Was meint Schopenhauer mit dem Satz vom Grunde?

2 Antworten

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Der Satz vom Grund bezieht sich auf einen alten, letztlich metaphysischen Gedanken, der als Grundsatz der Ontologie (Seinslehre), der Logik oder beider auftritt.

Ein Grundsatz ist: Aus nichts wird nichts. Auf die Frage nach dem Warum einer Sache angewendet ergibt sich daraus, wieder in doppelter Verneinung: Nichts ist ohne Grund (lateinisch: nihil est sine ratione). Daher soll nichts ohne Grund gesetzt werden und für jedes Ding existiert eine sie bestimmende Ursache. In der philosophischen Tradition des Rationalismus ist dies teilweise sogar für ein logisches Axiom (grundlegendes Gesetz) gehalten worden, auch wenn es sich zunächst einmal um ein methodisches Prinzip beim Erklären handelt. Inhaltlich geht es um ein sehr allgemeines Kausalprinzip. Dies ist als Satz vom zureichenden Grund formuliert worden: Nichts geschieht ohne zureichenden Grund.

Einen Satz vom Grund haben viele Philosophen bei Überlegungen angewendet (schon in der Antike z. B. Platon und Aristoteles) und ein Satz vom zureichenden Grund ist auch ausdrücklich aufgestellt worden (z. B. von René Descartes, Baruch de Spinoza, Gottfried Wilhelm Leibniz - bei ihm sogar als Denkgesetz neben dem Satz vom Widerspruch - , Christian Wolff). Schopenhauer hat diese Denktradition und das Problem in seiner Dissertation (Doktorarbeit) untersucht und diese später noch einmal überarbeitet:

Arthur Schopenauer, Ueber die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde, 1813; zweite, sehr verbesserte Auflage 1847

In speziellen philosophischen Nachschlagewerken steht unter „Satz vom Grund“ oder „zureichender Grund“ dazu etwas (möglicherweise ist „Grund“ dabei das Hauptstichwort). Daneben helfen einführende Darstellungen in Bibliotheken:

Margot Fleischer: Schopenhauer. Herder : Freiburg im Breisgau ; Basel ; Wien, 2001 (Herder-Spektrum ; 4931). ISBN 3-451-04931-7

Volker Spierling: Arthur Schopenhauer zur Einführung. 2., überarbeitete Auflage. Junius : Hamburg 2006. ISBN 978-3-88506-631-6

Der Satz nimmt immer eine nötige Grundvoraussetzung an und fordert dazu auf, auf erste Grundsätze (als zweifelsfrei gesichert oder Ergebnis eines Induktionsschlusses) zurückzugehen. Dabei ist, worauf Schopenhauer aufmerksam macht, zwischen Aussagen (bzw. Sätzen oder Urteilen) und Tatsachen zu unterscheiden. Alles in der Welt ist nach dieser Betrachtung nicht losgelöst, sondern nur aufgrund eines anderen, mit dem es in Zusammenhang und Verbindung steht. Beim Suchen nach einer ersten Ursache, aus der etwas folgt, besteht die Gefahr eines Bewegens im Kreis (Zirkelschluß), weil jeweils eine bisher erste Ursache zu einer zweiten gemacht wird, für die ein Grund benötigt wird und für den Satz vom Grund selbst als Grund auch nur etwas vorgebracht werden kann, das einen zureichenden Grund verlangt (kritischer Hinweis von Schopenhauer). Eine Anforderung an eine erste Ursache ist also, auf irgendeine Art Grund ihrer eigenen Existenz zu sein, wenn der Satz ausnahmslos gelten soll.

Nach Arthur Schopenhauer ist der Satz vom zureichenden Grund (Nichts ist ohne Grund, warum es sei und nicht vielmehr nicht sei) ein Urgesetz des menschlichen Verstandes und der allgemeinste Ausdruck für die Verbindung und gegenseitige Abhängigkeit von Bewußtseinsinhalten aller Art. Er drückt die apriorische (aller Erfahrung vorausgehende; dies greift Immanuel Kant, Kritik der reinen Vernunft, auf) Verbindung aller Vorstellungen des Subjekts aus. Alle Dinge, die uns auf irgendeine Art erscheinen (Objekte), sind Vorstellungen eines wahrnehmenden und denkenden Ichs (Subjekt). Die unterschiedlichen Arten von Objekten (4 Klassen von Objekten) bedingen verschiedene Arten der Verbindung und entsprechend gibt es auch verschiedene Formen/Ausprägungen, in welchen der Satz vom zureichenden Grunde auftritt:

1) zureichender Grund des Werdens (principium rationis sufficientis fiendi): Kausalität mit Gesetz von Ursache und Wirkung (als Werden bezeichnet, weil Kausalität sich bei Veränderungen zeigt und angibt, warum ein Zustand einen anderen Zustand zur Folge hat)

2) zureichender Grund des Erkennens (principium rationis sufficientis cognoscendi): Erkenntnisgrund, logischer Grund für Wahrheit/Gültigkeit

3) zureichender Grund des Seins (principium rationis sufficientis essendi): Seinsgrund in der Mathematik (mathematische Notwendigkeit)

4) zureichender Grund des Handelns (principium rationis sufficientis agendi): Motivation (Beweggrund des Wollens)

Der Satz vom zureichenden Grund entsteht nicht aus 4 Wurzeln, sondern ist eine Abstraktion, die 4 Ausformungen unter einem Begriff zusammenfasst.

