warum kann man nicht genau sagen wann das mittelalter zu ende war?

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Eine Epoche ist wohl niemals etwas, das abrupt beginnt oder endet (sich also auf exakt eine Jahreszahl festlegen lässt).

Vielmehr handelt es sich immer um einen Prozess (über mehrere Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte), der dann wiederum die einzelnen Übergänge (zwischen den Epochen) kennzeichnet.

Das "Mittelalter" (das ja wiederum in drei Abschnitte unterteilt ist - über deren genaue Einteilung sich die Gelehrten bis heute ähnlich "uneins" sind) kann man vielleicht sehen als eine Art "Scharnier" (zwischen Antike und Neuzeit)

Und dabei gibt es sicherlich immer historische "Eckdaten" (als Zeitpunkte/Ereignisse, welche besonders markant sind, und damit etwas "einläuten" oder "ausklingen" lassen); trotzdem ändert das nichts an oben Genanntem. So (in etwa) würd´ ich es sehen...

..... weil mittelalterliches Denken – noch über das offizielle Ende des Mittelalters hinaus (um 1500) – in den Köpfen der Menschen präsent war und sich in verheerenden Aktionen nach außen hin manifestierte; z.B. die Hexenverfolgungen des 17. und 18. Jahrhunderts, die Inquisition gegen „freie“ Geister, die sich auf ihre Beobachtungen und Berechnungen und nicht allein auf die Bibel stützten (Galilei 1633, Giordano Bruno 1600, Kopernikus 1543, Keppler 1630). Manche nehmen an, das Mittelalter sei erst mit der Französischen Revolution 1789 zu Ende gegangen.

"Sturm und Drang" ist eine Epoche in Deutschland um 1775, in der das Gefühl gegen die Herrschaft des Rationalismus der Aufklärung rebellierte. Höhepunkte: Die Räuber, Kabale und Liebe, Die Leiden des jungen Werthers, Götz von Berlichingen, Sturm-und-Drang-Lyrik Goethes (Mailied, Prometheus).

Anm.: In 3 Wellen meldete das Gefühl seine Ansprüche (gegen den Geist der Aufklärung) an: Empfindsamkeit (Klopstock, Gellert), Sturm und Drang (Goethe, Schiller), Romantik. Die Klassik (Harmonie von Natur und Vernunft führt zur Humanität) war der Romantik auch zu vernunftbeherrscht. Auch sie stellte Natur, Freiheit, Gefühl, außerdem noch die Sehnsucht nach dem Unendlichen in den Mittelpunkt ihrer Dichtung; z.B. Heinrich von Ofterdingen (Novalis), Franz Sternbalds Wanderungen (Tieck).

Grob geschätzt wird das Mittelalter von 500 - 1500 angesetzt, jedoch ist sowohl der genaue Beginn das Ende ein Punkt vieler Diskussionen. In den meisten Fällen wird das Jahr 476 n. Chr. als Beginn des Mittelalters angesetzt. Als Ende wird oft das Jahr 1492 (Entdeckung Amerikas) angesehen, andere Quellen berichten vom Jahr 1517, dem Ausbruch der Reformation durch die 95 Thesen von Martin Luther. Epochen enden nicht abrupt, sondern durch historische Großereignisse, die eine neue Ära einläuten, in einem fließenden Übergang.

Das was Du ansprichst nennt man Periodisierung. Die taugt nur für Schulbücher. Weil die Zeitläufte eben fließend sind. Das hat u. a. das Lorbeerblatt sehr schön beschrieben. Es gibt Gegenden auf unserem Globus, da leben die Menschen praktisch noch in der Steinzeit, während woanders Atome gespalten werden. Betrachte nur mal das Phänomen "Bronzezeit" und wie langsam die sich ausgebreitet hat. Außerdem ist das ist auch nicht so wichtig. Es gibt nicht nur eine Geschichte, sondern viele. Und nicht alle sind miteinander verwoben. Die Zusammenhänge und Kausalitäten sind das Wichtige an der Geschichtswissenschaft. Nicht das auswendige Aufsagen von Daten. Wer nur Napoleons Siege und Niederlagen aufzählen kann, der weiß von Napoleon und seiner Zeit gar nichts, der hat von der Historie nichts verstanden.

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