Warum brauchen wir Wirtschaftswachstum?

8 Antworten

Wirtschaftswachstum braucht man doch nicht unbedingt! Wachstums braucht die herkömliche Wirtschaftspolitik vor allem dann, um Mehr Wohlstand zu erzeugen, wenn die Verteilungsmechanismen einer Volkswirtschaft nicht mehr greifen.

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Z.B. erhofft man sich in Ostdeutschland durch Wachstum die Arbeitslosigkeit zu überwinden uder in Entwicklungsländern die Massenarmut... oder wenn sich sonst irgendwo ein soziales Loch auftut. Auch entspricht das Wachstumsstreben der menschlichen Gier nach mehr Geld und Macht, was voll der kapitalistischen Philosophie entspricht.

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Aber: Bei einer auf hohem Wohlstandsniveau kann auch eine schrumpfende Bevölkerung für mehr Wohlstand für den Einzelnen ("Erbengeneration") sorgen, ohne dass dabei ein Wirtschaftswachstum nötig wäre. Denn die Erbschaften werden dann auf die zahlenmähsig geringe Anzahl der Erben verteilt. Dann kann der Wohlstand für den Einzelnen oder gar für die ganze Gesellschaft auch ohne Wirtschaftswachstum steigen!

Daß bei hohem Wachstum immer mehr verteilt werden kann, ohne daß es anderen weggenommen werden muß, macht den Wachstumsgedanken für viele Politiker interessant. Einen losen Zusammenhang zwischen Wachstum und Rückgang der Arbeitslosigkeit gibt es zwar, aber Arbeitsplätze können nur Unternehmer schaffen. Die Gier wird vom Marktwirtschaftlichen System ausgenutzt. Das System lenkt die Verteilung und Investitionen jedoch dahin, wo der größte Nutzen erwartet wird. Die Aussage, daß bei einer schrumpfenden Bevölkerung Wachstum möglich ist, ist zwar nicht grundsätzlich falsch, aber eher sehr unwahrscheinlich, denn verteilt werden kann nur das, was auch tatsächlich erzeugt wird (unabhängig vom Geld und dem Erbe).

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Wachstum ist im vorherrschenden Wirtschaftssystem aus verschiedenen Gründen notwendig:

1) "Mehr ist besser" Mentalität: Die Bedürfnisse der Menschen sind grundsätzlich unendlich. Das führt dazu, dass gleichbleibende Verhältnisse rasch als nicht mehr zufriedenstellend wahrgenommen werden und das Verlangen nach mehr entsteht.

2) Bevölkerungswachstum: Solange die Bevölkerung wächst, muss auch die Wirtschaft mindestens in gleichem Masse wachsen, damit der aktuelle Lebensstandard weiter erhalten werden kann. Wächst die Wirtschaft weniger schnell als die Bevölkerung, müssen sich immer mehr Leute eine verhältnismässig kleinere Menge an Ressourcen teilen, wodurch der Wohlstand sinkt.

3) Vermögensverteilung: Wenn die Wirtschaft wächst, ist es (theoretisch) einfacher möglich, die Vermögensverteilung in der Gesellschaft ausgeglicherer zu gestalten. Bildlich gesprochen ist es einfacher, die zusätzlichen Teile eines grösseren Kuchens neu zu verteilen, als jemandem ein bestehendes Kuchenstück wegzunehmen.

4) Technologische Entwicklungen: Wenn die Wirtschaft wächst, kann auch mehr geforscht und in neue Entwicklungen investiert werden. Auf diese Weise können für die Gesellschaft wertvolle Technologien entwickelt werden, die Wert schaffen und im Idealfall gleichzeitig die negativen Auswirkungen der Wirtschaft abschwächen (z.B. Elektroautos)

Alle diese Punkte sind hier noch ausführlicher beschrieben: http://principles-of-economics-and-business.blogspot.de/2014/10/basic-principles-of-economics-economic.html

Auf volkswirtschaftlicher Ebene ist immer mindestens ein reales (vom absoluten Wachstum die Inflationsrate abgezogenes) Nullwachstum nötig, sonst entsteht eine Deflation. Dann versagen dann vorübergehend die marktwirtschaftlichen Steuerungsmechanismen. Eine solche Krise versucht man über die Geldpolitik der Notenbanken zu verhindern.

Davon zu unterscheiden ist die betriebswirtschaftliche Ebene, wo ein Unternehmen immer mit billigerem Fremdkapital seine Investitionen finanziert. Um den Zins zu erarbeiten, muß es Gewinne (=Verzinsung des eingesetzten Kapitals) erzielen. Dies ist langfristig nur über Wachstum erzielbar, da die Preise im Wettbewerb langfristig sinken. Es wird immer Unternehmen geben, die wachsen und andere, die schrumpfen.

