungen/Lesungen/Komposita. Aber hat das irgendeinen Sinn, Bedeutung und Lesung voneinander getrennt zu lernen? Wenn man beispielsweise das Kanji für Wind 風 nimmt, hast du dann einmal die Lesungen (On: FUU,[FU] Kun: kaze, [kaza]) auf einer Vokabelkarte, auf der anderen dann die Bedeutungen "Wind;Aussehen, Mode, Stil & Wind" geschrieben? Ich möchte nicht den Eindruck erwecken, dass mir das zu viel wäre, würde nur gerne die Logik hinter dem verstehen, da deine Methode sehr viele Schnittstellen zu meiner hat, meine aber leider noch unvollständig ist und derzeit nicht wirklich zielführend ist. Ach, und noch eine Frage: Muss man nicht teilweise richtig viel vergessen haben? Außerdem frage ich mich, wie du das ausgehalten hast, teilweise 10 Stunden zu lernen, ohne dass das Gehirn an Aufnahmefähigkeit einbüßt. 

Ich hoffe, dass du mir das nicht übel nimmst, dass ich dir ein paar Fragen gestellt habe. Wäre über eine Antwort sehr erfreut. ^^

Gaara97

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Flashcards benutzen, Strichfolge lernen und hoffen, dass das Ganze irgendwann abrufbereit im Hirn hängen bleibt.

Manche Kanji hatte ich schon beim ersten Mal drauf. Bei anderen bin ich am verzweifeln.
Vom "schnell lernen" habe ich mich bei der Sache verabschiedet.

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Kommentar von D3ath1st
26.12.2015, 18:10

Ha, genau deiner Meinung, habe eben das Video von Yuta (Youtuber) gesehen wo er die Geschichte der Kanjis erklärt und wieso Japan sie noch benutzt, beziehungsweise noch nicht abgeschafft hat, dadurch kam ich auf die Frage.
Ich denke es ist sehr hinderlich Kanji zu lernen so bekommt man das Gefühl für lange Zeit nicht weg sich komplett im Kreis zu drehen weil dort der erste richtige Leseerfolg spät kommt.
Lernen mit Flashcards muss ich sagen ist die beste Methode auf lange Sicht gesehen. Was hälst du von der Heisig-Methode? Habe mir das Buch ebenso abgeschafft wie die Flashcards. Zum Anfänglichen lernen muss ich sagen gefällt mir die Heisig-Methode besser weil man die Verbindung zwischen einzelnen Kanjis schneller und einfacher durch Geschichten herstellen kann.

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