Was versteht man unter einem gewissens geleitetem Gehorsam?

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3 Antworten

Ludwig Beck, einer der Widerständler des 20. Juli 1944, hat das einmal sinngemäß so formuliert:

"Der soldatische Gehörsam stößt dort an seine Grenzen, wo das eigene Wissen und das eigene Gewissen die Ausführung eines Befehls verbieten."

Das trifft die Sache eigentlich genau. Die Bundeswehr verfolgt genau diesen Anspruch - ein Befehl ist nur dann verbindlich, wenn er dienstlich rechtfertigt werden kann und vor allem, wenn er keine Straftat beinhaltet. Im Klartext: Der Soldat soll bzw. muss sich vor seinem eigenen Gewissen prüfen und verantworten, ob er einen Befehl tatsächlich ausführt oder nicht. Er selbst trägt als Ausführender Mitverantwortung an den evtl. Folgen.

Der blinde Befehlsgehorsam, den z.B. die Wehrmacht kannte, wurde von vielen Tätern dann später als Ausrede vorgeschoben: "Aber wir hatten doch den Befehl und mussten..." Genau das sollte bei der Aufstellung der Bundeswehr verhindert werden - kein Kadavergehorsam, sondern ein Gehorsam, der rechtliche, menschliche und gewissensgeleitete Grenzen hat.

Einen Befehl auf seine Straftat zu prüfen, hat meiner Meinung nach nichts mit dem Gewissen zu tun. Da kann man auch gehörig daneben liegen.

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@Soldier79

Aber allein schon die Tatsache, dass der Soldat quasi gedrängt wird, Befehle auf ihre Rechtmäßigkeit zu überprüfen, zwingt ihn, gewisse Dinge mit allgemeinen Rechts- und Wertenormen zu vergleichen. Denn schließlich sind es ja umgekehrt genau diese Rechts- und Wertenormen, die z.B. in unserer Erziehung die Vorstellungen von "Gut" von "Böse" prägen - und damit unser Gewissen.

Ob man so etwas nun tatsächlich Gewissensprüfung nennt oder nicht, sei dahingestellt - aber er muss auf jeden Fall seinen Verstand benutzen.

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Ein Soldat hat seinen Vorgesetzten zu gehorchen und ihre Befehle auszuführen. Das war gerade in vergangenen Zeiten die absolute Maxime für das Handeln von Soldaten, die auch dann galt, wenn der Befehl gegen das Gesetz oder moralische Grundsätze verstößt.

Heutzutage ist das nicht mehr so. Die Menschen sollen sich von ihrem Gewissen leiten lassen und dürfen z.B. den Dienst an der Waffe verweigern, wenn sie ihn mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren können. Auch innerhalb des Dienstes haben sie das Recht dazu, das Ausführen von Befehlen zu verweigern, wenn diese zu einem Gewissenskonflikt führen.

Der Soldat soll also schon gehorchen, aber über dem Befehl des Vorgesetzten steht das eigene Gewissen.

In welchem Paragraphen sollte das stehen? Dann gäbe es ja nur noch Diskussionen. Ich kenne nur die Gehorsamsverweigerung aufgrund von Widerspruch gegen die Menschenwürde, den Dienstlichen Zweck, oder aufgrund Unzumutbarkeit. Dann muss er diesen Befehl nicht ausführen.

Er darf den Befehl nicht ausführen bei Verstoß gegen das Völkerrecht oder wenn er damit eine Straftat begeht.

Das Gewissen spielt hierbei keine Rolle. Es gelten Gesetze.

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@Soldier79

Es gelten nur Gesetze? Wie gut, dass ich mich auf das Grundgesetz beziehen kann.... und Grundgesetz sticht Soldatengesetz ;)

Auszug aus der alten ZDv 10/1 - Innere Führung, Anlage 2/2 Nr. 4:

Die gesetzlich bestimmten Pflichten der Soldatinnen und Soldaten sind aus den Erfordernissen des militärischen Dienstes abgeleitet.

[...]

c: Um Missbrauch der Gehorsamspflicht auszuschließen, sind Inhalt und Grenzen des Gehorsams gesetzlich festgelegt:

[...]

- Die Gewissensfreiheit (Art 4 Abs 1 GG) garantiert, dass der Staat grundsätzlich niemanden zu Handlungen zwingen darf, die gegen ethische Maßstäbe von Gut und Böse verstoßen."

Die Formulierung "gewissensgeleiteter Gehorsam" bezieht sich auf diesen Teil der Vorschrift bzw. des Grundgesetzes.

Ja, ich weiß, dieser Punkt wird in der Ausbildung fast nie thematisiert. Warum, weiß ich nicht.

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Also ganz echt. Wie kommst du auf sowas absurdes??

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@rav3ry

Es ist klar geregelt, wann der Soldat Befehle missachen darf.

Auszug SG §11

(1) Der Soldat muss seinen Vorgesetzten
gehorchen. Er hat ihre Befehle nach besten Kräften vollständig,
gewissenhaft und unverzüglich auszuführen. Ungehorsam liegt nicht vor,
wenn ein Befehl nicht befolgt wird, der die Menschenwürde verletzt oder
der nicht zu dienstlichen Zwecken erteilt worden ist; die irrige
Annahme, es handele sich um einen solchen Befehl, befreit den Soldaten
nur dann von der Verantwortung, wenn er den Irrtum nicht vermeiden
konnte und ihm nach den ihm bekannten Umständen nicht zuzumuten war,
sich mit Rechtsbehelfen gegen den Befehl zu wehren.(2)
Ein Befehl darf nicht befolgt werden, wenn dadurch eine Straftat
begangen würde. Befolgt der Untergebene den Befehl trotzdem, so trifft
ihn eine Schuld nur, wenn er erkennt oder wenn es nach den ihm bekannten
Umständen offensichtlich ist, dass dadurch eine Straftat begangen wird.
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Bezeichnet deine innere Selbstführung durch dein Gewissen

SG Kenneth

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