folter im mittelalter

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Folter wird wohl nie ein Ende haben! Den Menschen fällt immer wieder was Neues ein.

Im Mittelalter wurde die Folter nicht abgeschafft, sondern war allgemein anerkannt. Die Hexenprozesse bspw. sind ja großteils spät- bis nachmittelalterlich, im 15. / 16. / 17. Jhdt., geführt worden. Meines Wissens wurde Folter erst ab der Aufklärung (ab 18. Jhdt.) in Frage gestellt, zuvor höchstens von einigen isolierten Gruppierungen.

Teil 4: Als ein Beweismittel an Stelle des Zeugen- oder des einfachen Eidbeweises tritt im germanischen, besonders im fränkischen Prozeß nicht selten das magische Verfahren des berufenen Gottesurteils ein. Man greift dazu bei einer Zeugen-, Eides- oder Urteilsschelte, besonders in einem Meineidsprozeß, ferner bei mangelnder Eidfähigkeit (der Frauen und Unfreien) oder zu feierlichster Beweisung. Christlich gedacht, sucht man hierbei eine Entscheidung der Schuldfrage durch ein wunderbares, von Gott gesandtes Zeichen.

Aus dem 9. bis zum 13. Jh. sind zahlreiche liturgische Formeln erhalten, die diese Gottesgerichte erläutern. Sie stellen sich gerade als ein Kampf mit bösen Dämonen dar, die den Verbrecher beherrschen und von Tugend und Wahrheit abhalten. Alle Waffen der Kirche müssen zu solcher Teufelsaustreibung helfen. Durch Fasten und Gebet bereiten sich Priester und Angeklagter, ja alle Mitwirkenden vor. Eine Messe (mit Abendmahl) vollendet die innere Reinigung.

Folgende Arten haben sich allmählich herausgebildet: I. Feuerproben: Der Unschuldige bleibt wunderbarerweise ohne Brandwunde, obwohl er entweder die Hand oder den Leib dem Feuer selbst preisgibt (a) oder den Arm in kochendes Wasser taucht (b) oder glühendes Eisen tragend (c) oder beschreitend (d) berührt. II. Wasserproben: Der Unschuldige, an Händen und Füßen gebunden, sinkt unter, während das Wasser den Unreinen, Schuldigen ausstößt, schwimmen macht. III. Speiseproben: Der Unschuldige wird durch Einnahme einer besonders geheiligten Speise nicht geschädigt, in Europa entweder Brot und Käse (a) oder Hostie (b). IV. Mannigfache Losproben. Diesen "einseitigen" Gottesurteilen, die nur den Angeklagten treffen, steht als "zweiseitiges" Gottesurteil. V. Der Zweikampf zwischen Kläger und Beklagtem oder den Vertretern gegenüber, der aus der Einzelfehde vor Gericht sich auch zum Gottesurteilsverfahren gewandelt hat, der Kirche stets besonders verhaßt, während diese sich sonst nicht immer entschieden überall von den Gottesurteilzaubern ferngehalten. Deren Ursprung ist nicht eigentümlich germanisch, aber auch nicht in fremdem, etwa orientalischem Einfluß zu suchen.

Gottesurteilhafte Handlungen kennen alle Völker der Erde auf einer gewissen Kulturstufe. Es liegen ihnen, von jedem höheren Gottesglauben unabhängig, uralte Zwingzauber zugrunde, die durch ein meist widernatürlichen Zeichen Schuld oder Unschuld eines für ein Unrecht Verdächtigen feststellen wollen, verchristlicht zu Wunderzeichen der göttlichen Gerechtigkeit; solche magische Methoden der Verbrecherverfolgung sind zweifellos auch den Germanen ureigen, zum Teil wohl als indogermanisches Erbgut. Zu Gottesurteilen geworden, haben sie sich bis heute im Kampf gegen Dieb und Diebstahl im deutschen Aberglauben erhalten.

Dieser kennt neben jenen berufenen auch unberufene Gottesurteile, die ungesucht erscheinen: I. als anklagende Schuldzeichen, Lebensäußerungen des Ermordeten, so das Blutfließen der Wunde bei der sog. Bahrprobe (Glauben an den "lebenden Leichnam"); 2. als rechtfertigende Unschuldzeichen, Lebensäußerungen des (unschuldig!) Hingerichteten, so das Sprießen eines Seelenbaumes, das Stabwunder. Die Bahrprobe ist in Deutschland im 12/14,. Jh. auch noch zum berufenen Gottesurteil geworden.

Ich denke, alle haben Recht, aber wolltest Du wirklich darauf hinaus? Oder meintest Du beispielsweise mehr in Hinblick auf die Inquisition?

Das ist noch lange nicht zu Ende, auch heute wird noch gefoltert, dass die Schwarte kracht. Meinst du in Deutschland?

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