Was ist Werterelativimus?

2 Antworten

Ich kann mich der Definition des "Werterelativismus" von Albrecht weitgehend anschließen, jedoch mit der Abweichung, dass der Begriff "Wert" m.E. zunächst neutral ist, jedoch durch die Aufstellung von Normen positiv besetzt wurde. Diese unterscheiden sich von Werten dadurch, als sie insbesondere Verhaltensregeln aufstellen in Form von Geboten und Verboten und z.B. durch Gesetze, Richtlinien etc.zum Ausdruck kommen. Normen sind noch stärker in ein Gesellschaftssystem eingebunden als Werte, die zwar einen den Normen übergeordneten Charakter besitzen, aber m.E. nicht absolut sein können, es sei denn, sie wären von einer höheren Macht, z.B. von Gott, gegeben. Die Schaffung absoluter Werte setzt ja voraus, dass ein objektiver, neutraler Maßstab vorhanden ist, an dem sich die Wertsetzung orientieren kann. Die Maßstäbe, welche wir uns als Grundlage zur Wertsetzung heranziehen, sind ja von uns selbst generiert und damit subjektiv, und demzufolge können die Werte nur relativ sein. Z.B. könnte die Achtung menschlichen Lebens als absoluter Wert gelten, oder anders formuliert, niemand hat das Recht, über Leben und Tod zu entscheiden. Wenn nun jemand z.B. jahrzehntelang von einem anderen psychisch und/oder physisch gequält wurde und jener diese Person irgendwann umbringt, weil er keinen anderen Ausweg aus seiner Situation weiß,
dann könnte man doch die Auffassung vertreten, dass ein Rechtfertigungsgrund für diese Handlung existiert, welcher ihn von jeglicher Schuld befreit. Das würde bedeuten: keine Schuld, kein Straftatbestand, kein Normenverstoß, aber doch Werteverletzung ?Aber an diesem Beispiel wird doch auch der Unterschied zwischen Normen und Werten deutlich. Dies ist ein sehr komplexes Thema, aber ich hoffe, eine hilfreiche Antwort gegeben zu haben und und würde mich über Antworten bzw. Stellungnahmen freuen.

Werterelativismus ist ein Relativismus, der sich auf Werte bezieht. Er kann auch ethischer Relativismus genannt werden (Ethik ist ein Teilgebiet der Philosophie).

Der Begriff „Werte“ meint etwas, das gut ist. Wertvorstellungen drücken aus, was als Grundsatz hochgehalten wird und was sein soll. Sie sind Ergebnis einer Wertung.

Relativismus hält etwas für relativ. Dies bedeutet: auf etwas bezogen, (nur) in bestimmter Beziehung oder Abhängigkeit gültig. Relative Eigenschaften haben Dinge nur in Beziehung zu anderen Dingen, nicht an und für sich.

Ein Werterelativismus bestreitet die allgemeine Gültigkeit von Werten/ethischen Prinzipien. Nach der Denkweise des Werterelativismus sind alle Werte auf eine Sichtweise/einen bestimmten Standpunkt bezogen und davon abhängig, also nicht absolut gütig. Werte sind nach dieser Auffassung von einem Bezug (z. B. Interessen, Bedürfnissen, Gesellschaftsordnung, Wirtschaftssystem, Staatsaufbau, Kultur, Weltanschauung) bedingt. Die Gültigkeit der Werte sei an diese Voraussetzungen geknüpft und Ethik könne daher keine zuverlässigen Werte aufstellen, die als übergeordnetes Wertesystem allgemeine Geltung haben.

Nach dem Werterelativismus gibt es keine übergreifend richtige Beurteilung, was wirklich gut ist (bei unterschiedlichen Werten, die vertreten werden, hat grundsätzlich niemand mehr oder weniger recht). Es gibt keine Berufung auf überindividuelle Vernunftprinzipien und daraus abgeleitete Verbindlichkeit von Werten.

Wenn überhaupt keine Werte absolute Geltung haben, gibt es auch keine universelle Geltung von Menschenrechten. Dann entfallen eine Verpflichtung und ein objektives Recht, zugunsten der Menschenrechte einzugreifen (z. B. Forderung nach Pressefreiheit oder Folterverbot).

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