Was ist eigentlich Autismus, ist das schlimm Autist/in zu sein?

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5 Antworten

Hi du,

Autismus ist nicht gleich Autismus.
In den neuen medizinischen Klassifikationen wird es unter Autismusspektrum geführt.

Man kann nur "leicht merkwürdig" für andere sein.
Dann gibt es das Asperger-Syndrom, den frühkindlichen Autismus, den hochfunktionellen Autismus und den atypischen Autismus. Und natürlich alles dazwischen.

Autismus an sich ist dadurch gekennzeichnet, dass man eine andere Wahrnehmung und oder Wahrnehmungsverarbeitung hat. Man reagiert auf Reize (Geräusche, Berührungen, Licht, ...) manchmal empfindlicher oder unempfindlicher als jemand "neurotypisches". Darum sind Begegnungen mit Menschen oft unangenehm.
Auch kann man Probleme mit der Reizfilterung haben. Also nicht genau wissen, welche Reize jetzt gerade die wichtigen sind. Das macht Gespräche oder das Aufpassen in der Schule oder die Fahrt mit dem Schulbus extrem anstrengend.
Was auch ein Grund dafür sein kann, dass man Mittags gerne allein ist.
Viele halten Autisten für Gefühlskalt. Was sie aber nicht sind. Gefühle sind etwas, was mit Reizen zu tun hat, die man erst erkennen, sortieren und benennen muss. Auch sind sie für Autisten schwierig (nicht unmöglich und für manche einfacher) bei anderen zu erkennen.

Was den meisten Autisten (wie auch nicht Autisten) hilft, sind Regeln und Rituale. Wenn etwas immer gleich abläuft, braucht das nicht so viel Energie und man kann sich besser auf andere Sachen konzentrieren.

Wenn du eine Diagnose hast, dann stehen dir Hilfen zu. Z.B. Ergotherapie oder Psychotherapie, in denen du lernst mit deiner besonderen Wahrnehmung umzugehen.
Oder gehe zu Autismusgruppen in deiner Nähe.
Wenn du das nicht kannst, dann gibt es auch viele Foren im www.

Ich wünsch dir alles Gute!!!

Und es ist nicht schlimm Autist zu sein!
Jeder Mensch ist auf seine Art wertvoll für andere.

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Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklunsstörung, welche angeboren ist und nicht heilbar. Wegtherapieren kann man den Autismus selbst auch nicht, allerdings können gute Therapien (welche selten sind) durchaus hilfreich sein.

Autismus ist nur ein Überbegriff. Auch wenn man heute von Autismusspektrumsstörung hört, liest udn spricht, wird Autismus dennoch unterteilt in:

Asperger Syndrom

a-typischer Autismus

Kanner Syndrom
(der frühkindliche Autismus)- diese Form des Autismus unterteilt sich in den:

  • hochfunktionalen Autismus
  • mittelfunktionalen Autismus
  • niederfunktionalen Autismus

Autismus bzw. jede mögliche Diagnose aus dem Autismusspektrum verläuft heterogen- das bedeutet, dass jeder Autist anders ist. Jeder Asperger ist anders, jeder niederfunktionale Kanner-Autist usw., daher "Kennst Du einen Autisten, kennst Du einen Autisten"!

Es ist ja auch nicht jeder Intaliener wie der andere, jede Blondine, jeder Imker, jeder mit ADHS, einem gebrochenem Arm oder mit Nussallergie.

Autisten sind nicht nur die Summe der zur Diagnose führenden Symptome. Wie jeder andere mensch auch werden sie zusätzlich geprägt durch ihre Erziehzung, wo sie leben und wie, durch ihr Umfeld, Schule, Bildung,andere Diagnosen und Krankheiten, ...
Es kann auch vorkommen, dass zwei Asperger sich auch in der Art und in der Ausprägung ihrer symptome völlig voneinander unterscheiden. Wenn Du etwas liest/googelst findest Du auch schnell raus, das bei der Checkliste (den Diagnosekriterien) auch nicht alle da aufgelisteten Merkmale/Symptome erfüllt sein müssen, um diese Diagnose zu erhalten.

Wenn Dich das Thema interessiert, stelle da konkretere Fragen oder google einfach. Das Thema ist sehr komplex und extrem umfangreich. Es gibt viele Bücher zu diesem Thema- einige davon sind auch gut, viele Autisten haben auch selbst Bücher geschrieben, was vielleicht besser ist als ein reines Fachbuch, da Autisten nicht nur sachlich Autismus allgemein erklären- die Außensicht- wie Fachbücher es tun, wie es Fachleute tun- sondern sie beschreiben auch sehr gut diese Innensicht, wie es ist, Autist zu sein.