Arthur Schopenhauer war der Überzeugung, dies sei eine subjektive Bedingung der menschlichen Erfahrung, die geregelte Zusammenhänge voraussetzte. In ihrer Tiefenschicht sei die Welt dagegen ein blinder Wille, der ohne Ziel, Sinn und Grund wirkt.

"Unser erkennendes Bewußtsein, als äußere und innere Sinnlichkeit (Rezeptivität), Verstand und Vernunft auftretend, zerfällt in Subjekt und Objekt, und enthält nichts außerdem. Objekt für das Subjekt sein, und unsere Vorstellung sein, ist das Selbe. Alle unsere Vorstellungen sind Objekte des Subjekts, und alle Objekte des Subjekts sind unsere Vorstellungen. Nun aber findet sich, dass alle unsere Vorstellungen unter einander in einer gesetzmäßigen und der Form nach a priori bestimmbaren Verbindung stehen, vermöge welcher nichts für sich Bestehendes und Unabhängiges, auch nichts Einzelnes und Abgerissenes, Objekt für uns werden kann." Was daran ist unklar?

das ist eine lüge

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Interessanter Text, aber wo ist der Bezug zur Frage?

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@apriket

Ich hielt das für eine Antwort. Morgen mehr. Gute Nacht!

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aah ok jez ist es ein bischne klarer aber das peil ich immer noch nicht ganz hier: "Nun aber findet sich, dass alle unsere Vorstellungen unter einander in einer gesetzmäßigen und der Form nach a priori bestimmbaren Verbindung stehen, vermöge welcher nichts für sich Bestehendes und Unabhängiges, auch nichts Einzelnes und Abgerissenes, Objekt für uns werden kann." nochmal auf deutsch pls ^^

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ups. da hab ich doch glatt den falschen Text gepostet. Sorry, war schon spät (und ich nicht mehr ganz nüchtern)! Nochmal kurz zur Frage:Ich denke, Du meinst den Satz vom zureichenden Grund. Wenn ich das richtig verstanden habe, besagt der Satz vom Grunde, dass es für alles Sein einen Grund gibt, warum es ist oder warum es nicht ist. Schopenhauer erklärt damit die Welt und sieht "Welt" da, wo dieser Satz gilt. Das ist jetzt stark vereinfacht. Ich hoffe, ich konnte doch noch ein bisschen helfen.

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Das Ding an sich in der Transzendentalphilosophie

Ich meinte immer zu wissen, wie sich Kant und Schopenhauer diesen Aufbau vorstellen. Es gibt die Dinge an sich in der transzendenten Welt und von diesen nehmen wir die Vorstellungen transzendental auf um sie zu unserer Erscheinungswelt zu konstruieren.

Doch wurde ich diesbezüglich etwas verwirrt als ich in Schopenhauers "Über die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde" folgendes lesen musste (Kapitel4, §19):

"Leibnitz, der das Bedingtseyn des Objekts durch das Subjekt wohl fühlte, jedoch sich von dem Gedanken eines Seyns an sich der Objekte, unabhängig von ihrer Beziehung auf das Subjekt, d.h. vom V o r g e s t e l l t - w e r d e n, nicht frei machen konnte, nahm zuvörderst eine der Welt der Vorstellung genau gleiche und ihr parallel laufende Welt der Objekte an sich an, die aber mit jener nicht direkt, sondern nur äußerlich, mittels einer [vorbestimmten Harmonie], verbunden war;-augenscheinlich das überflüssigste auf der Welt, da sie selbst nie in Wahrnehmung fällt und die ihr ganz gleiche Welt in der Vorstellung auch ohne sie ihren Gang geht."

Also zuerst einmal wollte ich fragen, ob meine Annahme, dass die Dinge an sich mit der transzendeten Welt gleich zu setzen sind, verfehlt ist. Transzendenz ist Nicht-Wahrnehmbarkeit, aber dennoch Dasein. So steht es auch um die Dinge an sich. Kant sagt sie existieren, aber wir können sie nicht erfassen, da sie zur Aufnahme erst unseren verfälschenden physischen Apparat durchlaufen müssen.

Wenn es nun also diese Dinge an sich gibt (und jetzt kommt der Bezug auf das in fett zitierte), dann ist wohl verständlich, dass wir als Subjekte mit ihnen bei der Wahrnehmung in Verbindung stehen, aber dies ist doch keine unbedingte Situation. Warum sollte ein Ding an sich nicht auch vor sich hin existieren, ohne dass ein Mensch versucht es zu erfassen? Insofern läge Leibnitz doch richtig, wenn er sagt es gäbe zwei Welten nebeneinander (Dinge an sich - unsere Vorstellung), nur sind sie nicht gleich und beziehen sich oft aufeinander. Also wieso leugnet Schopenhauer hier eine Existenz von Dingen an sich unabhängig vom Vorgestellt-werden ??

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