was ist mit königsheil gemeint?

3 Antworten

mit "Königsheil" bezeichnete man die angestammte Heiligkeit der herrschenden Dynastie, eine göttliche Kraft die den Merowingerkönigen innewohnte und die nicht einfach zu ersetzen war. Dieses "Charisma" wurde von den Göttern verliehen (so der bei vielen germanischen Völkern verbreitete Glaube), hob den König und sein Geschlecht über alle anderen Menschen hinaus und verband ihn mit einer magisch-sakralen Sphäre. Der König führte das Heer - das Königsheil musste sich als Kriegsglück bewähren, als "Siegmächtigkeit". Es gab aber auch friedliche "Anwendungen": Gutes Wetter und reiche Ernten, Fruchtbarkeit. Der germanische König war Heer- und Sakralkönig zugleich, musste also Siegmächtigkeit und Fruchtbarkeitszauber in seiner Person vereinen. Das Charisma, so glaubte man, vererbte sich in der Königssippe von einer Generation zur nächsten - die Sippe des sagenhaften Königs Merowech hob sich daher einzigartig aus dem Volk der Franken heraus. In magischer Weise war das Charisma der Merowinger mit ihren Haaren verbunden: nur derjenige unter ihnen war regierungsfähig, der sich mit wallendem Haar dem Volk zeigen konnte (Parallelen zum biblischen Helden Samson). Der letzte Merowingerkönig Hilderich wurde auf Befehl des römischen Bischofs Stephan abgesetzt, man schnitt ihm Haare und Bart ab (Hilderich verlor damit sein Königsheil) und steckte ihn in ein Kloster.

Das hat mit dem sogenannten Gottesgnadentum zu tun und heisst, dass die Monarchie als etwas von Gott gegebenes betrachtet wurde. Der König hatte früher auch eine spezielle Rolle irgendwo zwischen Adel und Klerus. U.a. in Frankreich hat sich um das Königsheil sogar eine relativ komplizierte Krönungszeremonie entwickelt, bei der Gott durch ein Wunder zeigen sollte, ob er mit dem zukünftigen König einverstanden ist. Es heisst auch, dass es Könige gab, die (weil sie das Königsheil hatten) Kranke heilen konnten.

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