Ich habe das Asperger Syndrom und finde es nicht schlimm. Man wird so geboren, kennt kein anders, kein davor, so wie es bei Krankheiten der Fall ist oder nach einem Unfall und man plötzlich nicht mehr sehen kann, laufen oder sein komplettes Leben/Ernährung umstellen muss... Autismus löst auch keine Schmerzen aus...

Was schlimm ist, wie andere auf einen reagieren, wenn man nicht ist wie sie, wenn man anders ist... dann leidet man aber nicht an sich, an Autismus, sondern am verhalten anderer einen selbst gegenüber. Ich habe jedenfalls meine Diagnose/meinen Autismus nie dafür gehasst, wenn andere mich angegriffen haben.

Autismus zeigt sich bei jedem anders. Ein paar typische Anzeichen, die aber nicht bei jedem Autisten vorkommen müssen, sind:

  • Du bist überempfindlich auf manchen oder allen Sinnen, z.B. ist es dir schnell zu laut oder Berührungen tun dir weh.
  • Du kannst Reize schwer filtern, z.B. verstehst du den Lehrer schlecht, wenn hinter dir jemand quasselt.
  • Wenn du von Stress total überflutet wirst, geht dein Bewusstsein in "Notabschaltung".
  • Du kannst schwer Blickkontakt halten.
  • Bei Smalltalk redest du entweder zu wenig oder zu viel.
  • Du redest zu laut oder zu leise.
  • Du kannst nur über Themen reden die dich interessieren.
  • Dir geht es schlecht, wenn du bestimmte Dinge nicht jedesmal genau gleich machen kannst.
  • Du liebst Struktur und Muster. Immer gleiche Abläufe beruhigen dich.
  • Andere Kinder finden dich komisch, keiner will mit dir spielen.

Autist zu sein ist genauso okay, wie jeder Mensch okay ist. Du bist eben so.

Konzentrier dich auf das was du gut kannst. Um alles was du schlecht kannst, kannste dich herum drücken. So kannst du es schaffen, in ein paar Dingen extrem gut zu werden und später einen passenden Beruf zu finden.

Wenn dich die Menschen ärgern, geh in dein Zimmer oder in eine öffentliche Bücherei. Da hast du Ruhe vor Gesprächen. Wälder sind auch gut zum Entspannen.

Ein Autist ist eine Person, die Kontakt mit anderen Menschen ablehnt, auch innerhalb der Familie. 

Okay danke 🙄Hab Diagnose Autismus bekommen aber meine Eltern erklären mir das nie was das ist und naja es stimmt ich lehne Menschen komplett ab und geh nie unter Menschen, und vertrauw mich niemanden an!!!

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Na, das mit den Kontakt komplett ablehnen stimmt aber so nicht. Jedenfalls nicht immer.

Manche Autisten sind sogar sehr extrovertiert und haben einen großen Freundeskreis. Nur läuft der Kontakt auf anderen ebenen ab als bei Nichtautisten.

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Das stimmt echt nur bei einigen. Mein Bruder (16) ist Autist. Er könnte bis er 5 war nicht einmal sprechen, spricht mittlerweile aber wegen der Förderung meiner Eltern wie ein Radio. Er ist der beste große Bruder den ich mir vorstellen könnte! Er ist nicht stumpf oder meidet Menschen. Er trifft gerne neue Leute und ist das Gegenteil von schüchtern. Er wird zu Hause unterrichtet (Web-Individualschule) und macht bald den Hauptschulabschluss!
Nochmal zur Aussage oben: Generalisieren ist nicht gut, und zwar nie!

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Es kann schlimm sein, muss aber nicht. Die meisten Autisten haben Inseltalente und sind sodurch intelligenter als der Durchschnitt.

Das ist falsch. Autisten haben, wenn, dann Spezialinteressen und keine Inseltalente bzw. Begabungen. Das ist etwas völlig anderes. Manche der Menschen mit Inselbegabung haben zusätzlich auch Autismus, ca 50%, sodass das häufig miteinander verwechselt wird.

Dieser Artikel ist dazu interessant: https://aspergerfrauen.wordpress.com/2013/06/05/autismus-und-welche-inselbegabung-haben-sie/  

Es wird geschätzt, dass es weltweit 100 Menschen mit erstaunlicher Inselbegabung gibt. Wenn man sich ansieht, wie viele Menschen weltweit wahrscheinlich Autismus haben (Millionen) dürfte klar sein, dass bei 50 autistischen Savants (Inselbegabten) Autismus mit Inselbegabung von Haus aus nichts zu tun hat und zufällig zusammenfällt. 

Ferner sind viele Mitmenschen mit Autismus geistig behindert, auch wenn man vermutet, das gängige IQ-Test die wahre Intelligenz dieser Menschen oft nicht erfassen.  

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