Auf volkswirtschaftlicher Ebene sieht es nicht soviel anders aus: auch hier müssen die Zinsen erwirtschaftet werden (Stichwort Geldschöpfung, Fiat Geld). Es sind letztlich Zinsen und Geldschöpfgung, die den Wachstumszwang antreiben, mithin das Geldsystem, das langfristig auf einer mathematischen Unmöglichkeit basiert (endloses exponentielles Wachstum).

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Es gibt keinen Grund weshalb Ökonomien ein Wachstum brauchen. Allerdings entspricht es einfach der Erwartungshaltung der Menschen, das sich ständig irgendwas verbessert. Und auch die Politik hat ein Interesse daran, da sie somit Gruppen die sich benachteiligt fühlen befriedigen kann. Durch Wachstumsprozesse kann man man diesen Gruppen mehr Wohlstand zukommen lässt, ohne anderen etwas wegnehmen zu müssen.

Allerdings stehen wir momentan an dem Punkt an dem die Bevölkerungszahl sprunghaft ansteigen wird. Von 7 auf 10 Milliarden in den nächsten 20 Jahren. Da diese 3 Milliarden Menschen hauptsächlich auf der armen Seite kommen, benötigt man gigantisches Wachstum um diese Menschen irgendwie den Wohlstand zukommen zu lassen wie wir ihn haben. Aber auch unsere Gesellschaft, also die reichen Industrienationen, wollen immer mehr Wohlstand.

Aber die grundlegende Frage ist, ob dieses Wachstum überhaupt möglich ist. Dem Wachstum sind eben Grenzen gesetzt. Erstens die Lebensqualität der Menschen. Sollten alle Menschen ständig arbeiten müssen, können sie auch nicht mehr die Früchte dieser Arbeit ernten. Und zweitens: Die Ressourcen. Die Ressourcenknappheit bekommt die Menschheit gerade zu spüren, wir befinden uns momentan an deren Limit, am Anschlag quasi.

Also können wir nur ein Wachstum haben, welches die Menschheit sozial und die Natur physisch aushält.

Wir müssen eine Wirtschaftfassung kreieren, welche gleichzeitig die Natur schützt und sozial gerecht ist.

In den USA sinken seit gut 20 Jahren trotz Wirtschaftwachstum die Realeinkommen. In Deutschland werden Sozialleistungen zusammengestrichen, Schwimmbäder geschlossen etc. und das obwohl das währeungsbereinigte BSP gut doppelt so hoch ist, wie vor 25 Jahren (grobe Schätzung). Wo bleibt der steigende Wohlstand? Wo ist er hin? Wir sind in der Tat am Anschlag - die wirkliche Welt (Natur, Kultur) kann nicht mithalten mit dem ewigen Wachstum der virtuellen (Geld-) Welt.

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Laut Professor Binswanger ("die Wachstumsspirale", "Glaubensgemeinschaft der Ökonomen") gibt es den Wachstumszwang aufgrund der Fiat Geldschöpfung. Der Großteil der Wirtschaft ist kreditbasiert. Banal gesagt: bevor ich Geld verdienen kann, muß ich Geld investieren. Das hab ich aber zunächst nicht, also leihe ich es mir von der Bank. Die aber kann zum einen mehr Geld verleihen, als sie hat, und zum anderen erhebt sie Zinsen. Diese Zinsen sind (negatives) Geld, das aus dem Nichts entsteht. Das Ganze nennt man Geldschöpfung. Das bedeutet, die Wirtschaft muß insgesamt mindestens den Betrag der Zinsen für aufgenommene Kredite zusätzlich erwirtschaften, um +- Null dazustehen. Es gibt noch andere Gründe, aber ein wesentlicher Grund für den Wachstumszwang liegt im zinsbasierten Geldsystem. Die Welt rennt sich die Hacken ab, um Geld zurückzuzahlen, daß aus dem Nichts entsteht, ohne daß dabei zwangsläufig für den einzelnen mehr Wohlstand entsteht.

Ansonsten ist dauerhaftes exponentielles Wirtschaftswachstum eine mathematische Unmöglichkeit. Eine klassische gesamtgesellschaftliche Selbstlüge (in diesem Falle gar eine globale).

Interessant ist noch etwas anderes: laut einer kürzlichen weltweiten Untersuchung steigt die Zufriedenheit der Menschen in einem Land mit steigendem Bruttosozialprodukt an - aber nur, bis etwa 20.000 US$ pro Kopf erreicht sind. Darüber hinaus fällt sie wieder. Geld alleine macht also wohl doch nicht glücklich...

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